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Mehr Männer in die Kitas? Mögliche Ursachen für den geringen Männeranteil im Kleinkindbereich

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Pädagogische Arbeit im Kleinkindbereich – ein Widerspruch zum Männerbild in unserer Gesellschaft?
2.1. Verschiedene Konstruktionen von Männlichkeit und die Diskrepanz zwischen Intention und Realität
2.2 Das hegemoniale Männerbild – das (heimliche) Männlichkeitsideal
2.2.1 Geringe Bezahlung – ein Widerspruch zum hegemonialen Männerbild?

3. Pädagogische Arbeit im Kleinkindbereich – ein Widerspruch zu doing gender?

4. Pädagogische Arbeit im Kleinkindbereich – ein Widerspruch zu männlichen Stereotypen?
4.1 „Männer können nicht mit kleinen Kindern umgehen“
4.2 Männer unter Generalverdacht

5. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bereits Friedrich Fröbel, Begründer des Kindergartens, war der Ansicht, dass für die Erziehung der Kinder auch Männer im Kindergarten wichtig seien, aber er konnte keine Männer für diesen Beruf motivieren (vgl. Rohrmann 2009, S. 49). Und auch heute noch sprechen die Zahlen für sich: In Deutschland gibt es nur 2,4% männliche Erzieher im Kleinkindbereich (0-6 Jahre), welche sich auf Krippe, Kindergarten und Hort wie folgt verteilen: Bei den 0-6- jährigen insgesamt lag der Männeranteil 2008 bei 2,4% (vgl. Cremers et al. 2010, S. 9)[1], im Hort jedoch bei 7,7% und in der Krippe (0-3 Jahre) bei 1,2% (vgl. Rohrmann 2009, S. 45), wobei die Unterschiede hinsichtlich Regionen und Trägern gravierend sind, was jedoch mein Thema nicht tangiert[2].

Die Frage, die sich unweigerlich stellt, ist: Was sind die Ursachen dafür, dass es in den letzten ca. 200 Jahren nicht gelang, den Männeranteil im Kleinkindbereich wesentlich zu erhöhen?

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werde ich versuchen diese Frage zu beantworten.

Meine These dabei ist, dass die pädagogische Arbeit im Kleinkindbereich auch heute nicht dem gesellschaftlichen Männerbild entspricht.

Um meine These überprüfen zu können, werde ich zunächst schwerpunktmäßig die Rolle des Mannes in unserer Gesellschaft und das Konzept der hegemonialen Männlichkeit nach Connell genauer darstellen. Dann gehe ich der Frage nach, inwiefern einerseits doing-gender-Prozesse und andererseits die stereotype Wahrnehmung von männlichen Praktikanten und Erziehern daran beteiligt sind Männer vom Kleinkindbereich fernzuhalten.

Aktuell gibt es in Deutschland und auch international „nur sehr wenige Studien, (die sich) dem Thema ‚Männliche Pädagogen in Kindertagesstätten‘ “ widmen (Cremers et al. 2010, S. 20), darunter nur zwei empirische (vgl. Höyng 2011, S. 220), nämlich eine vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BmFSFJ) herausgegebene Studie von Cremers et al.[3] und die österreichische, von der Universität Innsbruck finanzierte und von Rohrmann et al. herausgegebene Studie „ele men tar“[4] (vgl. ebd.) . Im Wesentlichen werde ich mich auf diese beiden Studien beziehen.

2. Pädagogische Arbeit im Kleinkindbereich – ein Widerspruch zum Männerbild in unserer Gesellschaft?

2.1. Verschiedene Konstruktionen von Männlichkeit und die Diskrepanz zwischen Intention und Realität

Was ist das Bild des Mannes in unserer Gesellschaft, welche Erwartungen gibt es an ihn bzw. an welchen orientiert er sich? Nach wie vor liegt den „vorherrschenden gesellschaftlichen Konstruktionen von Männlichkeit“ (Pohl 2012, S. 116) ein Männerbild zugrunde nämlich „dass Männer stark, mutig und durchsetzungsfähig […], dominant, leistungs- und konkurrenzorientiert (und) aggressiv […]“ sein müssen (Deserno 2005, S. 230 in: Pohl 2012, S. 116). Wendet man diese Eigenschaften auf den männlichen Erzieher an, wird schnell klar, dass im Erzieherberuf allgemein, insbesondere im Kleinkindbereich, die meisten dieser „Eigenschaften“ nicht erwartet werden.

