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Historische Betrachtungen zur Gestaltung und Nutzung von Schulgärten als Quelle und Orientierung für die gegenwärtige Schulgartenarbeit in Deutschland

Examensarbeit 2003 96 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Wie lernen Kinder
3.1. Zum Begriff Lernen
3.1.1. Warum lernt der Mensch
3.1.2. Was heißt lernen
3.2. Entwicklungstheoretische Standpunkte – Piagets Denkentwicklung
3.3. Lernformen heute
3.3.1. Lerntypen
3.4. Verschiedene allgemeine Formulierungen, die für den Schulgartenunterricht relevant sind
3.4.1. Natürliches Lernen
3.4.2. Sinnfreies Lernen
3.4.3. sinnvolles Lernen
3.4.4. Intentionales Lernen
3.4.5. Inzidentelles Lernen
3.4.6. Rezeptives Lernen
3.4.7. Entdeckendes Lernen
3.5. Lernformen, die zur Kompetenzentwicklung im Schulgartenunterricht beitragen
3.5.1. Lernen durch Einsicht
3.5.2. Soziales Lernen
3.5.3. Lernen am Modell
3.5.4. Praktisches Lernen
3.6. Zusammenfassung - Wozu sollen alle Lernformen dienen

4. Historische Entwicklungen von Schulgärten
4.1. Erste Bestrebungen zum Gärtnern
4.2. Die Schulgartenbewegung und ihre Initiatoren – Der Garten als Lern- und Bildungsort
4.3. Arbeitsschulgärten
4.4. Nationalsozialistische Schulgärten
4.5. Nachkriegsgärten
4.5.1. Schulgartentendenzen in der DDR
4.5.2. Schulgartentendenzen in der BRD
4.6. Vom Schulgarten zum Schülergarten – der naturnahe Schülergarten (ab 1990)
4.7. Der Erholungsschulgarten – oder Chillout Area in der Schule

5. Das Naturverständnis von Kindern
5.1. Warum brauchen Kinder Natur
5.2. Was verstehen Kinder unter „Natur“ – Umfrage von Grundschulkindern

6. Zusammenwirken von Schule und Natur
6.1. Was kann die Schule zur Umwelterziehung beitragen
6.2. Umwelterziehung in verschiedenen Altersstufen
6.3. Lernen im Schulgartenunterricht
6.4. Begründungen für die Schulgartenarbeit

7. Die derzeitige Schulgartensituation in Deutschland
7.1. Thüringen
7.1.1. Ziele und Aufgaben des Faches laut dem Lehrplan für die Grundschule des Thüringer Kultusministeriums
7.1.2. Die Organisation und Durchführung
7.1.3. Was sollten die Kinder kennen lernen
7.2. Sachsen
7.2.1. Das Fach und seine Probleme
7.2.2. Was wird genutzt
7.3. Sachsen-Anhalt
7.4. Der Schulgartenunterricht in Kiel
7.5. Niedersachsen – ein Beispiel einer Grundschule

8. Schulgärten für die Zukunft
8.1. Derzeitige und weiterführende Probleme im Schulgarten
8.2. Möglichkeiten für die Anlage
8.3. Möglichkeiten für Projekte
8.4. Möglichkeiten für den Winter

9. Zusammenfassung

10. Literaturangabe

11. Personenverzeichnis

12. Erklärung

1. Vorwort

Schulgarten. Was ist das? Ein Garten an der Schule? Ein Unterrichtsfach? Eine AG? Unkrautzupfen? In der Sonne schwer arbeiten? Nein, ich denke es ist mehr.

Der Schulgarten an sich hat eine sehr alte Tradition. Sie reicht von der Antike bis zur heutigen Zeit. Diese große Zeitspanne lässt Neugier wecken, wie die Arbeit und das Leben im Schulgarten aussah beziehungsweise heute aussieht. Die Schulgartenarbeit hat sich natürlich im Laufe der Zeit geändert. Gerade diese Veränderungen machen die Schulgartenarbeit so spannend.

Es ist interessant zu erfahren, was es vor 5000 Jahren schon für Gärten gab und was die Menschen damals angebaut haben. Am interessantesten ist für mich jedoch, wie die Lehrer damals ihren Zöglingen die Arbeit in und an der Natur nahe gelegt haben.

