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Start-Up-Finanzierung mit Krediten

Bachelorarbeit 2013 45 Seiten

BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen
2.1 Abgrenzungen des Unternehmensbegriffs
2.2 Finanzierungsphasen neu gegründeter Unternehmen
2.3 Die Kapitalmangelhypothese

3 Kreditfinanzierung neu gegründeter Unternehmen
3.1 Kreditfinanzierung von jungen Unternehmen
3.2 Besonderheiten und Probleme der Kreditfinanzierung
3.3 Theorien zur Erklärung des Finanzierungsverhaltens junger Unternehmen
3.4 Ausgewählte theoretische Modelle der Kapitalstrukturentscheidungen von Neugründungen

4 Empirische Untersuchungen zu Finanzierungsproblemen und Finanzierungsverhalten junger Unternehmen

5 Zusammenfassung und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

7 Tabellenverzeichnis

8 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Unternehmen werden im Allgemeinen als produktive Systeme bezeichnet. Dabei werden immaterielle und materielle Güter kombiniert, transformiert, gebraucht und verbraucht, um neue Güter zu produzieren, die dann in den Markt abgesetzt werden können.1 Die Finan- zierung dieses Leistungsprozesses muss erbracht werden, bevor es dann zu möglichem Umsatz und Gewinn kommen kann. Dies bedeutet, dass die damit verbundenen Auszah- lungen den daraus resultierenden Einzahlungen zeitlich vorgezogen sind.2 Um Finanzie- rung leisten zu können, bedarf es ergänzender Finanzierungsmittel. Wird hier eine exter- ne Finanzierung in Anspruch genommen, stehen den Geldgebern als Gegenleistung für die sofortige Überlassung von Zahlungsmitteln Ansprüche auf zukünftige Zahlungen zu. Dabei können sich diese Zahlungsansprüche in der Höhe oder zum Zeitpunkt des Rück- zahlungsanspruches unterscheiden.

Die Gesamtheit aller Unternehmens- und Kapitalgeberansprüche wird häufig als Kapital- struktur bezeichnet.3 Die Höhe der Unternehmensansprüche wird durch Indikatoren für die wirtschaftliche Lage des Unternehmens bestimmt, ungeachtet dessen, ob der Finanzie- rungsvertrag noch läuft oder schon abgelaufen ist. Die Ansprüche der Geldgeber sind während der Finanzierungsvertragslaufzeit dadurch gekennzeichnet, dass ihnen unab- hängig von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens ein fester Zins zusteht und am Ende der Vertragslaufzeit eine feste Rückzahlung, die mit der Finanzierungssumme über- einstimmt. Eine zentrale Frage ist, ob die Gestaltung der Kapitalstruktur maßgeblich daran beteiligt ist, dass die in der Unternehmenspolitik beabsichtigte Zielgröße erreicht werden kann.

Für junge Unternehmen bestehen hinsichtlich der Kapitalgeberansprüche besonders große Herausforderungen. Junge Unternehmen sind noch nicht lange genug am Markt, um nennenswerten Gewinne zu erzielen. Die Etablierung eines jungen Unternehmens kann im Glücksfall einige Monate, jedoch häufig mehrere Jahre dauern. Ein überzeugendes Geschäftskonzept sowie ein gut durchdachter Businessplan sind ausschlaggebend für die Freigabe eines Gründungskredits. Bis das Unternehmen etabliert ist, kann es immer wieder zu Phasen kommen, in denen die Aufnahme weiterer Kredite nötig wird, jedoch noch keine nachhaltigen Einnahmen erzielt werden. In anderen Worten, sollte eine Kreditaufnahme zur Unternehmensgründung auch dann greifen, wenn das Unternehmen noch nicht ausreichend Umsätze erzielt, um sich selbst zu tragen.

Im Jahr 2012 wurden in Deutschland laut Institut für Mittelstandsforschung rund 311.000 Unternehmen gegründet.4 Das entspricht einem Rückgang von ca. 14,5 % im Vergleich zu 2011. Somit setzte sich der negative Trend des Vorjahres nicht nur fort, sondern hat sich sogar vervierfacht (von einem Rückgang von 3,5 % von 2010 auf 2011). Analog dazu ist die Anzahl der Liquidationen um 2,9 % auf rund 342.000 zurückgegangen.5 Diese Daten zur Gründeraktivität in Deutschland sind insofern relevant, als dass die deutsche Wirt- schaft seit den 1970er Jahren von einer Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft übergegangen ist. Durch diesen Übertritt versucht die deutsche Volksökonomie standort- bedingte Nachteile zu kompensieren.6 Zentral in diesem Gefüge sind innovative Neugrün- dungen, die entscheidende Wettbewerbsvorteile für die deutsche Wirtschaft darstellen. Grundlegende Voraussetzung für Gründungsaktivitäten ist die Verfügbarkeit von finanziel- len Mitteln.

