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Der Poetry Slam in Frankreich. Ein veritables Pendant zum Rap?

Hausarbeit 2012 19 Seiten

Romanistik - Französisch - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Poetry Slam ?

3. Die Geschichte und Gegenwart des Poetry Slam
3.1. Die Geburt des Poetry Slam in den USA
3.2. Die Verbreitung des Poetry Slam in Europa.
3.3. Der Poetry Slam in Frankreich

4. Die Sprache des französischen Poetry Slam und Rap
4.1. Analyse der Sprache in Ma Tête, Mon Cœur Et Mes Couilles
4.2. Analyse der Sprache in Muse Amoureuse.
4.3. Analyse der Sprache in Bakel City Gang

5. Der Poetry Slam als Pendant zum Rap: Eine Reflexion

6. Zusammenfassung

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In Anlehnung an meine Präsentation für das Proseminar Französische Soziolinguistik zum Thema Die Sprache des französischen Rap möchte ich mich in dieser Hausarbeit dem Poetry Slam in Frankreich und seiner Sprache widmen.

Die Leitfrage, die dieser Hausarbeit zugrunde liegt, ist, inwiefern der Poetry Slam als veritables Pendant zum Rap gesehen werden kann, da beide Genres schließlich den gleichen Ursprung teilen und heute als eng miteinander verbunden gelten.

Im Rahmen dieser Frage ist insbesondere zu beachten, unter welchen Umständen sich die beiden Phänomene entwickelt haben, welche Aussagen über ihre Sprache getroffen werden können und welchen gesellschaftlichen bzw. kulturellen Wert sie heute haben.

Zunächst erfolgt ein kurzer Einstieg, der einen Überblick zum Begriff Poetry Slam, seiner lexikalischen Herkunft und den signifikantesten Attributen des Genres geben soll. Anschließend werde ich die Ursprünge des Poetry Slam beleuchten, um im Folgenden schrittweise die weltweite Verbreitung dieses Phänomens zu erläutern. Hierbei wird insbesondere Frankreich eine wichtige Rolle spielen, da der dortige Umgang mit dieser Kunst in meinen Augen explizit hervorzuheben ist.

Daraufhin werde ich anhand von zwei französischen Slam-Texten die wichtigsten sprachlichen Merkmale des Poetry Slam erarbeiten, wobei die beiden Texte trotz ihrer identischen Gattungszugehörigkeit so gewählt sind, dass ein Kontrast sichtbar werden sollte. Um dieses Kapitel abzuschließen, werde ich den bereits in der Präsentation vorgestellten Gangsterrap-Text noch einmal schriftlich analysieren, um einen Vergleich zu den Slam-Texten zu ermöglichen. Die Texte zu allen drei analysierten Werken liegen dem Anhang dieser Hausarbeit bei und sind mit Verszahlen versehen.

Da der französische Rap das ursprüngliche Thema der Präsentation war und der Vergleich der beiden Genres Poetry Slam und Rap sich bewusst durch jedes Kapitel dieser Hausarbeit zieht, werde ich im letzten Kapitel reflektieren, inwiefern der Poetry Slam ein veritables Pendant zum heutigen Rap bildet, wobei sowohl kulturelle, als auch gesellschaftliche Aspekte eine essentielle Rolle in meinen Gedankengängen spielen.

Nach dieser Reflexion werde ich abschließend die wichtigsten Erkenntnisse, die in dieser Hausarbeit gewonnen wurden, im Rahmen einer Zusammenfassung noch einmal rekapitulieren.

2. Was ist Poetry Slam?

In diesem eröffnenden Kapitel werde ich als Einstieg die Grundzüge des kulturellen Phänomens Poetry Slam erläutern, sowie diverse Fachtermini genauer beleuchten, um einen ersten Einblick in die Thematik zu ermöglichen und eine Basis für den weiteren Verlauf dieser Hausarbeit zu schaffen.

Der Poetry Slam bezeichnet die Aufführung eigenständig verfasster Texte vor einem Publikum, das je nach Format der Veranstaltung als bewertende Jury fungieren kann oder schlichtweg als Zuhörer vor Ort ist.