Mit rasanter Geschwindigkeit hat die Technik in den letzten Jahren einen unwahrscheinlichen Fortschritt erlangt. In diesem Zusammenhang entwickelten sich Massenmedien, die unser tägliches Leben beeinflussen oder sogar bestimmen. Diese neuen Tendenzen machen auch vor der Institution Schule nicht halt.

Gerade in der heutigen Zeit ist es daher angebracht, den Lernstil der Schüler zu verändern. Man sollte zu einem ganzheitlichen und fächerverbindenden Lernstil übergehen. Da dies gerade bei der Schulgartenarbeit sehr gut möglich ist, macht es den Unterricht so interessant.

Ich denke, dass gerade die Wahrung alter Traditionen in unserer Gesellschaft eine Rolle spielen sollte. Aus diesem Grund möchte ich mich in meiner Arbeit mit den historischen Entwicklungen und Tendenzen vom 16. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit auseinandersetzen.

In meiner Arbeit möchte ich also auf die Entwicklungen der Schulgartenarbeit und ihre heutigen Tendenzen und Umsetzungen eingehen. Dabei möchte ich die Schwerpunkte

- Lernpsychologien von Kindern
- Die historischen Entwicklungen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart
- Das Naturverständnis von Kindern in der heutigen Zeit
- Das Zusammenwirken von Schule und Natur
- Die derzeitige Schulgartensituation in Deutschland
- Schulgärten für die Zukunft berücksichtigen.

2. Einleitung

„Kulturpflanzen anbauen, Natur im Garten und Schulgelände erleben und schützen, Mit Pflanzen gestalten“[1] sind die Lernbereiche, die uns der heutige Thüringer Lehrplan für Grundschulen vorgibt. Allerdings waren die Lernbereiche, die Kinder im Alter zwischen 6 und 11 erfahren in der Geschichte nicht immer gleich.

In der Geschichte findet man viele verschiedene Formen von Gärten. Diese dienten unter anderem auch zur Unterrichtung von Schülern. Bereits Kyros der Ältere (559-529 v.Chr.) ließ Gartenanlagen anfertigen, in denen Söhne begüterter Familien unterrichtet werden konnten. Auch die später entstandenen Klostergärten des Mittelalters dienten der Unterweisung von Schüler. Hier jedoch Klosterschüler. Zwar wurde in den Gärten unterrichtet, ein direkter Schulgarten war jedoch nicht erkennbar.

Die ersten Schulgartenideen stammen von Comenius (didactica magna 1632), welcher einen Garten anlegte, dem er eine enorme Erholungsfunktion zusprach. Diese Erholungsfunktion sollte an allen Schulen unerlässlich sein, um die Kunst des Schreibens einerseits zu erlernen, andererseits zu genießen. So sollten sich aus Comenius seinen Vorstellungen und Bestrebungen die sogenannten Paradiesgärten entwickelt haben. Der Garten diente in dieser Zeit ausschließlich der Erholung. Von Naturverständnis konnte man zur damaligen Zeit noch nicht ausgehen.

Die ersten Schulgärten entwickelten sich dann in der Zeit um 1685 bis 1700 unter August Hermann Franke. Dieser legte in Halle den ersten Schulgarten an. Die Gärten der Philanthropisten dienten zur Zucht von Pflanzen, Gemüse und Bäumen sowie zur körperlichen Kräftigung der Schüler. Franckes Gedanken waren unter anderem auch Antwort auf die Zustände während und nach dem 30-jährigen Krieg.

Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Garten unter Einfluss von Rousseau als wichtiger Teil der Schule mit folgenden Zielen: Betätigung, Naturerkenntnis und Erholung erklärt.

Allerdings verbreiteten sich die Gärten der Philanthropen nur wenig. Auch Fröbel konnte durch seinen Kindergarten eine Ausdehnung der Schulgartenbewegung nicht herbeiführen.

Wie man schon merkt, hat sich die Schulgartenbewegung nur schleppend entwickelt. Erst durch den Ausbau der Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert erlang der Schulgarten an Ansehen, rückte in das öffentliche Bewusstsein und an Schulen. So nahm die Entwicklung über Beobachtungs- und Lehrgärten, Arbeitschulgärten, Produktionsgärten, Nutzgärten hin zum naturnahen und praxisnahen Schulgärten ihren Lauf.

