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Prekariat – eine neue soziale Lage?

Hausarbeit 2012 9 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: (soziale) Ungleichheit

2. Begriffsklärung und das Prekariat als neue soziale Lage

3. 'Prekarier'- eine neue soziologische Kategorie?

4. Prekarisierung als objektive Benachteiligung
4.1. Prekäre Erwerbsarbeit
4.2. Prekäre Erwerbslage
4.3. Prekäre Lebenslage

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Begriff (soziale) Ungleichheit bringt zum Ausdruck, dass in einer Gesellschaft soziale Positionen und sozialer Status (Ränge) wie Ressourcen (z.B. Eigentum und Einkommen, aber auch Macht und Prestige) ungleich verteilt sind, diese Verteilung negativ bewertet wird und daher ein gesellschaftliches Problem darstellt“ (Bundeszentrale für politische Bildung). Zurückzuführen ist diese soziale Ungleichheit auf die sozialen Ausdifferenzierungen der modernen Gesellschaft.

Im folgenden Teil dieser Arbeit wird das Prekariat vorgestellt.

2. Begriffsklärung und das Prekariat als neue soziale Lage

Seit den 1960er Jahren untersuchten Soziologen die Fragestellung, ob es in der heutigen modernen Gesellschaft ein Proletariat als eine soziale Lage gibt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen brachten zum Vorschein, dass die Verelendung, also die Proletarisierung und der Kampf ums Überleben breiter Bevölkerungsschichten der Vergangenheit angehören, es allerdings noch immer Menschen gibt, die am Existenzminimum leben. Es sind neue Formen der Abhängigkeit von Institutionen entstanden und so konnte das politische Ziel des 19. Jahrhunderts, das Proletariat als soziale Lage vollständig aufzuheben, nicht befriedigend erreicht werden.

In unserer heutigen westlichen und rechtlich gesicherten und organisierten Wohlstandsgesellschaft ist die Frage nach der Klasse des Proletariats fast komplett verschwunden. Allerdings ist ein Leben am Existenzminimum und in ökonomischer Unsicherheit auch in der Modernen noch immer gegenwärtig. Man spricht hier allerdings nicht mehr vom Proletariat, sondern vom Prekariat. Diese Bezeichnung des „Prekariats“ ist ein Neologismus aus dem Begriff „Proletariat“ und dem Wort „prekär“, welches auch heikel oder mißlich bedeutet, und ging 2006 aus einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema „Gesellschaft im Reformprozess“ hervor, um ein bestimmtes Milieu zu bezeichnen (vgl. Wollrad 2008). Diese Bezeichnung einer Personengruppe einer Gesellschaft ist also relativ neu und betrifft, laut einer Studie des Sinus-Institut (2011) etwa 9% der Gesellschaft in Deutschland. Diese Angehörige dieses prekären Milieus, gehören überwiegend der unteren Mittelschicht bzw. Unterschicht an und sind, wie oft gesagt wird Verlierer der Modernisierung und der Individualisierung. Sie haben einen sehr niedrigen Lebensstandard und leiden unter großer Unzufriedenheit, auch aufgrund ihrer relativen Armut, was bedeutet, dass der Verdienst dieser Personen unter 60% des Durchschnittseinkommens in Deutschland liegt. Aufgrund dessen geht sehr oft eine finanzielle Unsicherheit einher, die die Zukunftsängste dieser Personen weiter schürt. Die Betroffenen sind oft arbeitslos oder haben einen Beruf mit einem niedrigen Status und geringen Aufstiegsmöglichkeiten und -Perspektiven (bsp. Sog. „1-Euro-Jobs“ oder von der Agenturfür Arbeit vermittelte Praktika und Weiterbildungsmaßnahmen) (vgl.Sinus-lnstitut). Als prekär Beschäftigte werden die Personen bezeichnet, die „aufgrund ihres Erwerbsstatus nur geringe Arbeitsplatzsicherheit genießen, wenig Einfluss auf die konkrete Ausgestaltung ihrer Arbeitssituation haben, nur partiell im arbeitsrechtlichen Schutzkreis stehen und deren Chancen auf materielle Existenzsicherung durch Arbeit in der Regel schlecht sind“ (Definition nach der internationalen Arbeitsorganisation ILO; Vogel 2009, S.198).

Das Prekariat wird in Bezug auf die Veränderung des Sozialen und in Bezug auf die fortschreitende Modernisierung ein Ort sozialer Ängste und Unsicherheit. Innerhalb der Debatte um das Prekariat aus sozialwissenschaftlicher Perspektive, wird das Proletariat mit dem Prekariat gleichgestellt und die Angehörigen dieses prekären Milieus stellen eine anonymisierte und zersplitterte Masse dar, die dem Modernisierungsprozess aufgrund einer negativen Individualisierung. als Verlierer hervorgehen. Zudem wird der Begriff des „Mangels“ oft mit ihnen verknüpft ( bsp. der Mangel an Ansehen, stabilen sozialen Beziehungen oder Mangel an Sicherheit). Die Angehörigen dieses Milieus, die Prekarier selbst repräsentieren oft die Abstiegsbedrohten und durch die Deklassierung Gefährdeten, was sie oft zu Grenzgängern einer sich stetig verändernden Arbeitswelt werden lässt. Die Prekarier pendeln oft zwischen Arbeitslosigkeit und Erwerbstätigkeit bzw. geförderter und nicht geförderter Beschäftigung hin und her oder bewegen sich zwischen Minijobs, Praktika, staatlicher Unterstützungsleistung oder Leiharbeit und sind zwischen auskömmlicher Tätigkeit und Armut trotz Erwerbstätigkeit hin und hergerissen. Viele dieser Menschen leben auf Spannung und nur von einem Tag zum nächsten, kämpfen aber um bessere Aussichten auf eine stabile Beschäftigung und gegen berufliche Ausschlussdynamiken um den Anschluss in der Arbeitswelt und auch in der Gesellschaft wiederzufinden (vgl. Vogel 2009).

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Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656517528
ISBN (Buch)
9783656517443
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263168
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,7
Schlagworte
Prekariat soziale Lage

Autor

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Titel: Prekariat – eine neue soziale Lage?