Lade Inhalt...

Integration osteuropäischer Energiemärkte

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 16 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

GLIEDERUNG

1. EINLEITUNG

2. ENTWICKLUNGSPHASEN OSTEUROPÄISCHER LÄNDER
2.1 Europäische Netze
2.2 Polen
2.3 Rußland

3. STRATEGIEN DEUTSCHER EVU'S IN OSTEUROPA
3.1 RWE Energie
3.2 PreussenElektra AG
3.3 Bayernwerk AG
3.4 VEW AG
3.5 EnBW AG
3.6 STEAG AG
3.7 MVV (Mannheimer Versorgungs- u. Verkehrsgesel. mbH)

4. INVESTITIONSSTRATEGIEN IN DEN OSTEUROPÄISCHEN MARKT
4.1 Erkennbare Gemeinsamkeiten der Strategien dt. EVU's
4.2 Strategievergleich der avisierten Fusionen dt. EVU's
4.3 Strategien von Investoren

5. ENGAGEMENT OSTEUROP. EVU'S IM WESTL. EUROPA (DEUTSCHLAND)

6. RESÜMEE

ANHANG: LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Der zunehmende Druck auf die Energie-Versorgungs-Unternehmen durch die Liberalisierung und Reregulierung im Energiemarkt setzen den Energiemarkt in Europa in Bewegung. Dabei spielen die Länder im osteuropäischen Raum in der Zukunft eine wichtige Rolle. Zur Zeit durchlaufen die osteuropäischen Länder einen fundamentalen Umbruch und in diesem Zusammenhang eine Restrukturierung ihrer Märkte von der zentralen Planwirtschaft hin zur freien Marktwirtschaft. Die Integration dieser Länder in die Europäische Union und die Öffnung der Märkte auch im Energiebereich in diesen Ländern zwingen die Energieunternehmen in Deutschland zum Handeln, wenn sie in diesen Märkten Fuß fassen wollen. Einhergehend mit diesen Tendenzen vollzieht sich natürlich auch die Öffnung dieser Märkte zum Westen hin. Auch die frühere Sowjetunion hat erste Schritte in diese Richtung unternommen. Diese historischen Entwicklungen werfen neue Fragen für den Energie-Sektor auf. Direktinvestitionen ausländischer Stromversorgungsunternehmen, grenzüberschreitende Stromlieferung, Kapitalbeteiligungen und/oder Kooperationen auf ausländischen Märkten sind die Anzeichen dafür, daß der europäische Elektrizitätsmarkt weit über nur die physische Integration der Stromnetze hinaus zusammen wächst.

Es bestehen neben den Aktivitäten zur Konsolidierung der Wettbewerbsposition auf dem Heimatmarkt auch die grenzüberschreitenden Partnerschaften und Akquisitionen. Im osteuropäischen Raum sind die Anfänge der Integration schon zu beobachten, es existieren Formen der Kooperation (z.B. Einkaufsgemeinschaften, informelle Netzwerke) bis zu Mergers & Aquisitions.

Der Elektrizitätsmarkt unterliegt trotz Liberalisierung und Reregulierung noch einer starken politischen Einflußnahme, so daß der Markt und die Unternehmensstrukturen weiterhin nicht ausschließlich marktwirtschaftlichen Kräften unterliegen.

2. Entwicklungsphasen osteuropäischer Länder

Wenn man die Entwicklung der Voranschreitung der Reregulierung, Liberalisierung und der Privatisierung der Energiemärkte in Osteuropa beobachtet und durchleuchtet, sieht man, daß die Länder 3 Phasen durchlaufen. Einige Länder befinden sich immer noch in der 1. Phase einem "Vor-Reform" Status. Die 2. Phase ist die, in der einige Reformen eingeleitet wurden, jedoch noch erhebliche Defizite bestehen und in der 3. Phase, werden den eingeleiteten Reformen schon einige gewisse Erfolge zugestanden.

