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Tiere und das Recht auf Leben. Positionen nach Peter Singer und dem Uitlitarismus

"Nur Personen haben ein Recht auf Leben"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 15 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zur Person von Peter Singer

2.Hauptteil
2.1 Utilitarismus
2.2 Präferenzutilitarismus
2.3. Singers Drei-Stufen-Modell
2.4. Singer über den Status von Embryonen, Föten und Säuglinge
2.5. „Nur Personen haben ein Recht auf Leben“ wie ist es mit den Tieren?

3. Schlussteil
3.1. Schlussfolgerung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wir leben in einer Zeit, die durch Forschung geprägt ist. Die Forschung ist eines der wichtigsten Güter der Menschheit. Sie ermöglicht uns Lösungen auf Fragen, zu finden, die bis dorthin keine Lösungen besaßen. Beinahe monatlich werden neue Erkenntnisse in der Medizin veröffentlicht. Vorteile sind: verbesserte Medikamente und Heilung oder Therapien von Krankheiten die für uns unheilbar waren. Jedoch gibt es auch Nachteile. Die Medizin braucht Versuchskaninchen für das Experimentieren von neuen Medikamenten um so eine Verbesserung des alten Produktes zu ermöglichen. Meistens sind es kleine Nagetiere, wie Ratten oder Mäuse die als Versuchsopfer in Betracht gezogen werden, aber es können auch Schimpansen oder andere Säugetiere sein. Somit stellt sich die Frage ob dieses Handeln ethisch vertretbar ist? Peter Singer versucht Licht ins Dunkele zu bringen. Nach seiner Meinung haben nur Personen ein Recht auf Leben. Was sind für ihn Personen ? In dieser Hausarbeit werde ich Singers Meinung verdeutlichen und seine Theorie bezüglich des Utilitarismus darstellen.1

1.1 Zur Person von Peter Singer

Peter Singer (mit ganzem Namen: Peter Albert David Singer) wurde am 6. Juli 1946 in Melbourne, Australien geboren. Seine Eltern stammten aus Wien und wanderten 1938 nach Australien aus. Der Grund war, dass seine Eltern Juden waren und dem Nationalsozialismus der Deutschen fliehen wollten. Dies gelang den Großeltern von Peter Singer jedoch nicht und sie verstarben in einem Vernichtungslager der Nazis. Da Peter Singer in Australien geboren ist besitzt er auch die australische Staatsbürgerschaft. Singer studierte Jura, Geschichte und Philosophie in Melbourne. Als Professor im Fach Philosophie lehrte er in Oxford und an der La Tube Universität. Anschließend kam er nach Melbourne zurück und war dort von 1977 bis 1999 Professor, wiederum im Fach Philosophie, an der Monash University. Zurzeit ist er Professor für Bioethik an der Princeton Universität. Singer ist einer der umstrittensten Philosophen des 20. Jahrhundert. Bekannt wurde er durch eine Mehrzahl an Publikationen im Bereich Tierschutz, Euthanasie und Abtreibung, aber vor allem durch sein Buch „ Animal Liberation “ (deutscher Titel: Befreiung der Tiere) im Jahre 1975. Worum geht es in diesem Werk? Singer spricht über den moralischen Status von Tieren in unserer Gesellschaft. Er verdeutlicht auch die Ausbeutung und Diskriminierung der Tiere heutzutage und er folgert, dass der Vegetarismus die einzige Lebensweise ist, welche auch moralisch vertretbar ist. Mit diesem Buch erlangt ihm der Durchbruch und zählt mit Tom Regan als Begründer der modernen Tierethik. Andere bekannte Werke von ihm sind: „ Democracy and Disobedience “, „ Practical Ethics “ und „ The Expanding Circle “.

