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Exegese von Mk 3,1-6 (Jesus heilt am Sabbat einen Menschen mit einer erstorbenen Hand)

Seminararbeit 2002 21 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhalt

0. Grundlage

1. Übersetzungsvergleich

2. Textabgrenzung/Kontextanalyse
2.1 Textabgrenzung
2.2 Kontextanalyse

3. Strukturanalyse

4. Synoptischer Vergleich

5. Literarkritik

6. Formgeschichte

7. Redaktionsgeschichte/Kompostionskritik

Anhang: -graphische Darstellung der Strukturanalyse

Literaturverzeichnis

0. Grundlage

Als Grundlage für die folgende Exegese, zu Mk 3,1-6 soll die Übersetzung der Zürcher Bibel1 gelten. Die Proseminararbeit gliedert sich in sieben Arbeitsschritte, die im folgenden noch einmal explizit erläutert werden.

Mk 3,1-6:

Jesus heilt am Sabbat einen Menschen mit einer erstorbenen Hand

(Mat. 12,9-14; Luk. 6,6-11)

1 Und er ging wiederum in eine Synagoge. Und es war dort ein Mensch, der hatte eine erstorbene Hand. 2 Und sie gaben acht auf ihn, ob er ihn am Sabbat heilen würde, damit sie ihn anklagen könnten. 3 Da sagte er zu dem Menschen, der die erstorbene Hand hatte: Tritt her in die Mitte! 4 Und er sprach zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses zu tun, ein Menschenleben zu retten oder zu töten? Sie aber schwiegen. 5 Und indem er sie ringsumher mit Zorn ansah, betrübt wegen der Verstocktheit ihres Herzens, sagte er zu dem Menschen: Strecke die Hand aus! Und er streckte die Hand aus, und seine Hand wurde wiederhergestellt. 6 Da gingen die Pharisäer hinaus und hielten alsbald mit den Anhängern des Herodes Rat wider ihn, wie sie ihn ins Verderben bringen könnten.

1. Übersetzungsvergleich

Übersetzungen geben den griechischen Text des Neuen Testaments wieder. Die Schwierigkeit besteht darin, dass den Verfassern selbst nur Abschriften vorlagen. Den ursprünglichsten Text gibt es nicht, da jeder Text von den Entscheidungen des Herausgebers abhängig ist. Es gibt zwei unter-schiedliche Arten, welche die allgemeine Übersetzungswissenschaft heraus-gestellt hat. Zum einen gibt es die formale Übersetzung, die versucht Wort für Wort syntaktisch genau wiederzugeben ohne Auslegungsentscheidungen voraussetzen zu wollen, zum anderen gibt es die dynamisch – gleichwertige Übersetzung, die weniger Wert auf Genauigkeit, dafür aber auf Verständ-lichkeit für den heutigen Adressaten legt. Die zu untersuchenden formalen Übersetzungen sind aus der Zürcher Bibel1,

der Luther Bibel1, der Einheitsübersetzung2 und der Münchener Übersetzung3, die dynamisch – gleichwertigen Übersetzungen sind von J. Zink4, U.Wilckens5 und der Guten Nachricht6.

Der Übersetzungsvergleich hat die Aufgabe sich aus der Vielzahl von differierenden Handschriften dem Text anzunähern, der ihnen allen zugrunde liegt. Hierbei ist im Allgemeinen festzustellen, dass die schwierigere Lesart in der Regel die frühere ist. Somit wird die Münchener Übersetzung3 zu der formalsten Übersetzung gezählt. Des weiteren ist die kürzere Lesart in vielen Fällen die ursprüngliche, da viele moderne Über-setzungen Erklärungen hinzugefügt haben. Hieraus ergibt sich der dritte Fall, der besagt, dass die sprachlich härtere Lesart eher, als die sprachlich glattere Lesart die ursprüngliche ist.

Auf die zu untersuchende Bibelstelle bezogen, zeigt sich der Vergleich von den sieben genannten Übersetzungen am deutlichsten an Vers 2, welcher im Anhang herausgestellt ist. Die Übersetzung der Guten Nachricht6 hat sprachlich den schönsten Text verfasst. In Vers 2 fällt auf, dass sich bei dieser Übersetzung die Satzstellung von allen anderen zu untersuchenden Übersetzungen unterscheidet. Die Tatsache, dass einige der Anwesenden Jesus anzeigen wollen, steht im ersten Teil des Satzes, bei den übrigen Übersetzungen im letzten Teil. Es ist ebenfalls auffällig, dass die Gute Nachricht6 den modernen Ausdruck „anzeigen“ statt „anklagen“ benutzt, was die Intention der dynamisch – gleichwertigen Übersetzung, nämlich auf das Verständnis des heutigen Adressaten wertzulegen, noch einmal hervor-hebt. Die Übersetzung nach J. Zink4 benutzt statt „anklagen“ oder „an-zeigen“ den Ausdruck „geistliches Gericht“. Dieser Ausdruck ist nur eine speziellere Weiterführung des Begriffs „anklagen“, denn diese Handlung muss der Verurteilung vorm geistlichen Gericht vorausgegangen sein. Bei J. Zink4 ist außerdem ein Einschub festzustellen, der in Klammern hinzugefügt wurde, um dem heutigen Leser den Sabbat zu erklären. Dies zeigt den dynamisch – gleichwertigen Charakter dieser Übersetzung.

