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Zusammenbruch und Wiederauferstehung des Kolonialismus

Charles de Gaulles neokolonialistischer Weg aus der Algerienkrise

Hausarbeit 2010 31 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Grundproblematik des kolonialen Mythos

3. Die Verlängerung Frankreichs jenseits des Mittelmeeres
3.1 Gründung der einzigen Siedlungskolonie Frankreichs
3.2 Die fünf Etappen der Kolonisierung begleitet vom Widerstand der indigenen Bevölkerung
3. 3 Das komplexe Verhältnis zwischen Besetzern und Besetzten

4. Die zum Scheitern verurteilte IV. Republik
4. 1 Die Widersprüchlichkeit von staatsrechtlichem Anspruch und politischer Realisation
4. 2 Das Kabinett Mendès-France: Von der Assimilation zur Integration
4. 3 Das Scheitern der Integrationslösung
4. 4 Das Scheitern der Föderationslösung
4. 5 Die Ereignisse des 13. Mai und das Ende der IV. Republik

5. Charles de Gaulle und die schrittweise eingeleitete Unabhängigkeit Algeriens
5. 1 Ein Schiedsrichter zum Wohle aller?
5. 2 Charles de Gaulles Rückkehr an die Macht
5. 3 Die Gründung der V. Republik und der Versuch einer Neokolonistischen Lösung
des Algerienproblems

6. Wandel in der Politik de Gaulles
6. 1 Die Schaffung einer algerischen Persönlichkeit
6. 2 Frankreich bricht in zwei Lager
6.3 Das Referendum über die Unabhängigkeit
6.4 Die V. Republik geht fast zugrunde und ein neuer Staat entsteht

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich im Rahmen des Proseminars „Frankreich und der Algerienkrieg. Ereignis und Erinnerung“ sowohl mit den schrittweise eingeleiteten Unabhängigkeitsbestrebungen der über 130 Jahre marginalisierten, indigenen Bevölkerung Algeriens als auch den darauf folgenden politischen Reaktionen der IV.- und V. Republik. Der besondere Fokus soll dabei auf den so oft als „Vater der Dekolonisierung“ bezeichneten, ersten Präsident und Gründer der V. Republik, Charles de Gaulle und dessen neokolonialistische Politik gelegt werden. Dabei stellt sich die Frage, ob das Handeln des Generals wie so oft behauptet prädeterminiertes Vorgehen war oder ob vielmehr der Lauf der Geschichte Charles de Gaulle vor sich her trieb und dieser sich den ändernden Verhältnissen nur geschickt anzupassen wusste. Vor diesem Hintergrund ist es allerdings auch unerlässlich, die französische Okkupation in Algerien als Ganzes zu betrachten um etwaige politische sowie militärische Reaktionen beider Seiten im Verlaufe des Unabhängigkeitskrieges, rückblickend besser verstehen zu können. Von besonderem Interesse sind hierbei der politische Status Algeriens im Verhältnis zur indigenen Bevölkerung und die nicht zu unterschätzenden Siedler des französischen Algerien. Alle diese Komponenten müssen einer genaueren Betrachtung unterzogen werden, um den Gesamtkomplex der letzten großen Entkolonialisierungskrise Frankreichs verstehen und nachvollziehen zu können. Dieser Konflikt, der auf unlösbar scheinende Weise fast ein gesamtes Jahrzehnt Frankreich und die algerischen Départements in seinen Klauen hielt, war der Scheidepunkt zu einer neuen Ära des imperialistischen Frankreichs und die Geburtsstunde eines unabhängigen algerischen Staates.

2. Grundproblematik des kolonialen Mythos

Bevor nun näher auf die angesprochenen Aspekte eingegangen wird, soll die Grundproblematik des über Jahrhunderte tief im Gedächtnis des französischen Volkes verankerten Kolonialmythos bzw. der vorherrschenden Ideologie der „Größe der Nation“ auch grandeur genannt, analysiert werden.

