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Das narrative Interview im Kontext der Sozialforschung

Was ist das narrative Interview, welche Vor- und Nachteile bringt es mit sich?

Hausarbeit 2012 22 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Das narrative Interview im Kontext der Sozialforschung

Was ist das narrative Interview, welche Vor- und Nachteile bringt es mit sich?

1. Einleitung

2. Welche Forschungsansätze gibt es in der empirischen Sozialforschung?
2.1 Der quantitative Forschungsansatz
2.2 Der qualitative Forschungsansatz

3. Das narrative Interview als Beispiel für eine qualitative
Methode
3.1 Definition des narrativen Interviews
3.2 Die Methode des narrativen Interviews
3.3 Der Ablauf des narrativen Interviews

4. Die analytischen Verfahrensschritte beim narrativen Interview

5. Stolpersteine im Gesprächsverlauf
5.1 Grenzen und Schwierigkeiten für den Informanten während des Gesprächsverlaufs
5.2 Schwierigkeiten des Forschers während des narrativen
Interviews

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

Das narrative Interview im Kontext der Sozialforschung

Was ist das narrative Interview, welche Vor- und Nachteile bringt es mit sich?

1.Einleitung

Das Interviewverfahren in den unterschiedlichsten Formen beruht auf einer langen Tradition. Lange bevor das Verfahren Ende des 19.Jahrhunderts als journalistische Befragung entdeckt wurde, war das Interview, „…als eine Technik der Meinungs- und Informationsbeschaffung längst in Gebrauch, zuerst in der Kriminalistik, dann auch unter Volkskundlern und Ethnologen, in der Medizin und zuletzt auch in den Sozialwissenschaften.“( zit. Haller 2001, S.99) Auch heute erfreut sich die Methode des Interviews in der modernen Forschung einer breiten Verwendung. Beim narrativen Interview handelt es sich um eine offene Form des Interviews mit besonders hohen Narrativgrad. Das bedeutet, dass sich das Interview vor allem dadurch auszeichnet, dass der Verlauf völlig offen ist und dem Interviewten genügend Zeit gegeben wird, über besonders entscheidende Punkte seines Lebens zu erzählen, daher spricht man auch vom erzählenden Interview. Normalerweise dreht sich das Interview um Erfahrungen mit sozialwissenschaftlich- interessierenden Ereignisabläufen, in die der Informant selbst verwickelt war. Eine Besonderheit dieses Interviews ist, dass möglichst nur erzählt, nicht aber bewertet oder argumentiert werden soll. Die Erzählung an sich, sowie die Interviewdurchführung beinhaltet einige Grenzen. Welche dies sind und welche Vor- und Nachteile das narrative Interview bietet, möchte ich in der vorliegenden Studienarbeit darstellen. Dazu wird zunächst eine Annäherung an die beiden unterschiedlichen Forschungsansätze der Sozialforschung, dem quantitativen und qualitativen Ansatz vorgenommen. Anschließend wird erklärt, weshalb das narrative Interview vor allem im Kontext der qualitativen Forschung anzusiedeln ist. Weiterhin zeige ich die Methode und den Ablauf des Interviews auf. Anschließend wird das Vorgehen, die einzelnen Schritte der Analyse der Erzählung erklärt. Nach dieser Erläuterung sollen die Zugzwänge der Erzählung, welche Grenzen sich im Interview ergeben, aufgezeigt werden. Vor allem sollen hier die Grenzen und Schwierigkeiten, denen Erzähler und Forscher während des Interviewablaufes ausgesetzt sind, beleuchtet werden. Abschließend erfolgt im Fazit eine kurze Darstellung über die Vor- und Nachteile des narrativen Interviews, sowie eine Ergebniszusammenfassung.

2.Welche Forschungsansätze gibt es in der empirischen Sozialforschung?