Um sich dem komplexen Themenfeld der Finanzierung von Neugründungen anzunähern, beschäftigt sich diese Arbeit mit grundlegenden Prinzipien und Theorien, die dieses in den Blick nehmen. Den Anfang bildet die thematische Einführung, um zunächst den Unter- nehmerbegriff und den Gründungsprozess vorzustellen. Teil dieser Diskussion ist auch die grundlegende, jedoch zuweilen auch umstrittene Feststellung, dass es jungen Unter- nehmen an Kapital mangelt - eine Annahme, die sich in Form der „Kapitalmangelhypo- these“ institutionalisiert hat. Eine kurze Einführung zu dieser theoretischen Debatte leitet in den zweiten Hauptteil dieser Arbeit über, der sich explizit mit der Kreditfinanzierung neu gegründeter Unternehmen beschäftigt. Dabei wird auf Besonderheiten und Probleme die- ser Art der Finanzierung in Abgrenzung zur Kreditfinanzierung von etablierten Unterneh- men eingegangen. Zur Vertiefung der Thematik schließt sich eine Auseinandersetzung mit Finanzierungstheorien an, die wiederum die Grundlage für die Analyse ausgewählter Modelle von Kapitalstrukturentscheidungen von Jungunternehmen darstellt. Den Ab- schluss bildet ein Kapitel, das eine Reihe empirischer Studien zum Finanzierungsverhal- ten von Gründern abbildet. Die Arbeit bietet damit einen strukturierten und vielschichtigen Überblick zum Verständnis der Finanzierungsproblematik junger Unternehmen.

2 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen

2.1 Abgrenzungen des Unternehmensbegriffs

Unter Unternehmensgründung versteht man die Schaffung einer wirtschaftlichen Einheit, die sowohl rechtlich als auch wirtschaftlich unabhängig ist. Diese Einheit übernimmt am Markt eine aktive Rolle als Anbieter für Sachgüter bzw. für Dienstleistungen, mit der Ab- sicht langfristige Gewinne zu erwirtschaften. Somit erzeugen Unternehmensgründer neue Kombinationen produktiver Faktoren durch die Erschaffung eines gegenüber der Umwelt qualitativ abgegrenzten Systems.7 Diese begriffliche Abgrenzung ist entscheidend, da sich dadurch Unternehmensgründungen von Existenzgründungen differenzieren lassen.8 We- sentliche Unterschiede zwischen diesen beiden Formen bestehen jedoch nicht nur in der Schaffung einer neuen Wirtschaftseinheit bei Unternehmensgründungen9, sondern auch in der Ausprägung der Gründungsidee und deren Wachstumspotential.10 Auch dienen Existenzgründungen im Gegensatz zu Unternehmensgründungen vornehmlich dem Wechsel von einer abhängigen in eine unabhängige Beschäftigung.11

In der Gründungsforschung wurden verschiedene Systematiken entwickelt, um Unternehmensformen begrifflich voneinander abzugrenzen. Nach der häufig verwendeten Kategorisierung von Szyperski/Nathusius lassen sich Typen von Gründungsformen im Wesentlichen folgendermaßen unterscheiden:12

1. eigenständige Neugründung
2. Joint-Venture
3. Franchise-Gründung
4. Zweigniederlassung
5. Tochterunternehmen
6. Eigentümerwechsel bei bestehendem Unternehmen
7. Namens- oder Rechtsformänderung eines bestehenden Unternehmens

