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Die deutsche Wiedervereinigung als Vorbild. Südkorea auf dem Weg der Annäherung nach Norden

Seminararbeit 2004 18 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Ferner Osten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Begriffsklärung

2. Hauptteil
2.1. Zur Geschichte des innerkoreanischen Verhältnisses und der Einfluss der USA
2.2. Die Sonnenscheinpolitik Kim Dae-jungs
2.3. Die deutsche Wiedervereinigung als ein Modell für Korea?

3. Zusammenfassung

4. Literaturangabe

1. Einleitung

Im Juni 2000 trafen in Pjöngjang die Staatschefs der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) und der Republik Korea ( Südkorea) zum ersten Mal persönlich aufeinander.

Die historische Begegnung von Kim Jong-il und Kim Dae-jung ließ eine mittel- bis langfristige Wiedervereinigung, oder eine Zukunft beider koreanischer Staaten im Rahmen einer Förderation nicht mehr als unerreichbare Illusion, sondern als möglich und gestaltbar erscheinen.

Im Süden der koreanischen Halbinsel löste das Treffen überparteiliche Begeisterung und eine regelrechte Wiedervereinigungseuphorie aus. Plötzlich schien das Unmögliche doch möglich und das Beispiel Deutschlands, erst 10 Jahre zuvor wiedervereinigt, war wieder präsent.

Für mich waren zwei Gründe ausschlaggebend, das Thema der innerkoreanischen Beziehungen und speziell die südkoreanische Innenpolitik anzugehen. Zum einen die Konstellation des Aufeinandertreffens zweier Gesellschaftssysteme, die ein Volk innerhalb von 50 Jahren so markant trennen, dass eine 5000-jährige gemeinsame Vorgeschichte quasi zur Randnotiz wird.

Zum anderen die Diskussionen in Südkorea über den richtigen Weg im Umgang mit dem nordkoreanischen Nachbarn.

Vor dem Hintergrund der „ Sonnenscheinpolitik“ ( der von Präsident Kim Dae-jung betriebenen Öffnungs- und Entspannungspolitik), soll sich die Arbeit mit den Fragen beschäftigen, ob erkennbar wird, welchen Weg die südkoreanische Politik gegenüber dem nordkoreanischen Regime gehen wird und ob das Beispiel der deutschen Wiedervereinigung in Südkorea als ein gangbarer Weg, auch für die beiden koreanischen Staaten, gesehen wird.

Obwohl das Schicksal der koreanischen Halbinsel in der Vergangenheit teilweise entscheidend von den USA, China, Japan und Russland mitgeprägt wurde und wird, und das Erbe des kalten Krieges, als dessen ersten Spielball man Korea

bezeichnen kann, noch allgegenwärtig ist, werde ich den Einfluss einiger in der Region engagierten und aus vielerlei Gründen interessierten Staaten nur kurz streifen, um das Thema nicht aus den Augen zu verlieren.

Nach einer Begriffsklärung zum politischen System Südkoreas und einem kurzen Rückblick auf die Historie der koreanischen Halbinsel, werde ich im Hauptteil der Arbeit meine gesammelten Materialien und ausführliche Ergebnisse der Untersuchung einfließen lassen, diese von Zeit zu Zeit kommentieren, um im Schlussteil der Hausarbeit die Ergebnisse zusammenzufassen und Antworten auf die gestellten Fragen zu finden.

1.1. Begriffsklärung

Das politische System Südkoreas

Nach der am 25.02.1988 in Kraft getretenen Verfassung ist Südkorea eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt und oberster Inhaber der Exekutive ist der auf 5 Jahre direkt gewählte Präsident. Eine Wiederwahl des Staatsoberhauptes, derzeit bekleidet Roh Moo-hyun dieses Amt, ist in der Verfassung nicht vorgesehen. Die Kontrolle der Exekutive obliegt der Legislative, der Nationalversammlung.

2. Hauptteil

2.1. Zur Geschichte des innerkoreanischen Verhältnisses und des Einflusses der USA

Der Krieg zwischen beiden koreanischen Staaten wurde 1953 mit der Waffenstillstandsvereinbarung, welche erste Schritte für ein vertrauensvolleres Miteinander enthielt, beendet. So wurde eine entmilitarisierte Zone auf beiden Seiten der Demarkationslinie geschaffen sowie eine Waffenstillstandskommission und ein Militärausschuss zur Überwachung des Abkommens eingerichtet.

