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Grundlagen im Bodenturnen und Sprung. Unterschiedliche Möglichkeiten des Aufspringens und Überquerens eines Kasten mittels eines Stationsbetriebes entdecken

Unterrichtsentwurf 2003 11 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Beschreibung der pädagogischen Situation

2. Didaktisch-methodische Überlegungen zur Unterrichtsreihe

3. Didaktisch-methodische Überlegungen zur Unterrichtsstunde

4. Ausblick

5. Literatur

6. Anhang

1. Beschreibung der pädagogischen Situation

Seit Februar 2003 unterrichte ich eigenverantwortlich die Klasse 8d im Fach Sport. Der Unterricht findet freitags in der 1. und 2. Stunde in der Halle A der Herderschule statt. Parallel dazu hat auch die 5s Sportunterricht, sodass jeweils einer Klasse in wöchentlichem Wechsel ein Drittel bzw. zwei Drittel der Halle zur Verfügung stehen[1]. Für die Boden- und Sprungturneinheit können jeweils vier große Kästen[2], Böcke, Sprungbretter und Weichböden, sowie acht kleine Kästen genutzt werden. Auch sind genügend kleine Matten zum Sichern der Geräte und zum Aufbau einer Bodenbahn vorhanden.

Die Lerngruppe setzt sich aus 15 Schülerinnen und 10 Schülern zusammen und zeigt sich dem Fach Sport gegenüber positiv aufgeschlossen. Dies spiegelt sich in einer großen Leistungs- und Motivationsbereitschaft wider. Viele SuS[3] sind in ihrer Freizeit sportlich aktiv, teilweise sogar im Leistungsportbereich. Aktive VereinsturnerInnen befinden sich jedoch nicht in der Klasse. Ein Großteil der Gruppe ist in konditioneller sowie koordinativer Hinsicht im oberen Leistungsbereich anzusiedeln. Für diese SuS stellt beispielsweise der Handstand an der Wand kein Problem dar, während andere nicht in der Lage sind, über einen gewissen Zeitraum im Liegestütz zu verharren. Diese unterschiedlichen Bewegungsvoraussetzungen erfordern Maßnahmen zur Differenzierung im Unterricht und teilweise offenere Aufgabenstellungen, um allen SuS angemessene Lernziele anbieten zu können (Näheres dazu folgt in Kap. 3.).

Da an der Herderschule der Sportunterricht in den Jahrgangsstufen fünf bis zehn koedukativ im Klassenverband unterrichtet wird, versuche ich, die einzelnen Stunden und Einheiten so zu planen, dass für die Mädchen sowie für die Jungen, Themen ausgewählt und bearbeitet werden, die sie interessieren und motivieren. Im Anschluss an die Fußballreihe fand die Turneinheit bei den Mädchen großen Zuspruch, während viele Jungen über diese Themenwahl nicht sehr erfreut waren. Ich hoffe aber, dass die Unterrichtsatmosphäre durch diese Unlust nicht allzu negativ beeinflusst wird und auch die Jungen am Ende der Turnreihe doch einige positive Erfahrungen für sich verbuchen können und ihre teilweise doch sehr ablehnende Einstellung zum Turnen verbessert wird.

Die SuS sind mit der Arbeitsweise des Stationsbetriebes und der Arbeit mit Auftragskarten oder -postern und Stationsskizzen vertraut und können in diesem Rahmen eigenverantwortlich arbeiten. Ich nutze daher diese methodischen Vorgehensweisen, um differenzierte Lerngelegenheiten bzw. Zugänge zu den unterschiedlichen Unterrichtsinhalten zu schaffen. In zwischengeschalteten oder abschließenden Gesprächsphasen sind die SuS in der Lage, konstruktiv Ideen zu entwickeln, Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten und Bewegungsabläufe zu erkennen und zu verbalisieren. Besonders engagiert zeigen sich diesbezüglich K., M., J., A. und S..

Insgesamt ist die Lernatmosphäre von einem offenen und toleranten Umgang miteinander geprägt. Im Folgenden werde ich jedoch auf einige SuS eingehen, denen auch in der heutigen Stunde immer wieder meine besondere Aufmerksamkeit zuteil werden muss.