Der fortwährende, imperialistische Gedanke des französischen Volkes, sich über die Größe des (Kolonial-)Reiches zu definieren ist in der Geschichte der Völker selbstverständlich kein Einzelfall, doch erklärt dieses Selbstbewusstsein die an dieser Stelle zu behandelnden Geschehnisse grundlegend. Jede realisierte sowie unrealisierte Entscheidung seitens Frankreichs gründet auf diesem tiefen Verständnis der „mystischen Größe Frankreichs“.[1] Es gilt unter diesen Umständen jedoch auch zu beachten, dass diese mystifizierte Vorstellung eines, für den Normalbürger des Mutterlandes nicht greifbaren Weltreiches, über einen großen Zeitraum hinweg, dem Volk regelrecht indoktriniert wurde.

Es war also nur ein kleiner, doch durchaus mächtiger Teil der Gesellschaft, der wirklich vom Kolonialreich partizipieren konnte. Im Interesse dieser Koloniallobby, welche vor allem im politischen und wirtschaftlichen Großbürgertum angesiedelt war, „galt [es] die imperiale Doktrin des Kolonialismus in den Köpfen des französischen Volkes zu verankern“.[2] Ein Frankreich ohne Kolonialreich war somit sowohl für das Selbstbewusstsein des Volkes als auch für die Funktionalität der Wirtschaft kaum denkbar. Bezeichnend für diese Einstellung ist beispielsweise die Radioansprache de Gaulles vom 18. Juni 1940, welche sicherlich vielen französischen Patrioten, deren Glaube an die Nation durch die dunkle Ära der Vichy-Kollaboration hart auf die Probe gestellt wurde, den nötigen Rückhalt und das Vertrauen in Frankreich zurückgegeben hat: Mais le dernier mot est-il dit? […] La défaite est-elle définitive? Non! […] Car la France n’est pas seule! Elle n’est pas seule! […] Elle a un vaste Empire derrière elle.[3] Es lässt sich also feststellen, dass unter diesen Umständen, das vehemente Verteidigen eines Kolonialreiches, dass in der Mitte des 20. Jahrhunderts kurz vor seiner völligen Auflösung zu stehen schien, gar nicht so abwegig erscheint. Frankreich war nach dem vergeblichen Versuch, an den Konferenzen der Siegermächte teilhaben zu können, im Begriff eine „zweitrangige Nation“ zu werden.[4] Da dies nicht geschehen durfte, wurde versucht, mit allen Mitteln das Kolonialreich an sich zu binden. Der Geschichte ist jedoch unschwer zu entnehmen, dass weder erzwungene Integration noch die Gründung einer Union française den notwendigen Erfolg brachten.

Im Falle Algeriens, welches, wie sich im Verlauf der Arbeit zeigen wird, im Kolonialreich Frankreichs eine Sonderstellung einnahm, endete der Versuch den Einfluss zu wahren in einem sich über Jahre hinziehenden Fiasko. Eben dieses „nicht loslassen können“ der französischen Nation und die Identifikation eines Volkes über ein Weltreich auf tönernen Füßen basiert auf der indoktrinierten, imperialen Doktrin des Kolonialismus.

3. Die Verlängerung Frankreichs jenseits des Mittelmeeres

3. 1 Gründung der einzigen Siedlungskolonie Frankreichs

Die im vorherigen Kapitel behandelte Ideologie des französischen Volkes, sich über internationale Größe und Macht zu definieren potenzierte sich in Fragen um die Gebiete des heutigen Algerien. Wie bereits angedeutet, handelte es sich bei diesen Gebieten nicht um eine gewöhnliche Kolonie, wie es sie in West- und Zentralafrika gab, sondern viel mehr um einen „integrierten Bestandteil des Mutterlandes“.[5] Betrachtet man die Geschichte der Eroberung dieser Territorien, so wird sehr schnell deutlich, was der eigentliche Indikator bzw. die treibende Kraft zu dieser Annahme seit der „formellen Besitzergreifung“ von 1834 bis zum Ende des Kolonialismus war.[6] Der Eroberer selbst, General Bugeaud sagte nach der Landnahme 1830: „Wir brauchen Siedler, die in die günstigsten Positionen gebracht werden müssen. … Überall, wo es gutes Wasser und fruchtbares Land gibt, müssen Siedler platziert werden, ohne dass wir uns darum kümmern, wem das Land gehört, es muss ihnen zum uneingeschränkten Besitz übertragen werden“.[7] Der Grundgedanke war also weniger eine, so oft propagierte mission civilisatrice noch die Vernichtung der Seeräuberei. Auch die vorgeheuchelte Sorge um christliche Sklaven oder die Handelstribute an Algier waren nur Vorwände, um eine gewaltsame Okkupation des Landes zu rechtfertigen.[8]