Im Gegensatz zu den beiden deutschen Staaten, stand das Thema Wiedervereinigung durchgehend auf der Agenda sowohl Süd- als auch Nordkoreas. So schlug Kim Il-sung Ende der 50er-Jahre vor, durch Wahlen in beiden Teilen der koreanischen Halbinsel, ein föderales System zu schaffen. Folgende Forderungen des Regimes Kim Il-sungs zogen sich wie ein roter Faden durch sämtliche Wiedervereinigungsdebatten:

- Abzug der amerikanischen Truppen aus Süd-Korea.
- Abschluss eines Friedensabkommens zwischen dem Norden und dem Süden.
- Reduzierung der Streitkräfte in Nord und Süd auf das Niveau von Schutztruppen zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit und Ordnung.
- Aufhebung der mit dem Ausland abgeschlossenen Militärverträge.
- "Demokratisierung" des gesellschaftlich-politischen Lebens in der Republik Korea.[1]

Ein wichtiger Schritt der bilateralen Annäherung war die 1972 von Nord- und Südkorea unterzeichnete „ Erklärung des Nordens und des Südens“[2].

In Südkorea gab es bis zum Jahr 1988, wechselnde Positionen zur Art der Wiedervereinigung. Die entscheidende Änderung der neuen Administration Roh Tae-Woo`s war, dass „Nord-Korea nicht mehr als Staatsfeind, sondern als Mitglied der ethnischen Gemeinschaft“[3] betrachtet wurde. Ein Treffen der beiden Staatschefs, sollte das “neue konkrete Wiedervereinigungskonzept, genannt Korean National Community Unification Formula“[4] besiegeln, wurde von Pjöngjang aber nicht aufgegriffen.

Aufgaben des schließlich im Februar 1992 unterzeichneten “Agreement on Reconciliation, Non-Aggression and Exchanges and Cooperation between the South and North (kurz: Basic South-North Agreement)”[5] waren

- friedliche Nutzung der entmilitarisierten Zone
- wechselseitige Notifikation und Kontrolle militärischer Bewegungen und militärischer Übungen
- Austausch militärischen Personals und militärischer Informationen
- phasenweise Reduzierung der Waffen, einschließlich der Zerstörung von Massenvernichtungsmitteln und Angriffsfähigkeiten mit den sich daran anschließenden Verifikationsmaßnahmen
- Einrichtung einer Hotline zwischen den Generalstäben, um ein versehentliches Aufeinanderprallen der Streitkräfte und eine mögliche Eskalation zu verhindern
- Einrichtung eines Verbindungsbüros in Pamnunjom[6]

[...]


[1] Vgl. Suh , Mark B. M.: Unterschiedliche Vorstellungen der beiden Koreas zur Frage der Wiedervereinigung, in: Kurt R. Spillmann (Hrsg.): Zeitgeschichtliche Hintergründe aktueller Konflikte VI - Vortragsreihe Sommersemester 1997. Zürcher Beiträge zur Sicherheitspolitik und Konfliktforschung, No. 44, Zürich 1997, in:www.fsk.ethz.ch/documents/beitraege/zu_44/zu44_06.htm, download 14.02.2004.

[2] Vgl. Kindermann, Gottfried-Karl: Der Aufstieg Koreas (Anm.6), S.116, zitiert, in: Schmidt, Hans-Joachim, Vertrauen und/oder Kontrolle, Zur Neuordnung der Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung 2002, S. 23.
Beide Seiten verpflichten sich auf drei Prinzipien der friedlichen Wiedervereinigung. Sie soll sich ohne äußere Einmischung, friedlich und gewaltlos vollziehen sowie von einem Prozess des Vertrauens und der Abrüstung begleitet sein.

[3] Suh B.M.,Mark: Unterschiedliche Vorstellungen …, a.a.O.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Jeong, Jae-gak: Politik und parlamentarische Kontrolle in Südkorea, Deutscher Universitäts Verlag, Wiesbaden 1997, S. 208. Dieses Abkommen beinhaltet Maßnahmen der militärischen Vertrauensbildung und Kooperation und sollte helfen, die wirtschaftliche, politische und wissenschaftliche Zusammenarbeit zu verbessern.

[6] Schmidt, Hans-Joachim: Vertrauen und/oder Kontrolle, Zur Neuordnung der Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea, Hessische Stiftung Friedens- & Konfliktforschung 2002, S.23 f.

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638276672
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v24901
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Otto-Suhr-Institut
Note
2,0
Schlagworte
Wiedervereinigung Vorbild Südkorea Annäherung Norden

Autor

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