Was die Form des Vortrags betrifft, so ist es üblich, den verfassten Text als Gedicht vorzutragen, wobei darüber hinaus auch noch die Möglichkeit besteht, dem Publikum Kurzgeschichten zu präsentieren oder auch schauspielerische Elemente in den Vortrag miteinzubinden. Der Text muss hierbei nicht zwingend auswendig beherrscht werden, sodass die Zuhilfenahme eines Schriftstücks auf der Bühne gestattet ist.

Trotz der darstellerischen Freiheit des Slammers ist Improvisation während einem Vortrag eher selten vorzufinden.

Beim Poetry Slam kann es sich einerseits um einen dichterischen Wettkampf handeln, der vom Publikum bewertet wird, jedoch ist es heute auch geläufig, dass Poetry Slams im Rahmen einer wettbewerbsfreien Atmosphäre in Cafés oder Bars stattfinden, wobei lediglich der abwechselnde Vortrag im Stile einer Lesung im Vordergrund steht.

Der Begriff Poetry Slam ist auf Marc Smith zurückzuführen, der den ersten Slam in der Bar Green Mill in Chicago organisierte. Bei dem Wort Slam handelt es sich um eine Entlehnung des sogenannten Grand Slam im Baseball, der eine spezielle Form des Home Runs bezeichnet. [1] In diesem Kontext bezeichnet das Wort Slam einen Volltreffer. Jedoch ist das Wort Slam auch auf den Schlemm, d.h. auf das französische Wort chelem übertragbar, was der sogenannte Stich in Kartenspielen wie beispielsweise Bridge ist. [2] Diese Definitionen betonen in erster Linie den Wettkampfscharakter des Poetry Slam, da dieser noch zu Beginn der Bewegung klar im Mittelpunkt stand, sich mittlerweile jedoch mehr und mehr verflüchtigt hat.

Insbesondere der Poetry Slam in Frankreich findet größtenteils nicht in Form eines Wettbewerbs statt und dient in erster Linie der Unterhaltung. Deshalb spricht man dort häufig von une soirée de slam oder une scène de slam, um den künstlerischen Aspekt des Ereignisses hervorzuheben, während von einem Wettkampf in der Regel als un tournois de slam oder un slam de poésie gesprochen wird. [3]

Die zunehmende Distanzierung vom Wettbewerb begründet der französische Slammer Pilote Le Hot wie folgt: „En France, il y a déjà beaucoup d’affectif, beaucoup de bataille de clochers et de revendication personnelles par rapport à ce qui est création artistique, milieu culturel de la culture. […] ça aurait divisé plutôt qu’unir.“ [4]

Insofern lässt sich festhalten, dass der Poetry Slam in Frankreich nicht erfolgsorientiert ausgerichtet ist, sondern lediglich darauf abzielt, die Kunst als Mittel der Vereinigung zu gebrauchen und den Akt des Teilens als Ziel der Veranstaltung durchzusetzen.

Gerade der Poetry Slam als Wettbewerb unterliegt einem strengen Reglement, das infolge von Missachtungen mit Punktabzügen sanktioniert wird. Bei diesen Regeln handelt es sich um die ursprünglichen Regeln, die von Marc Smith ins Leben gerufen wurden. [5] Demnach darf die Vortragsdauer nicht mehr als drei Minuten betragen, der Gebrauch jeglicher Art von Requisiten, sowie musikalische Begleitung sind untersagt und die vortragende Person muss gleichzeitig auch der Autor des Textes sein.

Es existieren keinerlei Teilnahmebedingungen für einen Poetry Slam, sodass die Bühne prinzipiell für jeden zugänglich ist, der seine Kunst mit anderen Menschen teilen möchte. Die daraus resultierende Vielfalt an Teilnehmern ist insofern ein essentielles Merkmal des Slam, als dass sie einen intellektuellen Austausch über Realität zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen, Glaubensrichtungen oder sozialen Schichten ermöglicht. Diese Intention der Slambewegung spiegelt sich auch in der Auswahl der Veranstaltungsorte wider, da durch das Beisammensein in engen Bars eine besondere Intimität entsteht und somit eine Art Gemeinschaftsgefühl heranwächst. [6]