Durch die große Konsum- und Medienwelt ist es erforderlich geworden, dass der Schulgartenunterricht heute einen Beitrag zur Umwelterziehung, zur Kompetenzentwicklung und einen Beitrag zum ganzheitlichen Unterricht nach J.H. Pestalozzi leistet. Man sollte den Kinder die Augen bezüglich der „neuen Welt“ natürlich öffnen; allerdings ist es auch wichtig, an alten Traditionen festzuhalten und sie zu bewahren. Man kann immer wieder historische Elemente entdecken und sie für den heutigen Unterricht verwenden. So kann man zum einen alte Traditionen bewahren und zum anderen die Kinder für neue Dinge begeistern.

Durch die praktische Tätigkeit im Schulgarten kann die Sozial-, Methoden- und Sachkompetenz gut ausgebildet werden. Die Schüler sollen sich im gegenseitigen Umgang und Rücksichtnahme, im Beobachten, Untersuchen und Experimentieren üben und sie sollen ökologische Sachverhalte und Zusammenhänge lernen zu begreifen.

Diese Kompetenzen können nicht nur im Schulgarten vermittelt werden, sondern auch fächerübergreifend veranschaulicht werden. Dies macht die Schulgartenarbeit natürlich wieder interessant.

3. Wie lernen Kinder

3.1. Zum Begriff Lernen

Lexikalischer Begriff:

Lernen kann man im Allgemeinen als ein Aneignen von Fähigkeiten und Kenntnissen bezeichnen. Des weiteren können auch, resultierend aus den psychologischen Ansätzen, Gefühle und Verhaltensweisen erlernt werden.

In der Pädagogik fokussiert der Begriff auf den Techniken erfolgreicher Wissensvermittlung sowie auf der seelisch-geistigen Erziehung.

3.1.1. Warum lernt der Mensch

Wir wissen, dass sich ein Lernprozess nicht nur in der Schule und im Unterricht vollzieht. Menschen lernen auch im täglichen Leben Dinge, die sie immer wieder anwenden müssen. Lernen ist also viel mehr ein zentraler Vorgang des Menschen im täglichen Leben.

Des weiteren wissen wir dass nicht nur der Mensch die Fähigkeit des Lernens besitzt, sondern auch zahlreiche Tierarten lernfähig sind. Der Mensch besitzt jedoch eine mangelnde Instinktausstattung im Vergleich zu der Tierwelt. Deshalb ist dieser auf das Lernen besonders angewiesen. So muss der Mensch Dinge erlernen, die in der Tierwelt zum Beispiel angeboren sind. Der Mensch ist also von Geburt an ein typisches Lernwesen.

Der Vorgang des Lernens bezeichnet dabei zunächst das Einprägen von Gedächtnismaterial oder auch den Erwerb von Fähigkeiten und Fertigkeiten. Beim Lernen selber spielen Gesichtspunkte wie der Lernort, Lerninhalt oder auch die Lernart eine ausschlaggebende Rolle, um sich ein Verhalten anzueignen, welches vorher nicht beherrscht wurde.

3.1.2. Was heißt Lernen

In der Psychologie werden zahlreiche Definitionen des Lernens angeboten. Ich möchte hier allerdings das für mich Wichtigste aus diesen herausziehen und erläutern.

In der Lernpsychologie berufen sich die Psychologen auf theoretische Konzepte, worin das Lernen als

- Reiz- Reaktions-Verbindung
- Gewinnung von Einsichten
- Regelkreis
- Verarbeitung von Informationen u.s.w.

angesehen wird.

Für mich steht der Begriff des Lernens zunächst als ein Vorgang, der eine Verhaltensänderung herbeiführt. Denn jedes Verhalten des Menschen, welches durch das Lernen beeinflusst wird, ruft eine Veränderung hervor. Weist ein Mensch ein starres, instinktiv gesteuertes Verhalten auf, kann auch kein Lernen erfolgen. Durch das Lernen kann der Erwerb von neuen Verhaltensweisen als auch die Modifikation eines bereits erworbenen Verhaltens erlangt werden. Man kann also sagen, dass ein Mensch nur dann lernen kann, wenn er bereit ist, Neues anzunehmen oder auch Altbewehrtes umzuwandeln. Die äußere Umgebung und das innere Wollen muss also im Gleichgewicht zueinander stehen.

Allerdings möchte ich gleich anfügen, dass das Lernen ein langanhaltender Prozess ist. Bestimmte Dinge eignet man sich schneller an, manch andere langsamer. Aufgrund des lebenslangen Lernens kann man nicht genau sagen wie lange ein Lernprozess dauert und wann er exakt abgeschlossen ist.

