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Peter Singer und der Vorwurf des Speziesismus

Kann der Präferenz-Utilitarismus eine Ethik für Mensch und Tier sein?

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Singers Utilitarismus – Interessensberücksichtigung zur Leidvermeidung und Glücksmaximierung

3. Singers Argument des Speziesismus

4. Kritik an Singers Argumenten
4.1. Leidvermeidung und Glückssteigerung – Wo liegt der Unterschied?
4.2 Singer und das Töten – Wiegen alle Interessen immer gleich?
4.3 Der Speziesismus – wirklich eine willkürliche Grenze?

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Ethik des australischen Philosophen Peter Singer und seinem Entwurf für einen moralisch besseren Umgang der Menschen mit Tieren. Singer bezieht dabei eine utilitaristische Position, nach der es, in Anlehnung an den klassischen Utilitaristen Jeremy Bentham, in der Moral darum geht, die Summe des Glücks zu maximieren, beziehungsweise die Summe des Leidens zu vermindern. Anders als Bentham ersetzt Singer dabei den Bezug auf das Gesamtglück durch den Blick auf die Summe der Befriedigung von Interessen. Er verschärft dabei auch das Argument der Gleichheit indem er es vom Menschen auf alle Lebewesen ausdehnt und propagiert, dass alles Leiden gleich viel wiegt, unabhängig, ob nun ein Mensch oder ein Tier leidet. Durch seinen sogenannten Präferenz-Utilitarismus versucht Singer einige Schwächen des klassischen Utilitarismus, wie etwa die Verrechenbarkeit von Leid und Lust, zu vermeiden. Es soll im Verlaufe der Arbeit gezeigt werden, inwiefern Singer dies gelingt und ob seine Argumentation wirklich konsequent und schlüssig ist.

Als Ansatz für diese Arbeit diente zunächst ein Auszug von Singers Gedanken zum moralischen Umgang mit Tieren aus dem Sammelband „Texte zur Tierethik“, der von der deutschen Philosophin Ursula Wolf herausgegeben wurde. Diese Auszüge stammen aus Singers Werk „Praktische Ethik“, was sich als geeignete Textgrundlage erwies, da Singer dort seine gesamte Ethik darlegt, die über den Umgang mit Tieren herausgeht und es sinnvoll scheint, Singers komplette Gedanken zu Ethik und Moral näher zu betrachten. Ergänzt werden diese durch zwei weitere Publikationen Singers, „Befreit die Tiere“ und „Befreiung der Tiere“. Zum Utilitarismus an sich, sowie zum Umgang mit Tieren wurde darüber hinaus noch verschiedene andere Literatur konsultiert, in der wiederum zum Teil auch die Position Singers diskutiert wurde.

2. Singers Utilitarismus – Interessensberücksichtigung zur Leidvermeidung und Glücksmaximierung

Peter Singer vertritt eine Philosophie des Utilitarismus, wobei er sich vom klassischen Utilitarismus abzugrenzen versucht. Der klassische Akt-Utilitarismus bewertet den moralischen Wert einer Handlung nach ihren Konsequenzen für die Betroffenen und strebt nach einer Maximierung des Glücks. In Unterscheidung dazu bewertet der Regel-Utilitarismus eine Regel oder ein Gesetz nach den Konsequenzen ihrer Anwendung. Daneben wird auch in der Perspektive der Ergebnisse der Handlung oder Regel unterschieden. So wird in der totalen Sicht, das Glück in den Konsequenzen einer Handlung oder Regel ganz allgemein betrachtet, während in der individuellen Sicht die konkrete Handlung bewertet wird. In der totalen Sicht ergibt sich so die Möglichkeit, dass eine Handlung für den Ausführenden zunächst keine Steigerung seines Glückes mit sich bringt, jedoch einen höheren Wert für die Allgemeinheit haben kann.[1]

Allgemein ergibt sich durch die verschiedenen Perspektiven und Anwendungsarten des Utilitarismus die häufig geäußerte Kritik einer Verrechenbarkeit von Individuen, sowie die Schwierigkeit der konkreten Bewertung, was Glück ist, was es für die Allgemeinheit bedeutet und welche Handlungen das Glück für wen steigern können, auch wenn sie zum Zeitpunkt ihrer Ausführung vielleicht sogar Unglück für den Handelnden bedeuten.[2] Ebenfalls besteht bei jeder Handlung das Problem, dass Glück als Konsequenz im Voraus einer Handlung nicht klar zu bestimmen ist und somit nicht bei der Entscheidung zu einer Handlung klar bestimmt werden kann, ob diese moralisch vertretbar ist. Glück ist ohnehin eine problematische Kategorie, da es ein eher subjektiver Begriff ist und nicht klar genug bestimmt werden kann, um daraus Handlungen und ihre Konsequenzen zu bestimmen. Eine nummerische Aufrechnung vorher definierter „Glückswerte“ kann auch keine wirkliche Lösung sein, da solche Werte auch in Konflikt zueinander stehen könnten und so das Problem der Verrechenbarkeit wieder hervor tritt.[3] ´Eine Lösung der Problematik rund um den Glücksbegriff, die auch Singer verwendet, ist nicht das Glück sondern das Leiden, welches es bei jeder moralischen Handlung zu vermeiden gilt, in den Fokus zu rücken. Anders als Glück ist Leid und Leiden recht klar definiert und erlaubt so einen zielgerichteteren Ansatz ethisches Handeln zu betrachten und zu bewerten.[4] Singer geht davon aus, dass moralische Urteile von einem universalen Standpunkt aus getroffen werden müssen und es weniger um die Konsequenzen von Taten oder der Anwendung von Regeln gehen sollte, sondern dass die Interessen von moralisch Handelnden und von den Handlungen betroffenen betrachtet werden sollte. Durch die Beurteilung von Handlungen von einem universalen Standpunkt aus, wird erreicht, dass Anstelle der eigenen Interessen, die Interessen aller berücksichtigt werden und so der Handlungsverlauf gewählt werden kann, der für alle Betroffenen „per Saldo“ die besten Konsequenzen hat. Die Denkweise nachdem die „besten Konsequenzen“ für alle von einer Entscheidung betroffenen betrachtet werden, ist dabei nach Singer eine spezielle Form des Utilitarismus, die sich von der Position des klassischen Utilitarismus, bei der die Handlung betrachtet wird, die entweder Lust vermehrt oder Unlust verringert.[5]

Für Singer stellt der Utilitarismus zwar, laut eigener Aussage nicht die einzige erwägenswerte Position in ethischen Fragen dar, jedoch ist er der Auffassung, dass die utilitaristische Position eine minimale Grundlage ist, zu der man logischerweise kommt, wenn man bereit ist, einen Entscheidungsprozess von einem allgemeinen Standpunkt, fern des Eigeninteresses, zu bewerten.[6] Insgesamt ist für Singer also die moralisch richtige Handlung diejenige, die die Interessen der Betroffenen maximiert, wobei er den für den klassischen Utilitarismus bezeichnenden Begriff des Glücks durch den der Interessensbefriedigung ersetzt und festlegt, dass alle leidensfähigen Lebewesen ein berechtigtes Interesse an einer Vermeidung von Leiden haben. Dies bezeichnet er als „Präferenz-Utilitarismus“.[7] Insgesamt versucht Singer durch seine eigene Auslegung des Utilitarismus die klassischen Schwierigkeiten dieser ethischen Theorie, wie etwa den unklaren Glücksbegriff oder die Frage ob individuelle Handlungen oder allgemeine Regeln zu bewerten sind, zu vermeiden.

3. Singers Argument des Speziesismus

Ein fundamentaler Begriff für die Bewertung moralischen Handelns und beim Fällen von moralischen Urteilen ist für Singer das Prinzip der Gleichheit. Damit ist nicht gemeint, dass alle Menschen oder Tiere gleich sind, sondern vielmehr, dass ihre Interessen gleichmäßig zu berücksichtigen sind. Bei moralischen Überlegungen sind also, sofern sie ähnlich und damit vergleichbar sind, die Interessen aller von unseren Handlungen betroffenen, gleich zu gewichten. Dabei bedeutet Gleichheit ausdrücklich nicht, dass alle gleich zu behandeln sind, denn nur die jeweiligen Interessen zählen und diese können auch durch ungleiche Behandlung dennoch befriedigt werden. Ebenfalls bedeutet der, bereits angesprochene, Rückzug auf die Betrachtung von Interessen, dass nicht etwa Merkmale wie Intelligenz oder gewisse definierte Fähigkeiten einen gleichen Status ausmachen.[8]

Für Singer ergibt sich aus der Annahme der Gleichheit als Prinzip für einen vernünftigen moralischen Umgang innerhalb unserer Spezies, dass dieses Prinzip auch auf

[...]


[1] John Jamieson Carswell Smart, Bernard Williams: Utilitarism for and Against, New York25 2005. S. 7-15.

[2] Ebd., S. 25-27.

[3] Ebd., S. 37-41.

[4] Ebd., S. 29-30.

[5] Peter Singer: Rassismus und Speziesismus, in: Wolf, Ursula(Hg.): Texte zur Tierethik, Stuttgart 2008, S.25-32. S. 25-26.

[6] Peter Singer: Praktische Ethik, Stuttgart 1984. Im Folgenden zitiert als: Singer, Praktische Ethik. S. 24-25

[7] Ursula Wolf: Das Tier in der Moral, Frankfurt a.M. 1990. S. 44-45.

[8] Singer, Praktische Ethik, S.26-40.

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656516682
ISBN (Buch)
9783656516729
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263081
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Institut für Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
peter singer vorwurf speziesismus kann präferenz-utilitarismus ethik mensch tier

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Titel: Peter Singer und der Vorwurf des Speziesismus