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Das Normalarbeitsverhältnis

Rechtliche Fiktion und gesellschaftliches Realverhältnis - Basierend auf dem Text Die Krise des Normalarbeitsverhältnisses (1985) von Ulrich Mückenberger

Ausarbeitung 2012 11 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

2. Wanderungsbewegung
2.1 Migration
2.2 Emigration
2.3 Immigration
2.4 Die Geschichte der Wanderung

3. Globale Auswirkungen
3.1 Rechtlicher Status in Deutschland - Identitätsbegriffe
3.2 Vorteile der Einwanderung für das aufnehmende Land
3.3 Nachteile für das aufnehmende Land
3.4 Globalisierung

4. Effekte der Gastarbeiterbeschäftigung
4.1 Arbeitsmigration
4.2 Brain Drain und Brain Gain
4.3 Abwanderung von Unternehmen
4.4 Gründe für den Rückgang der Migration

5. Die rechtliche Situation
5.1 Migrationspolitik
5.2 Die Grundprinzipien der Integrationspolitik
5.3 Problematik der Integrationspolitik

6. Die gesellschaftliche Situation
6.1 Arbeits- und Wohnungsmarkt
6.2 Religion

7. Migration in Zahlen
7.1 Einwanderungsquote
7.2 Migration in Zahlen

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellen- und Schaubildverzeichnis

Tabelle 1:

Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesregierung (Migrationsbericht 2005)

Zu- und Fortzüge über die Grenzen Deutschlands von 1991 bis 2004

Tabelle 2:

Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesregierung (Migrationsbericht 2005)

Zu- und Fortzüge über die Grenzen Deutschlands nach ausgewählten Staatsangehörigkeiten im Jahr 2004 im Vergleich zum Vorjahr.

Tabelle 3:

Die Bevölkerung in den Bundesländern

Geschichte der Zuwanderung in Deutschland

Vorwort

Der Begriff der Migration umfasst ein sehr breites empirisches Feld. Das Augenmerk kann auf ganz unterschiedliche Aspekte einer Migration gerichtet werden, z.B.:

- Berufsmigration, Sozialmigration. (Ursachen von Migration)
- Regionale Migration, überregionale Migration. (geografische Eigenschaften von Migration)
- Prozesse von Migration, Folgen von Migration. (verschiedene Ebenen von Migration)

Ein weiterer Aspekt, der die Perspektive wesentlich beeinflusst, ist die Personengruppe, deren Migration versucht wird zu erklären. (Mann, Frau, Berufstätige, Auszubildende, ökonomisch Orientierte, Jugendliche, Selbstständige, Kriegsflüchtlinge, etc.)
So müssen zunächst Grenzen gezogen werden, innerhalb derer die Forschung durchgeführt wird.

Gegenstand der vorliegenden Arbeit wird die Arbeitsmigration mit ihren Hintergründen sein.

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Ursachen, Formen und räumlichen Auswirkungen

internationaler Arbeitsmigration

„Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen.“ (Max Frisch)

Die Arbeitsmigration, ehemals als zwischenzeitliche Chance verstanden, um schnell an Geld zu kommen, wandelte sich häufig in ein lebenslanges generationenübergreifendes Projekt.

Die Geschichte der Arbeitsmigration begann im Nachkriegsdeutschland vor fast 50 Jahren und doch sind, nicht nur in den Medien, aber dort besonders deutlich, der Umgang mit dem Thema Migration allgemein und insbesondere mit den Folgen der Arbeitsmigration bis heute problematisch geblieben. Schon die Begriffe „Gastarbeiter“, „Fremdarbeiter“ „Wanderarbeiter“ oder „Saisonarbeiter“ sind auf dem Gebiet der Arbeitsmigration oftmals Verlegenheitsbezeichnungen für Menschen, die mit unterschiedlichsten Absichten und Aussichten nach Deutschland gekommen und oft längst zu „Einwanderern“ geworden sind.

Im folgenden soll es darum gehen, die Entwicklungen und Folgen der Arbeitsmigration auf zwei Ebenen zu beleuchten. Auf der geschichtlichen Ebene zeigt sich, dass die ursprüngliche Anwerbungspolitik von Gastarbeitern, die in erster Linie nach ökonomischen Gesichtspunkten gestaltet wurde, in der Folgezeit auch gesellschaftliche und soziale Entwicklungen mit sich brachte, die wiederum, oft umstrittene, politische Reaktionen hervorriefen. Auf der gesellschaftlichen Ebene wird gelegentlich ein direkter Zusammenhang zwischen (Arbeits-)Migration von Minderheiten und Fremdenfeindlichkeit als Reaktion der „einheimischen“ Bevölkerung unterstellt. Nicht nur im Alltagsverständnis scheinen wirtschaftspolitische und gesellschaftliche Probleme wie Arbeitslosigkeit und Fremdenfeindlichkeit oft eng zusammenzuhängen.

