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Ökologischer Landbau in Niedersachsen

Diplomarbeit 2004 94 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Tabellenverzeichnis

IV. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau und Methodik
1.3 Definition von Ökologischem Landbau

2. Darstellung der Rahmenbedingungen
2.1 Naturräumliche Rahmenbedingungen der Landwirtschaft in Niedersachsen
2.2 Die Entwicklung des Ökologischen Landbaus
2.3 Gesetzliche Ausgangslage
2.3.1 EU-Politik
2.3.2 Förderung durch den Bund
2.3.3 Förderpolitik des Landes Niedersachsen
2.4 Organisationsstruktur der Akteure

3. Vermarktung von Öko-Produkten
3.1 Wandel der Konsumenteneinstellung
3.2 Motive und Kaufbarrieren für den Erwerb von Öko-Lebensmitteln
3.3 Entwicklung der Preisbereitschaft und der Nachfrage
3.4 Entwicklung des Angebotes und der Preise
3.5 Vertriebskonzepte

4. Negative externe Effekte der konventionellen Landwirtschaft
4.1 Umweltbelastungen
4.1.1 Auswirkungen auf den Boden
4.1.2 Schadstoffemissionen in der Luft
4.1.3 Einfluss auf die Wasserqualität
4.1.4 Zerstörung der Biodiversität
4.2 Auswirkungen auf die Gesellschaft
4.3 Monetäre Bewertung der externen Kosten
4.4 Verbesserungspotential durch den ökologischen Landbau

5. Hypothesen zur Entwicklung des Ökologischen Landbaus

6. Empirische Untersuchung der Umstellungsmotive und der Auswirkungen der Umstellung
6.1 Aufbau und Vorgehensweise der Untersuchung
6.2 Auswahl der Betriebe und Datengrundlage
6.3 Konzeption des Fragebogens und Durchführung der Befragung
6.4 Auswertung der Ergebnisse
6.4.1 Betriebsstruktur der befragten Betriebe
6.4.2 Motivation der Betriebsleiter
6.4.3 Vertriebsstruktur
6.4.4 Wertung der Subventionspolitik
6.4.5 Erfahrungen bei der Umstellung
6.4.6 Ökonomische Auswirkungen
6.5 Überprüfung der Hypothesen und Ergebnisse der Erhebung

7. Trendprognose und Zukunftsaussichten
7.1 Relevante Variablen
7.2 Trendprognose
7.3 Konsequenzen für die Akteure

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang

II. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Bodenwertzahlen in Niedersachsen

Abb. 2: Betriebsgrößen in Niedersachen 1999 in ha

Abb. 3: Entwicklung der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in Niedersachsen

Abb. 4: Entwicklung der ökologisch bewirtschafteten Flächen in Niedersachsen

Abb. 5: EU-Label

Abb. 6: Die Preisbereitschaft bei ökologischen Lebensmitteln

Abb. 7: Distributionswege für Öko-Lebensmittel

Abb. 8: Umstellungszeitpunkt

Abb. 9: Selbsteinschätzung der Landwirte

Abb. 10: Anteil des Ab-Hof-Verkaufes

Abb. 12: Änderung der Ertragssituation

Abb. 13: Änderung der Arbeitskräfte

Abb. 14: Einflussvariablen einer Umstellung

Abb. 15: Schematische Darstellung der Entwicklungstendenz

III. Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Prämienhöhe für den ökologischen Landbau in der BRD

Tab. 2: Prämien in Niedersachsen

Tab. 3: Verbände der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland

Tab. 4: Gründe für den Kauf von Öko-Lebensmitteln

Tab. 5: Entwicklung der durchschnittlichen Verkaufserlöse für Produkte aus ökologischem Anbau

Tab. 6: Grenzwerte für Schwermetalle in Düngemitteln

Tab. 7: Zuordnung der Fragen

Tab. 8: Durchschnittliche Größenstruktur nach Betriebsformen

Tab. 9: Arbeitskräfte nach Betriebsformen

Tab. 10: Preisaufschlag von Öko-Produkten gegenüber konventionellen Produkten

Tab. 11: Einschätzung der Subventionen

Tab. 12: Einschätzung der Subventionsentwicklung

Tab. 13: Erfahrungen in der Umstellung

Tab. 14: Beurteilung der Beratungsqualität

Tab. 15: Erfahrungen hinsichtlich der Umstellungsgeschwindigkeit

Tab. 16: Veränderung der Flächenausstattung

Tab. 17: Änderung der Maschinenausstattung

Tab. 18: Motive zur Umstellung

IV. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die zunehmende Diskussion über die Nachhaltigkeit unseres Handelns hat auch die Landwirtschaft erfasst und zu der Forderung einer umweltgerechten und nachhaltigen Nutzung in der Landwirtschaft geführt. Gesundheit, Verbraucherschutz und die Sicherung der Lebensmittelqualität rücken zudem immer mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

Die Agrarproduktion hat sich in den letzten Jahrzehnten durch die Ausrichtung der Agrarpolitik und den technischen Fortschritt stark verändert. Daraus folgte eine Intensivierung und Spezialisierung der Landwirtschaft mit einer hohen Produktivität, aber auch mit negativen Folgen für die Umwelt durch erhöhten Nährstoffeintrag und Pflanzenschutzmittel. Hier scheint die Umstellung der landwirtschaftlichen Betriebe auf einen ökologischen Landbau eine praktikable Alternative zu der konventionellen Landbewirtschaftung zu sein und eine nachhaltige Nutzung der agrarischen Produktionsbasis zu ermöglichen. Denn moderne Landwirtschaft bedeutet nicht nur die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, sondern in zunehmendem Maße eine nachhaltige Bewirtschaftung und der schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen.

