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Auswirkungen der kolonialen Siedlungspolitik auf die heutige Bevölkerung Trinidads, W.I.

Hausarbeit 2004 27 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einführende Beschreibung
2.1. Geschichte
2.2. Indianische Urbevölkerung
2.3. Wirtschaft heute
2.4. Bevölkerung heute

3. Sklaverei
3.1. Atlantischer Dreieckshandel
3.2. Entwicklung auf Trinidad
3.3. Familienstrukturen
3.4. Canning-Order

4. Ende der Sklaverei

5. Indische Zuwanderung
5.1. Arbeitskräftemangel
5.2. Rekrutierungspraktiken
5.3. Immigrationsgründe
5.4. Arbeits- und Lebensbedingungen
5.5. Familienstrukturen

6. Familien der Immigranten heute
6.1. Zuwanderer afrikanischer Abstammung
6.2. Zuwanderer indischer Abstammung
6.3. Soziale Mobilität
6.4. Das Verhältnis der Zuwanderer untereinander

7. Schlussbetrachtung

8. Literatur

1. Einleitung

Mit der Entdeckung Amerikas durch Europa hat sich in der „neuen Welt“ ein bedeutender Umbruch vollzogen. Diese Veränderungen fanden ebenfalls auf den westindischen Inseln statt, die bis ins 20. Jahrhundert von großer Bedeutung für die europäischen Kolonialstaaten waren.

Trinidad wurde durch seine Kolonialherren erst spät besiedelt und erlebte somit im Verhältnis zur restlichen Karibik eine, in vielerlei Hinsicht, andere Entwicklung. Die vorliegende Arbeit gibt Auskunft über diesen Sonderweg und untersucht die Politik der jeweiligen Herrscher in ihren Auswirkungen für die Menschen und die Besiedlung der Insel. Weiter wird der Frage nachgegangen, wie es zu dem Engagement von Europäern in diesen fernen Ländern kam und welchen Nutzen sie zogen.

Bei der Untersuchung der Immigrationshistorie und der Fragestellung, welche Auswirkungen die Umsiedlung und die Bedingungen in der neuen Heimat auf die heutige Bevölkerung hat, beschränke ich mich auf die beiden größten ethnischen Gruppen. Auf die Thematik der Regierungspolitik sowie auf das Bildungssystem gehe ich aufgrund der Komplexität nur kurz ein.

Für Großbritannien wurden Daten meist für Inselgruppen erhoben. Dies macht eine heutige Betrachtung und Interpretation der vergangenen Geschehnisse auf Trinidad schwierig. Als Staat der dritten Welt hat Trinidad und Tobago nur beschränkte Finanzmittel. In Europa selbstverständliche Untersuchungen sind auf der Inselrepublik nur eingeschränkt oder gar nicht vorhanden.

2. Einführende Beschreibung

2.1. Geschichte

Christopher Columbus entdeckte Trinidad 1498 für Europa. Es dauerte bis 1592, bis die Spanier mit dem heutigen St. Joseph eine permanente Niederlassung gründeten. Ein Ausbau der Insel über kleinere Siedlungen hinaus erfolgte nicht. Während die britischen, holländischen und französischen Besitzungen der westindischen Inseln Hauptproduzenten und Exporteure von karibischen Rohstoffen wurden, beschränkten sich die Exporte Trinidads auf geringe Mengen von Tabak und Kakao. Dieser Zustand hielt nahezu zweihundert Jahre an.[1]

Unter dem Einfluss der französisch-spanischen Allianz kam Spanien zu der Erkenntnis, das Trinidad, welche zu der unterentwickeltsten Kolonie des Landes zählte, dringend einer Entwicklung bedurfte. Trinidad sollte wie die anderen westindischen Inseln in eine profitable Sklavenkolonie verwandelt werden. Mangels spanischen Kapitals erfolgte ab 1777 die Besiedlung durch vornehmlich französische Siedler. Die neuen Bewohner, die oftmals kamen, um den Wirren der französischen Revolution zu entgehen, brachten neben ihrem Wissen und dem Kapital auch Sklaven und Zuckerrohr mit auf die Insel. 1793 hatte sich der Zuckerrohranbau eine Dominanz erobert, die sich bis heute hält. Bereits 1798 war die Gesamtbevölkerung von ca. 2.000 auf über 18.000 angewachsen.

