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Going Public - Eine kritische Beurteilung der Eigenkapitalbeschaffung österreichischer Unternehmen über die Börse

Seminararbeit 2003 34 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Going Public im Kontext der Unternehmensfinanzierung
2.1 Systematische Einordnung ins Finanzierungsspektrum
2.2 Zum Begriff des Going Public

3 Grundsätzliche Vorüberlegungen im Rahmen des Going Public
3.1 Argumente für einen Börsengang
3.1.1 Eigenkapitalstärkung und Wachstumsfinanzierung
3.1.2 Erschließung neuer Finanzierungsquellen
3.1.3 Zukunftssicherung des Unternehmens
3.1.4 Positive Publizitätswirkung
3.1.5 Weitere Motive
3.2 Argumente gegen einen Börsengang
3.2.1 Negative Publizitätswirkung
3.2.2 Kostenfaktor
3.2.3 Zeitfaktor und Koordinationsaufwand
3.2.4 Gefahr der Überfremdung
3.2.5 Weitere Nachteile

4 Voraussetzungen für ein erfolgreiches Going Public
4.1 Wirtschaftliche Börsenreife
4.2 Technische Börsenreife

5 Relevanz der Wahl des Börsenplatzes und des Börsensegments
5.1 Vorteilhaftigkeitsvergleich verschiedener Börsenplätze
5.2 Marktsegmente der Wiener Börse

6 Aktuelle Entwicklung

7 Kritische Würdigung

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Tabelle 1. Zulassungsvoraussetzungen

Tabelle 2. Marktsegmente der Wiener Börse

Tabelle 3. Segmentspezifische Kosten

Abbildung 1. Anzahl IPOs 1989 - 2002

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Angesichts der derzeit vorherrschenden Wirtschaftslage sind Unternehmungen stets mit neuen Herausforderungen und Problemen konfrontiert. Fundamentale Veränderungen in technologischer, gesetzlicher, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht schufen vollkommen veränderte Rahmenbedingungen für Unternehmen. Globale, international konvergierende Märkte, geprägt von Liberalismus und Deregulierung, eröffneten nicht nur neue Chancen, sondern auch Gefahren. Auch aus finanzwirtschaftlicher Sicht erhob sich die Forderung nach neuen Finanzinnovationen.[1]

Zudem Existenz und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens merklich durch dessen Kapitalausstattung determiniert werden, ein Mangel hinsichtlich des Kapitals, sei dies nun Fremd- oder Eigenkapital, enormen Einfluss auf die Strategie und eventueller Expansionspläne von Unternehmen ausübt, ist somit mit besonderer Sorgfalt auf eine adäquate Unternehmensfinanzierung Bedacht zu nehmen.[2] In Anbetracht international dominierender Unternehmen, die in Bereichen wie F&E, Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Innovationsfähigkeit allen voran sind, fällt auf, dass die meisten durch Börsengänge finanziert sind.[3]

Vor dem Hintergrund der eben angeführten Faktoren, wird im Rahmen dieser Arbeit der Aspekt der Publikumsfinanzierung näher betrachtet. Nach einer allgemeinen Begriffsklärung und Abgrenzung von anderen Finanzierungsinstrumenten, werden mögliche Gründe und Erfolgsfaktoren des Going Public erläutert. Im weiteren Verlauf wird ein Überblick über die wesentlichsten Voraussetzungen einer Going Public Finanzierung gegeben, bis letztlich das Augenmerk auf aktuelle Entwicklungen gelenkt wird und die Arbeit mit einem Resümee abschließt.