Der ökologische Landbau sorgt mit seinen Produkten für die sichere und gesunde Ernährung der Bevölkerung und wirkt ausgleichend auf das Gefüge von Flora und Fauna. Die Aufgaben der modernen Landwirtschaft sind vielfältiger Natur und reichen von der Versorgungsfunktion mit Lebensmitteln über die Rohstoffbeschaffung bis zur Kultivierung des Naturraumes und dessen Fortbestand. Wichtig für eine dauerhafte Bewirtschaftung in einer nachhaltigen und ökologischen Landwirtschaft ist aber in erster Linie der wirtschaftliche Erfolg der Landwirte, welche als gewinnorientierte Unternehmen agieren. Denn auch bei ökologischen Zielen muss ökonomisch gehandelt werden, um eine höchstmögliche Effizienz des angestrebten Zieles und somit eine Schonung der Ressourcen zu erreichen.

Das primäre Ziel muss die Integration von Landbewirtschaftung und Umweltgestaltung sein, um so die Produktion und die ökologischen Aspekte zu berücksichtigen. Die Kombination wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Aufgaben bringt für den Landwirt die Verantwortung für die Gestaltung und Pflege des Bodens.1

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Umstellung auf den ökologischen Landbau in Niedersachsen zu untersuchen. Befragungen der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in Niedersachsen dienen durch Bestimmung der Umstellungsmotivation und der finanziellen Auswirkungen zur Abschätzung des Potentials für die Entwicklung des ökologischen Landbaus und dessen ökonomischen Folgen. Die Motivation zur Umstellung auf ökologischen Landbau hängt im Wesentlichen von den zukünftigen Erwartungen hinsichtlich des betriebswirtschaftlichen Erfolges der Landwirte ab. Daher ist die subjektive Einstellung der Betriebsleiter eine wichtige Determinante für eine Umstellungsüberlegung. Es sollen die verschiedenen Anreize zur Umstellung analysiert und in ihrer Priorität festgelegt werden. Des Weiteren sollen die externen Effekte einer ökologischen Landwirtschaft monetarisiert und dadurch die Subventionen und deren Entwicklung erklärt werden.

Ziel ist es, in einem Gesamtmodell die zukünftige Entwicklungstendenzen des ökologischen Landbaus und dessen ökonomischen Auswirkungen für die Zukunft zu projizieren.

1.2 Aufbau und Methodik

Zunächst wird der Untersuchungsgegenstand dieser Diplomarbeit näher abgegrenzt durch die Definition und Diskussion der hier verwendeten Begrifflichkeit des ökologischen Landbaus und die geographische Einordnung des Untersuchungsgebietes. In Kapitel 2 werden zuerst die Rahmenbedingungen näher dargestellt. Dazu gehören neben den naturräumlichen Gegebenheiten in Niedersachsen auch der gegenwärtige Stand des ökologischen Landbaus und dessen historische Entwicklung. Durch die staatlichen Förderungen werden sowohl ein gesetzlicher Rahmen als auch ein finanzieller Anreiz geschaffen. Die Organisationsstruktur und die jeweiligen Beratungsleistungen der verschiedenen Anbauverbände sind Ausgangspunkt für die meisten Umstellungsgedanken und daher zu den Rahmenbedingungen zu zählen.

Die Zukunftsaussichten anhand der Marktentwicklung für ökologische Produkte werden in Kapitel 3 beleuchtet. Dabei soll der Preis für Öko-Produkte und dessen Verlauf anhand der Nachfrage und des Angebotes als wichtige Determinante für den wirtschaftlichen Erfolg der Landwirte untersucht werden.

In Kapitel 4 werden die externen Auswirkungen der Landwirtschaft erläutert und durch deren Quantifizierung und Monetarisierung ein Erklärungsansatz für die Gewährung von Subventionen geschaffen. Dadurch soll ein Vergleich der Auswirkungen von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft ermöglicht und die resultierenden Folgekosten zugeordnet werden.

Die aus den vorangegangenen Kapiteln gewonnenen Erkenntnisse werden in Kapitel 5 in Hypothesen zur Umstellung zusammengefasst, welche dann im Hauptteil in Kapitel 6 verifiziert bzw. falsifiziert werden sollen. Dies geschieht durch eine empirische Erhebung unter 420 ökologisch wirtschaftenden Betrieben der Anbauvereinigung Bioland e.V. in Niedersachsen.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung und der vorangehenden Kapitel werden in Kapitel 7 zu einem Erklärungsmodell zusammengefasst. Darauf aufbauend soll die Bildung eines Zukunftsszenarios die weitere Entwicklung des ökologischen Landbaus in Niedersachsen beleuchten.

1.3 Definition von Ökologischem Landbau

Der Begriff Ökologie stammt von dem griechischen Wort oikos, „das Haus“, ab und bezeichnet die Wissenschaft der Wechselbeziehungen der Organismen untereinander.2 Eng mit der Ökologie verbunden ist die Ökonomie, da die wirtschaftliche Entwicklung zu einer Konfrontation mit der Natur geführt hat. Durch die Naturzerstörung bei der Produktion wächst der Grenznutzen der Umwelt und damit steigen auch die Grenzkosten der Produktion an.3

„Als Landwirtschaft bezeichnet man die geplante und gelenkte Nutzung der biologischen Erzeugungsfähigkeit von Pflanzen und Tierbeständen zum Zwecke der Versorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen.“4 Landwirtschaft ist dabei neben Gartenbau, Weinbau, Forst- und Holzwirtschaft und der Fischerei ein Teil der Agrarwirtschaft, welche zu dem primären Sektor zählt.5 Diese Arbeit bezieht sich nur auf die Landwirtschaft im engeren Sinne, das heißt, ohne die Forstwirtschaft und die Fischerei.