Auch durch die Einsicht kann – muss aber nicht – eine Verhaltensveränderung erst viel später bewirkt werden. Nicht immer zeigt sich diese im äußeren Verhalten. Deswegen ist es manchmal schwer erkennbar, ob eine Verhaltensänderung eingetreten ist.

Außerdem möchte ich noch hinzufügen, dass nicht alle Verhaltensveränderungen zum Lernen gezählt werden können. Nur dauerhafte Veränderungen bewirken ein Lernen, welches in der Zukunft angewendet und ausgebaut werden kann. Allerdings kann der Lernprozess über Jahre andauern und von heute auf morgen gestoppt werden. In diesem Moment stoppt der „Zögling“ die Verhaltensveränderung. Sie ist also als relativ dauerhaft zu sehen.

Beim Lernen spielt nicht nur neues Lernmaterial eine ausschlaggebende Rolle, auch Erfahrungen haben beim Lernprozess einen hohen Stellenwert. Nicht zuletzt diese Erfahrungen lassen uns darüber entscheiden, ob wir neues Material annehmen wollen oder nicht.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass das Lernen auf Grund von Erfahrungen eine relativ dauerhafte Verhaltensveränderung bewirkt.

3.2. Entwicklungstheoretische Standpunkte – Piagets Denkentwicklung

Es gibt eine große Anzahl von Psychologen, die sich mit der Entwicklung des Menschen beschäftigt haben. Einige dieser sind z.B. E. Erikson, J. Piaget, F.B. Skinners, A. Freud, L. Kohlberg. Sie alle haben sich mit unterschiedlichen Gebieten der Entwicklungspsychologie wie z.B. Denkentwicklung, Persönlichkeitsentwicklung, Moralentwicklung beschäftigt.

Auf einen dieser Entwicklungspsychologen möchte ich kurz eingehen und seine Standpunkte darstellen.

J. Piaget ist wohl einer der angesehensten Entwicklungspsychologen des 19. Jahrhunderts. Der Schweizer erforschte die Denkentwicklung.

Piaget kam in seinen Forschungen zu dem Urteil, dass bei allen Kindern, egal welcher Herkunft, „das kindliche Denken eine Reihe von intellektuellen Wachstumsstadien durchläuft“[2]. Er stellte dazu ein Stufenmodell auf, in denen das Alter der Kinder berücksichtigt wurde.

Stufen der Denkentwicklung im Überblick[3]

Sensumotorisches Denken

0 – 2 Jahre

Symbolisches Denken

2 – 4 Jahre

Anschauliches Denken

4 – 7 Jahre

Konkret – operationales Denken

7 – 11 Jahre

Formal – operationales Denken

11 – 15 Jahre

Wie sich aus diesem Schema erkennen lässt, spielt das anschauliche und konkret-operationale Denken in der Grundschule eine große Bedeutung. Das heißt für den Grundschulunterricht, dass der Lernstoff zum einen anschaulich, also mit möglichst vielen Hilfsmaterialien erklärt wird und zum anderen soll der Schüler den Stoff wahrnehmen, also in eine konkrete Handlung mit einbezogen werden. Ich denke, dass dieser Gesichtspunkt auch bei der heutigen Unterrichtsgestaltung noch eine große Rolle spielt. Im Schulgartenunterricht lassen sich allerdings die meisten Dinge anschaulich darstellen, da es eine Naturwissenschaft ist und so die Vorgänge durch Experimente gut verdeutlicht werden können. Die Kinder begreifen also durch Sehen und eigenes Handeln. Für mich machen gerade diese zwei Gesichtspunkte den Schulgartenunterricht so wichtig für Kinder und angenehm für das Unterrichten.

3.3. Lernformen heute

Das Lernen selber meint den Erwerb von Wissen und Fertigkeiten. In der Lernpsychologie weist man beim Erwerb von Wissen und Fertigkeiten auf unterschiedliche Lernformen hin.

Gerade in den aktuellen pädagogischen Bestrebungen werden immer wieder neue Lernformen entdeckt - also Variationsmöglichkeiten, wie das Lernen erleichtert werden kann. Im Folgenden soll erklärt werden, welche Lerntypen, Lernstile, verschiedene Lernformen und spezielle schulische Lernformen es gibt.