Durch die immer umfassendere Globalisierung der Welt werden Volkswirtschaften zunehmend enger verknüpft und gegenseitig integriert. Zum einen zeigt sich dies an politischen Entscheidungen wie der Schaffung von Freihandelszonen, Zollunionen und gemeinsamen Märkten. Zum anderen am stärker werdenden Maß der gegenseitigen Durchdringung der Märkte durch Güterhandel, Kapitaltransfer und (nicht zuletzt) Arbeitskräfteaustausch. Das bedeutet Migration. Letzterer Aspekt soll im Folgenden näher erläutert werden.

Um einen Überblick über die verschiedenen Formen der Migration zu bekommen, werden diese in einem ersten Schritt dar- und ihre jeweiligen Besonderheiten herausgestellt. Hernach werden die zahlreichen, teilweise gegensätzlichen Auswirkungen der Migration einerseits auf die Zielländer und andererseits auf die Herkunftsländer untersucht.

Welche Rolle spielt die geschichtliche Entwicklung dabei? Woher kamen und kommen die Einwanderer? Wie werden sie integriert? Welche Konzepte in der Einwanderungs- und Asylpolitik wurden umgesetzt? Wie entwickelt sich das Migrationsvolumen und wovon hing diese Entwicklung ab? Welche Auswirkungen hat die Arbeitskräftewanderung auf die sozioökonomische Entwicklung der Herkunftsregionen oder Länder? Unter welchen Umständen und in welchem Umfang kommt es zu Rückwanderungen und was für Auswirkungen haben diese auf die Zielregion?

2. Wanderungsbewegung

2.1 Migration

Migration bedeutet den Wohnsitzwechsel eines Menschen, wird abgeleitet vom lateinischen Wort migratio das Wanderung bedeutet. Die Internationale oder Transnationale Migration meint den Wohnsitzwechsel mit Überschreitung der Ländergrenze und unter Binnenmigration versteht man den Wohnsitzwechsel innerhalb eines Landes.

Menschen in Bewegung: Seit tausenden von Jahren wandern Menschen von Ort zu Ort. Ob auf der Suche nach Nahrung und besseren Lebensbedingungen oder auf der Suche nach Arbeit, die meisten Menschen waren und sind nicht sesshaft. Seit es Nationen und Länder gibt, überschreiten Menschen auch Grenzen. Politische, Kulturelle und Wirtschaftliche.

Dabei ist unerheblich, ob die räumliche Bewegung freiwillig oder unfreiwillig erfolgt. In Bezug auf die (Un-) Freiwilligkeit muss erwähnt werden, dass die individuelle Migrationsentscheidung von einer Vielzahl zusammenhängender Ursachen und Zwänge kultureller, politischer, wirtschaftlicher, religiöser, demographischer, ökologischer, ethnischer und sozialer Art abhängt.

Für die Wanderungen gibt es mehrere Ursachen. Zum einen spielen die Ökonomischen Faktoren eine große Rolle. Die wirtschaftliche Situation einer Region ist ausschlaggebend. Man spricht hier von Push- und Pull-Faktoren, also von dem Zustand des „Auswanderungslandes“ und des „Einwanderungslandes“, die für die betroffenen Wirtschaftsflüchtlinge von großer Bedeutung sind. Zum Beispiel hat Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg sehr viele Gastarbeiter für den Wiederaufbau beschäftigt. Unter den Push-Faktoren (Druckfaktoren) fasst man alle Bedingungen des Herkunftsortes der Migranten zusammen, die diese zur unfreiwilligen Emigration zwingen. Emigrationszwänge bestehen beispielsweise dann, wenn sich Menschen durch politische oder religiöse Verfolgungen, wirtschaftliche Krisen, zwischenstaatliche Kriege, Bürgerkriege, Umwelt- und Naturkatastrophen in ihrer Existenz bedroht sehen. Die Pull-Faktoren (Anziehungsfaktoren) gehen vom Einwanderungsland aus und motivieren zur freiwilligen Immigration. Anziehend wirken beispielsweise politische Stabilität, demokratische Sozialstrukturen, religiöse Glaubensfreiheit, wirtschaftliche Prosperität[1] und vor allem bessere Ausbildungs- und Verdienstmöglichkeiten. Oft spielen auch familiäre Gründe eine Rolle, bei denen emotionale Sicherheit und soziale Einbindung im Einwanderungsland im Vordergrund stehen. Rationale, ökonomische Vorteile sind weniger wichtig als die Gemeinschaft mit Verwandten und Bekannten, denen nachgezogen wird. Dieses Phänomen ist unter dem Begriff der Kettenmigration bekannt und verringert durch Netzwerksysteme sämtliche Risiken, die mit der Aus- bzw. Einwanderung verbunden sind[2].

