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Der Nachhaltigkeitsindikator 'Virtuelles Wasser'

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 15 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wasser
2.1 Wasservorkommen weltweit
2.2 Trinkwasserbedarf
2.3 Wasserverbrauch in Deutschland

3. Der Nachhaltigkeitsindikator „Virtuelles Wasser"
3.1 „Virtuelles Wasser" - Der Begriff
3.2 „Virtuelles Wasser" - Der Welthandel
3.3 „Virtuelles Wasser" - Der Indikator als Lösung der Wasserarmut?
3.4 „Weggeworfenes Wasser"

4. „Virtuelles Wasser" als Unterrichtsbeispiel

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

7. Erklärung zur Eigenständigkeit der Arbeit

8. Anhang

1. Einleitung

Der Begriff der Nachhaltigkeit existiert seit Anfang des 18. Jahrhunderts und wurde zunächst relativ einseitig auf die Forstwirtschaft bezogen. „Es sollte pro Jahr nicht mehr Holz geschlagen werden als nachwächst"[1]. Das ökonomische Interesse sollte dadurch mit den ökologischen Interessen zusammengebracht werden. Heute ist der Begriff der Nachhaltigkeit deutlich komplexer konnotiert. Die ursprüngliche Idee wurde erweitert und auf andere Sachverhalte angewandt. Der Philosoph Hans Jonas hat beispielsweise den kategorischen Imperativ Kants bezüglich der Nachhaltigkeit geändert: Du sollst so handeln, „dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf der Erde"[2]. Die Formulierung des Imperativs zeigt, dass der Begriff „Nachhaltigkeit" deutlich allgemeiner und offener verstanden wird als in seiner ursprünglichen Bedeutung und alle Handlungen mit der Maxime abgeglichen und hinterfragt werden sollen.

Unter dem Gesichtspunkt der Verflechtung zwischen gegenwärtigem Handeln und dessen zukünftigen Auswirkungen sowohl ökologischer als auch sozialer Art werde ich in der folgenden Arbeit unter verschiedenen Perspektiven am Beispiel des ökologischen Nachhaltigkeitsindikators „Virtuelles Wasser" versuchen zu erläutern, wo diesbezüglich die Probleme unseres aktuellen Wirtschaftens liegen. Um die Relevanz der Problematik zu verdeutlichen, werde ich zunächst auf die weltweiten Wasservorräte und den Wasserbedarf beziehungsweise -verbrauch eingehen. Auch nach fast 300 jährigem Bestehen des Begriffs der Nachhaltigkeit wissen die meisten Menschen nichts oder nicht viel über Nachhaltigkeit beziehungsweise nachhaltige Entwicklung. Da das Thema ein wichtiger Bestandteil der Generationengerechtigkeit darstellt, sollte es einen größeren Stellenwert im Bildungsprozess einnehmen. So werde ich versuchen zu erläutern, wie bereits Grundschulkinder für Nachhaltigkeit - insbesondere auf „Virtuelles Wasser" bezogen - sensibilisiert werden können. Dazu betrachte ich einen Unterrichtsvorschlag des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz.

2. Wasser

Die Ressource „Wasser" stellt einen zentralen Aspekt in der nachhaltigen Entwicklung dar. Wasser ist die Grundvoraussetzung für Leben und Wirtschaften, aber „Wasser ist mehr als eine Ware, es ist ein gemeinsames Gut der Menschheit, das es zu bewahren gilt".[3]

Im Folgenden werden die weltweiten Wasservorkommen und ihre unterschiedlichen Speicherformen sowie der Trinkwasserbedarf von Menschen näher beleuchtet. Als Beispiel für den Trinkwasserverbrauch eines Industrielandes wird Deutschland vorgestellt.

