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"Ärzteschwemme" oder "Ärztemangel"

Nur ein regionales Problem?

Seminararbeit 2013 17 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung und Motivation

2. Die Rolle der Ärzte

3. Ärzteversorgung
3.1 Aktuelle Probleme
3.1.1 Strukturunterschiede im Status Quo
3.1.2 Die Zweiklassengesellschaft in der Krankenversicherung.
3.1.3 Das Problem der schwankenden Strukturen
3.1.4 Marktversagen
3.1.5 Ärzte in der Stadt
3.1.6 Ärzte auf dem Land
3.2 Aktuelle Gesetzgebung und Reformen
3.3 Internationale Aspekte
3.4 Problemlösungsansätze

4. Zusammenfassung.

Literaturverzeichnis

1 Problemstellung und Motivation

Eine Versorgung der Bürger durch ausreichend Ärzte und Fachärzte zeigt in den Zeiten der Urbanisierung einige Fragen im Hinblick auf die Umstrukturierung und die Ausgestaltung auf.

Gibt es genügend Ärzte und sind diese gerecht verteilt? Wo sollen die Ärzte, die jährlich mehr werden[1], eingesetzt werden? Es stellt sich die Frage, welche Verteilung sinnvoll ist und ob die aktuelle, optimale heutige Verteilung auch in Zukunft bestehen kann. Es gibt für Ärzte eine Vielzahl von Anreizen, sich in der Stadt nieder zu lassen, aber auch einige Argumente für das Praktizieren auf dem Land. Die Gesetzgeber wenden sogar Anreizsysteme an, um die Verteilung zu regulieren, worauf in den nächsten Kapiteln eingegangen wird.

Die Unterschiede in der regionalen Distribution und deren Hintergründe werden anhand verschiedener Quellen erarbeitet und dargestellt. Ein kurzer Blick auf die internationalen Verhältnisse folgt. Zudem wird andiskutiert, welche anderen Ursachen die aktuelle Verteilung hat und welche aktuellen Engpässe aus anderen Begründungen (als regionalen) resultieren.

Die Ergebnisse werden im Fließtext präsentiert, da die Argumentation verständlich ist und Schaubilder keinen Gewinn des Verständnisses bringen.

2 Die Rolle der Ärzte

Gemeinhin lassen sich alle Ärzte, egal, wo sie räumlich anzutreffen sind, als Doppelagenten begreifen, die eine Verantwortung gegenüber dem Patienten als auch gegenüber sich selbst haben. Für den Patienten ist die medizinische Versorgung von großer Bedeutung für die Lebensqualität, denn ohne Gesundheit keinen Nutzen aus seinem Einkommen[2]. „Nur wer gesund ist, kann auf dem Arbeitsmarkt Einkommen erzielen“ [3]. Beispielsweise würde man mit einem gebrochenen Arm nicht als Schreiner arbeiten können, solange es noch nicht verheilt ist. Die Patienten sind folglich immer auf der Suche nach dem effizientesten Tradeoff zwischen Einkommen und Konsum und Gesundheit [4]. Ärzte wägen wie andere Ökonomen gegeneinander ab, wie viel Freizeit er opfert und welches Nettoeinkommen damit erzielt werden kann. Nicht immer ist diese Entscheidung ethisch tragbar. Die Ressourcenverwendung, also der Zeitaufwand, variiert auch abhängig davon, ob sich der Arzt auf dem Land oder in einer Stadt befindet und ob er Spezialist ist oder nicht. Ärzte produzieren Glaubensgüter, weil das Informationsgefälle zwischen Arzt und Patient nicht kompensiert werden kann[5] und die Kunden auf die richtige Diagnose, Therapie und Vorsorge vertrauen müssen. Man kann sie nicht greifen und muss drauf vertrauen, dass der Betrag an Geld angemessen ist die Behandlung die gewünschte Wirkung erzielt. Werfen wir nun einen Blick auf die „Heterogenität der Versorgungsregionen“ [6].

3 Ärzteversorgung

Im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums überprüft der Sachverständigenrat circa alle zwei Jahre die Auslastung und andere Faktoren des Gesundheitswesens[7].