2 Going Public im Kontext der Unternehmensfinanzierung

2.1 Systematische Einordnung ins Finanzierungsspektrum

Im Hinblick der reichhaltigen Variantenvielfalt differenzierender Finanzierungsformen lässt sich das Going Public sowohl dem Bereich der Außenfinanzierung, als auch der Eigenfinanzierung zuordnen. Demgemäß wird das Kapital von außen zugeführt und resultiert nicht aus dem betrieblichen Umsatzprozess.[4] Zudem die Kapitalbeschaffung im Rahmen einer Beteiligungsfinanzierung mittels Ausgabe von Aktien erfolgt, ist das lukrierte Kapital als Eigenkapital [5] zu typisieren.[6] Der Kapitalgeber bzw. Aktionär ist direkt am Unternehmen und dessen Wertsteigerung beteiligt und hat nach Maßgabe der Höhe des Anteils entsprechende Mitsprache- und Kontrollrechte.[7]

2.2 Zum Begriff des Going Public

Das Going Public bedingt einer Börse. Darunter wird einerseits die Organisation und Institution verstanden, die notwendig ist, um einen vorschrifts- und börsenmäßigen Handel zu ermöglichen, andererseits auch der nach Gesetz von Angebot und Nachfrage funktionierende Markt.[8]

Going Public, als Synonym für Initial Public Offering (kurz: IPO), Börsengang oder Neuemission bezeichnet die Umgestaltung eines bis dato privaten Unternehmens in eine Publikumsgesellschaft[9] und damit einhergehender Börseneinführung von Aktien.[10] In diesem Sinne charakterisieren „Erstemissionen ... die erstmalige Veräußerung von Aktien als verbriefte Anteile an externe Kapitalgeber“[11] an der Börse.

Der Ausdruck Publikumsgesellschaft bzw. Publikumsaktiengesellschaft bezeichnet jenen Typus von Aktiengesellschaft, die Aktien emittiert.[12] Dem gemäß erfolgt die Eigenmittelbeschaffung über den Markt für Neuemissionen, den sog. Primärmarkt,[13] an dem sich Emittenten als Verkäufer und Investoren als Käufer, meist unter Zwischenschaltung von Kreditinstituten, gegenüberstehen.[14] Im Zuge des Börsengangs wendet sich das Unternehmen an ein breit gestreutes Anlegerpublikum, das zwar höhere finanzielle Beteiligungen aufweist, jedoch i.d.R. keine Managementunterstützung zur Verfügung stellt. Das so von den Aktionären eingebrachte Eigenkapital wird auch als Public Equity bzw. Börsenkapital bezeichnet.[15]

Grundsätzlich können zwei Formen des IPO unterschieden werden: Einerseits die Ausgabe neuer Aktien in Form einer Kapitalerhöhung (Primary Offering) und andererseits der Verkauf alter Aktien von den bisherigen Aktionären (Secondary Offering). Da Zweitgenanntes den Eigentümern Kapital zuführt, sich jedoch nicht unmittelbar auf die Kapitalstruktur der AG auswirkt,[16] wird der Fokus dieser Arbeit auf erstgenannten Aspekt gerichtet.

3 Grundsätzliche Vorüberlegungen im Rahmen des Going Public

3.1 Argumente für einen Börsengang

Auch wenn die Motive eines Unternehmens sich für einen Börsengang zu entscheiden sehr mannigfaltiger Natur[17] sind, verweist die Literatur dennoch auf einige Hauptmotivatoren[18]. Anzuführen sei, dass zwar die erhofften Vorteile im engen Kontext mit den Motiven stehen, jedoch lässt sich grundsätzlich nur im Nachhinein der Erfüllungsgrad einzelner Motive bestimmen, um so tatsächlich eingetretene Vorteile aufzuzeigen.[19]

3.1.1 Eigenkapitalstärkung und Wachstumsfinanzierung

Als wohl einer der gewichtigsten Motive für eine Börseneinführung liegen in einer strategischen Ausrichtung des Unternehmens in seiner Wettbewerbsposition. Um dem zunehmenden Problem der unzureichenden Eigenkapitalausstattung, wovon insbesondere auch KMU im steigenden Maße betroffen sind, Herr zu werden,[20] erhebt sich in diesem Kontext die Forderung nach einer Erweiterung der Eigenkapitalbasis. Die hinsichtlich einer Aktienemission zufließenden Eigenmittel schaffen mehr Spielraum für unternehmerische Tätigkeiten und können folglich zu unterschiedlichen Zwecken und Zielsetzungen eingesetzt werden.[21] Die Argumente für einen höheren Eigenkapitalanteil sind facettenreich.[22]