Der Hauptgedanke des ökologischen Landbaus ist das Wirtschaften im Einklang mit der Natur. Dabei soll der Stoffkreislauf innerhalb des Betriebes weitgehend geschlossen sein. Der landwirtschaftliche Betrieb wird als geschlossene Einheit aufgefasst, der aus den Produktionsfaktoren Boden, Arbeitskraft, Pflanzen und Tiere besteht. Besonderer Wert wird auf die Erhaltung und den Schutz der beteiligten Faktoren gelegt, insbesondere im Hinblick auf den Bodenschutz, den Gewässerschutz, den Artenschutz und den Tierschutz.6 Eine nachhaltige ökologische Landwirtschaft setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, so dass eine Gesamtbetrachtung aller Auswirkungen erfolgen muss. Teile hiervon sind ethische Gesichtspunkte im Hinblick auf den Tierschutz, die Erhaltung der biologischen Vielfalt in unserer Natur, und die Schonung der vorhandenen Ressourcen unter Berücksichtigung der ökonomischen Bedingungen und der Verantwortung für eine ausreichende Nahrungsproduktion.7 „Eine nachhaltige Landwirtschaft ist ökologisch tragfähig, ökonomisch existenzfähig, sozial verantwortlich, ressourcenschonend und dient als Basis für zukünftige Generationen.“8 Der ökologische Landbau unterscheidet sich in vielfacher Hinsicht von anderen landwirtschaftlichen Verfahren, da dem Boden die Nährstoffe überwiegend durch Aufbringen landwirtschaftlicher Abfälle wieder zugeführt werden. Der ökologische Landbau nutzt die natürlichen Systeme der Schädlings- und Seuchenbekämpfung und vermeidet den Einsatz von synthetischen Pestiziden, Herbiziden und chemischen Düngemitteln.

Diese Arbeit erfolgt auf Grundlage der Eingrenzung der ökologisch wirtschaftenden Betriebe nach der Definition der EU-Verordnung Nr. 2092, welche die Grundlage für Fördermaßnahmen ist. Dort ist u.a. die Düngung, Lagerung, Verarbeitung und die Schädlingsbekämpfung genau geregelt. Das sind Punkte, welche auf den Grundsätzen der AGÖL (Arbeitsgemeinschaft für ökologischen Landbau) aufbauen, deren Hauptziel das Wirtschaften in geschlossenen Kreisläufen ist. Dies manifestiert sich in den folgenden Zielen:9

- Weitgehend geschlossener Betriebskreislauf
- Erhaltung und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit
- Nutzung der natürlichen Regelmechanismen
- Weitgehende Schonung natürlicher Ressourcen
- Energieeffiziente Produktion
- Flächengebundene Tierproduktion
- Berücksichtigung ethischer Gesichtspunkte in der Tierhaltung
- Erzeugung hochwertiger und gesunder Lebensmittel bei bewusstem Verzicht auf Höchsterträge.

Im weiteren Verlauf werden mit ökologischem Landbau alle Betriebe bezeichnet, welche die o.g. Richtlinien beachten und die Mindestanforderung zur Förderung des ökologischen Landbaus erfüllen. Ausgenommen von dieser Untersuchung sind Betriebe, welche zwar nach den o.g. Richtlinien gefördert werden, aber nur den Charakter eines Nebenerwerbes aufweisen. Die entsprechenden Kriterien für die Förderung werden in Kapitel 2 eingehender erläutert.

2. Darstellung der Rahmenbedingungen

Der moderne Landwirt muss zur erfolgreichen und gewinnbringenden Produktion die ihm gebotenen Möglichkeiten ausschöpfen. Daher ist er gezwungen, seine Produktion nach den naturräumlichen Voraussetzungen, der Marktnachfrage, den gesetzlichen Bestimmungen sowie den finanziellen Anreizen durch Subventionen zu gestalten. Dabei muss er wirtschaftlich und gewinnorientiert handeln und mit kostendeckenden Verfahren ein ausreichendes Einkommen erzielen.

Den Referenzwert hierfür liefern die Einkommen aus der industriellen Produktion und des Dienstleistungssektors. Da die ökologischen Funktionen nicht oder nur in begrenztem Umfang berücksichtigt werden, müssen die Landwirte meist die Produktivität zu Lasten des ökologischen Zustandes erhöhen.10

2.1 Naturräumliche Rahmenbedingungen der Landwirtschaft in Niedersachsen

Das Bundesland Niedersachsen ist mit einer Gesamtfläche von 47.616 km2 das zweitgrößte und mit 7,956 Millionen Einwohnern das viertbevölkerungsreichste Land der Bundesrepublik Deutschland (2001).11 Landwirtschaftlich genutzt werden davon 29.249 km2, welche durch 3,6% der Erwerbstätigen bewirtschaftet werden.12 Niedersachsen lässt sich in vier naturräumlichen Regionen einteilen, die ein sehr unterschiedliches Nutzenpotential für die Landwirtschaft aufweisen. Durch ihre Bodenbeschaffenheit unterscheiden sich die Gebiete des Küstenlandes, der Geestgürtel, die Bergvorlandzone und die Weser-Ems-Region. In der nachfolgend abgebildeten Grafik werden die unterschiedlichen Bodenqualitäten anhand der Bodenwertzahlen dargestellt. Die in einer Skala von 0 bis 100 ausgedrückten Werte beschreiben das Potential für die landwirtschaftliche Nutzung, wobei 100 für einen sehr guten Boden steht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Bodenwertzahlen in Niedersachsen

Quelle: o.V.: Bodenwertzahlen in Niedersachen 1999

Im Norden liegt das Küstenland mit seinen Watten und Marschen; die junge Marsch am Deichrand ist durch ein hohes Nährstoffangebot gekennzeichnet und eignet sich sehr gut für den Ackerbau, wohingegen die küstenfernere alte Marsch vorwiegend von Grünland dominiert wird. Als Ausnahme der vorwiegenden Nutzungsform der Marschen ist das Alte Land an der Elbe zu sehen, welches durch intensiven Obstanbau geprägt ist.13 Insgesamt sind in diesem „nassem“ Gebiet überwiegend kleinere Betreibe mit Milchviehhaltung beheimatet.14