3.3.1. Lerntypen

So unterschiedlich, wie jeder Mensch ist, so unterschiedlich sind auch die verschiedenen Lerntypen. Wahrnehmung, Motorik, Intelligenz und Denkfähigkeit, Kreativität und Phantasie, Sprache, Emotionalität, Sexualität, Moral und prosoziales Verhalten prägen das Kind und somit den Lerntyp entscheidend.

Lerntypen reichen von der einfachsten Form bis hin zur komplexen Form. Ein Lerntyp ist Bestandteil einer Lernform und spielt somit bei der Lernart eine entscheidende Rolle. Für das Lernen sind vor allem die Sinne entscheidend. Das Sehen, das Hören und das Fühlen sind die entscheidenden Sinne, die uns beim Lernen helfen können. Es gibt dementsprechend folgende verschiedenen Lerntypen:

- visuell (Sehen)
- auditiv (Hören)
- kinästhetisch (Fühlen)

sowie Kombinationsformen der verschiedenen Sinne.

- Der visuelle Lerntyp: Lernen durch Sehen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der visuelle Lerntyp bevorzugt Texte zum Lesen, Graphiken zum Anschauen, Bilder und Illustrationen, um Sachverhalte zu verstehen. Visuell orientierte Menschen lernen am besten mit Übersichtstafeln. Die Lernumgebung spielt bei den visuellen Lerntypen eine ausschlaggebende Rolle.

Lernhilfen können sein: Bücher, Skizzen, Bilder, Lernposter, Videos, Lernkarteien.

- Der auditive Lerntyp: Lernen durch Hören

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Hören hilft einem auditiven Lerntyp am besten beim Lernen. Dem Lernenden hilft es, sich selbst den Text laut vorzulesen oder einem anderen zuzuhören.

Kassettenprogramme, die den zu lernenden Stoff beinhalten, sind für auditiv Lernende eine große Hilfe. Außerdem ist eine leise Umgebung für den auditiv Lernenden sinnvoll. Durch Selbstgespräche kann der Lernende den Stoff verinnerlichen. Das Kind kann durch Geräusche in der Lernumgebung schnell gestört werden und somit kommt es nicht zum Wissenserwerb.

Weiterhin können Gespräche, Vorträge und Musik dem Kind helfen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Der kinästhetische Lerntyp: Lernen durch Tun

Am besten lernt ein kinästhetisch orientierter Mensch dadurch, dass er selbst etwas tut - z.B. durch Ausprobieren, Rollenspiele, Übungspräsentationen oder Gruppenaktivitäten.

Einen kinästhetisch orientierten Lernender zeichnen viele Gesten und der Drang, sich zu bewegen aus. Ihm hilft es, Dialoge und Diskussionen in Lerngruppen oder Rollenspielen zu führen.

- Kombinationsformen

Der bevorzugte Lernstil ist nicht immer so eindeutig festzulegen. Oft lernen auch Kinder, wenn sie Bilder und Töne kombinieren oder wenn sie die Informationen hören und dann selbst ausprobieren.

Um einen Lerntyp zu benennen, bedarf es gründliche Untersuchungen. Hat man ihn dann jedoch bei einem Kind herausgefunden, kann dies für das weiterführende Lernen von großer Bedeutung sein.

Unabhängig davon, welchen Lerntyp ein Kind widerspiegelt, sollten im Unterricht möglichst viele Sinneskanäle in den Lernprozess mit einbezogen werden, denn wir lernen

- zu 20% über das Gehör
- zu 30% über das Auge
- zu 50% über das Gehör und das Auge
- zu 70% über das Gehör, das Auge und die sprachliche Kommunikation und
- zu 90% über das Gehör, das Auge, die sprachliche Kommunikation und das selber Tun.

3.4. Verschiedene allgemeine Lernformen, die für den Schulgartenunterricht relevant sind

3.4.1. Natürliches Lernen

Beim Natürlichen Lernen wird davon ausgegangen, dass sich der Lernende von sich aus mit einer Sache beschäftigt. Dabei soll ihn keine fremde Person motivieren, sich mit einer Sache zu beschäftigen. Wenn der Lernende an einer Stelle ein Hindernis nicht überwinden kann, nimmt er Hilfe in Anspruch und lässt sich unterrichten. Im Allgemeinen zeichnet sich natürliches Lernen durch:

- „hohes Maß an Eigeninitiative
- unmittelbares Sachinteresse
- relativ große und andauernde Konzentration
- verstärkte Einprägung
- flüssiges Anwendungsverhalten und
- größere Kritikbereitschaft“[4]

aus.