2.Hauptteil

2.1 Utilitarismus

Der Vorläufer des Präferenzutilitarismus ist der Utilitarismus, den wir uns in diesem Teil der Arbeit ansehen. Heutzutage ist der Utilitarismus die bedeutendste und vielfältigste Strömung in der Ethik.2 Erste Formen des Utilitarismus fand man schon in China und das schon Jahrhunderte vor der Geburt Christi. Die Theorie vom Utilitarismus wurde hauptsächlich von Bentham (1798-1832) und Mill (1806-1873) während des Übergangs zum Industriezeitalter entwickelt. Das erste Werk dieser Theorie stammt von Mill was ein Erfolg war und ist seit heute eines der Standardwerke in der Ethik. Heutzutage gibt es unzählige Positionen des Utilitarismus, die sich mit unterschiedlichen Themenbereichen wie Wissenschaftsethik, Tierethik, usw. beschäftigen. „ Die Erhebung der Nützlichkeit zum Bewertungskriterium der sittlichen Qualität einer Handlung (Nützlichkeitsprinzip). Entscheidend ist dabei ihr Beitrag zum gr öß tmöglichen Glück für die gr öß tmögliche Anzahl von Menschen (Sozialeudemismus).3 Der Ausdruck „Utilitarismus“ hat seinen etymologischen Ursprung aus dem Latein (utile= nützlich). Mittels dieser Übersetzung haben wir einen ersten Gedanken und wir können erahnen, dass die Grundintention dieser ethischen Theorie um den Nutzen von Handlungen mit moralischer Relevanz handeln. Der Nutzen definiert Bentham in seinem Werk „ Introduction tot he Principles of Morals and Legislation “ als die spezifische Eigenschaft einer Sache, welche zur Schaffung von Wohlergehen, Vorteil, Freude, Gutem oder Gleichem verhilft. Wir messen den Nutzen einer Handlung in dem wir beobachten wie viel Glück eine spezifische Handlung hervorruft. Um das allgemeine Glück zu rechnen müssen wir das Glück einzelner Menschen zusammen addieren. So können wir schlussfolgern, dass je mehr glückliche Menschen es gibt, desto größer ist das allgemeine Glück. Das Ziel einer utilitaristischen Entscheidung ist es den größtmöglichen Nutzen(Glück) für die größtmögliche Anzahl von Menschen zu treffen.4 Das Motto des Utilitarismus könnte man wie folgt formulieren: „Handle immer so, dass das größtmögliche Maß an Nutzen entsteht“. Das Erreichen dieses Ziels kann nur erfolgen, indem man vier Grundprinzipien beachtet: Konsequenzprinzip, Hedonismusprinzip. Utilitätsprinzip und Sozialprinzip. Beispiel zur Anschauung des Glücks: Für eine Person stellt eine Frühstücksmahlzeit ein Optimum dar, mehr Frühstücksmahlzeiten würde das Glück sinken lassen. Wenn man hundert Mahlzeiten hat und hundert Leute, so ist das Glück am größten wenn jeder eine Mahlzeit bekommt.

Wir können den Utilitarismus einerseits in den klassischen Utilitarismus und anderseits in moderne Auffassungen aufteilen und wir können wiederum den klassischen Utilitarismus in den Handlungsutilitarismus und in den Regelutilitarismus aufspalten. Im Handlungsutilitarismus müssen für jede Handlung die mitsichbringenden Konsequenzen kalkuliert werden. Man verlässt sich damit im Gegensatz zum Regelutilitarimus nicht auf allgemeine moralische Regeln, sondern man muss in jeder Situation von vorne rechnen.

Mehrere Utilitaristen, unter ihnen auch Peter Singer wollen das Grundprinzip des Utilitarismus auch auf Tiere beziehen.