Da Eigenkapital grundsätzlich dauerhaft zur Verfügung steht und ergebnisunabhängig ist, deckt es somit das wirtschaftliche Risiko; auch in weniger gewinnträchtigen Zeiten.[23] Folglich führt eine starke EK-Basis zu einer Reduktion der Krisenanfälligkeit des Unternehmens, da es quasi eine Puffer-Funktion übernimmt, um potentielle Verluste aufzufangen.[24] Meist dient das lukrierte Eigenkapital zur Durchführung von kapitalintensiven und mit hohem Risiko behafteten Investitionen.[25] Besonderer Wichtigkeit wird der Wachstumsfinanzierung beigemessen, um auch künftig die Wettbewerbsfähigkeit des Emittenten zu gewährleisten.[26] Gerade innovative, dynamische Unternehmen sehen sich oft in ihren Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt; um notwendige Kapazitätserweiterungen bzw. Großinvestitionen dennoch durchzuführen, bedient man sich des Kapitalmarktes.[27] Ein kapitalstarkes, börsennotiertes Unternehmen ist beim Kampf um Marktanteile jenen Unternehmen weitaus überlegen, die sich nicht der Börse bedienen und folglich in ihren finanziellen Möglichkeiten i.d.R. eingeschränkt sind.[28]

Eine verstärkte Eigenkapitalbasis lässt ebenso Maßnahmen im Bereich der Akquisitionspolitik, sowie Spin-Offs[29] zu.[30] Durch die Aktie verfügt die Publikumsgesellschaft über eine eigene Akquisitionswährung, was somit externes Wachstum wesentlich erleichtert. So können bspw. im Rahmen einer Buy & Build-Strategie durch Zukauf und Integration von strategisch sinnvollen Wettbewerbern, Synergie-Effekte realisiert und die Marktposition verstärkt werden.[31]

3.1.2 Erschließung neuer Finanzierungsquellen

Im Gegensatz zu nicht-emissionsfähigen Unternehmen (Einzelunternehmen, Personengesellschaft, u.dgl.), die Eigenkapital von außen grundsätzlich nur durch Hereinnahme neuer Gesellschafter aufbringen können, sind die Finanzierungsquellen der Publikumsgesellschaft wesentlich weitreichender.[32]

Durch die Hinwendung zum Kapitalmarkt eröffnen sich weitere Finanzierungsalternativen, denen sich das Unternehmen in Zukunft bedienen kann. Unter der Prämisse eines positiven Börsenumfelds und eines angemessenen Kapitalmarktstandings des Unternehmens steht somit einer eventuellen künftigen Kapitalerhöhung generell nichts im Wege.[33] Ebenso bietet sich die Möglichkeit zur Emission alternativer Finanzierungsinstrumente wie Wandel- oder Optionsanleihen.[34]

Zusätzlich führt die erweiterte Eigenkapitalbasis und damit einhergehende Verbesserung der Eigenkapitalquote und der Liquiditätssituation[35], aber auch die Rechtsform der AG selbst, zu einer Stärkung der Kreditwürdigkeit, was eine Erleichterung bezüglich Kredit-[36] oder anderer Fremdkapitalfinanzierungen zur Folge hat.[37] Generell hat das Unternehmen im Rahmen des Börsengangs die Möglichkeit, sich mit ausreichend liquiden Mitteln zu versorgen, um so dem Management jene Flexibilität zu verschaffen, die es im dynamischen und turbulenten wirtschaftlichen Umfeld benötigt, um sich dementsprechend anzupassen.[38]

[...]