Das Poetry Slam-Netzwerk, das sich bis zum heutigen Tag etabliert hat, wird in jeder Nation institutionell organisiert: Die Fédération Française de Slam Poésie (FFDSP) repräsentiert die internationale Bewegung des Poetry Slam in Frankreich und ist unter anderem für die Organisation von Slams und die Einhaltung der vorgegebenen Regeln zuständig. [7]

3. Die Geschichte und Gegenwart des Poetry Slam

In diesem Kapitel werde ich mich zunächst dem historischen Ursprung des Poetry Slam und seinen Anfängen in den Vereinigten Staaten widmen, bevor ich im Folgenden tiefer auf seine weltweite Ausdehnung eingehen werde. Hinsichtlich dieser Verbreitung des kulturellen Phänomens Poetry Slam wird Frankreich als einer der nennenswertesten europäischen Importeure im Mittelpunkt dieser Ausführungen stehen. Da der heutige Status quo wichtig ist, um gewisse Aspekte der Vergangenheit zu verdeutlichen, werde ich im Rahmen der folgenden Schilderungen gelegentlich auf die gegenwärtige Rolle des Poetry Slam zu sprechen kommen.

3.1. Die Geburt des Poetry Slam in den USA

Wie bereits im vorherigen Kapitel erwähnt, gilt Marc Smith als Begründer dessen, was wir heute Poetry Slam nennen. Er war in den 1980er Jahren als Maurer in Chicago tätig und besaß eine starke Affinität für Poesie. Aus diesem Grund besuchte er regelmäßig Lyriklesungen, die jedoch aufgrund ihrer durchaus elitären Außendarstellung sehr schlecht besucht waren und auch für literaturinteressierte Menschen alles andere als unterhaltsam waren. Veranstaltungen dieser Art dienten zur damaligen Zeit weniger der Generierung von Massen, als dass sie viel mehr eine ideale Plattform zur Profilierung einer vermeintlich intellektuellen Klientel boten.

Deshalb veranstaltete Smith ab 1984 in einer Bar namens Green Mill in Chicago mit einigen Bekannten erstmals einen Lyrikabend, der auch theatralische Elemente in den Vortrag miteinbezog, wodurch die Lesung somit zu einer Performance heranwuchs.

Die tatsächliche Geburtsstunde des Poetry Slam ist jedoch der 20.07.1986, da Smith an diesem Abend erstmals die Grundidee des Poetry Slam in das Konzept seiner Show integrierte: eine Zeitgrenze von drei Minuten wurde eingeführt und das Publikum wurde in Form einer zufällig gewählten Jury aktiv mit in das Geschehen eingebunden.

Durch die Einführung dieses Reglements waren die vortragenden Personen gezwungen, ihre Kunst so vorzutragen, dass sie für das Publikum unterhaltsam war. Der Zuhörer war nicht mehr dem Druck ausgesetzt, dem Anspruch des vorgetragenen Werkes gerecht werden müssen und es unkommentiert über sich ergehen zu lassen. Im Prinzip wurde somit die Rolle des Publikums in das komplette Gegenteil verkehrt. Von diesem Moment an stand nicht mehr die Lyrik als autonomes Werk im Vordergrund, sondern auch die Art des Vortrags war nun ein entscheidendes Kriterium. [8]

Der Performance-Poet Bob Holman holte den Poetry Slam schließlich gegen Ende der achtziger Jahre nach New York, wo die Bewegung ihren Durchbruch erlangte und sich mit der Zeit immer weiter innerhalb der USA ausdehnte. [9]

[...]


[1] O’Keefe Aptowicz (2008), S.36.

[2] http://www.ffdsp.com/article.php?id_article=37&id_category=9.

[3] Backmann (2010), S. 27.

[4] Ebd., S. 33.

[5] http://www.ffdsp.com/section.php?id_category=7.

[6] Backmann (2010), S. 30.

[7] http://www.ffdsp.com/section.php?id_category=7.

[8] Backmann (2010), S. 20.

[9] http://www.slamrevolution.com/text.html.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656515210
ISBN (Buch)
9783656515333
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v262959
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Schlagworte
Frankreich France Poetry Slam Rap Hip-Hop

Autor

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Titel: Der Poetry Slam in Frankreich. Ein veritables Pendant zum Rap?