Nach dem Spanisch-Britischen-Krieg wurde Trinidad nach der Besetzung 1797 mit dem Vertrag von Amiens 1802 britisch. Großbritannien verfügte mit Trinidad über eine Kolonie mit spanischem Verwaltungssystem, deren Bewohner überwiegend französisch Sprachen und die Verwaltung und die Gremien für Rechtsfragen dominierten. Nach der Machtübernahme wurde das spanische Rechtssystem beibehalten und die Zeitungen erschienen weiterhin auch in französisch.[2]

Die Insel wurde unter den Briten weiter erschlossen und der Handel expandierte. Der wachsende Bedarf an Arbeitskräften, vor allem auf den Zuckerrohrplantagen, wurde durch afrikanische Sklaven gedeckt, welche die stärkste ethnische Gruppe bildeten.

Mit der Abschaffung der Sklaverei 1838 brach der wirtschaftlich bedeutendste Zweig der Insel zusammen. Die ehemaligen Sklaven verrichteten keine Arbeit mehr auf den landwirtschaftlichen Plantagen, die für sie die Verkörperung ihrer Unterdrückung darstellten.[3]

Trinidad wurde das Ziel von Einwanderungen aus verschiedenen Nationen, jedoch wurde das Problem des Mangels an geeigneten Arbeitskräften für die schwere körperliche Arbeit in den Tropen, erst ab 1846 mit dem Beginn der indischen Immigration behoben. Die Zuzüge aus Indien endeten 1917 und stellten die letzte bedeutungsvolle Umschichtung in der Bevölkerungsstruktur dar.[4]

Die Krise in der Zuckerindustrie als Folge der weltweiten Überproduktion am Beginn des 20. Jahrhunderts konnte durch die Erschließung von Ölquellen kompensiert werden. Die Förderung wurde 1857, mit der weltweit ersten Ausbeutung einer Ölquelle, aufgenommen und steigerte sich bis zum II. Weltkrieg auf die Deckung von etwa 60 Prozent des im brit. Empire geförderten Erdöls.[5]

Mit dem Eintritt Großbritanniens in den II. Weltkrieg kam Trinidad durch seine Erdölproduktion und geographische Lage eine bedeutende Rolle zu. Die Insel wurde US-Militärstützpunkt und zum Ausgangspunkt für Tankerkonvois des karibischen Öls nach Europa und Nordafrika. Der Golf von Paria wurde von der US-Marine für abschließende Übungen genutzt, bevor sie über den Panama-Kanal in den Pazifik fuhren. Ebenso war Trinidads US-Niederlassung letzter Zwischenstop für Schiffe und Flugzeuge aus Südamerika, bevor sie die USA und Europa ansteuerten. Der infrastrukturelle Ausbau der Insel in diesen Jahren wurde Grundstock für Trinidad als Drehpunkt des südamerikanischen Kontinents zu Nordamerika und Europa.[6]

Nach dem Krieg erhielt Trinidad und Tobago nach mehreren Zwischenstufen ab 1956 weitgehende innere Selbstverwaltung (Reponsible Government), war ab 1958 Mitglied der Westindischen Föderation und erhielt 1962 die Unabhängigkeit. 1976 erklärte sich die Insel zur Republik, verblieb aber im Commonwealth. Durch die reichen Vorkommen an Erdöl, Erdgas und Naturasphalt ist die Insel nicht wie seine Nachbarinseln nur auf Agrarwirtschaft angewiesen. Im Zeichen der Ölkrise 1973 und 1979/80 konnte der Inselstaat seine Einnahmen stark erhöhen und sicherte sich mit diesen Einnahmen die Kapitalmehrheiten u.a. bei den Firmen Shell und BP, verstaatlichte Teile des Agrarsektors und baute staatliche Betriebe der Schwerindustrie. Das BSP stieg in dieser Zeit auf eines der höchsten pro Kopf i.d. Karibik. Es betrug 1982 pro Kopf 6450 US$ und halbierte sich auf 3230 US$ 1989.[7] Mit dem Niedergang des Ölpreises Anfang der 80er Jahre sank das BIP um 11,5 Prozent.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weltbank: Trends in Developing Economies 1991 im Weltentwicklungsbereicht 1991

Zur Gewährung von Krediten durch den IWF musste das Land soziale Errungenschaften abbauen und Unternehmen privatisieren.[8]