Daran anschließend verläuft in einem breiten Gürtel die Geest, welche ca. 75% der Gesamtfläche bedeckt. Dieses landwirtschaftlich weniger günstige Gebiet ist charakterisiert durch Grünlandniederungen, Ackerflächen und Wälder. Dabei nimmt der Grünland-Anteil von Norden nach Süden zu Gunsten der Waldflächen ab.15

Weiter südlich schließen sich die Bergvorlandzone und das Hügelland mit ihren für den Ackerbau prädestinierten Lößböden an. Dieser Boden ist ein guter Wasserspeicher und verfügt über einen hohen Anteil an Mineralien. Er ist daher ein idealer Ackerboden, auf dem anspruchsvolle Feldfrüchte mit höchstem Ertrag angebaut werden können.16 In diesem traditionell von Großbetrieben dominierten Gebiet der Heide und im Umland von Braunschweig sind insbesondere Marktfruchtbetriebe beheimatet, welche die fruchtbaren Böden in der Ostheide und südlich des Mittellandkanals zum Anbau von Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben und Raps nutzen.17

In der Weser-Ems-Region betreiben die Veredelungsbetriebe überwiegend die Mast von Schweinen und Geflügel. Die Veredelungsregion Weser-Ems ist heute die wichtigste Agrarregion Niedersachsens. Hier wird ca. 40% der landwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung Niedersachsens erzielt.18 Nach Süden hin wird Niedersachsen durch den waldreichen Harz mit seiner ausgeprägten Forstwirtschaft begrenzt. Insgesamt lässt sich eine Dreiteilung der landwirtschaftlichen Nutzung feststellen, welche von den Futterbaubetrieben dominiert wird. Dabei ist ein Nord-Süd-Gefälle mit der als Milchregion ausgeprägten Küstenregion, der südwestlich daran anschließenden

Veredelungsregion mit ihren Mastzuchtbetrieben und den südlichen Marktfruchtbetrieben zu erkennen.19 Diese verschiedenen Betriebstypen spiegeln sich auch in den Betriebsgrößen wieder, die in den durch den Marktfruchtbau gekennzeichneten Betrieben mit am höchsten sind und zu den Milchregionen im Norden abnehmen. Die folgende Grafik zeigt eine Steigerung der Betriebsgrößen von Westen nach Osten hin.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Betriebsgrößen in Niedersachen 1999 in ha

Quelle: o.V.: Betriebsgößen in Niedersachsen

2.2 Die Entwicklung des Ökologischen Landbaus

Der moderne ökologische Landbau als Antwort auf die Industrialisierung der Landwirtschaft wurde bereits 1924 von Rudolf Steiner durch einen Vortrag über biologisch-dynamische Wirtschaftsweise begründet. Dessen anthroposophisches Naturhaushaltkonzept umfasste neben der stofflich-physikalischen Ebene aber auch eine „übersinnliche“ Ebene. Darauf aufbauend entstand die erste Verwertungs- und Vermarktungsgesellschaft Demeter.20 Allerdings war diese Betriebsform bis in die 80er Jahre vor allem durch die Reaktion idealistischer Bauern geprägt, welche durch die Rückbesinnung auf die alten Werte dem Druck der Industrie zu entkommen versuchten und eine Marktnische besetzten.

In Deutschland wurde der ökologische Landbau seit 1989 auf Grundlage des EG- Extensivierungsprogramms (Verordnung (EWG) Nr. 4115/88) über Flächenprämien gefördert. Dadurch kam es zu einem deutlichen Anstieg der ökologisch wirtschaftenden Betriebe mit einer starken Angebotsausweitung in einem noch sehr kleinen Marktsegment.

Ab 1994 war die EG-Verordnung 2078/92 zur Förderung umweltgerechter und den natürlichen Lebensraum schützenden landwirtschaftlichen Produktionsverfahren die Grundlage für ein abgeändertes Förderverfahren.21

Ende 2002 wurden in der BRD bereits 696.978 Hektar von 15.626 Betrieben ökologisch bewirtschaftet. Der Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Fläche betrug damit 4,1%, bewirtschaftet von 3,6% der Gesamtbetriebe. Dies entspricht einem Wachstum von ca. 10% gegenüber 2001.22 In Niedersachsen gab es Ende 2002 bereits 991 Betriebe, die eine Gesamtfläche von 51.989 Hektar bearbeiteten. Auf der nachfolgenden Grafik ist die Entwicklung der Betriebszahlen und der bewirtschafteten Fläche dargestellt. Erst ab dem Jahr 2000 ist wieder ein deutlicher Wachstumsschub zu verzeichnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Entwicklung der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in Niedersachsen

Quelle: Eigene Darstellung nach o.V.: Entwicklung der ökologisch wirtschaftenden Betriebe in Niedersachsen

Die durchschnittlich bewirtschaftete Fläche entwickelte sich analog zur Anzahl der

Betriebe, nur im Jahr 1997 gab es eine deutliche Ausweitung der Fläche bei nahezu konstanter Betriebszahl, wodurch sich die Flächenausstattung je Betrieb von ca. 35 ha im Jahr auf ca. 52 ha im Jahr 2002 gesteigert hat.

Abb. 4: Entwicklung der ökologisch bewirtschafteten Flächen in Niedersachsen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach o.V.: Entwicklung der ökologisch bewirtschafteten Flächen in Niedersachsen

Der Gewinn der ökologisch wirtschaftenden Betriebe lag dabei zuletzt unter dem der konventionellen Betriebe; diese verzeichneten in Niedersachsen im Jahr 2001/2002 einen durchschnittlichen Gewinn von 38.986 €. Das bedeutet einen Rückgang um 4,15% gegenüber dem Vorjahr, liegt aber noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 33.593 €.23 Der Gewinn der ökologischen Betriebe betrug im Jahr 2001/2002 im Bundesdurchschnitt nur 33.422 €, Vergleichszahlen für den Raum Niedersachsen waren nicht verfügbar.24

2.3 Gesetzliche Ausgangslage

Grundlage für den Landbau sind neben den naturräumlichen Rahmenbedingungen und den Anforderungen des Marktes auch oder gerade die gesetzlichen Bestimmungen zur Produktion und insbesondere die finanziellen Anreize durch Subventionen des Gesetzgeber. Da für den ökologischen Landbau striktere Vorgaben hinsichtlich der eingesetzten Produktionsfaktoren und der Verfahrensweise existieren als bei der konventionellen Landwirtschaft, werden zum Ausgleich und zur Förderung finanzielle Vergünstigungen gewährt.

