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Die Folgen des extremen Winters 1709 in der Region Trier

Essay 2013 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einführung in die Thematik

1. Zusammenfassung des Quelleninhalts
1.1 Quelle 1
1.2 Quelle 2.

2. Kleine Eiszeit
2.1 Begriffsdefinition.

3. Die Folgen des Winters 1709 in der Region TrierS
3.1 Verluste und SchädenS
3.2 Hungersnot und Armut
3.3 Preise und LöhneS
3.4 AuswanderungenS

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Anhang

0. Einführung in die Thematik

Es vergeht kaum eine Woche, in der uns nicht Nachrichten über eine Naturkatastrophe erreichen. Doch was genau versteht man unter einer Naturkatastrophe? Der „Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache“1 liefert uns folgende Definition: „Naturereignis mit katastrophalen Auswirkungen für den Menschen.“ Auf Anhieb fallen uns da Hurrikan Katrina aus dem Jahre 2005, der rund 2000 Menschenleben forderte und das Erdbeben von Haiti 2008 mit rund 200 000 Toten und Millionen Menschen ohne Bleibe ein. Alle diese Naturkatastrophen haben eines gemeinsam: sie geschahen nicht auf dem europäischen Kontinent. Es wird zwar darüber im Fernsehen und in den Zeitungen berichtet, doch so flüchtig wir sie wahrnehmen, so schnell sind sie auch wieder vergessen. Solche Naturereignisse scheinen uns nicht weiter zu interessieren, weil wir glauben, sie können nicht bei uns passieren. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt jedoch, dass Naturkatastrophen wie Erdbeben, Fluten, Überschwemmungen usw. vor nicht allzu langer Zeit auch bei uns in Deutschland, genauer in der Region um Trier, passiert sind.

Diese Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, folgende Hauptleitfrage zu beantworten: Welche Folgen hatte der extreme Winter aus dem Jahre 1709 in der Region Trier? Dabei sollen Verluste und Schäden, wirtschaftliche Folgen (Preissteigerungen und Lohnsenkungen), Hungersnot und Armut und Auswanderungen aus der Region Trier herausgearbeitet werden.

Als Grundlage dienen die Quellen „CCCXXVIII“ (Quelle 1) und „CCCXXIX“ (Quelle 2) aus Emil Zenz´ „Die Taten der Trierer. Gesta Treverorum“.2 Zum besseren Verständnis wurden unter anderem „Noth im Winter 1708 auf 1709“ aus Johann Leonardys „Geschichte des Trierischen Landes und Volkes“,3 Rüdiger Glasers „Klimageschichte Mitteleuropas. 1000 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen“,4 Wolfgang Behringers „Kulturgeschichte des Klimas“ und Werner Hackers „Auswanderungen aus Rheinpfalz und Saarland im 18. Jahrhundert“5 sowie weitere, relevante Werke bemüht.

1. Zusammenfassung des Quelleninhalts

Bevor auf die Folgen des extremen Winters eingegangen wird, möchte ich zunächst eine knappe Zusammenfassung der beiden als Grundlage dienenden Quellen geben.

1.1 Quelle 1

In der Quelle „CCCXXVIII“ berichtet der Autor vom für die Region Trier sehr grausamen Winter 1709. Die Weinstöcke und Obstbäume wurden aufgrund der eisigen Kälte und des starken Frostes zerstört. Zudem litten viele Menschen unter Hunger, der vielen den Tod brachte. Weiterhin schildert der Autor die Ereignisse jenes Jahres ausführlicher. So berichtet er beispielsweise, dass die Mosel aufgrund der schaurigen Kälte innerhalb von wenigen Wochen drei Mal zufror. Für die Menschen war die Kälte so unausstehlich, dass sie sich kaum davor schützen konnten, sodass sie samt Vieh und Erzeugnissen erfroren. Zudem ist von einer Teuerungswelle die Rede, die die Region heimsuchte. Im letzten Abschnitt ist die Rede davon, dass viele aufgrund der oben gezeigten Ereignisse das Trierer Land in Richtung der Niederlande, England oder sogar Amerika hinter sich ließen.

