Lade Inhalt...

Der Westfälische Frieden

Seminararbeit 2004 27 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Westfälische Frieden
2.1. Vorgeschichte des Kongresses und Kongressbeginn
2.1.1. Der Kölner Kongress und der Kongress in Hamburg/Lübeck
2.1.2. Der Hamburger Präliminarvetrag
2.2. Ansprüche und Forderungen der kriegsführenden Großmächte
2.2.1. Die Ziele Schwedens
2.2.2. Die Ziele Frankreichs
2.2.3. Die Ziele der Kaiserlichen Politik
2.3. Vorverträge – der Weg zur Einigung
2.3.1. Verhandlungsformen
2.3.2. Vorverträge mit Frankreich und Schweden
2.3.3. Friedensvertrag zwischen den Niederlanden und Spanien
2.4. Vertragsunterzeichnung und Kongressende
2.4.1. Friedensunterzeichnung in Münster
2.4.2. Die inhaltlichen Regelungen des Westfälischen Friedens

3. Bewertung des Westfälischen Friedens durch Zeitgenossen und die deutsche Geschichtswissenschaft

4. Schlussbemerkungen / Ergebnisse

5. Quellen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Nach Leiden, Leid und Ach und letzt ergrimmten Nöten,

Nach dem auf uns gezuckt – und eingesteckten Schwert,

Indem der süße Fried ins Vaterland eingekehrt

Und man ein Dank-Lied hört statt rasender Trompeten:

Indem wir eins aus Lust und nicht durch Glut erröten,

Schließ ich dies rauhe Jahr und was mein Herz beschwert.

Mein Herz, das nicht die Angst, die unser Land verheert,

Vermocht, durch rauhen Sturm und linde Gift zu töten.

Daß der unerhörten Schmerzen und der überhäuften Last

Letztes Ziel ist angebrochen.

Bisher sind wir tot gewesen, kann nun Fried ein Leben geben,

Ach so laß uns, Friedenskönig, durch dich froh und friedlich leben,

Wo du Leben uns versprochen!“[1]

Mit diesen Versen begrüßte Andreas Gryphius das Jahr 1650, dem Jahr des endgültigen Abzugs ausländischer, vor allem schwedischer Truppen, aus dem Deutschen Reich. Zwar war schon 1648 in Münster der Frieden besiegelt worden, man konnte sich aber nicht auf den Abzug der fremden Truppen einigen. Dazu bedurfte es eines weiteren Jahres harter Verhandlungen bis schließlich auch hierzu endgültige Regelungen getroffen wurden.

Der Frieden zu Münster und Osnabrück, oder kürzer der Westfälische Frieden, stellt den Endpunkt des Dreißigjährigen Krieges dar. Dieser hatte verheerende Verwüstungen und sehr empfindliche Einbußen vor allem an Menschen über das Heilige Römische Reich Deutscher Nation gebracht, da die Kampfhandlungen fast ausschließlich auf dessen Territorium stattfanden. Es existieren sehr viele unterschiedliche Angaben über die Verluste. Aber man kann davon ausgehen, dass rund 15000 deutsche Dörfer zerstört wurden und rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung in diesem Krieg ihr Leben ließ. Anlass für diese Zerstörungen war ein Aufstand in Böhmen gegen die religiöse Unterdrückung, der sich allerdings sehr schnell zu einem gesamtdeutschen und später sogar zu einem europäischen Krieg ausweitete.

Als „religiöser Krieg“ begonnen, kamen im Laufe der Zeit vor allem durch die außerdeutschen Mächte Frankreich und Schweden auch machtpolitische und geostrategische Aspekte mit ins Spiel und religiöse Belange traten immer mehr in den Hintergrund. So konnte es zu der eigenartigen Situation kommen, dass Frankreich, eigentlich eine katholische Macht, auf Seiten der Schweden, als Unterstützer der Protestanten, in den Krieg zog. Auf die unterschiedlichen Motive, Absichten und Kriegsziele dieser beiden Mächte werde ich später näher eingehen.[2]

Aber die religiösen Differenzen zwischen den einzelnen Reichsständen spielten im Hintergrund immer noch eine gewichtige Rolle und wurden deshalb auch zum Hauptthema auf den Verhandlungen in Münster und Osnabrück sowie in den Verträgen selbst.

In dieser Hausarbeit möchte ich den Friedenskongress in Münster und Osnabrück sowie den Vertrag, der nach zähen und langen Verhandlungen geschlossen wurde, näher untersuchen. Zuerst werde ich auf die Vorgeschichte des Kongresses und den Beginn der Verhandlungen eingehen. Ich werde die Ziele untersuchen, die die drei großen Vertragsparteien Schweden, Frankreich und der Kaiser des Heiligen Römische Reiches Deutscher Nation auf dem Friedenskongress verfolgten. Auf Grundlage dessen kann ich weiter herausarbeiten, welche dieser Ziele durchgesetzt wurden und was für Auswirkungen dies auf die Mächtekonstellation in Europa hatte.