Der Sachverständigenrat hat hier in drei Kategorien untergliedert: Zum einen gibt es die Unterversorgung[8], das was umgangssprachlich als Ärztemangel bezeichnet wird, bedeutet Versorgungsengpässe der medizinischen Leistungen, obwohl eine Nachfrage dafür besteht [9]. Existiert eine Unterversorgung in einer Region, werden zusätzliche Anreize gegeben, dass sich die Ärzte dort niederlassen[10]. 2011 wurden in Brandenburg und Mecklenburg- Vorpommern für die Allgemeinmediziner eine Mindesumsatzgarantie und Ermöglichung, sich weiter zu bilden, als Anreize geschaffen[11]. 2007 gab es sogar Zuschüsse wenn eine Unterversorgung nur „in absehbarer Zeit“ drohte[12]. Der zweite Status ist die Fehlversorgung, entsteht ein vermeidbarer Schaden [13]. Der letzte State beschreibt nun, dass die Versorgung über die Nachfragemenge hinaus besteht oder Leistungen erbracht werden, die keinen ersichtlichen Nutzenzuwachs nach sich ziehen[14]. Wenn die geplante Arztdichte um mehr als 10% überschritten wird, spricht man von einer Überversorgung, die durch eine Niederlassungssperre wieder reguliert werden kann[15]. Die Qualitätsziele, auf die das Gesundheitswesen ausgerichtet ist, sind Behandlungen ohne Komplikationen, die bei wirtschaftlicher Effizienz und hoher Patientenzufriedenheit durchgeführt werden [16]. Auf das resultierende Marktversagen auf Grund einer Überversorgung wird im nächsten Abschnitt eingegangen.

3.1 Aktuelle Probleme

Breyer und Buchholz sehen, dass „medizinische Güter und Dienstleistungen keine öffentlichen, sondern private Güter“ [17]sind, auf die verschiedene Personen verschiedene Zugangsrechte haben und auch davon ausgeschlossen werden können. Ihre Annahmen aus Ihrem „Ersten Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomik: In einer Ökonomie mit rein privaten Gütern und einer perfekten Eigentumsordnung ist jedes Marktgleichgewicht bei vollkommener Konkurrenz ein Pareto- Optimum“[18] wird auf dem Markt, den die Ärzte bereitstellen aufgehoben. Aber es findet sich keine vollkommene Konkurrenz (durch anbieter-induzierte Nachfrage), die Eigentumsordnung ist nicht perfekt und einige sozial-medizinische Güter sind nicht rein privat.

3.1.1 Strukturunterschiede im Status Quo

Regionale Unterschiede bestehen in allen Strukturgrößen. Zum Beispiel gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen der Armut in Ost und West [19]. Das führt dazu, dass die Einwohner verschiedener Bundesländer sich nicht die gleichen Medikamente kaufen können. Auf die Behandlung beim Arzt dürfte sich das kaum auswirken, denn dort müssten, strukturell gegeben, auch die Kosten für die Dienstleistungen der Ärzte niedriger sein. Trotzdem ist nicht zu vergessen, dass der Arzt keine Preise setzen kann, sondern er muss sie verhältnismäßig zur Gebührenordnung festlegen[20].

Die soziale Ungerechtigkeit spielt auch vielfach in die gesundheitliche Lage einer Region mit hinein. „Insbesondere sozial benachteiligte Gegenden müssten besser ausgestattet werden, weil die Bewohner dort häufiger krank seien“[21], wird gefordert. Würde die Ärzte-Allokation über Gesamtdeutschland hinweg gleichmäßig reguliert, so müsste bedacht werden, dass einige Gebiete sozial benachteiligt sind, dadurch also krankheitsanfälliger und sie somit eine höhere Arzt- Ausstattung brauchen[22]. Nicht nur ein niedriges Einkommen, auch ein niedriger Bildungsstand und eine schlechte berufliche Stellung begünstigen sozial ungleiche Gesundheitschancen [23]. Die zu Grunde liegende gesellschaftliche Struktur wirkt sich auf die Arbeitslosigkeit aus, welche einen signifikanten Einfluss auf den Krankenstand hat. Bei der Untersuchung von Berliner Arbeitslosen ist erkennbar, dass das Gesundheitsrisiko mit der Dauer der Arbeitslosigkeit wächst[24]. Auch die Arztwahl hängt vom sozialen Hintergrund einer Person ab und sollte bei der Ärzteplanung bedacht werden: Den Facharzt suchen vor allem Jüngere und Angehörige aus höheren Schichten auf, wobei ältere Patienten und Kranke aus niederen Schichten sich an den Hausarzt wenden[25]. Die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen und die Arztkontakte steigen, je höher das Einkommen ist[26]. Im Stern- Artikel findet sich eine ausführliche Aufschlüsselung der Krankheitsbilder nach Regionen in Deutschland. Für die Arztplanung müsste man die Facharztmenge in diesen Gebieten anpassen[27]. Auf all diese Faktoren, die in den Regionen schwanken, müsste so nun die Arzt- Versorgung angepasst werden, um es optimal auszugestalten.