Des weiteren trägt oft die Flucht zu einem Wohnsitzwechsel bei. In der Genfer Flüchtlingskonvention vom 28. Juli 1951 wird die Fluchtmigration wie folgt definiert: Die räumliche Bewegung einer Person, die sich „aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz des Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will.“

Als Folge dieser Wanderungen aus verschiedenen Gründen kommen viele Menschen mit ihrem „kulturellen Gepäck“ in für sie fremde Gegenden und wollen oder müssen dort leben. Nicht immer können oder wollen sie sich anpassen oder integrieren, aber auch die Aufnahmegesellschaft zeigt sich nicht immer offen und stellt sich nicht ausreichend auf die Zuwanderung ein. Gleichzeitig nimmt diese die kulturellen Bereicherungen wie die fremdländischen Sportarten, die Musik oder internationales Essen gerne an.

Die Migrationsursachen in sieben Ursachenfelder untergliedert:

„1. Das vor allem im Süden starke Bevölkerungswachstum wird häufig als wichtigste Ursache angeführt, auch da es teilweise verheerende Auswirkungen auf die ökonomische Entwicklung der Länder hat[3].
2. Globale und regionale Entwicklungsgefälle, besonders zwischen Nord und Süd, sind ein anderer wichtiger Faktor. Diese haben sich in der letzten Zeit weiter vergrößert, was vor allem an der weltweiten Armutszunahme deutlich wird. Trotzdem sinkt die Bereitschaft des Nordens Entwicklungshilfegelder bereitzustellen. Hinzu kommen die äußerst negativen sozialen Auswirkungen der von der Weltbank betriebenen Strukturanpassungspolitik[4].
3. Unter anderem aus den ersten beiden Punkten resultiert ein extremer Arbeitsplatzmangel. Zusätzlich erzeugen Strukturveränderungen eine beträchtliche Landflucht, welche die Situation auf dem Arbeitsmarkt weiter verschärft, so dass in manchen Entwicklungsländern die Arbeitslosigkeit bei 40-50 % liegt. Die Migrationsursache liegt also im Normalfall in der Suche nach Arbeit überhaupt und nicht in der nach besseren Einkommensmöglichkeiten[5].
4. Die Globalisierung internationaler Beziehungen und vor allem die des Weltmarktes und der Produktion erzeugen Migration. Arbeitskräfte und besonders Spezialisten werden weltweit eingesetzt und wandern, soweit dieses möglich ist, zusammen mit den Arbeitsplätzen. Zusätzlich werben Konzerne oder Staaten häufig benötigte Facharbeitern gerade im Ausland an[6].
5. Genau wie die Produktion vernetzen und globalisieren sich auch Kommunikation und Transportwesen immer mehr. Reisen ist einfacher, schneller und vor allem billiger geworden. Überall auf der Welt sind durch die modernen Massenmedien Bilder westlichen Wohlstands allgegenwärtig und üben so einen nicht zu unterschätzenden Werbeeffekt aus[7].
6. Kriege, Bürgerkriege, Diktaturen und religiöse oder politische Unterdrückung führen häufig zu großen Flüchtlingsströmen. Die Ursachen dieser Konflikte liegen häufig noch in der Kolonialzeit, im Ost-West Konflikt, in der Rivalität um Ressourcen (Wasser) und in den Waffenexporten des Nordens[8].
7. Die immer weiter fortschreitende Umweltzerstörung wird vor allem in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen, denn sowohl im Norden als auch im Süden mangelt es an wirklichen Bemühungen die Ursachen zu beseitigen[9].

Wie schon in den einzelnen Punkten teilweise deutlich wurde, sind alle diese Ursachenfelder miteinander verknüpft. Migration ist darum im Normalfall nicht monokausal zu erklären, sondern beruht auf einer Mischung verschiedener Faktoren. Zusätzlich muss als Prognose für die Zukunft festgehalten werden, dass wahrscheinlich keiner dieser Punkte signifikant an Bedeutung verlieren wird. Eher das Gegenteil könnte der Fall sein[10].