Die unter Punkt 1 benannte eigenständige, oder auch „originäre“Unternehmensgrün- dung bezieht sich dabei auf Formen der Neugründung, die als kompletter Neustart ange- sehen werden. Für diese Unternehmensgründungen gilt, dass zum Gründungszeitpunkt in der Regel weder materielle noch immaterielle Unternehmensressourcen vorhanden sind.13 Alle anderen Gründungsformen stellen eine sogenannte „derivative Unterneh- mensgründung“ dar, die auf bereits vorhandene Unternehmensstrukturen bzw. -konzepte zurückgreifen kann. „Derivativ“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die ursprüngli- che Einheit des Unternehmens seine Identität verliert und in eine neue Unternehmensein- heit umgewandelt wird. Dieser Prozess wird auch als eine „Übernahmegründung“ be- zeichnet, da auf eine bereits bestehende Wirtschafteinheit und deren Strukturmerkmale zurückgegriffen wird.14 Es ist anzumerken, dass derivative Unternehmensgründung gera- de durch ihre Übernahme bestimmter Strukturmerkmale mit einem wesentlich geringeren finanziellen Risiko verbunden ist als die oben genannte originäre Gründung. Diesem Vor- teil stehen jedoch nachteilig die geringeren Gestaltungsspielräume gegenüber, die eine Übernahme mit sich bringt.15 Im Folgenden werden die gelisteten derivativen Unterneh- mensformen kurz vorgestellt.

Eine Joint-Venture Gründungsform ist eine rechtlich selbständig und autonom agierende wirtschaftliche Einheit, an der zwei oder mehr Gründungsgesellschaften beteiligt sind.16 Diese gemeinschaftlichen Unternehmungen ermöglichen Firmen Zugang zu neuen Märk- ten, Wissen und Ressourcen.17 Im Fall von Franchise-Gründungen sind sowohl der Franchise-Geber als auch der Franchise-Nehmer rechtlich selbständige Unternehmen.18 Sie basieren auf dem „Lizenzgebührenprinzip“, welches besagt, dass ein Franchiseneh- mer ein vorab erfolgreich getestetes Unternehmenskonzept übernimmt und im Gegenzug einen vertraglich vereinbarten Gewinnanteil oder auch Lizenzgebühr an den Franchisege- ber zahlt.19 Im Gegensatz dazu ist eine Zweigniederlassung bzw. eine Tochtergesell-schaft wirtschaftlich am Mutterunternehmen angekoppelt und von der Hauptniederlas- sung räumlich getrennt. Zweigniederlassungen grenzen sich von Tochterniederlassungen jedoch insofern ab, als dass sie gesetzlich keine eigene unabhängige Rechtsform darstel- len.20 Bei der Gründung durch Eigentümerwechsel eines bestehenden Unternehmens sind zwei Formen zu unterscheiden. Im Fall des „Management Buy Out“ kaufen sich Per- sonen, die für das Unternehmen tätig waren, in das Unternehmen oder auch bedeutende Teile des Unternehmens ein. Sie erwerben somit das Unternehmen und übernehmen die Rolle des geschäftsführenden Gesellschafters.21 Diese Buy Outs spielen vor allem bei in-dustrieller Re-Organisation eine bedeutende Rolle.22 Die Alternative zum Management

Buy Out ist das „Management Buy In“. Bei diesem Prozess des „Sich-Einkaufens“ wird das Unternehmen durch Unternehmensexterne übernommen, die in der Regel branchenerfahrener sind, jedoch nicht über intensive Kenntnisse über das Unternehmen verfügen.23 Auf die Gründungen durch Namen- oder Rechtsformänderung eines bestehenden Unternehmens soll hier nicht näher eingegangen werden.

Neben der obigen Unterscheidung nach der Strukturexistenz (originär versus derivativ), lassen sich Gründungen auch nach ihrem Selbstständigkeitsgrad (unselbstständige vs. selbstständige Neugründungen) unterscheiden.24 In einer Matrix betrachtet ergeben diese beiden Kriterien folgende Einordnung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Unternehmensformen nach den Kriterien der Strukturexistenz und Selbstständigkeit25

Anhand der Grafik lässt sich der hier betrachtete Untersuchungsgegenstand der Start-Up- Unternehmen durch die Kriterien originäre Strukturexistenz und Selbstständigkeit eindeu- tig eingrenzen. Sie zeichnen sich also dadurch aus, dass eine autonome Wirtschaftsein- heit durch einen oder mehrere selbstständig tätig werdende Gründer geschaffen wird.