2.2. Indianische Urbevölkerung

Die ursprünglichen Bewohner Trinidads, Gruppen der Arawaks und der Kariben waren um 1840 nahezu völlig ausgestorben. Beide Gruppen betrieben auf der Insel Landwirtschaft, Fischfang und Jagd. Die Arawaks kamen vom Südamerikanischen Kontinent und hatten ein effizientes System der politischen Verwaltung zwischen ihren Dörfern geschaffen. Die Kariben kamen von den nördlicheren Inseln, waren weniger sesshaft und aggressiv gegenüber ihren Nachbarn. Während die Arawaks den hohen Arbeitsanforderungen der Sklavenarbeit und den Krankheiten der Weißen erlagen, vermischte sich die ebenfalls stark dezimierte Zahl der Kariben häufig mit entflohenen afrikanischen Sklaven.[9]

Die indianische Bevölkerung wurde 1812 auf 1804 Personen geschätzt, um das Jahr 1821 auf 956 Menschen und 1838 auf 520.[10]

2.3. Wirtschaft heute

Die wirtschaftliche Lage der Inselrepublik hat sich stabilisiert. So wuchs im Jahr 2002 der Ölsektor um 4,5%, der Agrarbereich um 11% und die Zuckerproduktion stieg im gleichen Zeitraum um 21%. Die Produktion an Stickstoffdünger stieg um 1% (2002). Zum weltweit größten Methanol Hersteller ist Trinidad und Tobago durch den Ausbau der Kapazitäten und neue Produktionsmethoden aufgestiegen. Die Inflation ist mit 4,7% (2002) die niedrigste in der Region, wie auch die Arbeitslosenquote von 11.00% (2002).[11]

2.4. Bevölkerung heute

Die heutige Bevölkerung ist ein Spiegelbild der Zuwanderungspolitik der einstigen Kolonialherren. Die bestehenden Statistiken zur Bevölkerungsverteilung auf der Inselrepublik beruhen größtenteils auf Schätzungen, wie auch die Statistiken stets die Insel Tobago einbeziehen. Jedoch ist der Einfluss der rund 50.000 Menschen Tobagos auf die Gesamtbevölkerungsstatistik von 1,3 Millionen gering.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

HDW II, Statistisches Bundesamt 1987 - Zahlen in Prozent

[...]


[1] vgl.: Brereton Bridget: A History of Modern Trinidad 1783-1962. Port of Spain, Trinidad, W.I., Heinemann Educational Books, 1981, S. 1ff.

[2] vgl.: Löber, Hanns-Georg: Persönlichkeit und Kultur auf Trinidad – Ein Vergleich zwischen Afrikanern und Indern. Saarbrücken, SSIP-Schriften, Heft 29, 1976, S. 7f.

[3] ebd.: S. 48.

[4] ebd.: S. 9.

[5] vgl.: Nuscheler, Franz und Schultze, Rainer-Olaf: Trinidad und Tobago. In: Nohlen, Dieter und Nuscheler, Franz (Hrsg.): Handbuch der dritten Welt. Bnd. 3 – Mittelamerika und Karibik. 1. überarbeitete Auflage 1995, Bonn, Verlag J.H.W. Dietz Nachf., 1995, S. 573.

[6] vgl.: Brereton Bridget: A History of Modern Trinidad 1783-1962., Port of Spain, Trinidad, W.I., Heinemann Educational Books, 1981, S. 191 f.

[7] vgl.: Nuscheler, Franz und Schultze, Rainer-Olaf: Trinidad und Tobago. In: Nohlen, Dieter und Nuscheler, Franz (Hrsg.): Handbuch der dritten Welt. Bnd. 3 – Mittelamerika und Karibik. 1. überarbeitete Auflage 1995, Bonn, Verlag J.H.W. Dietz Nachf., 1995, S. 573 ff.

[8] ebd.: S. 568 f.

[9] vgl.: Löber, Hanns-Georg: Persönlichkeit und Kultur auf Trinidad – Ein Vergleich zwischen Afrikanern und Indern. Saarbrücken , SSIP-Schriften, Heft 29, , 1976, S. 10 f.

[10] vgl.: Burnley, W.H.: Opinions on slavery and emancipation in 1823. London, o.V., 1833, S. 86.

[11] vgl.: UN: Premilinary Overview of the Economies of Latin America and the Caribbean. New York, 2002, United Nations Publication, S. 102 ff.

Details

Seiten
27
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638278188
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25090
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Insitut für praxisorientierte Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Auswirkungen Siedlungspolitik Bevölkerung Trinidads Kultur Kommunikation

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