Die mittel- und osteuropäischen Energiewirtschaften haben sich bisher trotz ähnlicher Probleme unterschiedlich entwickelt, jedoch erwarten alle, daß von der Privatisierung und dem Zufluß privaten Kapitals ihre Probleme gelöst werden. Die ähnlichen Probleme der Energiewirtschaften in allen mittel- und osteuropäischen Ländern sind:1

- Geringe oder keine energetischen Nachfragesteigerungen
- Umstrukturierungsprobleme infolge der Einführung marktwirt-schaftlicher Strukturen
- Schlechter Zustand der Infrastruktur
- Umweltschutzprobleme durch hohe Schadtstoff-Emissionen
- Geringe Sicherheitsstandards in der Kernkraftnutzung
- Öl- und Gasleckagen

Alte Monopolstrukturen abzubauen und neue regulatorische Rahmenbedingungen zu entwickeln ist eine schwer zu lösende Aufgabe, gerade in diesen Ländern in denen die Energiewirtschaft bisher als nationale Schlüsselindustrie angesehen wurde. Quersubventionen der Haushalts-Strompreise zu Lasten der Industrie-Strompreise wurde in der Vergangenheit in allen mittel- und osteuropäischen Ländern betrieben, Analysen der Weltbank haben gezeigt, daß die De- bzw. Reregulierung und die Privatisierung in einzelnen Ländern sehr unterschiedliche Fortschritte erreicht haben. Den Baltischen Staaten, Polen, Ungarn und der Tschechei wurde ein gewisser Erfolg in der Restrukturierung und Reform zugesprochen, die übrigen Länder wie die frühere Sowjetunion, Rumänien und Bulgarien haben noch erhebliche Defizite und weitere Länder befinden sich noch in einem "Vor-Reform-Status", wie z.B. Weißrußland, Tadschikistan, Kasachstan und Turkmenistan. Da derartige länderbezogene Unterschiede bestehen, führt die EU bereits Gespräche, welche energiewirtschaftlichen und -rechtlichen Vorleistungen für einen Beitritt erforderlich werden wären. Die Konvergenz an die Anforderungen der EU-Binnenmarktrichtlinie bzw. der europäischen Energiecharta wird zu den Voraussetzungen zu zählen sein, denn erst die Erfüllung entsprechender Voraussetzungen macht die Entwicklung eines ausgeprägten Stromhandels möglich2.

2.1 Europäische Netze

Das Ziel der Kooperation im Energiesektor zwischen West und Ost in Europa ist die Integration der Gas- und Elektrizitätsnetzwerke in ganz Europa und ein Ausbau des Handels3.

Ursprünglich war die polnische Stromversorgung Bestandteil des Netzsystems Pokoj (Frieden), im Laufe der Öffnung des Ostens trennten sich Polen, Ungarn und die ehemalige Tschechoslowakei von ihren Systemen. Das Ergebnis dieses Schritts ist das System "CENTREL", welches Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei und Ungarn umfaßt. Nachdem das CENTREL-System mit dem UCPTE-System verbunden wurde, wurde Polen vollständig an das westeuropäische Hochspannungsnetz angeschlossen4.

Anhand der Beispiele Polen und Rußland soll gezeigt werden, welche Reformen die Länder in Osteuropa zur Zeit durchlaufen und auf welchem Stand sie sich befinden. Polen ist hinsichtlich der Neugestaltung seines Energierechts bereits sehr fortgeschritten. Für Rußland soll die Darstellung aufzeigen, welche gravierenden Hemmnisse einem künftigen freien nationalen und internationalen Strommarkt noch entgegenstehen.

2.2 Polen

Das polnische Stromversorgungssystem ist das größte seiner Art in Mitteleuropa. Die installierte Leistung beträgt mehr als 33.000 MW, wovon 28.000 MW in rund 20 großen gewerblichen Kraftwerken und Heizkraftwerken konzentriert sind, im Erzeugungsbereich gibt es z.Zt. Überkapazitäten von ca. 10.000 MW. Die Stromversorgung wurde bisher durch eine landesweite Monopolstellung der PSE SA erreicht, die neben den Übertragungsaufgaben auch den Großhandel mit Strom wahrnahm.