2.2 Präferenzutilitarismus

Der Präfernzutilitarismus wägt auch wie der Utilitarismus zwischen Freude und Leid ab. Singer will wie der Utilitarismus seine Argumente rational begründen, darum strebt (Singer) er in seinem Werk, Praktischen Ethik, danach eine rational argumentierte Ethik anzubieten. Es handelt sich dabei um eine Ethik die jeder Mann durch seine Vernunft verstehen kann. Singer stellt die Grundprinzipien des Utilitarismus nicht in Frage, für ihn sind sie selbstverständlich. Als Schwerpunkt geht Singer nicht auf die Lust/Unlust der Menschen ein, sondern auf die Interessen und Präferenzen. Singers Grundprinzip seiner Argumentation ist das unparteiische Abwägungsprinzip aller Interessen. Alle Präferenzen sind gleich und alle sind wichtig. Auch die Präferenzen der Tiere sollen mit eingeschlossen werden. Singer verbindet den Aspekt der Freude mit dem Vorhandensein von Interessen. Jedoch hängen die Interessen von verschiedenen Faktoren ab wie z.B. der Bequemlichkeit. Ein Beispiel wäre die Abtreibung eines schwerbeeinträchtigen Embryos, denn für Singer wäre es ethisch gerechtfertigt, weil die Kosten und Arbeit für ein Kind mit Beeinträchtigung enorm wären und das eine Begründung wäre um es abzutreiben. Die Rasse, das Geschlecht und die Kultur sind keine Faktoren laut Singer die das Interessenabwägen stören können, jedoch der Gesundheitszustand eines Menschen schon. Das Ziel des Präferenzutilitarismus ist dasselbe wie wir es beim Utilitarismus bereits gesehen haben, nämlich die Anzahl der glücklichen Menschen zu vermehren. Der einzige Unterschied ist, dass beim Präferenzutilitarismus die Präferenz oder auch der Vorrang von Interessen im Mittelpunkt stehen. Für Peter Singer sind die Interessen von Personen stärker als die von Nicht-Personen. Auf diese Differenzierung der Lebewesen gehe ich jetzt im folgenden Paragraphen ein.

2.3. Singers Drei-Stufen-Modell (Differenzierung der Lebewesen)

Singer teilt die Lebewesen in drei unterschiedliche Stufen ein. Die Empfindungsfähigkeit spielt bei Singer die wichtigste Rolle, da er so Lebewesen mit und ohne Empfindungsfähigkeit unterteilt. Alle Lebewesen ohne Empfindungsfähigkeit bezeichnet Singer als Wesen ohne Bewusstsein oder unbewusste Leben. Er meint damit leblose Dinge wie Pflanzen, Steine aber auch Tiere ohne ein Zentralnervensystem (ZNS) (z.B.: Insekten, verschiedene Quallenarten, Einzeller(Bakterien)…) Diese leblosen Dinge haben kein Bewusstsein und kennen laut Singer weder Freude noch Schmerz. Für Singer haben diese Dinge keinen Wert an sich und darum haben wir Menschen keine Verpflichtungen ihnen gegenüber.5 Die empfindungsfähigen Lebewesen teilt er in Personen und nicht-Personen ein. Diese zwei Lebewesen haben ein Bewusstsein und können Freude und Schmerz empfinden. Singer lehnt es persönlich ab, dass das Leben von der Gattung „Mensch“ höhergestellt wird, als von Lebewesen anderer Gattungen. Seiner Meinung nach sind nur die Lebewesen höhergestellt, die Personen sind. Was sind Personen und nicht-Personen für Singer? Nicht- Personen auch noch bewusst-empfindende Lebewesen sind alle Lebewesen die ein Zentralnervensystem haben, daher sind es Lebewesen die Freude und Schmerz empfinden können. Sie unterscheiden sich durch diese Fähigkeit von den Wesen ohne Bewusstsein. Personen und Nicht-Personen haben beide ein Zentralnervensystem, also können beide Freude und Schmerz empfinden, aber wobei unterscheiden sie sich bei Singers Definition voneinander? Nach Singer sollen wir diese Lebewesen so behandeln, dass sich die Summe der Lustfaktoren erhöht, also Verpflichtung des Menschen im Sinne des klassischen Utilitarismus nach Mill und Bentham. Jedoch haben diese Wesen kein Selbstbewusstsein, also sind sie ihrer nicht bewusst. Diese Wesen besitzen auch kein Zeitgefühl. Da sie kein Selbstbewusstsein haben ist ihre Individualität in Frage zu stellen und so sind sie laut Singer austausch- und ersetzbar. Singer beschreibt diese auch metaphorisch als Gefäße der Lust. Zu diesen Tieren gehören: Fische, Vögel und für Singer auch menschliche Wesen wie Embryonen, Neugeborene, Menschen mit einer Beeinträchtigung und auch ältere Menschen mit einer Demenz.6 Nach Singer haben diese Lebewesen kein uneingeschränktes Recht auf Leben, da ihnen die voraussetzenden Merkmale zu einem eigenen Personenstatus fehlen.7 Also meint Singer, dass das Neugeborene kein eigenes Recht auf das Leben hat und somit muss man nicht alles in seiner Macht stehende tun um die Erhaltung des Lebens eines Neugeborenen zu garantieren. Sie haben jedoch auch Interessen wie Personen aber ihre Interessen werden geringer gewertet. „ Singer meint, ein Wesen A könne nur dann ein Recht auf x haben, wenn A fähig ist, ein Interesse an x zu haben. Demnach haben nur jene Wesen ein Recht auf Leben, die ein Interesse an Leben haben können. An Leben können aber nur Wesen ein Interesse haben, dieüberhaupt verstehen, worum es bei er Option zwischen Leben und Tod geht. Singer charakterisiert Personen als Wesen, welche die nötigen geistigen Voraussetzungen erfüllen, diese Unterscheidung zu verstehen und deshab ein Interesse an Leben haben können.8

