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Kulturelle Bildung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

Betrachtung der Kulturellen Bildung am Beispiel des Kinder- und Jugendkunstprojektes "MittwochsMaler" in Köln

Hausarbeit 2013 27 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung - Offene Kinder- und Jugendarbeit

3. Annäherung an den Begriff Kulturelle Bildung
3.1 Viele Begriffe - eine Bedeutung?
3.2 Entwicklungslinien
3.3 Eine allgemeine Definition
3.4 Kultur und Bildung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
3.4.1 Kultur
3.4.2 Bildung

4. Kulturelle Bildung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit

5. Kulturelle Bildung in der Praxis
5.1 Offene Tür Lucky´s Haus
5.2 Die MittwochsMaler - ein Jugendkunst- und Graffitiprojekt

6. Konklusion

7. Fazit

1. Einleitung

„Kunst und Kultur sind Motoren gesellschaftlicher Entwicklungen - das macht kulturelle Bildung so bedeutsam.“ (BPB, 2013)

Was unter dem Begriff Kulturelle Bildung verstanden wird, ist oft unklar. Der Begriff ist zu neu um allgemein bekannt oder gar gängig zu sein und obwohl er auf politischer Ebene in Deutschland bereits lange gebraucht wird, ist es selbst für Fachkundige nicht leicht, den Begriff zu definieren. Dies liegt unter anderem daran, dass die beiden Einzelbegriffe Kultur und Bildung bereits so vielfältig ausgelegt werden können . Und doch klingt der Begriff „Kulturelle Bildung“ so vielversprechend und ungekünstelt. Kulturelle Angebote gibt es schon sehr lange im sozialen Bereich und in unterschiedlichster Art und Weise, vom Tanzworkshop bis hin zum Museumsbesuch. Was steckt hinter dem vielsagenden Begriff? Und was bedeutet er für die Profession Soziale Arbeit?

Durch das Absolvieren eines Praxissemesters in einer Jugendeinrichtung Offene Tür Lucky´s Haus in Köln und dem dort angeschlossenen Jugendkunst- und Graffitiprojekt MittwochsMaler1, habe ich die Erfahrung gemacht, wie schwierig es für ein Projekt der Sozialen Arbeit sein kann, eine Basisfinanzierung und eine ausreichende Legitimation des Arbeitsansatzes zu erlangen. Diese Schwierigkeit ergibt sich in diesem Fall durch die spezielle Ausrichtung: Das Projekt arbeitet ausschließlich mit Jugendlichen aus der Graffitiszene. Solche Projekte gibt es in Deutschland nur wenige. Das Projekt der MittwochsMaler ist in seinem Fortbestehen nicht gesichert, immer wieder müssen Projektmittel organisiert werden und es gibt keine fortlaufende Basisfinanzierung. Hinzu kommt, dass die Stadt Köln Kürzungen im Bereich der Sozialen Arbeit vornimmt und bereits Einrichtungen geschlossen werden mussten. Dies passiert unter anderem daher, da der Erfolg kultureller Angebote schwerer messbar ist und somit Projekte und Einrichtungen unter Druck geraten. Die Bundesregierung in Deutschland vergibt Gelder für Projekte der Kulturellen Bildung. Wenn das Projekt MittwochsMaler der Kulturellen Bildung zugeordnet werden kann, könnte sich die Finanzielle Lage des Projektes möglicherweise verbessern. Es ergeben sich demnach folgende Fragen: Was bedeutet Kulturelle Bildung? Und kann das Projekt MittwochsMaler dieser zugeordnet werden?

Ziel dieser Arbeit ist es, den Begriff Kulturelle Bildung näher zu beleuchten und ein Projekt darzustellen, welches aufzeigt, wie die Kulturelle Bildung in der Praxis aussehen kann. Zudem soll der Frage nachgegangen werden, ob die MittwochsMaler ein Projekt der Kulturellen Bildung sind. Die Kulturelle Bildung wird ausschließlich im Bezug auf die Offene Kinder- und Jugendarbeit betrachtet, da eine Ausweitung des Bezugsbereiches den Rahmen dieser Arbeit überschreitet.