Der Aufbau der Strukturhilfen ist dabei dreigeteilt; die EU-Agrarpolitik stellt mit ihrer Richtlinienkompetenz für die Agrarstrukturpolitik den Rahmen und die Mindestanforderungen, welche von der BRD weiter ausformuliert und definiert werden; die Bundesländer haben die Möglichkeit, vorgegebene Fördersätze den entsprechenden Gegebenheiten und landespolitischen Zielen anzupassen.

2.3.1 EU-Politik

Die gemeinsame Agrarpolitik der Mitgliedsländer (GAP) hat die nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft und der Umwelt zum Ziel. Dementsprechend wird der ökologische Landbau als nachhaltige Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse besonders gefördert. Aber neben der Bedrohung durch die intensive Landwirtschaft besteht das Problem der wirtschaftlich nicht mehr interessanten extensiv genutzten Flächen. Deren Nutzungsaufgabe ist für den Naturschutz ähnlich problematisch zu sehen.25 Denn die nicht gepflegten Flächen dienen nicht automatisch als Biotop. Im Rahmen der Agenda 2000 wurde dies ein zentraler Bestandteil der Agrarpolitik mit der Folge, dass die Umweltstandards deutlich erhöht und die Fördermaßnahmen verbessert wurden. Grundlage der EU-Förderpolitik ist die EG-Verordnung 2092/91 zur "Förderung umweltgerechter und den natürlichen Lebensraum schützende landwirtschaftliche Produktionsverfahren" aus dem Jahr 1992. In dieser wird definiert, wie landwirtschaftliche Erzeugnisse erzeugt werden müssen, damit sie als Öko- Produkte gekennzeichnet werden dürfen. Die EU-Verordnung basiert auf den Basisrichtlinien der IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements), der Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen, in welcher ca. 740 Verbände international organisiert sind.26

Die EU-Verordnung definiert genau die Standards zur Erzeugung von Öko-Produkten, indem sie in Positivlisten angibt, was zur Produktion verwendet werden darf. Es sind allerdings bis zu 5% an Zutaten aus konventioneller Herkunft erlaubt, wenn ökologische Anbauprodukte nicht in der ausreichenden Qualität und Menge zur Verfügung stehen. Des Weiteren schützt sie die Produkte, da die Produktbezeichnung keinen irreführenden Eindruck erwecken darf.27

Durch die EG-Verordnung Nr. 1804/1999 vom 19. Juli 1999 wurde die ursprünglich nur für pflanzliche Produkte geltende EG-Öko-Verordnung auf tierische Erzeugnisse ausgedehnt. Inhalte dieser Verordnung sind u.a. die flächengebundene Tierhaltung, Umstellungsvorschriften, Verbot der Anbindhaltung, Fütterungsvorschriften und regelmäßige Kontrollen.28 Das EU-Siegel (siehe folgende Grafik) kennzeichnet die nach diesen Regeln erzeugten Produkte aus den EU-Mitgliedstaaten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: EU-Label

Quelle: o.V.: Logo des ökologischen Landbaus

Durch die EU-Verordnung soll das Angebot erweitert, der Wettbewerb gestärkt, der Markt transparenter gestaltet und das Vertrauen der Verbraucher erhöht werden. Die Förderung erfolgt über Flächenprämien, welche dem Bereich „Entwicklung des ländlichen Raumes“ zugeordnet sind (VO EG 1257/99), einem Teil der Agenda 2000. Diese europaweit angewandte Richtlinie legt die Investitionsförderung, die Förderung von Beratung und Ausbildung und die Förderung der Vermarktung fest. Die Finanzierung wird dabei zu 50% von der EU übernommen, den Rest trägt das jeweilige Mitgliedsland.29 In der EG-Verordnung für ökologischen Landbau (VO EWG 2092/91) wird EU-weit verbindlich geregelt, wie produziert, verarbeitet, etikettiert und kontrolliert wird, so dass mit einheitlichen Standards vergleichbare Produktionsbedingungen geschaffen werden.

2.3.2 Förderung durch den Bund

Die Bundesrepublik fördert den ökologischen Landbau auf Grundlage der o.g. EU- Verordnung 2092/91 mit dem Ziel, den Anteil des ökologischen Landbaus bis zum Jahr 2010 auf 20% zu steigern. Die Finanzierung trägt zu 50% die EU, den Rest teilen sich Bund und Länder. Für die Erfüllung der GAK (Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes) hat der Bund in Zusammenarbeit mit den Ländern einen gemeinsamen Rahmenplan aufgestellt. Darin enthalten ist die Förderung mit festgelegten Fördersätzen, welche die Länder den jeweiligen Erfordernissen entsprechend um bis zu 20% erhöhen, bzw. um maximal 30% absenken können. Dabei teilen sich der Bund und die Länder ihren Anteil im Verhältnis 60:40. Hinzu kommt noch eine Zulage von 35 € je Hektar p.a. für Betriebe, welche an dem EU- Kontrollverfahren teilnehmen. In der folgenden Tabelle sind die Grundförderungen für die Einführung und die Beibehaltung des ökologischen Landbaus je Hektar ersichtlich.