Es ging also um die Errichtung einer Siedlungskolonie im Sinne einer „Verlängerung Frankreichs jenseits des Mittelmeeres“[9] um der Bodenressourcen des Landes habhaft zu werden. Die 1834 geführte, administrative Annäherung zwischen Algerien und Mutterland[10] wurde 1845 durch die Einrichtung dreier Départements realisiert, die einem Generalgouverneur unterstanden.[11] 1871 wurde diese territoriale Einheit in einem „Dekret zur politischen Organisation Algeriens“ von der III. Republik bestätigt: „ L’Algérie renferme trois départements…, ce qui établit 92 départements nomme deux représentants du peuple “.[12]

3. 2 Die fünf Etappen der Kolonisierung begleitet vom Widerstand der indigenen Bevölkerung

Die Eroberung des gesamten Gebietes des heutigen Algeriens fand auf Grund der unerwartet heftigen Gegenwehr der indigenen Bevölkerung in nacheinander folgenden Schritten statt. Prinzipiell kann man sagen, dass die französische Bevölkerung bis zur Unabhängigkeit Algeriens 1962, ein gänzlich falsches Bild der zivilen und militärischen Lage vermittelt bekam, was, wie oben erwähnt, die Basis für die bis in die letzten Jahre der Kolonialzeit andauernde Unterstützung der „Befriedungskämpfe“ mit sich brachte.[13] Die Okkupanten fanden kein unbewohntes Land vor und das propagierte Vorurteil, die wenigen, dort lebenden Stämme seien ungebildete Wilde, bestätigte sich ebenfalls nicht. So existierte beispielsweise auf Grund der vielen Koranschulen ein „zusammenhängendes Bildungssystem“[14] und auch die Infrastruktur war in Teilen vorhanden. Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass durch die Oktroyierung der französischen Sprache auf die gesamte muslimische Bevölkerung, der weitgehenden Schließung der Koranschulen und dem Verbot die arabische Sprache weiterhin zu unterrichten, schon nach kurzer Zeit große Bevölkerungsanteile zu Analphabeten „gemacht“ wurden.[15] Die indigene, vorkoloniale Gesellschaft wurde mit aller Vehemenz verleugnet um eine großflächige Besiedelung des Landes zu rechtfertigen.[16] 1846 stellte der Publizist und Politiker Alexis de Tocqueville, nach der 17 jährigen Eroberungsphase Algeriens zurecht fest: „Wir haben die muslimische Gesellschaft elender, chaotischer, ungebildeter und barbarischer gemacht als sie es war, bevor sie unsere Bekanntschaft machte“.[17]

Insgesamt kann man die Eroberung seit 1830 in zwei, die Kolonisierung des Landes in fünf Phasen einteilen. Die ersten zwei Phasen der Eroberung von 1831-1840 und 1841-1847 dienten der hoch technologisierten Armee dazu, das Land militärisch unter seine Kontrolle zu bringen. Die Ziele der so genannten occupation restreinte mussten auf Grund des Widerstandes des Emirs Abd el Kader[18], dem es gelang die verschiedenen Stämme geschlossen gegen die Okkupanten zu formieren, vorerst folgendermaßen definiert werden: “ …ni la domination absolute, ni l’occupation effective de la Régence…elle (Frankreich) a surtout intérêt à être maîtresse du littoral. Les principaux points à occuper sont: Alger, Bône et Oran, avec leurs territories. Le reste doit être à deschefs indigenes ”.[19]

Nachdem jedoch die drei Brückenköpfe Algier, Bône und Oran gesichert waren, fand die Armee unter Marschall Bugeaud einen Mann, der die conquête totale entscheidend vorantrieb. Innerhalb von sieben Jahren wurde der Widerstand immer weiter in den Süden des Landes gedrängt und 1847 schließlich vernichtend geschlagen. Der Krieg wurde schon damals mit unnötiger Härte und Grausamkeit geführt und „Europäische Standards“ hatten in Afrika offenbar keinen großen Stellenwert. Algerien wurde nach dem System der „verbrannten Erde“ systematisch besetzt.[20]