Diese Arbeit besteht aus zwei Hauptteilen. Da die Definition des Begriffs Kulturelle Bildung den Umfang einer Begriffsbestimmung überschreiten würde, wird der Begriff im ersten Teil (Kapitel 3 & 4) näher betrachtet und somit auch verschiedene Themenbereiche, die für eine mögliche Definition der Kulturellen Bildung relevant sind. Im zweiten Teil (Kapitel 5 & 6) folgt eine Darstellung des Projektes MittwochsMaler und der Offenen Tür Lucky´s Haus, um der Frage nachzugehen, wie ein Projekt der Kulturellen Bildung in der Praxis aussehen kann. Es wird diskutiert, ob die MittwochsMaler der Kulturellen Bildung zugeordnet werden können.

2. Begriffsklärung - Offene Kinder- und Jugendarbeit

An dieser Stelle soll vorab geklärt werden, welche Begrifflichkeiten in dieser Arbeit im speziellen diskutiert und genutzt werden. Das sind zum einen der Begriff „Offene Kinder- und Jugendarbeit“ (OKJA) und zum anderen der Begriff „Kulturelle Bildung (KB). Da es bisher keine ausreichende Definition von Kultureller Bildung gibt und es einer ausführlichen und weit führenden Betrachtung bedarf, wird dieser Begriff erst später (Kapitel 3) betrachtet. Die beiden Einzelbegriffe Kultur und Bildung werden in diesem Kapitel auch einzeln dargestellt. Sie sind bewusst nicht in der Begriffsklärung aufgenommen, da eine eigene Definition der beiden Begriffe den Rahmen dieser Arbeit überschreitet.

Der Versuch einer ersten Definitionsannäherung von KB ist im Fachlexikon der Sozialen Arbeit zu finden:

„Die Jugendarbeit umfasst alle außerschulischen und nicht ausschließlich berufsbildenden, mehr oder weniger pädagogisch gerahmten, nicht kommerziellen erlebnis- und erfahrungsbezogenen Sozialisationsfelder von freien und öffentlichen Trägern, Initiativen und Arbeitsgemeinschaften, sowie einigen kommerziellen Veranstaltern.“

(Schefold & Thole, 2011, S.472)

Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass Jugendarbeit als Teilbereich der Sozialen Arbeit schwer zu fassen ist. Nun ist hier die Rede von „Jugendarbeit“. Um Verwirrungen zu vermeiden muss darauf hingewiesen werden, dass dieser Begriff gleichbedeutend zu Kinder- und Jugendarbeit ist. Der erste Begriff lässt sich als klassische Bezeichnung kategorisieren. Der zweite Begriff ist neuer und aktueller, da hier die gesamt Zielgruppe bereits im Begriff impliziert wird (Schefold & Thole, 2011). Die Kinder- und Jugendarbeit ist ein Bereich, der viele Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit umfasst. Als Aufgabenbereich der Jugendhilfe ist sie bereits lange im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII, §11 ff) verankert. Die Zielgruppe setzt sich zusammen aus Jugendlichen bis zum Alter von 27 Jahren. Laut Gesetz sind „Ziel und Aufgabe der Kinder- und Jugendarbeit (...) die Befähigung der Kinder und Jugendlichen zu eigenverantwortlicher Selbstbestimmung und gesellschaftlicher, d.h. demokratischer Mitverantwortung inklusive der Anregung zu sozialem Engagement“ (Sturzenhecker & Richter, 2010, S. 469). Dazu gehören auch die Ziele der gesellschaftlichen Teilhabe und Partizipation. Die Kinder- und Jugendarbeit ist ein wichtiger Bereich neben Schule, Familie und Arbeit, welcher zu folgenden Prozessen einen Beitrag leistet: Sozialisierung, Bildung, Erziehung und Freizeitgestaltung.

Das Spezielle an der Kinder- und Jugendarbeit im Vergleich zu anderen Anwendungsfeldern der Sozialen Arbeit ist die freiwillige Teilnahme der Adressaten und die Niedrigschwelligkeit der Angebote, wie zum Beispiel ein Tischtennistournier in einer Jugendeinrichtung, an der jeder kostenfrei und unangemeldet teilnehmen kann. Auch ändert die Soziale Arbeit in diesem Arbeitsfeld ihren traditionellen defizit- und konfliktorientierten Blick und öffnet sich trotz teils spezifischer Ausrichtung für unterschiedlichste individuelle Problemstellungen. Neben der Intervention ist die Prävention ein weiterer wichtiger Punkt.