Tab. 1: Prämienhöhe für den ökologischen Landbau in der BRD

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach o.V.: Förderung des ökologischen Landbaus

Eine weitere wichtige Fördermaßnahme ist das Bundesprogramm Ökologischer Landbau, welches zum Ziel hat, durch einzelne Fördermaßnahmen Förderlücken im Rahmen eines Produktionskettenansatzes zu schließen. Dabei stehen Beratung, Schulung, Aufklärung und Forschung im Zentrum der Aktivitäten. Für diese Förderung ist ein Rahmen von 36 Mio. € für das Jahr 2003 vorgesehen.30

Auch die Einführung eines Bio-Siegels ist eine wichtige Unterstützung für die Vermarktung von Öko-Produkten und somit auch für deren Herstellung. Basis hierfür ist die EG-Öko-Verordnung mit ihren Kontroll-Vorschriften. Allerdings ist die zusätzliche Kennzeichnung für den Verbraucher kritisch zu sehen, da es auf Grund der Vielzahl unterschiedlicher Siegel bereits einen Dschungel konkurrierender Systeme gibt, der auch durch den gesetzmäßigen Anspruch dieser Orientierungshilfe nicht unbedingt gelichtet wird. Anfang 2003 haben allerdings schon 700 Hersteller das Siegel für die Kenzeichnung von über 14.000 verschiedenen Produkten verwendet.31

2.3.3 Förderpolitik des Landes Niedersachsen

Das Land Niedersachsen hat zum Ausbau des ökologischen Landbaus die o.g. Fördersätze modifiziert und den vorherrschenden Gegebenheiten angepasst. So wurden die Förderungen für die Einführung von Gemüseanbau und den Anbau von Dauerkulturen stark angehoben und auch die Sätze für Ackerflächen und Dauergrünland erhöht. Ab dem dritten Jahr gelten aber auch hier wieder die niedrigeren Sätze wie für die spätere Beibehaltung. Es soll also primär ein Anreiz für die Umstellung mit den damit verbundenen Anlaufkosten gesetzt werden. Niedersachen verschiebt den Schwerpunkt der finanziellen Förderung zu Gunsten der frühen Umstellungsphase. Die vom Bund vorgesehene Umstellungsphase wird auf zwei Jahre reduziert und dadurch in den ersten fünf Jahren insgesamt dieselbe Förderung wie nach dem Bundesmodell gewährt. Dies soll die Einkommensverluste in den ersten zwei Jahren kompensieren, da die dann erzeugten Produkte noch nicht als Öko-Produkte veräußert werden dürfen. In der nachfolgenden Tabelle sind die Fördersätze für das Bundesland Niedersachsen aufgeführt. Daneben gelten die bundesweiten Aktionen zur Förderung des ökologischen Landbaus insbesondere durch Informations- und Beratungsangebote.

Tab. 2: Prämien in Niedersachsen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: o.V.: Flächenbezogene Förderung

2.4 Organisationsstruktur der Akteure

Im Bereich des ökologischen Landbaus hat sich durch den Verbund der Landwirte eine Organisationsstruktur gebildet, die als Lobby dient und gleichzeitig zentrale Vermarktungsaufgaben übernimmt. So sind die meisten Landwirte, die ihren Betrieb nach ökologischen Gesichtspunkten bewirtschaften, in einer der vielen Anbauorganisationen vertreten. Insgesamt gab es in Deutschland acht größere Verbände mit insgesamt 9.387 Betrieben im Jahr 2002. Der älteste und auch bekannteste Anbauverband ist der 1924 gegründete Demeter-Bund, der mit einer biologisch- dynamischen Anbauweise insgesamt 1.336 Betriebe unter sich vereinen kann. Der größte Verband ist aber der 1971 gegründete Bioland-Verband mit insgesamt 4.363 Betrieben und fast 168.000 ha bewirtschafteter Fläche.32 Dort waren in Niedersachsen im Jahr 2003 mit 420 von insgesamt 867 ökologisch wirtschaftenden Betrieben über 50% organisiert. Diese Arbeit baut auf die dabei gewonnenen Daten auf, da diese als repräsentativ gelten können. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Anbauverbände.

Tab. 3: Verbände der ökologischen Landwirtschaft in DeutschlandIm Bereich des ökologischen Landbaus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung nach o.V.: Verbände der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland Bund und o.V.: Biobetriebe in Niedersachsen

Enthalten sind die Zahlen für Gesamtdeutschland vom 01.01.2003 und die Zahlen für Niedersachsen vom März 2001, wodurch sich durch die verschiedenen Zeitpunkte der Erhebungen einige Unterschiede ergeben. Regionale Schwerpunkte der Anbauverbände können lokalisiert werden, die auch mit den Anbauschwerpunkten zu begründen sind. Die Anbauverbände agieren in zwei Funktionen für und mit ihren Mitgliedern. Auf der einen Seite leisten sie ein umfangreiches Beratungsangebot, Schulungen, Forschung und Umstellungshilfen und treten dabei als Berater auf. Durch die jeweils individuellen Vorschriften für die Produktion werden in der Regel strengere Maßstäbe an die Produktion gelegt, als dies von der EU vorgesehen ist. So erlauben Demeter und Bioland keine Zufütterung von konventionell erzeugtem Futter, wie dies laut der EU- Vorschrift noch bis zum 24.08.2005 erlaubt ist. Dadurch ist es ihnen möglich, die so erzeugten Produkte unter einem eigenen Markennamen zu vertreiben. Mit dem Logo von Bioland werden beispielsweise Produkte über Edeka, Real und andere Lebensmittelketten unter den jeweiligen Handelsmarken vertrieben. Dabei nimmt der Verband die Rolle eines Handelspartners ein, der den angeschlossenen Landwirten sowohl Vorprodukte andient als auch die Erzeugnisse abnimmt. Daher können größere Mengen realisiert werden und die sonst eher geringe Marktstärke der Landwirte deutlich gesteigert werden, da auch bedeutend mehr Einzelhändler bereit sind, mit den Erzeugerverbänden Lieferverträge abzuschließen als mit den einzelnen Landwirten.33 Die sonst eher atomistische Anbieterstruktur mit einer Nachfragermacht durch die großen Lebensmittelkonzerne wird also teilweise aufgebrochen und durch gleichwertige Handelspartner ersetzt. Allerdings sind die Landwirte gegenüber den Anbauverbänden kaum in der Lage, ihre eigene Position durchzusetzen, da auch ein Wechsel zu einem anderem Anbauverband auf Grund der verschiedenen Richtlinien nur mit finanziellen Einbußen möglich ist.