Die Kolonisierung der besetzten Gebiete ging zu Beginn erst schleppend voran und stieg mit zunehmender Organisation des neuen Systems und der Sicherheit im gesamten Land. Man spricht in den ersten Jahren von der colonisation libre (1831-1841), also der unorganisierten Kolonisierung, welche besonders Gesindel, Handwerker und vor allem Händler ins neu besetzte Gebiet lockte.[21]

In den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts, den Jahren der colonisation dirigée (1841-1852), begann allerdings die französische Regierung Siedler mit Versprechungen auf Grund und Boden nach Algerien zu locken, was die massive Zurückdrängung der ansässigen Bevölkerung zu Folge hatte.[22] Intensiviert wurde dieses so genannte refoulement durch die „große Kolonisation“ (1852-1870). In dieser Zeit verpachtete die Regierung unter Napoléon III. große Teile des Landes an Gesellschaften, welche die ihnen zugeschriebenen Gebiete nutzbar und somit rentabel machten.[23]

Die Niederschlagung des Kabylenaufstandes 1870/71 ermöglicht es dann der jungen III. Republik weitere 500.000 Hektar zu konfiszieren und sie großzügig im Rahmen der colonisaton officielle an Siedler aus ganz Europa zu veräußern. Das Ende der offiziellen Kolonisierung kann man grob auf das Jahr 1883 datieren, da so gut wie alle urbaren Flächen in europäischem Besitz waren. Die vereinzelten Nachzügler fallen offiziell unter die „private Kolonisation“ und sind im Mengenverhältnis kaum noch erwähnenswert.[24]

Abschließend kann man sagen, dass das Massenverhältnis von indigener Bevölkerung und Siedlern fast über 130 Jahre konstant bei ca. 1 zu 10 blieb, was Algerien auch den Ruf einer „stecken gebliebenen Siedlungskolonie“ einbrachte.[25] Der Großteil der urbaren Ländereien blieb allerdings fast ausschließlich bis zum Beginn der V. Republik im Besitz der colons, der europäischen Siedler.

3. 3 Das komplexe Verhältnis zwischen Besetzern und Besetzten

Durch das Mengenverhältnis von ca. einer Million europäischer Siedler auf etwa zehn Millionen indigene Einwohner des Landes, war das Zusammenleben unter den soeben angesprochenen Aspekten der Besitzverhältnisse über weite Strecken der französischen Okkupation von ständig vor sich hinschwelenden Konflikten geprägt. Nach der Niederringung des algerischen Widerstandes 1847 kann man bis zum Beginn des Aufstandes 1954 faktisch 15 große Erhebungen der indigenen Bevölkerung gegen die Eroberer ihres Landes zählen.[26] Prinzipiell lässt sich jedoch sagen, dass die gesamte französische Herrschaft bis zur Unabhängigkeit Algeriens fast ununterbrochen von kleineren Revolten, Aufständen sowie gewalttätigen Auseinandersetzungen begleitet wurde. Grund hierfür waren alltägliche Repressionen, Erniedrigungen und Plünderungen denen die Bevölkerung durch die Willkür der Siedler ausgesetzt war. Zudem blieben der moslemischen Allgemeinheit über weite Strecken die Grundrechte und vor allem die politischen Rechte verwehrt.[27]

Die von Napoleon III. angedachte Idee, durch eine vollständige Assimilation der indigenen Bevölkerung Algeriens eine Erweiterung der Metropole zu bewirken wurde von der III. Republik zwar aufgenommen, scheiterte jedoch am Widerstand beider betroffenen Seiten.