Dadurch entsteht eine vorher noch nicht existente selbstständige Organisation.26

2.2 Finanzierungsphasen neu gegründeter Unternehmen

Der Markteintritt von Jungunternehmen gestaltet sich als langwieriger Prozess, der aus umfangreichen Planungsschritten und verschiedenen Etablierungsstufen besteht. Dieser Prozess endet mit dem erfolgreichen Markteintritt, und somit dem Überleben des Unter- nehmens, oder dem frühzeitigen erfolglosen Ausscheiden aus dem Markt. Die Dauer die- ses Prozesses kann zwischen einigen Monaten und mehreren Jahren variieren und lässt sich aufgrund der Unterschiedlichkeit der Branchen und Geschäftsmodelle nicht für alle Neugründungen verallgemeinern. Die Frage ist jedoch, ob nicht dennoch alle Neugrün- dungen bestimmte Entwicklungs- und Finanzierungsphasen durchlaufen, die durch ähnli- che Merkmale und Probleme gekennzeichnet sind. Die wissenschaftliche Betrachtung legt nahe, dass sich diese Kriterien für die Mehrheit der Neugründungen ähnlich entwickeln und im Laufe des Entwicklungsprozesses auflösen.27 Unternehmensmerkmale und - probleme, die nicht mit dem Entwicklungsprozess in systematischen Zusammenhang ste- hen, sind für die Analyse der Gründungsfinanzierung auszulagern.28

Im Bezug auf die Finanzierung junger Unternehmen lässt sich sagen, dass keine Abfolge determinierter Phasen stattfindet, sondern sich jede weitere Unternehmensfinanzierung auf das Erreichen der nächsthöheren Wachstumsstufe ausrichtet. Weiteres Wachstum ist dann möglich, wenn die Anforderungen der jeweiligen Entwicklungsphase eingehalten und beachtet werden. Hierbei handelt es sich jedoch eher um die Begrenzung des Kapi- talrisikos als um deterministische Regelmäßigkeiten. Eine Folgefinanzierung erfolgt nur dann, wenn phasenbezogene Zwischenziele erreicht werden bzw. erreichbar zu sein scheinen.29

Innovative junge Unternehmen haben in der Regel größeres und überproportionales Wachstumspotential im Vergleich zu Neugründungen mit limitierten Geschäftskonzepten. Dieses Potential ist jedoch mit vielen signifikanten Risiken behaftet. Junge Unternehmen müssen anfangs neue unbekannte Aufgaben und Prozesse etablieren, definieren und er- lernen. Gerade in der Anfangsphase haben Neugründungen keine Möglichkeit auf dem branchentypischen effizienten Produktionsniveau zu arbeiten, was wiederum Wettbe- werbs- und Kostennachteile mit sich bringt.30 Es kommt nicht selten vor, dass Start-Ups an diesen Herausforderungen scheitern. So stellte eine Studie für einen Untersuchungs- zeitraum von neun Jahren fest, dass lediglich ein Viertel aller im Zeitraum zwischen 1995 und 1996 neu gegründeten Unternehmen noch wirtschaftlich aktiv ist.31 Diese Beobach- tung lässt sich durch eine weitere Untersuchung spezifizieren, die feststellt, dass nach den ersten vier Jahren rund die Hälfte aller Neugründungen abgemeldet bzw. aus dem Handelsregister gelöscht sind.32 In anderen Worten, die Hälfte aller neu gegründeten Un- ternehmen scheitert nach nur wenigen Jahren und ein weiteres Viertel im Verlauf eines längeren Zeitraums von bis zu zehn Jahren.

Im Folgenden wird auf die einzelnen Gründungsphasen und ihre Besonderheiten näher eingegangen (siehe Abbildung 1 zur Veranschaulichung).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2-1: Phasen der Unternehmungsgründung33

In welcher Entwicklungsphase sich das junge Unternehmen befindet, ist entscheidend für die Bestimmung der unternehmerischen Risiken und des Kapitalbedarfs. In der Vorgrün- dungsphase der sogenannten Seed-Phase wird beispielsweise in erster Linie an einer Geschäftskonzeption oder einem Prototyp gearbeitet. Informationen über die Absatzmög- lichkeiten, Lieferverbindungen und Finanzierungsmöglichkeit werden in dieser Phase ge- sammelt. Umsätze sind demnach typischerweise noch nicht vorhanden.34 Unmittelbar da- rauf folgt die Start-up-Phase (Gründungsphase), die die eigentliche rechtliche Gründung umfasst und mit dem Markteintritt endet. In dieser Phase werden finanzielle Mittel für die Verträge der Gesellschaft, die handelsrechtliche Bekanntmachung, sowie für die Betriebs- und Geschäftsausstattung benötigt. Auch werden in der Regel detaillierte Marktanalysen erstellt und ein vollständiger Business Plan entwickelt. Desweiteren wirkt das Unterneh- men nach außen hin wirtschaftlich aktiv und die ersten Mitarbeiter werden angestellt bzw. die ersten Produktionsstätten aufgebaut.35 Die sogenannte Bridge-Phase umfasst die Finanzierung junger Unternehmen bis hin zum eventuellen Börsengang. Diese Phase kann in drei Unterphasen unterteilt werden: die Frühentwicklungsphase First Stage, die Wachstumsphase Second Stage und die Konsolidierungsphase.