Es gibt unterschiedliche Unterteilungen der Kinder- und Jugendarbeit. Im Folgenden soll deutlich werden, welchen Teil der Kinder- und Jugendarbeit die OKJA darstellt und wodurch sie gekennzeichnet ist. Lindner (2011) teilt die Kinder- und Jugendarbeit in zwei wesentliche Teile. Einerseits in den verbandlichen Bereich, welcher sich durch die vornehmlich eigenorganisierte und ehrenamtliche Struktur und durch Mitwirkende und Adressaten aus dem gutbürgerlichen Millieu auszeichnet. Andererseits in den öffentlich- kommunalen Bereich, mit hauptamtlichem sozialarbeiterischem Personal, dieser ist meist direkt eingebunden in Einrichtungen wie z.B. Jugendhäusern. Ähnlich wie Lindner teilen auch Sturzenhecker und Richter (2010) die Kinder- und Jugendarbeit in zwei Bereiche. Einerseits in die Jugendverbandsarbeit und andererseits in die OKJA. Im Gegensatz zu Lindner legen sie den Fokus auf die OKJA. Diese ist wie bei Lindner charakterisiert, nämlich durch die freiwillige Teilnahme, die Anknüpfung an Interessen sowie den Leistungs- und Lehrplanverzicht.

Zum besseren Verständnis soll nun geklärt werden, was das Wort „Offen“ bei der Bezeichnung OKJA bedeutet. Diese kennzeichnet sich durch die speziellen Einrichtungsformen (Jugendhäuser und Jugendtreffs, Jugendgruppen, Mobile Ansätze, themenbezogene Einrichtungen wie Kulturzentren und Abenteuerspielplätze und zielgruppenbezogene Angebote) und sie ist weniger Gruppen- und Mitgliedsorientiert (Sturzenhecker & Richter, 2010). Die Kinder und Jugendlichen können vorwiegend frei entscheiden, wann sie kommen und gehen. Die Offenheit besteht auch darin, dass die Angebote meist für alle zugänglich sind, unabhängig von Alter, Geschlecht, Bildungsstand und Herkunft. Diese ist ein Schwerpunkt, kann jedoch nicht in all ihrer Konsequenz umgesetzt werden. Es gibt auch hier Einschränkungen, wie beispielsweise geschlechterspezifische Angebote oder Altersbegrenzungen. Ausführlicher wird der Begriff „Offen“ bezogen auf die Kinder- und Jugendarbeit in der Fachliteratur nicht definiert.

Abschließend werden im Folgenden aktuelle Entwicklungen der Kinder- und Jugendarbeit dargestellt. Dies verdeutlicht die Funktion von Kinder- und Jugendarbeit neben den Bildungsinstanzen Familie und Schule. Laut Lindner (2011) hat sich die Kinder- und Jugendarbeit in den vergangenen Jahren in ihrer Struktur, in ihrer Einrichtungs-, Angebots- und Projektvielfalt weiter vervielfältigt. Kinder- und Jugendarbeit ist der drittgrößte Arbeitsbereich der Kinder- und Jugendhilfe. Zudem ist sie seit den letzten zehn Jahren vom Bedeutungsrückgang der Jugendphase geprägt. Die Jugendphase lässt sich zu anderen Lebensphasen nicht mehr so leicht abgrenzen.

Empirisch belegt ist auch, dass seit 2006 ein massiver Rückgang von Maßnahmen und Stellen in der Kinder- und Jugendarbeit und eine damit einhergehende De- Professionalisierung stattfindet. Auch durch die Umstrukturierung der Schulen hin zu Ganztagsschulen und weitreichenderen Betreuungsangeboten und die Veränderung der Familie als Bildungs- und Sozialisationsinstanz, gerät die Kinder- und Jugendarbeit zunehmend unter Druck. In der Fachliteratur wird diesbezüglich die fortlaufende Relevanz der Kinder- und Jugendarbeit für die sich momentan schnell entwickelnde Gesellschaft in Deutschland betont. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Verankerung im deutschen Gesetz als Instrumentarium der Sozialpolitik und Aufgabenbereich der Sozialen Arbeit. Sie übernimmt eine Funktion, welche die Schule nicht leisten kann. Kinder -und Jugendarbeit stellt neben Familie, Schule und Arbeitsleben einen eigenen Wirkungs- und Entwicklungsraum für Jugendliche dar, in dem sie ihre Autonomie leben und erleben können. (Schefold & Thole, 2011).

In dieser Arbeit wird fortan der Begriff OKJA gebraucht, da es momentan der aktuellste und präziseste Begriff ist, er impliziert die gesamt Adressatengruppe.