2.1 Wasservorkommen weltweit

Die Erde hat insgesamt ein Wasservorkommen von ca. 1.359,918 Mio. km3. In den Ozeanen sind ca. 97,2% des gesamten Wasservorkommens in Form von Salzwasser gespeichert. Die verbleibenden 2,8% Süßwasser, welche ca. 38 Mio. km3 entsprechen, verteilen sich größtenteils auf in Gletschern und Polareis gebundenem Wasser sowie auf das Grundwasser. Rechnet man den Anteil der dem Menschen zugänglichen Süßwasserquellen aus, ergibt sich ein Wert, der bei ca. 0,5% (absolut: 7,6 Mio. km3) des gesamten Wasservorkommens der Erde liegt. Dieses ist jedoch nicht gleichmäßig auf der Erde verteilt.[4]

2.2 Trinkwasserbedarf

Der Trinkwasserbedarf eines Menschen wurde unter anderem von der Weltbank bei mindestens 50 Litern pro Tag festgelegt. Länder, die diesen Mindestwert nicht einhalten können, leiden unter chronischem Wassermangel.

Es sind zumeist Länder mit hohem Bevölkerungswachstum, die unter Wassermangel leiden. Diese Entwicklung führt in einen „Circulus virtuosus", der die Wasserknappheit noch weiter verschärft. Neben einer Steigerung des direkten Wasserbedarfs werden mehr Nahrungsmittel benötigt, die in der Herstellung zu einer indirekten Verbrauchssteigerung von Wasser führen - einer Steigerung des virtuellen Wasserverbrauchs, der im weiteren Verlauf der Arbeit näher betrachtet wird.[5]

2.3 Wasserverbrauch in Deutschland

In Deutschland ist das Gefühl der ständigen und scheinbar unendlichen Verfügbarkeit von Trinkwasser in der Bevölkerung vorherrschend. In den letzten 20 Jahren entwickelte sich jedoch das Bewusstsein, dass Wasser als Basisressource geschont werden müsse. Dies begünstigten nicht zuletzt die stetig steigenden Wasser- bzw. Abwasserpreise. Seit 1990 mit einem täglichen Verbrauch von 147 Litern pro Person ist eine ununterbrochene Abnahme des Trinkwasserverbrauchs in Deutschland festzustellen. Diese Entwicklung ist neben der zunehmenden Sensibilisierung, Wasser zu sparen, auch durch technische Neuerungen im Haushalt möglich geworden.

Im internationalen Vergleich gehört Deutschland neben Großbritannien und Dänemark zu den wassersparsamen Industrienationen. Die Nationen mit dem höchsten Trinkwasserverbrauch pro Einwohner sind Australien mit ca. 500 Litern und die USA mit ca. 570 Litern am Tag. Das ist das 50-fache von den 10 Litern Wasser, die einem Einwohner in Mosambik am Tag zur Verfügung stehen. Betrachten wir den durchschnittlichen Tagesverbrauch von Trinkwasser in Deutschland genauer: Im Jahr 2006 lag der Verbrauch bei 125 Litern pro Person am Tag. Den größten Anteil hat mit 45 Litern durchschnittlich das Baden bzw. Duschen gefolgt von der Toilettenspülung mit 34 Litern eingenommen. Diese beiden Bereiche deckten ca. 75% des gesamten Trinkwasserverbrauchs eines Deutschen ab. Das Kochen, Essen und Trinken nimmt dagegen mit 5 Litern eine unwesentliche Rolle ein. Soll die Entwicklung zur Schonung der Ressource „Wasser" in Deutschland weiter vorangetrieben werden, müssen die verbrauchsintensiven Bereiche Körperpflege und Toilettenspülung sparsamer werden. Insbesondere die Toilettenspülung ist für qualitativ hochwertiges Trinkwasser eine Verschwendung.[6] Das meiste Wasser wird jedoch nicht im Haushalt, sondern in unsichtbarer Form verbraucht - dem „Virtuellen Wasser".

3. Der Nachhaltigkeitsindikator „Virtuelles Wasser"

„Indikatoren sollen als Werkzeuge das nachhaltige Handeln der Menschen sichtbar machen. Diese so genannten Nachhaltigkeitsindikatoren sollen ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigen und den Handlungsbedarf und den Fortschritt eingeleiteter Maßnahmen."[7] Ein ökologischer Nachhaltigkeitsindikator ist beispielsweise das „Virtuelle Wasser".