Ein weiterer Unterschied der Übersetzungen zeigt sich in der Bezeichnung der Personen, die Jesus beobachten. Die Übersetzung nach U.Wilckens1, die Übersetzung nach Luther2, die Einheitsübersetzung3, die Münchener Über-setzung4 und die Zürcher Bibel5 benutzen das Personalpronomen „sie“ im Plural, die Gute Nachricht6, sowie die Übersetzung nach J. Zink7 benutzen das Indefinitpronomen „einige“ oder „einige der Anwesenden“. Bei dem Indefinitpronomen wird eine unbestimmte, nicht große Anzahl gekennzeich-net, bei dem Personalpronomen „sie“ werden vom Leser mehrere Personen oder eine größere Gruppe assoziiert. Es fällt auf, dass bei beiden Über-setzungsarten die Personen unbestimmt bleiben, das bedeutet, dass der Leser zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, ob es sich um Gegner handelt oder ob diese Personen zum einfachen Volk gehören.

Des weiteren ist ein Unterschied in der Bezeichnung der Person Jesu festzu-stellen. Die Gute Nachricht6, die Übersetzung nach J. Zink7 und die Ein-heitsübersetzung3 benutzen den Namen „Jesus“, alle übrigen Übersetzungen benutzen nur das Personalpronomen „er“/“ihn“ und lassen somit die Person unbestimmt. Vermutlich wollen die genannten Übersetzungen, welche den Jesusnamen gebrauchen nocheinmal hervorheben, dass es sich genau um diese Person, nämlich Jesus, handelt, die das Sabbatgebot missbraucht. Allen anderen Übersetzungen scheint eine erneute Bezeichnung des Jesusnamens, aufgrund des vorangegangenen Kontextes, für den Adressaten überflüssig zu sein.

Auf der semantischen Ebene sind die Ausdrücke „beobachten“(Übersetzung nach U.Wilckens1, Gute Nachricht6, Übersetzung nach J. Zink7),

„lauern“/„belauern“ (Übersetzung nach Luther1, Münchener Übersetzung2) und „acht geben“ (Einheitsübersetzung3, Zürcher Bibel4) zu unterscheiden. Die Tatsache, Jesus bei seinem Handeln zu „beobachten“ oder auf ihn „achtzugeben“, beschreibt einen neutralen Zustand. Die Ausdrücke „lauern“ und „belauern“ hingegen wirken negativ und bedrohlich. Sie lassen die streitbare Gesinnung der anwesenden Personen anklingen und bereiten den Leser darauf vor, dass es sich bei diesen unbestimmten Personen um Gegner handeln kann. Da die Münchener Übersetzung2 zu den formalsten Über-setzungen gezählt wird, ist „belauern“ die ursprünglichste Bezeichnung und wurde vermutlich nach und nach neutralisiert.

Der Vergleich der Übersetzungen an Vers 2 aus Mk 3,1-6 zeigt, dass die dynamisch – gleichwertigen Übersetzungen die verständlichsten, aber dafür auch ungenausten Übersetzungen sind. Es werden modernere Ausdrücke benutzt, wobei die Gefahr besteht den Sachverhalt zu verändern oder ihn zu neutralisieren. Durch eingefügte Erklärungen sind sie länger und wirken auf den heutigen Leser sprachlich glatter. Die formalen Übersetzungen sind genauer, dafür jedoch auch schwieriger zu verstehen. Der Vergleich zeigt jedoch, dass auch hier Differenzen auftreten und nur Vermutungen über den ursprünglichsten Text aufgestellt werden können.

2. Textabgrenzung/Kontextanalyse

2.1 Textabgrenzung

Die Textabgrenzung hat die Aufgabe den zu bearbeitenden Teiltext gegenüber dem vorangehenden und dem folgenden Kontext abzugrenzen und den Mikrokontext festzulegen. Hierbei sind Gliederungssignale des Textes wie Einheit der Zeit, Einheit des Ortes, Einheit der Personen und Einheit des Themas bedeutend, die auf eine Textkohärenz hinweisen. Tritt ein Mangel an diesen Merkmalen zwischen zwei Einzeltexten auf, so ist eine Zäsur festzustellen.

Das Markusevangelium besteht nach einer Einleitung (V.1,1-13) aus drei großen Teilen. Der erste Hauptteil (V.1,14-8,26) handelt von Jesu Wirken in Galiläa, im folgenden Mittelstück (V.8,27-10,52) wird Jesu Weg von Galiläa nach Jerusalem dargestellt und der letzte Teil (11,1-16,8) berichtet von Jesu Passion und Tod in Jerusalem. Der zu bearbeitende Teiltext (3,1-6) befindet sich im ersten Hauptteil des Markusevangeliums und ist durch zwei einrahmende Zäsuren zugleich der Mikrokontext.

[...]


1 Kirchenrat Zürich, Altes und Neues Testament 51.

1. Evangelischer Kirchenrat Deutschland, Die Bibel 41.

2. Bischöfe Deutschlands, Einheitsübersetzung 99.

3 Heinz, Münchener NT 71.

4 Zink, Neues Testament 87-88.

5 Wilckens, Neues Testament 137.

6 Bibelgesellschaften und– werke Deutschlands, Gute Nachricht 92.

1 Wilckens, Neues Testament 137.

2 Evangelischer Kirchenrat Deutschland, Die Bibel 41.

3 Bischöfe Deutschlands, Einheitsübersetzung 99.

4 Heinz, Münchener NT 71.

5 Kirchenrat Zürich, Altes und Neues Testament 51.

6 Bibelgesellschaften und- werke Deutschlands, Gute Nachricht 92.

7 Zink, Neues Testament 87-88.

1 Evangelischer Kirchenrat Deutschland, Die Bibel 41.

2 Heinz, Münchener NT 71.

3 Bischöfe Deutschlands, Einheitsübersetzung 99.

4 Kirchenrat Zürich, Alts und Neues Testament 51.

Details

Seiten
21
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638284752
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v26007
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Evangelische Theologie
Note
2+
Schlagworte
Exegese Sabbat Menschen Hand) Einführung Arbeit Neuen Testament

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