Unter diesem Gesichtspunkt scheint sich meine These zunächst zu bestätigen: Die pädagogische Arbeit des Erziehers, insbesondere die im Kleinkindbereich, entspricht nicht obigen gesellschaftlichen Anforderungen an den Mann.

Diese Pauschalisierung bzw. Stereotypisierung „des Mannes“ ist jedoch zu relativieren, denn „die Gesellschaft entdeckt die Männer neu“ (Wippermann et al. 2009, S. 7). Dies hat zur Folge, dass Männer, z.B. aufgrund wirtschaftlicher Veränderungen und infolgedessen Veränderungen der Arbeitsverhältnisse von Männern (vgl. Höyng 2011, S. 216) „die Aufgaben und Möglichkeiten des Mann-seins breiter als bisher zu sehen“ haben (Wippermann et al. 2009, S. 7), und so stellt auch die Studie von Wippermann et al. fest, dass es nicht „den Mann“ gibt, „sondern eine Vielfalt von Identitäts- und Verhaltensmustern“ (Wippermann et al. o.J., S. 2) aus denen die Studie vier Männertypen konstruiert. Die ersten beiden dort genannten Männertypen[5] „reproduzieren nach wie vor ein traditionelles Geschlechterverständnis“ (Wippermann et al. 2009, S. 21). Die beiden zuletzt genannten stellen die Mehrzahl der Männer mit über 60% dar und werden als „neue Männer“ bezeichnet (vgl. ebd.).

Was bedeutet dies übertragen auf den männlichen Erzieher? Zu vermuten ist, dass männliche Erzieher v.a. bei den „neuen Männern“ und zwar dort wiederum v.a. in der Kategorie der „postmodernen flexiblen Männer“ zu finden sind, da diese „mit einer entspannten, spielerischen Einstellung zu ihrer Identität als Mann“ leben (Wippermann et al. o. J., S. 4). Auch die österreichische Studie bestätigt, dass männliche Erzieher insofern eher den „neuen Männern“ zugerechnet werden können, als „Männer, die sich für den Bereich der Kindergartenpädagogik entschieden haben, ganz überwiegend partnerschaftlich und damit ‚moderner‘ orientiert“ sind (Aigner/Rohrmann 2012, S. 330). Man kann also zumindest vermuten, dass deren Männerbild mit der Arbeit im Kleinkindbereich kompatibel ist.

Und doch gibt es offensichtlich eine Vorstellung des Mannes, welche sich so etabliert hat, dass Generationen von jungen Männern immer wieder dort „hineinrutschen“. Es scheint sozusagen ein „Meta-Männerbild“ über allen zu schweben.

So stellt auch die Studie von Wippermann et al. eine „Kluft zwischen Einstellung und Verhalten“ (Wippermann et al. 2009, S. 28) fest, nämlich insofern, als Männer – und eben auch die „neuen Männer“ - in ihrem konkreten Verhalten „mehrheitlich an klassischen Rollenteilungen festhalten“ (ebd.). Dies zeige sich z.B. am Männermangel im Erzieher[6] - und Pflegeberuf (vgl. Wippermann et al. o.J., S. 2) sowie auch daran, dass Männer z.B. nach der Geburt des ersten Kindes ungewollt „in eine traditionelle Rollenteilung“ zurückfallen (ebd.). Aber auch bei den männlichen Erziehern kann man obige Diskrepanz zwischen Einstellung und tatsächlichem Verhalten vermuten, da sowohl die österreichische als auch die deutsche Studie auf dieselben Ergebnisse kommen, dass nämlich männliche Praktikanten bzw. Erzieher mit den Jungen Fußball spielen, Hausmeistertätigkeiten und viele andere männlich konnotierte Aufgaben übernehmen (vgl. Aigner/Rohrmann 2012, S. 341; vgl. dazu auch Cremers et al. 2010, S. 44), was dem Ziel der Geschlechtergerechtigkeit sicherlich nicht zugute kommt, in dieser Arbeit jedoch keine zentrale Frage darstellt.