Des weiteren möchte ich die Vorverträge zwischen dem deutschen Kaiser und Frankreich bzw. Schweden sowie den Friedensvertrag zwischen Spanien und den Niederlanden näher untersuchen, inwieweit diese den Findungsprozess der Beschlüsse vereinfacht und beschleunigt haben. Außerdem sollen die Regelungen des Westfälischen Friedens und deren Auswirkungen auf das Reich untersucht und ein Vergleich mit den vor Beginn des Kongresses festgesetzten Zielen der drei großen Vertragsparteien angestrebt werden.

In einem letzten Punkt möchte ich auf die Bewertung des Westfälischen Friedens und des Kongresses, zum einen durch Zeitgenossen und zum anderen durch die Geschichtswissenschaft eingehen.

2. Der Westfälische Frieden

2.1. Vorgeschichte des Kongresses und Kongressbeginn

Zwischenstaatliche Kontakte und Verhandlungen wurden nicht erst im Juni 1645, als der Kongress in den Städten Münster und Osnabrück eröffnet wurde, aufgenommen. Erste Verhandlungen und Gespräche wurden schon in vorangegangenen Jahren geführt. So hatten bereits 1628 Spanien und die Niederlande bilateral versucht ihren Konflikt beizulegen. Des weiteren kamen nach dem Prager Frieden 1635, der zwar viele aber nicht alle Reichsstände umfasste, Gespräche zwischen dem Kaiser und Schweden in Gang. Und auch zwischen Paris, Wien und Madrid gab es nach der Kriegserklärung Frankreichs an Habsburg viele Versuche der Verständigung durch Geheimdiplomatie. In der Öffentlichkeit setzte sich aber zunehmend ab 1634 der Gedanke eines allgemeinen, großen Friedenskongresses durch.[3]

Der Kölner Kongress und der Kongress in Lübeck, welcher später nach Hamburg verlegt wurde, waren die direkten Vorläufer der Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück. Man erkennt, dass der „Große Kongress“ kein spontaner Einfall war, sondern eine Genese vollzog, die die Arbeit auf dem Kongress in Westfalen sehr vereinfachte, da große Streitfragen, vor allem zeremonieller Natur schon im Vorfeld beigelegt wurden. Diese Entwicklung möchte ich nun kurz näher charakterisieren.

2.1.1. Der Kölner Kongress und der Kongress in Hamburg/Lübeck

Die Konzeption für einen großen allgemeinen Friedenskongress geht auf Papst Urban VIII. zurück. Dieser betrachtete es als seine Pflicht, den Frieden zwischen den katholischen Dynastien, vor allem Bourbon und den beiden habsburgischen Linien zu vermitteln. Frankreich wollte jedoch nicht ohne seine Verbündeten auf diesem Kongress erscheinen, da es diesen jenes vertraglich zugesichert hatte. Die Verbündeten Frankreichs waren aber in erster Linie protestantische Mächte, z.B. Schweden (seit 1631), die Niederlande (seit 1624/1635) aber auch Hessen-Kassel (seit 1635/36), die alle die Vermittlung des Papstes ablehnten. Gleichermaßen wollte der Papst sich nicht für diese Mächte auf dem Kongress einsetzen. Damit diese dennoch daran beteiligt werden konnten, wurde Venedig als Vermittler zwischen den katholischen und protestantischen Staaten vorgesehen.[4]

Nach mehreren Streitigkeiten über den Ort der Verhandlungen, z.B. wollten die Niederlande nur auf ihrem eigenen Territorium verhandeln, einigte man sich auf Köln als Kongressort für die kaiserlich-französischen Verhandlungen. Daneben etablierte sich 1638 in Lübeck ein Kongress für die kaiserlich-schwedischen Verhandlungen, der später nach Hamburg verlegt wurde.