3.1 „Virtuelles Wasser" - Der Begriff

Der Begriff „Virtuelles Wasser" oder auch „Latentes Wasser" existiert seit Anfang der 90-er Jahre und wurde vom britischen Professor J.A. Allan geprägt. Er fällt in die Kategorie der ökologischen Indikatoren und ist eindeutig definiert: Er misst den tatsächlichen Wasserverbrauch im Erzeugungsprozess eines landwirtschaftlichen oder eines industriell hergestellten Produkts und grenzt sich vom oben beschriebenen Trinkwasserverbrauch im Haushalt ab. Jedem Produkt kann jedoch nur ein abgeschätzter Wasserverbrauch in der Produktion zugeordnet werden, da der Wasserverbrauch je nach den klimatischen Bedingungen und den technischen Möglichkeiten in der Herstellung variieren kann.[8]

In der Landwirtschaft wird der virtuelle Wasserverbrauch mithilfe des Transpirationskoeffizienten berechnet. Er misst die Produktivität der Transpiration um eine bestimmte Trockenmasse zu erzeugen. Demzufolge gibt er beispielsweise an, wie viel Liter Wasser eine Pflanze benötigt, um 1kg Trockenmasse zu produzieren. Kulturpflanzen benötigen deutlich mehr Wasser als Wildpflanzen, so sind 680 Liter Wasser nötig, um 1kg Reis zu produzieren, die Buche benötigt 170 Liter, um 1kg Trockenmasse zu produzieren.[9]

Die anhaltend steigende Nachfrage nach Tropenfrüchten in den westlichen Ländern und der hohe Kaffee- und Teekonsum haben immense Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Anbauländer, die ihre Produkte fast ausschließlich für den Weltmarkt produzieren.

3.2 „Virtuelles Wasser" - Der Welthandel

Jedes hergestellte Produkt enthält virtuelles Wasser. Der stark zunehmende Welthandel führt nicht nur zu einer Steigerung des Güteraustauschs, sondern impliziert auch zwangsläufig einen Handel von „virtuellem Wasser". Importierte Güter enthalten Wasser, das das Erzeugerland aufbringen musste, analog verhält es sich bei exportierten Gütern. Aus diesen beiden Kennziffern lässt sich eine Bilanz errechnen, die angibt, wie sich das Verhältnis zwischen „eingekauftem" und „verkauftem" virtuellen Wasser beläuft.

In Anlehnung an den ökologischen Fußabdruck wurde auch der Wasserfußabdruck entwickelt. Dieser bezieht sich auf den virtuellen Wasserverbrauch und wird in Form eines externen Wasserfußabdrucks (importierte Waren) und eines internen Wasserfußabdrucks (exportierte Waren) angegeben.

Der deutsche Import „virtuellen Wassers" beträgt im Jahr ca. 106 Mrd. m3, der Export dagegen „lediglich" 71 Mrd. m3. Deutschland verbraucht demzufolge 35 Mrd. m3 Wasser weniger als es letztendlich in Form von Gütern konsumiert. Die Differenz ist insbesondere auf die Einfuhr im Anbau wasserintensiver Agrarprodukte wie Kaffee, Tee, Bananen und Baumwolle zurückzuführen, die meist in wasserarmen Ländern hergestellt werden.[10]

[...]


[1] Grunwald, Armin; Kopfmüller, Jürgen (2012), S.14

[2] Ebd., S. 27

[3] Kürschner-Pelkmann, Frank (2005), S.7

[4] Vgl. Schwister, Karl (2003), S.140

[5] Vgl. Müller, Mario (2007), S.6-7

[6] Vgl. Oelmann, Mark (2005), S.13-14

[7] Stavenhagen, Petra (2006), S.11

[8] Vgl. Aschoff, Heiko (2009), S.29

[9] Vgl. Oehmichen, Jobst (1983), S.299

[10] Vgl. Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656518082
ISBN (Buch)
9783656518068
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263202
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Schlagworte
nachhaltigkeitsindikator virtuelles wasser

Autor

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