2.1Der quantitative Forschungsansatz

Um die beiden Forschungsansätze erklären zu können, soll zunächst empirisches Vorgehen definiert werden. „Empirisch vorzugehen heißt, Erfahrungen über die Realität zu sammeln, zu systematisieren und diese Systematik auf den Gegenstandsbereich der Kommunikationswissenschaft anzuwenden.“ (Brosius, et.al, 2001, S. 17) Die Methoden der Empirie werden in quantitative und qualitative Verfahren unterteilt. Jedoch können sich natürlich beide Methoden ergänzen. (vgl. Brosius, et.al, 2001, S.17-18) Um das narrative Interview in dem Forschungsansatz, in dem es hauptsächlich verwendet wird, einordnen zu können, werden beide Forschungsansätze erklärt, zunächst der quantitative Forschungsansatz. Der Grundpfeiler der quantitativen Forschung ist das Zählen und die Zahlenarbeit. In der Quantifizierung findet eine Umwandlung qualitativer Merkmale in Zahlen und somit in messbare Größen statt. Um soziale Wirklichkeiten ordnen und beschreiben zu können, bildet die Zahl das Hauptmedium. Quantitative Verfahren haben zum Ziel, soziale Daten in nummerischer Form festzuhalten und zu erzeugen. „Quantitative Verfahren sind solche, in denen empirische Beobachtungen über wenige, ausgesuchte Merkmale systematisch mit Zahlenwerten belegt und auf einer zahlenmäßig breiten Basis gesammelt werden.“ (Brosius et.al, 2001, S.17) Kennzeichnend ist die „Reduktion von komplexen Zusammenhängen auf wenige Aussagen, die zumeist in Zahlen, Prozent- und Mittelwerten auszudrücken sind.“ (Brosius, et.al, 2001, S.17-18) Einstellungen, Orientierungsmuster, Handlungen und Strukturen werden erhoben, um diese in statisch verarbeitbare Zahlen zu übersetzen. Das Untersuchungsergebnis kann sich in Kennziffern ausdrücken, ebenso in Prozentwerten, Tabellen und Schaubildern darstellen. Zahlenwerte können gegenübergestellt werden. Die besonders hohe Effektivität, mit der Daten erhoben und ausgehoben werden ist ein großer Vorteil der quantitativen Forschung. Dadurch wird es möglich mit einer großen Zahl von Untersuchungseinheiten zu arbeiten. Soziale Daten werden messbar und somit vergleichbar. Ein Nachteil der quantitativen Methoden ist jedoch, dass Informationen abhanden kommen, die nicht in Zahlenwerten auszudrücken sind, beispielsweise die Hintergründe von bestimmten Einstellungen oder Angaben über die Untersuchungsperson. (vgl. Schirmer,2009, S.66-67)