[1] vgl. hierzu stellvertretend Seicht [Finanzierung 1997], S. 224ff;

Küffer [mittelständisches Unternehmen 1992], S. 5

[2] vgl. Pernsteiner [Publikumsfinanzierung 1996], S. 11; Schürmann [Familienunternehmen 1997], S. 1;

Rödl [Going Public 2000], S. 15f

[3] vgl. Leitinger [Venture Capital 2000], S. 304

[4] vgl. Seicht [Finanzierung 1997], S. 171f; Lechner [Einführung 2001], S. 219ff

[5] Eine Gegenüberstellung von EK und FK liefert Perridon [Finanzwirtschaft 2002], S. 354ff

[6] vgl. Busse [Finanzwirtschaft 1996], S. 48ff; Thommen [Betriebswirtschaftslehre 2001], S. 469ff

[7] vgl. Leitinger [Venture Capital 2000], S. 63f

[8] vgl. Rödl [Going Public 2000], S. 31f; Schürmann [Familienunternehmen 1997], S. 8f;

Lechner [Einführung 2001], S. 245

[9] vgl. Thommen [Betriebswirtschaftslehre 2001], S. 500; Lechner [Einführung 2001], S. 244

[10] vgl. Rödl [Going Public 2000], S. 17

[11] Perridon [Finanzwirtschaft 2002], S. 371

[12] vgl. Busse [Finanzwirtschaft 1996], S. 73

[13] vgl. Schiltknecht [Eigenkapitalbeschaffung 1995], S.35

[14] vgl. Perridon [Finanzwirtschaft 2002], S. 170

[15] vgl. Leitinger [Venture Capital 2000], S. 290f, S. 89

[16] vgl. Fiala [AGM 1999], S. 237

[17] vgl. hierzu stellvertretend Küffer [mittelständisches Unternehmen 1992], S. 39;

Pernsteiner [Publikumsfinanzierung 1996], S.39ff; Carls [Going-public-Geschäft 1996], S. 11;

Zacharias [Börseneinführung 2000], S. 49ff; S. 56f

[18] Da die Motive aus Unternehmenssicht und aus Sicht der Alteigentümer tendenziell konform

verlaufen, wird hier auf eine Unterteilung verzichtet.

[19] vgl. Löhr [Börsengang 2000], S.23f, S. 21

[20] vgl. Zacharias [Börseneinführung 2000], S. 49f

[21] vgl. Löhr [Börsengang 2000], S. 21; S. 23f

[22] vgl. Schürmann [Familienunternehmen 1997], S. 1ff

sowie Jakob [Potentiale und Risiken 2001], S. 65ff

[23] vgl. Reicheneder [M&A 1992], S. 247

[24] vgl. Fiala [AGM 1999], S. 238f

[25] vgl. Küffer [mittelständisches Unternehmen 1992], S. 39ff

[26] vgl. Leitinger [Venture Capital 2000], S. 303f

[27] vgl. Edelmann [Going public 1990], S. 9

[28] vgl. Jakob [Potentiale und Risiken 2001], S. 65f

[29] Spin-Off bezeichnet die Ausgliederung von Unternehmen oder Unternehmensteilen mit deren

Notierung an der Börse.

[30] vgl. Löhr [Börsengang 2000], S. 21; Küffer [mittelständisches Unternehmen 1992], S. 41f

[31] vgl. Jakob [Potentiale und Risiken 2001], S. 66f

[32] vgl. Fiala [AGM 1999], S. 237; Edelmann [Going Public 2003], S. 8f

[33] vgl. Küffer [mittelständisches Unternehmen 1992], S. 42

[34] vgl. Blättchen [Börse 2000], S. 8

[35] vgl. Carls [Going-public-Geschäft 1996], S. 12

[36] vgl. Rödl [Going Public 2000], S. 90

[37] vgl. Jakob [Potentiale und Risiken 2001], S. 66

[38] vgl. Zacharias [Börseneinführung 2000], S. 52

Details

Seiten
34
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638286497
ISBN (Buch)
9783640429240
Dateigröße
683 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v26251
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt – Wirtschaftswissenschaften
Note
1 (Sehr Gut)
Schlagworte
Going Public Eine Beurteilung Eigenkapitalbeschaffung Unternehmen Börse

Autor

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Titel: Going Public - Eine kritische Beurteilung der Eigenkapitalbeschaffung österreichischer Unternehmen über die Börse