2.2 Das hegemoniale Männerbild – das (heimliche) Männlichkeitsideal

Naheliegend erscheint mir, dass der Grund für die oben beschriebene Kluft möglicherweise in der hegemonialen Männlichkeit (nach Connell) liegen könnte, welche ich nachfolgend knapp skizzieren möchte.

Hegemoniale Männlichkeit geht von sich unterscheidenden und damit verschiedenen „Männlichkeiten“ aus, „die in einem hierarchischen Verhältnis zueinander stehen“ (Ganß 2011, S. 49; vgl. dazu auch Czollek et al. 2009, S. 27f.) [7]

und diese wiederum stehen in einem

[...]


[1] Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im „oberen Mittelfeld“ (Rohrmann 2011, S. 32). „Weltweit liegt der Männeranteil in Kitas unter 5%“ (ebd.); lediglich in Dänemark und Norwegen liegt der Anteil der männlichen Erzieher generell wesentlich höher (vgl. ebd.), in Dänemark bspw. bei den 0-6- jährigen bei 10% (vgl. Cremers et al. 2010, S. 24).

[2] Anteil der männlichen Erzieher in Bremen und Hamburg: ca. 9%; Anteil in Bayern: ca. 3% (vgl. Rohrmann 2009, S. 45); Anteil bei den freien Trägern: „um die Hälfte (!) höher (3,66%) als bei öffentlichen Trägern“ (ebd., S. 44).

[3] Die Studie von Cremers et al. stellt eine repräsentative Erhebung dar, die sich auf das „Alter von 0 bis 6 Jahren zum Themenfeld ‚Männer in der Ausbildung zum Erzieher und in Kindertagesstätten‘ “ bezieht (Cremers et al. 2010, S. 34).

[4] Die österreichische Studie „elementar“ besteht aus einer Totalerhebung sowohl der männlichen Auszubildenden als auch der in den Kitas tätigen männlichen Erzieher (vgl. Aigner/Rohrmann 2012, S. 121). Insofern ist diese Studie auch international relevant (vgl. ebd., S. 413).

[5] 14% der Männer sind demnach „moderne Lifestyle-Machos“, 23% „starke Haupternährer der Familie“, ein knappes Drittel ist der „postmoderne Mann“ und ein weiteres knappes Drittel „der moderne neue Mann“ (vgl. Wippermann et al. o. J., S. 3).

[6] Diese „Kluft“ zeigt sich konkret darin, dass 30% der männlichen Schüler es sich gut vorstellen können einmal Erzieher im Kindergarten zu werden (vgl. Aigner/Rohrmann 2012, S. 419), dann nur noch knapp 17% die Ausbildung zum Erzieher tatsächlich machen (vgl. Cremers et al. 2010, S. 13) und letztlich dann nur 2,4% im Kleinkindbereich arbeiten (vgl. Cremers et al. 2010, S. 9).

[7] „Männlichkeiten“, von denen sich die hegemoniale Männlichkeit abgrenzt – nämlich die „marginalisierten, untergeordneten und komplizenhaften Männlichkeiten“ (Koch-Priewe et al. 2009, S. 17).

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656518327
ISBN (Buch)
9783656517924
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263078
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
1,0
Schlagworte
mehr männer kitas mögliche ursachen männeranteil kleinkindbereich

Autor

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Titel: Mehr Männer in die Kitas? Mögliche Ursachen für den geringen Männeranteil im Kleinkindbereich