Die Siedler waren einerseits nicht bereit, die Eingeborenen gleichwertig zu behandeln, andererseits bangten sie um die Vorherrschaft im gesamten Land. Die Auflagen für eine administrative sowie kulturelle Assimilation der indigenen Bevölkerung forderten die Aufgabe aller islamischen Werte und Normen. Dies war für die bloße Erlangung einer anderen Staatsbürgerschaft für einen gläubigen Moslem undenkbar. Diejenigen allerdings, die sich für die französische Staatsbürgerschaft entschlossen haben, hatten auf europäischen Schlachtfeldern loyale Franzosen zu sein, in Algerien jedoch wurde in der Realität kaum ein Eingeborener als wirklicher, französischer Staatsbürger angesehen.[28]

Der Assimilationsgedanke wurde nicht realisiert, weil den Moslems die Chance zur „Naturalisierung“ nie richtig gegeben wurde. Das „viel beschworene „französische Algerien“, l’Algérie française, [war] genauso französisch, wie Südafrika unter der Apartheid weiß war“.[29] Der unter diesen Umständen beinahe borniert erscheinende Versuch einiger Regierungen der IV. Republik, deren Politik im weiteren Verlauf der Arbeit noch genauer betrachtet werden soll, die muslimische Bevölkerung in den Nachkriegsjahren letztendlich doch noch gänzlich ins französische Staatswesen zu integrieren, war das letzte Zeugnis einer metropolitischen Politik, die die Kernprobleme der Algerienfrage über ein gesamtes Jahrhundert nicht zu verstehen, geschweige denn zu lösen vermochte. Der französische Kolonialismus „untergrub die sozialen Grundlagen der Stammesgesellschaft, definierte die entwurzelten Moslems als koloniale „Subjekte“ im Gegensatz zu den französischen Vollbürgern und vereinte so zuvor heterogene Volksgruppen identitär in der Unterdrückung – als Algerier“[30], welche in einem über acht Jahre andauernden Unabhängigkeitskrieg ihre Freiheit erkämpften.

4. Die zum Scheitern verurteilte IV. Republik

4. 1 Die Widersprüchlichkeit von staatsrechtlichem Anspruch und politischer Realisation

Da vor dem Hintergrund dieser Arbeit dem ersten Präsidenten der V. Republik und dessen Algerienpolitik während des Krieges besondere Beachtung geschenkt werden soll, ist es an dieser Stelle unerlässlich den Blick auf einige vorhergehende Regierungen der IV. Republik seit dem Ausbruch der bewaffneten Befreiungskämpfe am 1. November 1954 zu werfen. Prinzipiell kann man festhalten, dass diese Regierungen gerade mit ihren hilflos erscheinenden Lösungsversuchen des Algerienproblems, Charles de Gaulle schlussendlich den Weg zur Macht ebneten. Die Tragik in der Algerienpolitik der IV. Republik lag in dem fortwährenden Anspruch der Regierungen, Frankreich und Algerien in einem gemeinsamen Staatswesen zu verbinden, jedoch war es unmöglich, die Grundsätze der parlamentarischen Demokratie, die in Frankreich Gültigkeit besaßen, auch in Algerien anzuwenden.[31] „Wollte man den politischen Grundsätzen treu bleiben, so gefährdete man die staatliche Einheit, erhielt man mit allem Mitteln die staatliche Einheit, so verriet und pervertierte man die politischen Grundsätze.“[32]

[...]


[1] Renken, Frank, Frankreich im Schatten des Algerienkrieges. Die fünfte Republik und die Erinnerung an den letzten großen Kolonialkonflikt, Göttingen 2006. S. 36.

[2] Renken, Frank, Frankreich im Schatten des Algerienkrieges (2006). S. 38.

[3] De Gaulle, Charles, Discours et Messages, Pendant la Guerre ( Juin 1940-Janvier 1946 ), Bd. 1., Plon 1970. S. 3.

[4] Vgl. Renken, Frank, Frankreich im Schatten des Algerienkrieges (2006). S. 37.

[5] Labonde, Joe, De Gaulles Algerienpolitik, Krefeld 1981. S. 11., vgl. auch hierzu: Elsenhans, Hartmut, Frankreichs Algerienkrieg 1954-1962. Entkolonisierungsversuch einer kapitalistischen Metropole. Zum Zusammenbruch der Kolonialreiche, München 1974. S. 728-734.

[6] Vgl. Münchhausen F. v., Ziele und Widerstände der französischen Algerienpolitik von 1945-1958, Heidelberg 1962. S. 10.