Eigentlich sollte der Kongress in Köln im Herbst 1636 seine Arbeit beginnen. Ein Teil der Gesandten war schon vor Ort, so z.B. der päpstliche Kardinallegat Ginetti mit Gefolge sowie die kaiserlichen und spanischen Delegationen. Allerdings trafen nie die französischen Delegierten dort ein, da Richelieu dies mit immer neuen Vorwänden hinausschob. Diese beruhten hauptsächlich auf der Frage nach Geleitbriefen, die die Diplomaten Frankreichs und seiner Verbündeten benötigten um anreisen zu können. Diese Frage und die jahrelangen diplomatischen Kämpfe die um sie entbrannten, führten letztlich dazu, dass auf den beiden Kongressen in Köln und Hamburg nie europäische Friedensverhandlungen geführt wurden.[5]

2.1.2. Der Hamburger Präliminarvertrag

Da der Beginn des Kölner Kongress durch die Passstreitigkeiten sehr stark verzögert und letztlich verhindert wurde, war es nötig, diese Frage vor dem nächsten angesetzten Kongress zu bereinigen. Dies geschah im Dezember 1641 im Hamburger Präliminarvertrag.

Vorher jedoch hatten auf dem Regensburger Reichstag im Sommer 1641 die Fürsten und Reichsstände des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation auf Druck von Schweden festgelegt, dass die westfälischen Städte Münster und Osnabrück als Tagungsorte des künftigen Friedenskongresses dienen sollen. Münster war für die Verhandlungen zwischen dem Kaiser und Frankreich vorgesehen sowie für die Beilegung des Konfliktes zwischen Spanien und Frankreich, während in Osnabrück die Verhandlungen mit Schweden stattfinden sollten.[6] Diese räumliche Trennung des eigentlich als Einheit gedachten Kongresses sollte zunächst die vielfach hinderlichen Zeremoniellschwierigkeiten vermeiden, die damals zwischen verfeindeten Monarchen üblich waren.[7]

Der Hamburger Präliminarvertrag, welcher am 25. Dezember 1641 geschlossen wurde, steckte den organisatorischen Rahmen für den Westfälischen Friedenskongress ab. Nach Vermittlung Dänemarks wurden mit diesem Vertrag drei Sachverhalte zwischen dem Kaiser, der auch Spanien vertrat, Schweden und Frankreich vereinbart. Erstens wurde die Passfrage und die Frage wer wem und wann Pässe für den Friedenskongress ausstellt geklärt. Zweitens einigte man sich darauf, dass die getrennten Kongresse von Köln und Lübeck/Hamburg nun einen einzigen Kongress darstellten und in die Nachbarstädte Münster und Osnabrück, die gleichzeitig neutralisiert wurden, also fortan vom Kriegsgeschehen ausgenommen waren, verlegt wurde. Als drittes wurde sogar ein genauer Termin für die Eröffnung des Kongresses formuliert. Die Verhandlungen sollten sofort nach der Ratifikation des Präliminarvertrages beginnen. Dieser Termin wurde aber nicht eingehalten.[8]

Durch diesen Vertrag waren nun alle Voraussetzungen für einen großen Friedenskongress gegeben. Die Streitigkeiten, die noch den ersten Versuch einen solchen zu etablieren verhindert hatten, wurden beigelegt und zu jedermanns Zufriedenheit gelöst. Aber durch diese langwierigen Verhandlungen erlebte Mitteleuropa weitere fünf verheerende Jahre Krieg, die Deutschland die größten Zerstörungen seit Beginn des Dreißigjährigen Krieges brachten.

[...]


[1] Zitiert nach: Hans Jessen (Hrsg.): Der Dreißigjährige Krieg in Augenzeugenberichten, München 1975, S. 412.

[2] Eine detaillierte Übersicht über den Dreißigjährigen Krieg geben folgende Bücher: Johannes Burckhardt: Der Dreißigjährige Krieg, Frankfurt a.M. 1992. Geoffrey Parker: Der Dreißigjährige Krieg, übersetzt von Udo Rennert, Frankfurt a.M. 1987. sowie Helmut Lahrkamp: Dreißigjähriger Krieg – Westfälischer Frieden, Münster 1997.

[3] Vgl.: Konrad Repgen: Der Westfälische Friede. Ereignis, Fest und Erinnerung, Wiesbaden 1999, S. 10f.

[4] Vgl.: Konrad Repgen: Der Westfälische Frieden. Ereignis, Fest und Erinnerung, Wiesbaden 1999, S. 11.

[5] Vgl.: Fritz Dickmann: Der Westfälische Frieden, Münster 1972, S. 87f.

[6] Vgl.: Fritz Dickmann: Der Westfälische Frieden, Münster 1972, S. 98 – 103.

[7] Vgl.: Helmut Lahrkamp: Dreißigjähriger Krieg Westfälischer Frieden, Münster 1997, S. 240.

[8] Vgl.: Konrad Repgen: Der Westfälische Frieden. Ereignis, Fest und Erinnerung, Wiesbaden 1999, S. 13.

Details

Seiten
27
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638285056
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v26050
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Schlagworte
Westfälische Frieden Seminar Reich Westeuropa Jahrhundert

Autor

Zurück

Titel: Der Westfälische Frieden