1.2 Quelle 2

In der zweiten Quelle „CCCXXIX“ berichtet der Autor über die Repressalien des französischen Königs gegenüber der Stadt Trier. So hatte die Trierer Bevölkerung nicht nur unter der Armut und der Hungersnot zu leiden, sie musste sich auch noch mit Bettlern, die aus dem Luxemburger Raum kamen und mit plündernden französischen Soldaten, die im Fort zu St. Martin stationiert waren, rumschlagen. So ordnete König Ludwig XIV. im November 1709 unter Androhung militärischer Gewalt die Lieferung von 9000 Säcken Weizen an die hungernden französischen Soldaten binnen weniger Tagen an. Es wird davon berichtet, dass das zur Verschlimmerung der Armut und der Hungersnot führte, da die Trierer die Erzeugnisse woanders teuer kaufen mussten, um sie den Soldaten zur Verfügung zu stellen.

2. „Kleine Eiszeit“

Wie oben schon erwähnt, beschäftigt sich diese Arbeit mit den Folgen des Winters von 1709 in der Region Trier. Da der Zeitraum von 1675-1715 als ein besonders kalter Zeitabschnitt während der „Kleinen Eiszeit“ gilt und für diese Arbeit von enormer Bedeutung ist, stellt sich zunächst die Frage, was die „Kleine Eiszeit“ überhaupt war.

2.1 Begriffsdefinition

Der Begriff „Kleine Eiszeit“ wurde von Francois Matthes (1874-1949)6 Ende der 1930er Jahre geprägt und bezeichnet eine Periode relativ kühlen Klimas7 vom 13. bis zum 19. Jahrhundert,8 die weltweit - mit regionalen und zeitlichen Unterschieden - auftrat. Sie folgte auf die Mittelalterliche Warmzeit9 und definiert sich durch eine Wechselhaftigkeit des Klimas - auf der einen Seite eine große Zahl kalter Jahre10, auf der anderen Seite extreme Hitzejahre.11

Die Ursachen der „Kleinen Eiszeit“ sind unter den Wissenschaftlern umstritten. Als wichtigste Erklärungen werden ein verstärkter Vulkanismus und eine geringere Aktivität der Sonne angesehen. Vulkanismus gilt als der bedeutendste Auslösemechanismus für Klimaschwankungen. Die bei hochreichenden Eruptionen ausgestoßene Asche verteilt sich über Monate hinweg in der Erdatmosphäre. Diese Aschepartikel blockieren die einfallende Sonnenstrahlung ab, sodass sich die Strahlungssumme auf der Erde insgesamt verringert. Dies hat einen Temperaturrückgang zur Folge. Das „Jahr ohne Sommer“ 1675 beispielsweise wird mit dem Ausbruch des Vulkans Long Island auf Guinea in Verbindung gebracht.12 Als eine weitere Ursache für die Kälte während der „Kleinen Eiszeit“ wird neben den vulkanischen Aktivitäten auch die drastisch verminderte Sonnenaktivität aufgeführt. Mag man den Berichten der damaligen Astronomen Glauben schenken, wurden während der Ungunstphase 1679 - 1720 kaum bis gar keine Sonnenflecken13 mehr beobachtet, was zu einer extremen Abkühlung führte.14 Diese Phase wird daher auch Late Maunder Minimum15 genannt (nach dem englischen Astronomen Edward Walter Maunder, der Ende des 19. Jahrhunderts die Aufzeichnungen seiner Kollegen aus dem 17. Und 18. Jahrhundert entdeckte und auswertete).

Erste Klima-Anomalien wie harte und lange Winter, regnerische Sommer, Hagel und Überschwemmungen sind schon Anfang des 13. Jahrhunderts vorzufinden, während sie ab dem 14. Jahrhundert16 zu Agrardepressionen und somit zu Versorgungsengpässen und Hungersnöten führten.17 Im 15. Jahrhundert gipfelten diese Anomalien in ernsthafte Versorgungsprobleme mit Preisverfall und Lohnanstiegen.18

3. Die Folgen des Winters 1709 in der Region Trier

Im vorigen Abschnitt wurden die wichtigsten und bisher bekannten Gründe für die „Kleine Eiszeit“ zusammengefasst. Im Folgenden sollen die Folgen des Winters 1709 in der Region Trier dargestellt werden. Dabei wird auf Verluste und Schäden (sowohl menschlicher als auch sonstiger Art), Hungersnot und Armut, wirtschaftliche Folgen und die Auswanderungswellen eingegangen.