Im ersten Halbjahr hatte die Klasse bei einem Kollegen Sportunterricht. Dieser gab mir den Rat T., M. und D. gut im Auge zu behalten, da sie oft durch Provokation, Desinteresse und Mitarbeitsverweigerung auffielen. Erfreulicherweise arbeitet Trutz sehr engagiert mit und ruft seine MitschülerInnen während den Gesprächsphasen sogar des Öfteren zur Ruhe auf. Michel dagegen zieht sich, sobald er kein Interesse am aktuellen Unterrichtsgegenstand mehr hat, sehr schnell zurück. Nach einer Aufforderung von mir, gliedert er sich jedoch normalerweise wieder ins Unterrichtsgeschehen ein. Im Vergleich dazu ist D. zu sehen, der dafür meist mehrmalige und eindringliche Ermahnungen braucht. Er zeigt häufig ein dominantes, destruktives und rebellisches Verhalten. Dies führt einerseits dazu, dass zurückhaltendere und leistungsschwächere SuS wie S., O., L., N. und F. manchmal verschüchtert und gehemmt reagieren und damit in ihrer Handlungsweise eingeschränkt werden, andererseits gerät er oft mit selbstbewussten SuS, wie T., M., S., E. oder K. in verbale Auseinandersetzungen.

J., dessen motorische Leistungsfähigkeit auf Grund eines Hüftproblems teilweise eingeschränkt ist, darf am Sportunterricht teilnehmen, ist aber nicht in der Lage bei allen Unterrichtsinhalten mitzumachen[4]. Er geht sehr verantwortungsvoll mit seiner Behinderung um. Sobald er merkt, dass eine Übungsform ihm Mühe oder Schmerzen bereitet, bricht er sie ab und leistet selbständig Hilfestellung oder fragt mich, was er alternativ tun könnte. Deshalb halte ich für ihn immer seiner Leistungsfähigkeit entsprechende Differenzierungsangebote bereit. Trotz seiner Behinderung arbeitet er engagiert mit und ist sehr gut in die Klasse integriert.

Einige Mädchen sind in ihrer körperlichen Entwicklung bereits weiter vorangeschritten als andere. Vor allem Carla versucht immer cool und lässig zu wirken und dabei nur nicht zu viel Begeisterung und Engagement zu zeigen. Sie flirtet lieber mit den Jungs, anstatt sich am Unterrichtsgeschehen zu beteiligen.

Elli zeigt sich häufig genervt von dem Verhalten der Jungen, führt oft mit D. und Tr. Streitgespräche und weigert sich manchmal mit ihnen in einer Gruppe zusammenzuarbeiten.

F. ist ein sehr sensibler und hilfsbereiter Junge, der häufig vom Rest der Klasse ausgeschlossen wird. Er hat eine leicht adipöse Figur und seine motorische Leistungsfähigkeit ist im schwächern Bereich anzusiedeln. Doch bei der Akrobatikeinheit blühte er förmlich auf. Anfangs wollte ihn keine/r in die Gruppe aufnehmen, aber es stelle sich bald heraus, dass Finn sehr viel Kraft besitzt und damit besonders gut für das „Pyramiden-Erdgeschoss“ geeignet war und somit wurde er schließlich immer mehr integriert. Sein Kommentar zur Akrobatikeinheit: „Endlich machen wir mal etwas in Sport, was ich auch kann“. Ich versuche ihn durch eine verstärkt positive Rückmeldung zu unterstützen und ihm das Gefühl zu vermitteln, dass ich das Ausprobieren zunächst als wichtiger erachte als die gekonnte Endform einer Bewegung.

Bis auf die eben beschriebenen Ausnahmen und obwohl ich die Lerngruppe erst seit Beginn des Halbjahres unterrichte, hat sich bereits ein angenehmes Arbeitsklima und ein offenes Verhältnis zwischen den SuS und mir entwickelt.

[...]


[1] Für die hier dargestellte Unterrichtsstunde stehen der 8d zwei Drittel der Hallenfläche zur Verfügung. Damit sind die räumlichen Bedingungen als gut zu bezeichnen.

[2] Die Kästen sind teilweise schon recht alt und wackelig und als Alternativgerät ist leider kein Sprungpferd verfügbar.

[3] Die Bezeichnung „SuS“ soll im Folgenden für „Schülerinnen und Schüler“ stehen. Sollte eine Unterscheidung notwendig sein, wird der geschlechtsspezifische Begriff verwendet.

[4] Die Spiel- und Ballsportarten stellen für ihn kein Problem dar. Doch das Turnen fällt ihm recht schwer.

Details

Seiten
11
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638284844
ISBN (Buch)
9783668196209
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v26018
Note
sehr gut
Schlagworte
Grundlagen Bodenturnen Sprung Unterschiedliche Möglichkeiten Aufspringens Kasten Stationsbetriebes

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