3.4.2. Sinnfreies Lernen

Sinnfreies Lernen ist, wie das Wort selber schon sagt, ein Lernen ohne jegliche Sinne – also ein bloßes Auswendiglernen. Hierbei versucht der Lehrende dem Lernende sinnbezogene Hilfen zur gedanklichen Verknüpfungen zu geben (sogenannte „Eselsbrücken“).

Ich denke, dass das formale Auswendiglernen keine für den Schüler angenehme Lernform ist. Dennoch wird sie in der Schule praktiziert und ist teilweise auch unerlässlich. Gewisse Vorgänge können die Kinder aus ihrer Erfahrungswelt noch nicht wissen, aber sie brauchen dieses Wissen, um Neues zu begreifen. Ein Kind kann sich kaum vorstellen, welche Inhaltsstoffe z. B. eine Kartoffel aufweist. Es braucht dieses Wissen jedoch, um beim Experiment „Wir stärken Wäsche“ den Grund der festeren Wäsche zu verstehen. Es ist also immer etwas schwierig, den Kindern alles begreiflich darzustellen.

3.4.3. Sinnvolles Lernen

Im Gegenteil zum sinnfreien Lernen werden beim sinnvollen Lernen Sachverhalte gelernt, die bestimmte Bedeutungen, Zusammenhänge und Einsichten darstellen. Hierbei ist anzumerken, dass Schüler sich sinnvolles, sprachliches Material leichter aneignen können, als sinnarmes.

Sinnvolles lernen ist eng mit dem Lernen durch Einsicht und dem Problemlösen (vgl. Kap.3.3.1. Lerntypen) verknüpft.

Beim sinnvollen Lernen sind nach KAISER und KAISER folgende Stufen erkennbar:

- Eine Schwierigkeit tritt auf.
- Diese wird lokalisiert und präzisiert.
- Mögliche Lösungswege werden entworfen.
- Die Folgen dieser Entwürfe werden bedacht.
- Der Lösungsweg wird abgelehnt oder akzeptiert und daraufhin praktiziert.

Das das sinnvolle Lernen im Schulgartenunterricht und jedem anderen Unterrichtsfach Anklang findet, ist sicherlich verständlich. So kann sich ein Schüler zum Beispiel einen komplexen Vorgang wie die Wachstumsvorgänge in einer Pflanze nur schwer vorstellen. Er weiß jedoch, dass die Pflanze, wie auch der Mensch, Wasser, Luft, Sonne und Nährstoffe zum Wachsen braucht. So kann er begreifen, warum die Pflanzen größer werden. Natürlich ist hierbei darauf zu achten, dass ein Kind auch kindgerecht unterrichtet wird. Das heißt, ihm genügend Anschauungsmaterialien bereitgestellt werden.

3.4.4. Intentionales Lernen

Das intentionale Lernen ist auf bestimmte Absichten gerichtet. Dabei kann der Lernende wie auch der Lehrende das Lernziel vorgeben. Es soll das Lernziel hierbei erreicht werden und somit ein gezieltes Lernen bewirkt werden.

Auch wenn der Schüler sich selber Aufgaben stellt und diese lösen möchte bzw. löst, handelt es sich um intentionales Lernen.

Beispiel: Will der Lehrer an einem bestimmten Tag im Garten umgraben, so möchte er den Schülern zum einen die Arbeitstechnik und zum anderen die Notwendigkeit des Umgrabens vermitteln.

3.4.5. Inzidentelles Lernen

Das inzidentelle Lernen ist das Gegenstück zum intentionalen Lernen. Hierbei ist kein Anlass oder Auftrag von außen und auch kein Lernziel des Lernenden erkennbar. Der Lernende lernt also nebenbei. Dieses Lernen wird auch als beiläufiges Lernen bezeichnet.

Beispiel: Die Kinder sollen in er ersten Schulgartenstunde den Schulgarten inspizieren. Dann lernen sie von allein, wie der Schulgarten angelegt ist, vielleicht was dort wächst, erkennen z.B. durch das Riechen einige Kräuter wieder oder andere Dinge. Die Kinder können also auch für sich selber Dinge entdecken. Der Lehrer kann zumal nie alle Gedankengänge, die ein Schüler für sich vollzieht, beeinflussen. Also lernt der Schüler eigentlich immer inzidentell.