[7] Zitiert in: Renken, Frank, Frankreich im Schatten des Algerienkrieges. (2006). S. 44.

[8] Vgl. Münchhausen, Thankmar F. v., Ziele und Widerstände. (1962). S. 4f.

[9] Labonde, Joe, De Gaulles Algerienpolitik. (1981). S. 13.

[10] Zitiert in: Münchhausen, Thankmar F. v., Ziele und Widerstände. (1962). S. 14.: „ Le territoire de l’Algérie et des colonies est déclaré territoire français, et sera régi par des lois particulières jusqu’à ce qu’une loi spéciale les place sous le régime des la présente constituion.“.

[11] Vgl. Münchhausen, Thankmar F. v., Ziele und Widerstände. (1962). S. 13.

[12] Zitiert in: Münchhausen, Thankmar F. v., Ziele und Widerstände. (1962). S. 17f.

[13] Kohser-Spohn, Christiane/ Frank Renken (Hrsg.), Trauma Algerienkrieg. Zur Geschichte und Aufarbeitung eines tabuisierten Konflikts, Frankfurt am Main/ New York 2006. S. 55., Vgl. hierzu: Renken, Frank, Frankreich im Schatten des Algerienkrieges. (2006). S. 44ff.

[14] Die Bildung der eingeborenen Bevölkerung stand unter anderem als Argument für die kolonialen Aktivitäten Frankreichs mitunter an oberster Stelle. (Anm. d. A.)

[15] Vgl. Renken, Frank, Frankreich im Schatten des Algerienkrieges. (2006). S. 45f.

[16] Vgl. Renken, Frank, Frankreich im Schatten des Algerienkrieges. (2006). S. 46.

[17] Zitiert in: Kohser-Spohn, Christiane/ Frank Renken (Hrsg.), Trauma Algerienkrieg. (2006). S. 57.

[18] Vgl. Fuchs, Günther/ Hans Henseke, Das französische Kolonialreich, Berlin 1987. S. 66f.

[19] Zitiert in: Münchhausen, Thankmar F. v., Ziele und Widerstände. (1962). S. 7.

[20] Vgl. Münchhausen, Thankmar F. v., Ziele und Widerstände. (1962). S. 7f. Vgl. auch hierzu: Fuchs, Günther/ Hans Henseke, Das französische Kolonialreich. (1987). S. 67.

[21] Vgl. Münchhausen, Thankmar F. v., Ziele und Widerstände. (1962). S. 27.

[22] Vgl. Münchhausen, Thankmar F. v., Ziele und Widerstände. (1962). S. 28f. Vgl. auch hierzu: Fuchs, Günther/ Hans Henseke, Das französische Kolonialreich. (1987). S. 67f.

[23] Vgl. Münchhausen, Thankmar F. v., Ziele und Widerstände. (1962). S. 29f.

[24] Vgl. Münchhausen, Thankmar F. v., Ziele und Widerstände. (1962). S. 30ff.

[25] Vgl. Renken, Frank, Frankreich im Schatten des Algerienkrieges. (2006). S. 44.

[26] Vgl. Renken, Frank, Frankreich im Schatten des Algerienkrieges. (2006). S. 44.

[27] Vgl. Kohser-Spohn, Christiane/ Frank Renken (Hrsg.), Trauma Algerienkrieg. (2006). S. 57.

[28] Vgl. Renken, Frank, Frankreich im Schatten des Algerienkrieges. (2006). S. 47.

[29] Renken, Frank, Frankreich im Schatten des Algerienkrieges. (2006). S. 47.

[30] Renken, Frank, Frankreich im Schatten des Algerienkrieges. (2006). S. 47f.

[31] Vgl. Münchhausen, Thankmar F. v., Ziele und Widerstände. (1962). S. 303.

[32] Münchhausen, Thankmar F. v., Ziele und Widerstände. (1962). S. 303.

Details

Seiten
31
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656518785
ISBN (Buch)
9783656518693
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263233
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Seminar für Zeitgeschichte
Note
1,7
Schlagworte
zusammenbruch wiederauferstehung kolonialismus charles gaulles algerienkrise

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Titel: Zusammenbruch und Wiederauferstehung des Kolonialismus