Das am 10. April 1997 verfasste und am 14. Mai 1997 von Staatspräsident Kwasnieski unterzeichnete "Energetische Recht" bildet die gesetzliche Grundlage für die geplanten energiewirtschaftlichen Reformen. Es schafft somit die erforderlichen Instrumente zur Durchführung der Reregulierung und Privatisierung. Es ist weitgehend auf die Erfordernisse der Europäischen Strom-Binnenmarktrichtlinie vom 19. Dezember 1996 ausgerichtet, durch die die Deregulierung der europäischen Elektrizitätswirtschaften auf eine gemeinsame Basis gestellt wird. Das polnische Energiegesetz hat folgende Ziele5:

- Schrittweise Einführung marktwirtschaftlicher Gegebenheiten im Energiesektor.
- Entwicklung des Wettbewerbes bei der Stromerzeugung und -belieferung
- Gewährleistung der Sicherheit der Energieversorgung
- Rationelle Brennstoff- und Energienutzung
- Gleichbehandlung aller in der Energiewirtschaft tätigen Unternehmen

Mit der Verabschiedung des Energiegesetzes war ein Energie-Regulierungsamt einzurichten, dem die Aufsicht über die gesamte Energiewirtschaft (Strom und Gas) übertragen wurde, es vergibt Konzessionen, kontrolliert die Einhaltung von Konzessionsrichtlinien, überwacht die Preisgestaltung und stimmt Preisänderungen zu.

Wesentlich im polnischen Energiegesetz ist die Einführung der TPA-Regelung (Third Party Access), die den Zugang Dritter zum Netz gegen Entgeltzahlung für Übertragungsdienste ermöglicht. Da diese Regelung zur Zeit nur für inländische Objekte festgehalten ist, ist auch aufgrund der Reziprozitäts-Anforderungen der EU der unbeschränkte Stromhandel zwischen Polen und Deutschland nicht möglich, mit der Reziprozität soll sichergestellt werden, daß ausländische Anbieter nur dann die Durchleitung von Erdgas in Deutschland verlangen können, wenn das Durchleitungsrecht umgekehrt auch für deutsche Unternehmen im Heimatland dieses ausländischen Anbieters gilt. Ist die Reziprozität der Marktöffnung nicht gegeben, so sollen deutsche Gasgesellschaften die Durchleitung für ausländische Anbieter verweigern dürfen, Aufgrund von Wettbewerbs- und Chancengleichheit6. Weiterhin wird die Freigabe der Preise für Strom spätestens zwei Jahre nach der Verabschiedung des Energiegesetzes (1999) stattfinden. Dadurch erhalten die einzelnen Energieversorger die Möglichkeit individuell Tarife zu entwickeln, da die zentrale Preisvorgabe durch das Finanzministerium entfällt.

Ab 1999 sollen bereits 30% des polnischen Stromverbrauchs über einen Pool abgewickelt werden, im Gegensatz zur etwas schleppenden Privatisierung macht die Gestaltung des neuen Strompools Fortschritte, die 30% entsprechen der ursprünglichen Zielvorgabe. Es haben sich, als Antwort auf die damit zu erwartenden Herausforderungen des deregulierten Marktes, eine Reihe von Konsortien der Verteilungsunternehmen gebildet, welche zum Teil die langfristigen Bezugsverträge der PSE SA mit den polnischen Systemkraftwerken und mit den in den Systemmarkt einspeisenden Heizkraftwerken übernehmen werden.

Nach der Durchführungsverordnungen Ende 1998, die die Tarifsetzung und die Bildung von Durchleitungspreisen ermöglicht wurde am 30. Juli 1998 der erste Energieliefervertrag an der PSE vorbei abgeschlossen. Seit September 1999 sind die Durchführungsverordnungen in Kraft getreten, in denen einzelne Kundengruppen für den Wettbewerb freigegeben wurden, die Freigabe der Kunden erfolgt in mehreren Schritten7.

[...]


1 E&M-Jahresmagazin "Energiewirtschaft/Osteuropa", 1999, S.62

2 Vgl. E&M-Jahresmagazin, 1999, S.62-63

3 Vgl. HOFFMANN; SIEFEN (Energy), 1991

4 Vgl. Energietechnik, 1996, S. 16

5 E&M-Jahresmagazin, 1999, S.64

6 Rede des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie: Dr. W. Müller, 1999

7 E&M-Jahresmagazin, 1999, S.65

Details

Seiten
16
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638115865
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2626
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Energiewirtschaftliches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Integration Energiemärkte Hauptseminar Energiewirtschaft

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Integration osteuropäischer Energiemärkte