3.1.2 Die Zweiklassengesellschaft in der Krankenversicherung

In Deutschland gibt es exklusiv ein System, in dem die Gesundheitsleistungen in zwei Klassen unterteilt sind: Die Private und die Gesetzliche Krankenversicherung. Es gibt spezielle Kriterien, die man erfüllen muss, um in die Private Krankenversicherung einzutreten. Auf die Details hierzu wird nicht eingegangen, da sie in Bezug auf die Ärzteverteilung keine Rolle spielen. Dennoch führt auch dieser Umstand dazu, dass sich in München mehr Ärzte befinden, als in Duisburg, obwohl beides annährend große Städte sind. Die meisten Ärzte bevorzugen Privatpatienten und zwar nicht nur, weil die Patienten meist aus einer höheren Bildungsschicht mit höherem Einkommen stammen, sondern weil Ärzte an den Kassenpatienten nur noch fast die Hälfte verdienen, wie vor 20 Jahren[28]. Dieser Zweig ist damit sehr unlukrativ geworden. Im Jahr 2008 waren von 138 300 ambulant tätigen Ärzten 5 900 (4,3%) reine Privatärzte[29]. Auch hierdurch können für die Kassenpatienten eine Unterversorgung und lange Wartezeiten entstehen. Aktuell kursieren Pläne über die Abschaffung der privaten Krankenversicherung [30]; damit bleibt zu überdenken, wie sich diese auf die regionale Verteilung von Ärzten auswirken könnte.

[...]


[1] Destatis (2012)

[2] Breyer / Buchholz (2009), S. 191

[3] Studiengemeinschaft Darmstadt (2013)

[4] Breyer / Kifmann / Zweifel (2009), S. 104

[5]Breyer / Buchholz (2009), S. 214

[6]Jacobs / Schulze (2011), S.7

[7]Pelz / Wernitz (2011), S.77

[8]Buzer.de (2013), §100

[9]Pelz / Wernitz (2011), S.77

[10]Pelz / Wernitz (2011), S.72

[11]Pelz / Wernitz (2011), S.72

[12]Abakus24.de (2007)

[13]Pelz / Wernitz (2011), S.77

[14]Pelz / Wernitz (2011), S.77

[15]Pelz / Wernitz (2011), S.72

[16]Pelz / Wernitz (2011), S. 132

[17]Breyer / Buchholz (2009), S. 191

[18]Breyer / Buchholz (2009), S. 93

[19]Breyer / Buchholz (2009), S.50

[20]Bundesärztekammer (2002), § 1 Abs. 1 GOÄ

[21]Treichel (2013)

[22]Hurrelmann / Richter (2009): S. 13

[23]Hurrelmann / Richter (2009): S. 13, S. 15, S.17

[24]Beyer (2002)

[25] Geling / Janßen / Lüschen (1996)

[26]Hessel /Gunzelmann / Geyer / Brähler (2000)

[27]Elmer, Christina (2012)

[28]Focus (o.A.) (2009)

[29]Pelz / Wernitz (2011), S. 69

[30]Ratgeber- Geld.de (2013)

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656511304
ISBN (Buch)
9783656510987
DOI
10.3239/9783656511304
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Erscheinungsdatum
2013 (Oktober)
Note
2,0
Schlagworte
ärzteschwemme ärztemangel problem

Autor

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