2.2 Der qualitative Forschungsansatz

Qualitative Forschung setzt sich das Ziel, die Lebenswelten aus der Perspektive des handelnden Menschen zu beschreiben. Somit trägt qualitative Forschung zu einem besseren Verständnis von sozialer Wirklichkeit bei und macht auf bestimmte Abläufe, Deutungsmuster und Merkmale von Strukturen aufmerksam. (vgl. Flick, 2010[2000],S.14) Die qualitative Forschung nutzt „…das Fremde oder von der Norm Abweichende und das Unerwartete als Erkenntnisquelle und Spiegel, der in seiner Reflexion das Unbekannte als Differenz wahrnehmbar macht und damit erweiterte Möglichkeiten von (Selbst-)Erkenntnis eröffnet.“ (Flick 2010[2000],S. 14). Nicht Zahlen, sondern der Text ist das Forschungsmedium, somit ein grundlegendes Arbeits- und Konstruktionsmittel. Texte stellen nicht nur wesentliche Daten dar, auf denen gewonnene Erkenntnisse gegründet werden, ebenso sind diese die Basis der Auslegungen und das zentrale Werkzeug der Darstellung und Vermittlung von Erkenntnissen. Texte, mit denen Forscherinnen arbeiten sind nicht nur einfach eine Abbildung der Realität, auch arbeiten diese nicht an der Wirklichkeit selbst, sondern an Texten, die die Wirklichkeit repräsentieren. (vgl. Schirmer,2009, S.75) Weitere kennzeichnende Merkmale der qualitativen Forschung sollen im Folgenden aufgeführt werden. Der Text ist also das maßgebliche Arbeitswerkzeug, jedoch gibt es nicht die eine, alleinige Methode, sondern ein breites Spektrum von unterschiedlichen methodischen Ansätzen. Diese können nach Bedarf der Fragestellung oder Forschungstradition ausgewählt werden. Methoden werden den untersuchten Gegenständen angemessen eingesetzt. Bei fast jedem Verfahren kann zurückverfolgt werden, für welchen Forschungsgegenstand es entwickelt wurde. So war bei unpassender Methodenauswahl normalerweise der Ausgangspunkt, dass die vorhandene Methode für einen spezifischen Gegenstand nicht geeignet war. So stellt, der untersuchte Gegenstand in der qualitativen Forschung und die an ihn geforderte Fragestellung den Bezugspunkt für die Auswahl und Bewertung der Methoden, dar. Die Forschung orientiert sich intensiv am Alltagsgeschehen und am Alltagswissen des Untersuchten. Die Erhebungs-, Analyse- und Interpretationsverfahren sind stark der Kontextualität verpflichtet. (vgl. Flick 2010 [2000],S.23) Das bedeutet: „Daten werden in ihrem natürlichen Kontext erhoben und Aussagen im Kontext einer längeren Antwort oder Erzählung, des Interviewverlaufs insgesamt oder auch der Biographie des Interviewpartners analysiert.“ (Flick 2010[2000], S.23) Die unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten werden dabei berücksichtigt. Wichtig in diesem Prozess ist auch dass, „…die Reflexivität des Forschers über sein Handeln und seine Wahrnehmungen im untersuchten Feld als ein wesentlicher Teil der Erkenntnis und nicht als eine zu kontrollierende bzw. auszuschaltende Störquelle verstanden wird.“ (Flick 2010[2000], S.23) Zudem geht es darum, eigene Standpunkte, eigene Fragen und Hypothesen zu reflektieren und Thesen zum Forschungsthema am Gegenstand oder Objekt zu entwickeln und nicht zu Beginn des Forschungsprozesses unverändert festzulegen, sondern erst mit dem Forschen zu erstellen. (vgl. Schirmer, 2009, S. 77)Wichtig ist das Erkenntnisprinzip in der qualitativen Forschung. Folgende Aussage erklärt dieses sehr deutlich: „Das Erkenntnisprinzip qualitativer Forschung ist auch eher das Verstehen von komplexen Zusammenhängen als die Erklärung durch die Isolierung einer einzelnen (z.B. Ursache- Wirkungs-) Beziehung. Verstehen richtet sich im Sinne des »methodisch kontrollierten Fremdverstehens« (Arbeitsgruppe Bielefelder Soziologen 1976) auf den Nachvollzug der Perspektive des anderen.“ (Flick, 2010[2000], S.23) Desweiteren ist die Datenerhebung vom Prinzip der Offenheit geprägt, um der Perspektive des Fremdverstehens nahe kommen zu können. Fragen werden somit offen formuliert und im Forschungsfeld wird nicht starr, sondern offen beobachtet. Meist wird zuerst an der Analyse oder der Rekonstruktion von Fällen angesetzt, bevor man dazu übergeht, Fälle zu vergleichen, Fälle verallgemeinernd zusammenzufassen oder gegenüberzustellen. (vgl. Flick 2010 [2000], S.23) „Weiterhin geht qualitative Forschung von der Konstruktion der Wirklichkeit aus- den subjektiven Konstruktionen der Untersuchten und dem Vorgehen der Forschung als konstruktivem Akt.“ (Flick 2010[2000], S. 23) Zusammengefasst könnte man als Grundpfeiler und Merkmale der qualitativen Forschung Textwissenschaft, Methodenvielfalt, Offenheit, Subjektivität, Kontextualität, Abduktion, Gegenstandsangemessenheit, Sensibilisierung, Entdeckung, Verstehen, Konstruktion der Wirklichkeit, Interpretation, Nachvollziehbarkeit und Reflexion, nennen. (vgl. Schirmer, 2009, S. 76/ vgl. Flick, 2010 [2000], S. 24). Qualitative Forschung ist in ihrer Zielsetzung noch immer eine entdeckende Wissenschaft, daher erfreuen sich erkenntnistheoretische Konzepte wie z.B. die Abduktion, also der Vorgang von der Bildung, erklärender Hypothesen, an zunehmender Aufmerksamkeit.

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Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656513667
ISBN (Buch)
9783656512882
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262353
Institution / Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
2,0
Schlagworte
interview kontext sozialforschung vor- nachteile

Autor

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