Bei der First Stage findet die Folgefinanzierung der Gründungsfinanzierung statt. Hiermit wird der Ausbau des Unternehmens finanziert z.B. der Aufbau einer Vertriebsorganisati- on. Eine Marketingabteilung wird aufgebaut, weitere Mitarbeiter werden angestellt und Produktionsstätten ausgebaut. Ist das Produkt erfolgreich am Markt eingeführt, so tritt das junge Unternehmen in die Wachstumsphase Second Stage ein. Dadurch dass die Pro- duktionskapazitäten ausgeweitet werden und eine Produktdifferenzierung eingeführt wird, können ausländische Märkte als weitere Wachstumsquellen erschlossen werden. Mit die- ser Expansion werden Anpassungen der Organisations- und Führungsstruktur vorge- nommen. Die Wachstumsphase endet mit der Konsolidierungsphase. In dieser Phase wird das Unternehmen nicht mehr als Neugründung, sondern als etabliertes Unternehmen bezeichnet und betrachtet. Diese Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass durch den in- tensiven Wettbewerb mittelfristig Erträge stagnieren. Dieser Phasenverlauf von der Seed- Phase zur Konsolidierung hat sich in der Literatur als idealtypisch etabliert.36

2.3 Die Kapitalmangelhypothese

In vielen Volkswirtschaften - ebenso in Deutschland - wird gemeinhin die Ansicht der Ka- pitalmangelhypothese vertreten, die besagt, dass junge Unternehmen nur unzureichend Zugang zu Fremdkapital haben. Analog dazu wird angenommen, dass eine verbesserte Kapitalausstattung kleiner und mittelständiger Unternehmen dazu führt, dass diese Unter- nehmen ihre Wachstumspotentiale besser ausschöpfen und verwirklichen können.37 Tra- ditionell gehen Theorien zum Kapitalmangel also davon aus, dass Kapitalbildung der do- minante Treiber für wirtschaftliche Entwicklung ist. Somit stellt die Kapitalmangelhypothe- se fest, dass die Ursachen für Wachstumsprobleme bei jungen Unternehmen maßgeblich im Bereich der Finanzierung liegen.38

Es lassen sich jedoch im Hinblick auf die Kapitalmangelhypothese unterschiedliche Tat- bestände und Argumentationsmuster erkennen. So ist zum Beispiel nicht eindeutig, ob Autoren unter Kapitalmangel einen zu geringen Kaufkraftstrom oder einen zu geringen Kapitalbestand meinen.39 Aus volkswirtschaftlicher Perspektive unterscheidet Hemmer zwischen Kapitalmangel als Folge von unzureichenden produktiven Investitionen und Ka- pitalmangel als Folge von unzureichender Investitionsbereitschaft.40 Beide Definitionen gehen davon aus, dass unter Kapitalmangel eine unzureichende Investitionstätigkeit ge- meint ist. Für den Fall der Jungunternehmen kann aufgrund ihrer Besonderheiten jedoch die These vertreten werden, dass die eigentliche Kapitalknappheit auf den bereits ange- sprochenen Mangel an Eigenkapital bzw. die „dünnen Eigenkapitaldecke“ zurückzuführen ist.41 Dadurch, dass so gut wie kein Haftungskapital zur Verfügung steht, unterbleiben ei- nerseits Investitionen in Innovationen und anderseits wird der Zugang zu weitere Finan- zierungsquellen wie Bankkrediten erschwert. Zudem müssen, wie anfangs dieses Kapitels erwähnt, Gründer oft mit hohen Kreditkosten rechnen, wenn sie auf Fremdkapital zurück- greifen.42

Auch die Entwicklungsphasen junger Unternehmen werden im Bezug auf die Kapitalman- gelhypothese als Argumentation herangezogen.

[...]


1 Vgl. Matschke (1991), S. 10.

2 Vgl. Bitz (2000), S. 3.

3 Ebd., S. B-12.

4 Vgl. Statistiken des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn: Gründungen und Unternehmensschließungen 2012, siehe auch http://www.ifm-bonn.org/statistiken/gruendungen-und-unternehmensschliessungen/#accordion=0&tab=0,Stand vom 31. Juli 2013.