[...]


1 Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. In zehn Bänden. Band 6: Lein-Peko. Mannheim u. a.: Dudenverlag, 1999. S. 2363.

2 Zenz, Emil: Die Taten der Trierer. Gesta Treverorum. Band 8. Johann Hugo von Orsbeck. Trier: Paulinus Verlag, 1965. S. 25-29 Mitte. Anmerkung: Hierbei handelt es sich um die Übersetzung des Original-Textes vom Prokurator der Trierer Kurie, Nikolaus Reichman.

3 Leonardy, Johann: Geschichte des Trierischen Landes und Volkes: in 7 Büchern; nach den besten Quellen bearbeitet und bis in die neueste Zeit fortgeführt (2. Ausgabe). Trier: Interbook, 1982. S. 861-863.

4 Behringer, Wolfgang: Kulturgeschichte des Klimas. Von der Eiszeit bis zur globalen Erwärmung. München: Beck, 2007.

5 Hacker, Werner: Auswanderungen aus Rheinpfalz und Saarland im 18. Jahrhundert. Stuttgart: Theiss, 1987. 2

6 Bei Behringer sind die Jahre 1875-1949 als Lebensjahre angegeben, bei allen anderen Autoren 1874-1948, also gehe ich davon aus, dass es sich bei Behringer um einen Tippfehler handelt.

7 Hubert H. Lamb definiert den Begriff sehr allgemein als „die Gesamtheit der Wettererscheinungen an irgendeinem Ort der Erde während einer festgelegten Zeitspanne.“ Aus: Jörg, Christian: Teure, Hunger, Großes Sterben. Hungersnöte und Versorgungskrisen in den Städten des Reiches während des 15. Jahrhunderts. Stuttgart: Anton Hiersemann, 2008. Fußnote 327.

8 In dieser Periode kam es zu verstärktem Gletscherwachstum. Vgl. Matthes, Francois: Report of Committee on Glaciers. April 1939. In: Transactions American Geophysical Union 20 (4). S. 518 - 523.

9 Der Begriff wurde von Hubert H. Lamb in den 1960er Jahren geprägt und bezeichnet eine Klimaerwärmung um 1-2 Grad. Höhepunkt zwischen 1000 und 1300. Vgl. Abel, Wilhelm: Geschichte der deutschen Landwirtschaft vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Stuttgart: Ulmer, 1967. S. 25-44.

10 Beispielsweise wären zu Anfang des 18. Jahrhundert die Jahre 1709, 1716, 1720, 1721 und 1725 zu nennen. Vgl. Glaser, Rüdiger: Klimageschichte Mitteleuropas. 1000 Jahre Wetter, Klima, Katastrophen. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2001. S. 180.

11 Extreme Hitzejahre: 1781, 1783, 1787, 1794. Ebd.

12 Vgl. Luterbacher, Jürg: The Late Maunder Minimum (1675 - 1715) - climax of the „Little Ice Age“ in Europe. In: History and climate. Memories of the future? New York (2001). S. 29 - 54.

13 Siehe Anhang 1.

14 Anhand vieler Eiskernbohrungen in den Polkappen und den großen Gletschern konnte durch das Sauerstoffisotopen-Verfahren eine direkte Auskunft über die Zusammensetzung der Luft und damit einer genauen Temperatur gewonnen werden. Vgl. Behringer: Kulturgeschichte des Klimas. S. 19-21.

15 Siehe Anhang 2.

16 Bspw. die Hungersnot der Jahre 1315/1317.

17 Vgl. Abel, Wilhelm: Agrarkrisen und Konjunktur. Hamburg/Berlin: Paul Parey, 1978. S. 44 ff.

18 Vgl. Jörg, Christian: Teure, Hunger, Großes Sterben. S. 86 ff.

Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656511205
ISBN (Buch)
9783656510604
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262530
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
Schlagworte
folgen winters region trier

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