3. Vermarktung von Öko-Produkten

Als wichtige Determinante für die Entwicklung des ökologischen Landbaus in der BRD und damit auch in Niedersachsen gilt die Entwicklung der Nachfrage und des Preises für die erzeugten Produkte. Es ist daher unerlässlich, auf die Vermarktung der Öko- Lebensmittel einzugehen und dabei eine Prognose für die zukünftige Entwicklung zu wagen. Wie in Kapitel 1 schon angedeutet, gab es 1989 durch die verbesserten Förderbedingungen einen Angebotsschub, der durch die Nachfrage nicht aufgenommen werden konnte, so dass es zu Preiseinbrüchen kam. Für die zukünftige Entwicklung ist es also wichtig, die produzierten Lebensmittel im Handel abzusetzen. In den letzen Jahren hat sich hier ein deutlicher Wandel vollzogen, weg vom Nischenprodukt in Reformhäusern oder dem Direktvertrieb, hin zu der großflächigen Distribution an alle Konsumenten. Durch den Wandel der Konsumenteneinstellungen und die besseren Vermarktungsbedingungen ist die Nachfrage spürbar angezogen. Damit jedoch in Zukunft diese entsprechend bedient werden kann, ist es unerlässlich, dass die bestehenden Strukturdefizite abgebaut werden.34

3.1 Wandel der Konsumenteneinstellung

In den letzen Jahren hat sich die Einstellung der Konsumenten durch einen tief greifenden Wertewandel innerhalb unserer Gesellschaft stark verändert. Werte sind dabei Zielvorstellungen, welche langfristig konstant sind und sich nur langsam verändern, aber einen großen Einfluss auf unser Handeln haben.35 Der Wandel vom „Otto-Normalverbraucher“ mit seinem berechenbaren Konsum zum multioptionalen Konsumenten „Markus Möglich“ lässt eine einfache Typisierung des Verbraucherverhaltens nicht mehr zu.36 Dies hat einen entschiedenen Einfluss auf das Verbraucherverhalten und den zukünftigen Konsum von ökologischen Lebensmitteln.37 Während das Einkommen an Bedeutung verliert, werden die Selbstverwirklichung und die individuelle Eigendarstellung immer wichtiger.38 Dabei besagen die Kenntnis und das Wissen um die Produkte nicht, dass der Konsument in jedem Fall kritisch seine Einkaufsentscheidungen trifft, sondern dass dies nur selektiv zutrifft. Aber es deutet vieles darauf hin, dass durch das gestiegene Bildungsniveau und die Informationsmöglichkeiten das Interesse an den Produkteigenschaften steigt, so wächst z.B. das Umweltbewusstsein und das Gesundheitsbewusstsein.39

Durch die Sättigung des Marktes tritt die Erlebniskomponente der Ernährung in den Vordergrund und ergibt damit auch eine neue Chance für eine bewusste Ernährung.40 Gerade durch den steigenden Wohlstand hat sich die Gesellschaft aber auch zu einer Risikoaversen Gesellschaft entwickelt, welche zukünftige Gefahren minimieren möchte. Daraus entwickelt sich ein zunehmendes Sicherheitsbedürfnis und die Zahl der besorgten Konsumenten erhöht sich.41 Auch durch das gestiegene Umweltbewusstsein und das Wissen um die Bedeutung der Nachhaltigkeit in unserem Handeln hat sich ein Wandel im Umgang mit den Nahrungsmitteln ergeben. Der Ausspruch „Man ist, was man isst“ hat daher eine völlig neue Bedeutung erlangt und belegt die Änderung des Anspruchsverhalten gegenüber den konsumierten Lebensmitteln. Die Einstellung der Umwelt gegenüber hat also auch einen Einfluss auf den Wertewandel in unserer Ernährung in den letzten 10-15 Jahren.42

Aber auch die sozioökonomischen Trends in unserer Gesellschaft haben eine großen Einfluss auf unser Ernährungsverhalten und damit auch auf die Nachfrage von ökologisch produzierten Nahrungsmitteln. So sind verschiedene Trends festzustellen:43

1. Die durchschnittliche Haushaltsgröße sinkt, wodurch die Nachfrage nach vorproduzierten „Convenience-Produkten“ und Tiefkühlprodukten steigt.
2. Der Bildungsstand hat sich deutlich erhöht, was zu einer allgemein bewussteren
Ernährung führt.
3. Eine Polarisierung der Einkommensgruppen führt zu einer starken Nachfrage sowohl nach preisgünstigen Nahrungsmitteln als auch zu qualitativ hochwertigen Exklusivgütern.
4. Die Nachfrage nach ausländischen Produkten ist in den letzten Jahren stark gestiegen und führt zu einem zusätzlichen Wettbewerbsdruck.