3. Annäherung an den Begriff Kulturelle Bildung

Da der Begriff „Kulturelle Bildung“ so schwer zu fassen ist und aktuell kontrovers diskutiert wird, soll im Folgenden eine weitere Annäherung folgen. Unterschiedliche Aspekte, welche mit dem Thema im Zusammenhang stehen, werden dabei betrachtet und untersucht.

3.1 Viele Begriffe - eine Bedeutung?

Als Vorläufer der Kulturellen Bildung kann die musische Bildung gesehen werden, welche aus den Jugendbewegungen im 20. Jahrhundert hervorging (Fuchs, 2010). Auffällig ist, dass neben diesem Begriff in Theorie und Praxis auch andere existieren, welche die Arbeit bezeichnen, die mit Kultur und Bildung zusammenhängt. Solche sind unterschiedliche „Feldbezeichnungen wie: Ästhetische Erziehung/Bildung, musische Erziehung, Kinder- und Jugendkulturarbeit, Kulturpädagogik, Kunst- und Kulturvermittlung, Ästhetisches Lernen, künstlerische Kinder- und Jugendbildung sowie Begrifflichkeiten unterschiedlicher Sparten, Adressaten und einrichtungs- spezifische Teilfelder.“ (Bockhorst, Reinwand & Zacharias, 2012, S. 22). Viele dieser Begriffe haben bereits eine lange Tradition oder entstehen neu, ebenso wie die KB. Sie sind im stetigen Wandel, neue kommen hinzu, alte werden nicht mehr genutzt, die Bedeutungen verändern sich. An diesem Punkt kann nicht weiter auf die unterschiedlichen Begrifflichkeiten und deren Bezug und Bedeutung für die KB eingegangen werden, da es den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde. Generell ist es jedoch sinnvoll zu klären, worin die Trennschärfe zur Kulturellen Bildung besteht. Es wird also deutlich, dass schnell Verwirrung entstehen kann, wenn kulturelle und bildende Angebote betrachtet werden. Das Anwendungsfeld ist groß, die Begriffe sind vielfältig. Jeder Begriff hat dabei seine eigene Tradition und Entstehungsgeschichte. Das alles bleibt zu beachten, wenn der Versuch angestellt wird, KB zu begreifen. Eine Bemühung der Kategorisierung aller Angebote und Bereiche, welche mit Kultur und Bildung und somit mit KB zu tun haben, wäre möglich und sinnvoll. Solch eine Unterteilung existiert bisher leider nicht, daher kann diese Arbeit keine Trennschärfe zu anderen Begriffen aufzeigen, die im Kontext der Sozialen Arbeit ebenso mit Kultur und Bildung zusammenhängen.

Laut Fuchs (2001) kann der Begriff „Kulturelle Bildung“ als Überbegriff fungieren. Dies könnte eine sinnvolle Einrahmung darstellen, welche die groben Ziele und Rahmenbedingungen trotz pluraler Unterkategorien festlegt. Eine solide theoretische Fundierung der KB ist wichtig um der Praxis standhalten zu können. Dies stellt eine Gratwanderung dar. Die Vielfalt und der Wandel der Bereiche, die zur KB zählen, sprechen weder für eine Kategorisierung, noch dagegen. Hier kristallisiert sich ein Grundproblem heraus: Einerseits wurde es bisher nicht gewagt die Anwendungsfelder Kultureller Bildung festzulegen, um die KB von anderen Anwendungsfeldern abzugrenzen und andererseits wird ein solider, theoretischer Unterbau benötigt, um die KB fassen zu können sowie einen Begriff zu erhalten, der in Theorie und Praxis stand hält und verständlich ist. Eine Kategorisierung der Anwendungsfelder von KB erscheint für die vielfältige Praxis sicher sinnvoll, da somit eine gewisse Ordnung hergestellt werden kann.

[...]


1 Für weitere Informationen: http://www.mittwochs-maler.de/ [Stand: 28. Mai 2013].

Details

Seiten
27
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656509189
ISBN (Buch)
9783656509905
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262526
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Note
1,3
Schlagworte
Soziale Arbeit Kulturelle Bildung Jugendliche Kultur Pädagogik Sozialpädagogik Sozialarbeit Kinder Graffiti Kunst Partizipation Kompetenzen Köln

Autor

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Titel: Kulturelle Bildung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit