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Die Supervision als Methode der pädagogischen Beratung?

Hausarbeit 2012 20 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die pädagogische Beratung
2.1. Definition von Beratung
2.2. Was ist pädagogische Beratung?
2.3. Beratungssetting und Rollenverteilung
2.4. Ziele einer pädagogischen Beratung

3. Die Supervision
3.1. Begriffsklärung und geschichtlicher Abriss
3.2. Settings der Supervision
3.2.1. Einzelsupervision
3.2.2. Gruppensupervision
3.2.3. Teamsupervision
3.3. Gründe und Zielsetzung

4. Ist die Supervision eine Methode der pädagogischen Beratung?

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Beratung (abgegrenzt zur psychologischen Beratung und Therapie) findet mit ihren vielen Methoden und unterschiedlichen Facetten in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung.

Dies ist auf den stetigen Gesellschaftswandel mit all seinen Vorteilen und eben auch Nachteilen und Problemen zurückzuführen, auf die „Individualisierung und Pluralisierung der Lebenswelten“ (Krause, S.19) und auf die Modernisierung der Gesellschaft. Die Gesellschaft erhebt immer mehr einen Anspruch auf Individualität und wird dadurch auch zunehmend komplexer. Diesem Wandel unterliegen ebenfalls die gesellschaftlichen Normen und Werte. Aufgrund dieser ansteigenden Komplexität entstehen für jedes Individuum eine ganze Reihe von neuen Möglichkeiten und Chancen für eine individuelle Lebensführung. Auch der Zuwachs von neuem Wissen und Informationen begünstigen neue Wahlmöglichkeiten und lassen das Angebot an Lebensgestaltungsmöglichkeiten anwachsen (vgl. Krause, 2003).

Mit diesem größer werdenden Aktionsradius der Entscheidungsfreiheit wächst auch die Eigenverantwortung für die persönlichen Entscheidungen drastisch an und stellt jeden Einzelnen vor eine große Herausforderung. Die Fragen „Was will ich?“ und „Wo will ich hin?“ treten nun in den Vordergrund und werden zum Knackpunkt des Seins eines jeden Individuums. Wie diese Herausforderung angenommen und bearbeitet wird, ist individueller Natur (vgl. ebd.).

„Für die Erarbeitung von Lebensplänen, für die Nutzung der Spielräume und die Gestaltung der eigenen Biografie sind entsprechende Kompetenzen notwendig, die in der gegenwärtigen Erziehungspraxis kaum angezielt werden“ (Krause, S.20).

Die, auf der einen Seite wachsenden Anforderungen (in ihrer Komplexität und Vielfalt) der Gesellschaft und auf der anderen Seite die fehlenden Kompetenzen zur Bewältigung dieser, stellen das Individuum vor eine große Herausforderung. Diese Problematik und die Tatsache, dass nicht jedes Individuum diese Aufgabe ohne Hilfe für Ihn zufriedenstellend lösen kann, lässt das Beratungsangebot weiter anwachsen und neue Formen der Beratung entstehen. Beratung ist ein alltägliches und ein lebenslanges Angebot, auf das in verschiedenen Lebenslagen zurückgegriffen werden kann.

Im Folgenden wird nun speziell auf die „Pädagogische Beratung“ und die „Supervision“ eingegangen und auf die Frage, ob die Supervision als eine Methode der Pädagogischen Beratung zu deuten ist.

2. Die Pädagogische Beratung

(vgl. Belardi 2005)

2.1. Definition von Beratung

„Beratung ist eine [professionelle] Form der mündlichen oder auch schriftlichen [subjektangepassten, biografiebezogenen] Hilfeleistung oder Unterstützung“ (Murgatroyd, S.19), die „eine freiwillige, kurzfristige, oft nur situative, soziale Interaktion zwischen Ratsuchenden (Klienten) und Berater [voraussetzt] mit dem Ziel, im Beratungsprozess eine Entscheidungshilfe zur Bewältigung eines vom Klienten vorgegebenen aktuellen Problemsgemeinsam zu erarbeiten“ (Krause, S. 22 f.). Sie kann sowohl interventiv als auch präventiv sein und hat eine „wissenschaftlich fundierte“ (Krause, S.23) Grundlage.

Somit ist die Beratung „Hilfe zur Selbsthilfe“, da der Berater mittels Kommunikation und Interaktion lediglich versucht, bei dem Klienten „einen auf kognitiv-emotionale Einsicht fundierten aktiven Lernprozeß in Gang zu bringen“ (Krause, S.22).

2.2. Was ist pädgogische Beratung

Die pädagogische Beratung entstand in den 1920er Jahren in Amerika und zwar als Berufsberatung junger Menschen. Sie entstand demzufolge also nicht aus der psychologischen Therapie heraus, sondern unabhängig von dieser, eben als Möglichkeit, jungen Menschen bei der Lebensgestaltung und Berufswahl zu unterstützen.

Doch wann genau ist von einer pädagogischen und nicht psychologischen Beratung die Rede?

Man spricht zum Beispiel von pädagogischer Beratung, wenn sie in einem pädagogischen, erzieherischen oder sozialen Kontext stattfindet und „sich auf konkrete Problemsituationen, Erziehungs- und Lernschwierigkeiten bezieht“ (Aurin, S.17) und/ oder es sich um die Gestaltung von Lernprozessen handelt. „Wenn man gelten lassen will, dass Initiative und Selbstständigkeit, die Fähigkeit, subjektive Problemlagen zu formulieren und zu objektivieren, dass Informationen und AufkIärung, dass Engagement zu konstituierenden Bestandteilen einer modernen Bildung gehören, dann darf man vermuten, dass die Beratung ein pädagogischer Vorgang ist, in dem Bildungsmöglichkeiten in exponierter Weise sich realisieren lassen" (Mollenhauer 1965, S. 35).

Auch der Kontextbezug ist ein Kennzeichen der pädagogischen Beratung, da das Umfeld des Hilfesuchenden aktiviert und miteinbezogen wird. Die pädagogische Beratung versteht sich als Unterstützung zur Alltagsbewältigung oder Lebensbewältigung, nicht nur in Krisensituationen. Sie ermöglicht eine intersubjektive Betrachtung der Sachlage, das heißt, dass weder die Sicht- und Denkweise des Beraters, noch die des Klienten im Vordergrund steht. Im Beratungsprozess findet eine klientenbezogene Interaktion und ein Gedankenaustausch zwischen einem professionalisierten Berater und einem Ratsuchenden statt. Es geht hierbei um die „Erweiterung des Horizontes an Deutungsmöglichkeiten“ (Krause, S.26) und um die Weiterentwicklung, beziehungsweise die Ausdifferenzierung von Handlungsmöglichkeiten oder Aktivierung, oder auch die Entdeckung der Ressourcen des Klienten (vgl. Krause).

Hier besteht ein Unterschied zur Therapie, bei der häufig Krankheiten, Defizite oder Störungen meist aufgrund einer vorliegenden Diagnose behandelt werden. Die Beratung wendet sich nicht den Defiziten zu, sondern schenkt den Ressourcen ihre Aufmerksamkeit. Hier liegt der Knackpunkt der pädagogischen Beratung, da Personen erst dann in eine Beratungssituation eintreten, wenn scheinbar die eigenen Ressourcen „versagt“ haben, oder sie keine mehr haben und die Handlungsmöglichkeiten nicht mehr wahrgenommen werden. Hier kann die Beratung helfen, indem sie dem Klienten bei der Suche nach vorhandenen Ressourcen hilft, die bei der Bewältigung und Bearbeitung des Problems helfen. Allerdings liegt hier der größte Teil der Aufgabe deutlich beim Ratsuchenden, da die Beratung nur einen Anstoß in die „richtige“ Richtung geben kann und sich neue Möglichkeiten auftun (vgl. Krause und Hechler).

Ein weiteres Merkmal beratenden pädagogischen Handels ist, dass es stets auf freiwilliger Basis stattfindet, jederzeit von beiden Seiten der Beratungsvorgang abgebrochen werden kann und für den Klienten eine Ablehnungsfreiheit bezüglich des vom Berater gegebenen Ratschlages vorhanden ist.

2.3. Beratungssetting und Rollenverteilung

Mit Setting sind allgemein die äußere Umgebung, Räumlichkeiten und die Atmosphäre gemeint, in der eine Beratung stattfindet. Ein positiv gestaltetes Setting kann enorm zum positiven Beratungsverlauf und –prozess beitragen, da sich in einem solchen Setting beide Parteien wohler fühlen und die Vertrauensbasis dann oft stärker ausgeprägt ist. In dieser Umgebung ist der Klient auch oft extrovertierter und offener, vor allem wenn es um persönliche Probleme geht. Zu eben diesem positiv gestaltetem Setting gehört auch, dass der Berater „aktiv“ zuhört und die Gespräche ungestört ablaufen. Auch ist es hier von Vorteil, wenn die Personenanzahl, die an einem Beratungsgespräch teilnimmt so gering wie möglich und so groß wie nötig ist um die Intimität des Gesprächs zu wahren.

In einer Beratung besteht eine Asymmetrie zwischen der Rolle des Beraters und der des Ratsuchenden. Auf der einen Seite befindet sich der Klient, der die Beratung aufsucht, da er zum aktuellen Zeitpunkt nicht mehr der Herr über eine Problemlage zu sein scheint. Auf der anderen Seite steht der neutrale Berater, der nicht unmittelbar betroffen ist und nun die Aufgabe hat, „diese Asymmetrie produktiv im Sinne des Ratsuchenden zu nutzen, in dem er sich nicht primär an der Vernuftsbegabung des Ratsuchenden … orientiert, da dann meist Manipulation … das Handeln bestimmt, sondern vielmehr an der Beratungsbedürftigkeit, um so Machtmissbrauch und Manipulation vorzubeugen“ (Hechler, S. 94).

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Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656518167
ISBN (Buch)
9783656517733
Dateigröße
678 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263164
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
Supervision Beratung Methode

Autor

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