3.2 Motive und Kaufbarrieren für den Erwerb von Öko-Lebensmitteln

Die Motivation, Nahrungsmittel aus ökologischem Anbau zu beziehen, ist in erster Linie subjektiv geprägt.44 Dies ist vor allen Dingen darauf zurückzuführen, dass eine objektive Beurteilung der Vorteile der Öko-Produkte im Verhältnis zu dem meist höheren Preis nicht möglich ist. Zwar gibt es mittlerweile ein einheitliches Öko-Siegel, doch verwenden die meisten Hersteller ihr eigenes Logo, um die Herkunft und Qualität ihrer Produkte zu dokumentieren. Allerdings sind diese im normalen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) den Kunden nicht immer bekannt. In einer Untersuchung von Volk-Uhlmann nannten nur 33,1% der Befragten Demeter als bekanntes Öko-Siegel, 20,1% Naturkind und 18,3% Bioland, der Bekanntheitsgrad des bundesweit einheitlichen Öko-Siegels war dabei nur marginal.45

Zu den wichtigsten Motiven für den Verzehr von Öko-Lebensmitteln zählen die gesundheitlichen Aspekte und die Natürlichkeit der Produkte. Weitere wichtige Motive sind der Geschmack, die Umweltfreundlichkeit, die Freiheit von Schadstoffen und Chemie jedweder Art sowie die Freiheit von Konservierungsmitteln. Dabei überwiegen die egoistischen Motive die altruistischen Beweggründe, wie z.B. der Tierschutz oder die allgemeine Lebenseinstellung. Die Untersuchung von Meier-Ploeger kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, danach sind die gesundheitlichen Aspekte das wichtigste Motiv für den Kauf.46

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 4: Gründe für den Kauf von Öko-LebensmittelnIm Bereich des ökologischen Landbaus

Quelle: Volk-Uhlmann (2001) S. 43

Dabei scheinen soziodemographische Merkmale wie Alter, Haushaltsgröße und Einkommen nur einen geringen Effekt auf den Konsum zu haben. Vielmehr ist nur bei einem hohen Einkommen eine positive Korrelation zum Verzehr von Öko-Produkten zu beobachten. Dies ist auf das relativ hohe Preisniveau der Öko-Produkte zurückzuführen.47 Ein weiteres Argument für den Erwerb beim Erzeuger ist der direkte Absatzweg, der es dem Verbraucher erlaubt, die Anonymität der Massendistribution zu verlassen.48

Durch die klaren Regeln und die hohe Transparenz bzgl. der Herkunft, Erzeugung und Verarbeitung der Produkte ist die Nachfrage in den letzten Jahren gestiegen, da die Konsumenten einen hohen Wert auf die Qualität der Produkte legen. Dabei zeichnet sich eine nachhaltige Ernährung durch Eigenschaften wie z.B. überwiegend vegetabil, ökologisch erzeugt, geringe Vorverarbeitung und regionale und saisonale Produktion aus. Die Beurteilung der Lebensmittel findet auf Grundlage des Gesundheitswertes, des Geschmackes, der Eignung und des ökologischen Wertes statt.49 Dies sind alles Attribute, welche aus der ökologischen Landwirtschaft kommen und dort praktiziert und kommuniziert werden. Für die zukünftige Entwicklung zeichnet sich eine weitere Nachfrageausweitung mit einer Tendenz zur Stagnation auf hohem Niveau ab.50

[...]


1 vgl. Priebe (1990) S.133

2 vgl. Leser (1997) S. 577

3 vgl. Binswanger (1991) S.42

4 zit. Haber / Salzwedel (1992) S.1

5 vgl. Leser (1997) S.20

6 vgl. o.V.: Ökologischer Landbau in Deutschland

7 vgl. Christen (1996) S.26

8 zit. Allen et al. (1991); Zit. in: Christen (1996) S.27

9 vgl. Beste (2000) S.30

10 vgl. Haber / Salzwedel (1992) S.2

11 vgl. o.V.: Niedersachsen - Ein Land stellt sich vor

12 vgl. o.V.: Geografische Daten des Landes Niedersachsen

13 vgl. Thiem (1993) S.14

14 vgl. Keckl (2001) o.S.

15 vgl. Thiem (1993) S.16

16 vgl. Thiem (1993) S.21

17 vgl. Keckl (2001) o.S.

18 vgl. Keckl (2001) o.S.

19 vgl. Arnold (1993) S.100

20 vgl. o.V.: Was ist biologisch-dynamisch?

21 vgl. o.V.: Förderung des ökologischen Landbaus

22 vgl. o.V.: Konsolidiertes Wachstum des ökologischen Landbaus

23 vgl. BMVEL (2003b) S.29

24 vgl. BMVEL (2003b) S.129

25 vgl. Europäische Gemeinschaft (2002) S. 9

26 vgl. o.V.: Ökologischer Landbau in Deutschland

27 vgl. o.V.: Ökologischer Landbau in Deutschland

28 vgl. o.V.: Ökologischer Landbau in Deutschland

29 vgl. o.V.: Förderung des ökologischen Landbaus

30 vgl. BMVEL (2003b) S.90

31 vgl. BMVEL (2003b) S.4

32 vgl. o.V.: Verbände der ökologischen Landwirtschaft in Deutschland

33 vgl. Hensche (1993) S.42

34 vgl. Hamm / Michelsen (2000) S.38

35 vgl. Wiswede (1991) S.14

36 vgl. Szallies, (1991) S.53

37 vgl. Brune (1994) S.41

38 vgl. Wiswede (1991) S.22

39 vgl. Wiswede (1991) S.37f

40 vgl. Bayer et al. (1999) S.63

41 vgl. Bayer et al. (1999) S.64

42 vgl. Bayer et al. (1999) S.77

43 vgl. Bayer et al. (1999) S.56ff

44 vgl. Böckenhoff / Hamm (1983) Zit. In: Braun (1995) S.21

45 vgl. Volk-Uhlmann (2001) S.37

46 vgl. Meier-Ploeger et al. (1997) S.49

47 vgl. Volk-Uhlmann (2001) S.47

48 vgl. Altmann / von Alvensleben (1986) Zit. In: Braun (1995) S.21

49 vgl. Weiss (2000) S.62

50 vgl. Institut für Projektmanagement (1996) S.24

Details

Seiten
94
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638276481
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24877
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Lehrstuhl für Wirtschaftgeographie
Note
1,7
Schlagworte
Landbau Niedersachsen

Autor

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Titel: Ökologischer Landbau in Niedersachsen