3.4.6. Rezeptives Lernen

Beim rezeptiven Lernen werden die Lernaufgaben mit den Inhalten des Lehrers übernommen. Der Schüler bringt hierbei keine eigenen Ansätze mit hinein. Er lernt also nach Vorgabe. Bei dieser Lernform ist es für den Lehrer wichtig die Aufgaben so zu stellen, dass der Schüler den Lernprozess mit Einsicht nachvollziehen kann.

Führt der Schüler also das Umgraben im Schulgarten ohne jeglichen eigenen inneren Antrieb durch, so lernt er die Arbeitstechnik des Umgrabens rezeptiv.

3.4.7. Entdeckendes Lernen

Wie es der Begriff schon vermuten lässt, soll beim entdeckenden Lernen der Lernende selber schöpferisch den Lösungsweg erlangen und somit seine Problemsituation bewältigen. Dabei werden Einsichten und Kenntnisse erworben, die es dem Lernenden erleichtern sollen, auch später auftretende Probleme eigenständig und kreativ zu lösen sowie neue Zusammenhänge zu entdecken. BRUNER (1966) sprach dem entdeckenden Lernen Vorteile wie

- größere Lebensfreude und Selbstvertrauen
- Eigenaktivität des Lernenden
- größere Konzentration und Ausdauer und eine
- erhöhte Gedächtnisleistung

zu.

Im Schulgartenunterricht finden hierzu zahlreiche Experimente und Beobachtungsaufgaben Anwendung. So kann ein Schüler die Notwendigkeit des Lichtes beim Experiment besser verstehen als beim sinnfreien Lernen. Das entdeckende Lernen ist also auch enge verbunden mit dem sinnvollen Lernen.

3.5. Lernformen, die zur Kompetenzentwicklung im Schulgartenunterricht beitragen

Bei den kompetenzbezogenen Lernformen möchte ich nun 4 Lernformen erklären, die fast ausschließlich in der Schule ihre Anwendung finden. Hierbei werde ich zum Teil auf die vorherigen allgemeinen Lernformen verweisen bzw. diese mit einbeziehen.

Ier

3.5.1. Lernen durch Einsicht

Das Lernen durch Einsicht ist ein Lernen, wobei bestimmte Probleme erkannt werden sollen und diese durch sinnvolle Überlegungen gelöst werden können. Es kann dem sinnvollen Lernen (vgl. Kap. 3.6.3.3. Sinnvolles Lernen) gleichgesetzt werden. Beim Lernen durch Einsichten sollten allerdings bestimmte Verlaufsschritte eingehalten werden, die schließlich zur Einsicht führen können.

Zu den Verlaufsschritten zählen:

Vororganisation: Die Vororganisation beinhaltet das Überdenken von bereits erworbenen Lernprozessen und neuen auftretenden Gegebenheiten. Es müssen also erst entsprechende Grundlagen geschaffen werden, um einen neuen Lernprozess zu inszenieren.

Störung: Eine Störung kann auftreten, wenn der gewohnte Handlungsablauf durch das Auftreten eines Problems nicht mehr durchzuführen ist. Genauso kann dies in der kognitiven Ebene passieren. Im geschlossenen Gedankensystem kann z.B. durch einen offenkundigen Widerspruch eine „Lücke“ entstehen, die den Lernenden zum Hinterfragen veranlasst.

Problembewusstsein: Anschließend wird dem Lernenden das Problem bewusst. Der Lernende erkennt, dass nicht nur die Störung behoben werden muss, sondern auch die Ursache für die Störung.

Durchorganisation: Ist dem Lernenden sein Problem bewusst, veranlasst ihn nun also die Situation zu einer Umorganisation, wobei meist ein Wandel in dem Bedeutungsgehalt vollzogen wird. Der Lernende wägt nun ab und entscheidet, welchen Elementen er mehr Bedeutung zusprechen muss und welche er zurückschrauben kann. Verschiedene Lösungen werden hierbei gedanklich durchexperimentiert.

Einsichtsgewinnung: Der Lernende schließt die Durchorganisation mit der Gewinnung von Einsicht ab. Er erkennt die für die Situation wichtigen Faktoren, lässt sie zusammenfließen und löst somit das Problem auf.