5 Ebd.

6 Vgl. Engelhardt (2010), S. 1.

7 Vgl. Szyperski/Nathusius (1999), S. 23.

8 Vgl. Hering/Vincenti (2005)

9 Ebd. sowie Unterkofler (1989), S. 25

10 Vgl. Fallgatter (2007) , S. 21, siehe auch Müller (2008) , S. 20

11 Vgl. Unterkofler (1989), S. 35

12 Vgl. Szyperski/Nathusius (1999), S. 26f. und Nathusius (2001), S. 6ff. Eine weitere Systematisierung wurde von Unterkofler (1989) vorgenommen. Da es sich hierbei jedoch um eine Weiterentwicklung der Definition von Szyperski/Nathusius (1999) handelt, soll diese hier nur kurz erwähnt bleiben.

13 Vgl. Nathusius (2001), S. 4.

14 Vgl. Hering/Vincenti (2005).

15 Ebd.

16 Vgl. Engelhardt (2010), S. 8.

17 Für Details siehe Beamish/ Lupton (2009). Die Autoren untersuchen die Joint Venture Literatur der Jahre 1983-2008 und ermitteln Erfolgsfaktoren für Joint Venture Unternehmungen.

18 Vgl. Engelhardt (2010), S. 8.

19 Vgl. Pott/Pott (2012), S. 69

20 Vgl. Engelhardt (2010), S. 8.

21 Ebd.

22 Vgl. Stokes/Wilson (2010), S. 266.

23 Vgl. Nathusius (2001), S. 9f. Eine dritte Form ist das Leveraged Buy Out, dass sich vom Management Buy Out insofern unterscheiden lässt als dass der personenorientierte Grünungseffekt entfällt, da es sich bei Leveraged Buy Out ausschließlich um eine Finanztransaktion mit hohem Fremdkapital handelt. Vgl. Engelhardt (2010), S. 8 mit Verweis auf Tirole (2006), S. 47.

24 Vgl. Wittenberg (2006), S. 16f., Müller (2008), S. 19f..

25 Grafik auf Basis von Szyperski/Nathusius (1999), S. 27, Wittenberg (2006), S. 17, sowie Müller (2008), S. 20.

26 Vgl. Szyperski/Nathusius (1999).

27 Vgl. Schulz (2000), S. 6f.

28 Vgl. zum Gründungsprozess siehe auch Hoy (1995), S. 146.

29 Vgl. Fallgatter (2007), S. 137.

30 Vgl. Hughebaert/van de Gucht (2007), S. 116.

31 Vgl. Heckmann (2009), zitiert von Engelhardt (2010), S. 11.

32 Vgl. Brüderl/Preisendörfer/Ziegler (2007), zitiert von Engelhardt (2010), S. 11. Die bereits erwähnte KfWStudie, die sich hier ergänzend hinzuziehen lässt, gibt an, dass nach fünf Geschäftsjahren ca. 40 % der Unternehmensgründungen eines Jahrgangs wieder vom Markt verschwunden sind, vgl. KfW Gründungspanel (2012), S. III. Die Zahlen variieren demnach leicht, geben jedoch eine insgesamt hohe Quote an.

33 Grafik basierend auf Engelhardt (2010), S. 11ff.

34 Vgl. Gruber/Harhoff/Tausend (2003), S. 35.

35 Vgl. Zemke (1995), S. 31ff. und Nathusius (2001).

36 Vgl. Börner (2005), S. 89, Hering/Vincenti (2005), S. 210-215, Freiling (2006), S. 310f.

37 Vgl. Schulz (2000), S. 13.

38 Ebd.

39 Für Details vgl. Borchardt (1982), S. 28. Der Autor analysiert die Kapitalmangelhypothese für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts.

40 Vgl. Hemmer (2002), S. 189ff.

41 Vgl. Schulz (2000), S. 13, der wiederum den Informationsdienst der Deutschen Wirtschaft zitiert (Studie von 1996) mit dem Titel „Beteiligungskapital - Meist nur eine Ehe auf Zeit“.

42 Diesen Zusammenhang hat eine Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft ins Gegenteil verkehrt. Dort wird argumentiert, dass die Gründe für geringes Eigenkapital auch und gerade in der Versorgung mit Fremdkapital zu suchen sind. Vgl. Schulz (2000), S. 13, Fußnote 18.

Details

Seiten
45
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656558927
ISBN (Buch)
9783656558767
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263080
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Fakultät für Wirtschaftswissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Finanzierung Start-Up Finance Jungunternehmen Entrepreneurial Finance

Autor

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Titel: Start-Up-Finanzierung mit Krediten