Singer unterscheidet die Interessen der Personen von den Nicht-Personen. Die Interessen von den Nicht-Personen können auch Bedürfnisse sein und geben das Beispiel vom Fisch der am Haken hängt. Wenn ein Fisch am Haken hängt, hat dieser den Wunsch freigelassen zu werden, da er auch leidet und der Haken ihm Schmerzen zubereitet. Kommt der Fisch frei hat dieser kein Bewusstsein von seinem Schmerz am Haken. So liegt in diesem Beispiel ein Bedürfnis vor, da man sich an ein Interesse erinnern würde und ein Bewusstsein davon tragen würde. Nun kommen wir zu den Lebewesen die von Peter Singer als Personen bezeichnet werden dürfen, z.B.: Menschen, menschenähnliche Wesen(Affen) und Delphine.

[...]


1 Vgl.: www.princeton.edu/~psinger.

2 Vgl. ANZENBACHER Arno: Einführung in die Ethik, S.31.

3 Zeitverlag Gerd Bucerius GMBH & CoKG: Das Lexikon. Mit dem besten aus der Zeit, Hamburg 2005 3

4 Vgl.: HÖFFE, Otfried: Einführung in die utilitaristische Ethik., S.55

5 Vgl.: SINGER, Peter: Praktische Ethik. Kapitel 5.

6 Neugeborene gehören nur bis zum Alter von 1 Monat zu den Nicht-Personen. Diese Zeitangabe wurde von Singer persönlich festgelegt und entspricht keinem bekannten medizinischen Stadium des Neugeborenen.

7 z.B.: Zeitgefühl, Selbstbewusstsein und Vernunftbegabt sein(Rationalität)

8 WOLF, Jean-Claude: http://www.analyse-und-kritik.net/1990-2/AK_JC-Wolf_1990.pdf S.2. 7

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656514336
ISBN (Buch)
9783656513988
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262736
Institution / Hochschule
Université du Luxembourg – Flshase
Note
1.0
Schlagworte
peter singer tierethik ethik tiere

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Titel: Tiere und das Recht auf Leben. Positionen nach Peter Singer und dem Uitlitarismus