Realisierung: Die gewonnene Problemlösung wird bei der Phase der Realisierung auf die Lösung der Aufgabe bzw. auch auf ähnliche (entstandene) Probleme transferiert. Das Erlangen dieser Einsicht und das Umdenken können auch zu einem späteren Zeitpunkt noch von Wirkungen sein.

Das Hauptziel des Lernens durch Einsicht ist also, bedeutsame Elemente einer Situation zu erfassen, sie einzusehen und sie richtig zu ordnen. Die Einsicht soll zu gegenwärtigen und auch zukünftigen Problemlösungen führen.

Beabsichtigt der Lehrer, dass der Lernende durch Einsichten lernt, muss das zu lernende Material sinnvoll sein und einen logischen Sinneszusammenhang aufweisen. Außerdem muss der Lernende lernen wollen. Sollte dies nicht der Fall sein, sollte der Lehrer den Lernenden dazu motivieren können, sich mit dem Sachverhalt auseinander zu setzen.

Das Lernen durch Einsicht kann im Schulgartenunterricht die Sachkompetenz des Kindes ausbilden. Hierbei können zum Beispiel bestimmte Lebewesen und ihre Lebensweisen kennen gelernt werden, so dass hier beispielsweise die Einsicht zum Naturschutz erkannt und umgesetzt wird.

3.5.2. Soziales Lernen

Wie es der Begriff ‚sozial’ schon erkennen lässt, handelt es sich hierbei um ein Lernen in der Gemeinschaft. Das Lernen ist auf einen anderen Menschen bezogen, wird von dessen Verhalten beeinflusst und wirkt sich auf andere aus. Da es ein Lernen unter vielen ist, ist es zwingend notwendig, dass bestimmte Normen der Gesellschaft eingehalten werden.

In der Schule wird das soziale Lernen zumeist in der Form des Gruppenunterrichtes praktiziert. Hierbei bringen alle Kinder ihr Wissen ein und lernen somit von- und miteinander. Der Gruppenunterricht wird dabei von Meinungen und Kommentaren einzelner geleitet.

Durch das Bilden von Kleingruppen können Hemmungen einzelner Schüler schneller behoben werden als im Klassenverband. Es ist außerdem zu erkennen, dass Kinder entsprechend ihrer Leistung an Ansehen gewinnen.

Soziales Lernen kann sich auch nachhaltig positiv (z.B. rücksichtsvoller und verständnisvoller) auf die Entwicklung des Kindes auswirken.

Um diesen Erfolg zu erlangen, müssen Elternhaus und Lehrer eng zusammen arbeiten. Dabei sollten:

- „rücksichtslose, überstrenge Erwartungen,
- übersorgtes, ängstliches bewahrendes Betreuen,
- liebloses und vernachlässigendes Verhalten seitens der Eltern möglichst vermieden werden“.[5]

Allerdings kann auch der Lehrer zum Nichtgelingen von sozialem Verhalten beitragen, indem er:

- „geringe Zeit beim Warten auf Antwort geben lässt
- den Schüler in einer Versagenssituation zu lange belastet,
- ihn verhältnismäßig häufig oder laut kritisiert,
- ihn selten aufruft, lobt oder ihm Anerkennung zeigt und
- ihm eine geringe Aufmerksamkeit zukommen lässt“.[6]

Das soziale Lernen ergibt sich nicht nur aus den sozialen Zielen, auch im täglichen Leben werden die Kinder mit sozialen Lernformen konfrontiert. Deswegen finde ich es sehr wichtig, diese Form des Lernens möglichst oft im Unterricht einzusetzen. Im Schulgartenunterricht kann es durch den praxisbezogenen Unterricht sehr gut realisiert werden. Kinder können zum Beispiel beim Experimentieren in Kleingruppen sehr gut zusammen arbeiten und somit voneinander lernen. Es ist für den Lernprozess jeden Kindes von Vorteil, da sie sich hier gegenseitig ergänzen und gemeinsam zu einer Lösung gelangen.

[...]


[1] LEHRPLAN 1999; S.131

[2] THOMAS/FELDMANN; 1994 S. 14 f

[3] G.KELLER 2000; S. 37

[4] SCHRÖDER 2000; S. 18

[5] SCHRÖDER 2000; S. 23

[6] SCHRÖDER 2000; S. 23

Details

Seiten
96
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638283182
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v25793
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,3
Schlagworte
Historische Betrachtungen Gestaltung Nutzung Schulgärten Quelle Orientierung Schulgartenarbeit Deutschland

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