Trotz aller Ursachenanalysen bestehen aber keine Migration-Automatismen, denn Menschen reagieren eben nicht gemäß mathematischer Gesetzte. So sind die Länder mit den höchsten Geburtenraten keineswegs die mit den höchsten Auswanderungsraten. Außerdem findet Migration sowohl zwischen Ländern mit jeweils hohem (Bangladesch-Indien), als auch zwischen Ländern mit jeweils niedrigem Bevölkerungswachstum (Osteuropa-Westeuropa) statt[11]. Auch allein durch Armut lassen sich Migrationsbewegungen nicht erklären. So hat die Türkei trotz eines höheren Lebensstandards eine doppelt so hohe Auswanderungsrate wie Bangladesch[12]. Migration ist eben nicht das Ergebnis einer malthusianischen Verelendungsformel, sondern hängt stark von politischen und wirtschaftlichen Faktoren ab. Außerdem ist die individuelle Komponente sehr wichtig, denn Menschen migrieren vor allem dann, wenn zwischen Herkunfts- und Zielland eine kulturelle und/oder geographische Nähe besteht. Wichtig sind hierbei vor allem persönliche und/oder religiöse Kontakte und die Aufenthaltsbedingungen im Zielland[13].“[14]

„Sie werden auf allen Wegen, mit allen Mitteln, unter allen Gefahren in endlosen Massen herandrängen - überallhin, wo es nur um ein geringeres besser zu sein scheint, als in ihrer Heimat [...]“ Martin Neuffer

2.2 Emigration

Emigration (von lat.: e hinaus, migrare wandern) oder „Auswanderung ist das freiwillige oder erzwungene Verlassen des Heimatlandes aus religiösen, politischen oder wirtschaftlichen Gründen“[15]. Die von der Emigration betroffenen Personen nennt man Emigranten oder Auswanderer.

Jede Emigration hat zwei Aspekte. Zum einen die Situation des abgebenden Landes. Es bedeutet einen Bevölkerungs- und Begabungsverlust, aber auch Entlastung bei knappen Ressourcen. Zum anderen die Situation für das aufnehmende Land. Oft gibt es Probleme bei der Akkulturation (vor allem beim Erlernen der Sprache) und der Integration, jedoch wird die Zuwanderung von Arbeitskräften, Fachwissen und kulturelle Vielfalt gern angenommen.

Zur Auswanderung führen bessere Arbeits- und Lebensbedingungen in einem anderen Land, politische Gründe, religiöse und sprachlich-kulturelle Hintergründe, Familienzusammenführung, auch eine persönliche Neigung zum aufnehmenden Land. Weitere Gründe sind Flucht wegen akuter Bedrohung durch Krieg, Bürgerkrieg, Hungersnot oder gezielter Vertreibung. Aber auch als angeworbener Siedler verlässt man sein Heimatland.

Menschen wandern seit es Menschen gibt. Nicht nur der Mangel an Arbeit, sondern auch aus Unzufriedenheit mit dem politischen Systemen bzw. die Angst vor politischer oder religiöser Verfolgung bewegt Menschen dazu, aus ihrem Heimatland wegzugehen.

„Von der Auswanderung zu unterscheiden ist die ethnische Säuberung, die eine erzwungene Massenwanderung darstellt und eine ungesetzliche Maßnahme eines oder mehrerer Staaten gegenüber ihren Bürgern darstellt.“[16]

,,Es gibt kein größeres Leid auf Erden als den Verlust der Heimat." Euripides, 431 v. Chr.

2.3 Immigration

Immigration oder Einwanderung ist die Einreise in ein fremdes Land. Es spielt keine Rolle ob der Aufenthalt nur vorrübergehend oder auf Dauer ist.

Oft ist die Einwanderung wirtschaftlich und politisch erwünscht, doch die Folgen sind häufig soziale Spannungen. „Diese sozialen Spannungen zeigen sich in klassischen Einwanderungsländern oft weniger stark als in Ländern mit starker nationaler Homogenität[17].“[18]

2.4 Die Geschichte der Wanderung

Ökonomisch motivierte Migrationsströme gibt es nicht erst seit der Neuzeit, vielmehr sind sie wohl so alt wie die Menschheit selber. Man betrachte nur nomadisierende Jäger und Sammler oder aber die Wanderung ganzer Stämme auf der Suche nach neuen und ergiebigeren Weidegebieten.

Die Geschichte der Migration beginnt lange vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, und sie geschah lange Zeit unfreiwillig, beispielsweise unter ökologischem Druck, der Entstehung und dem Zerfall von Reichen oder der Verschleppung von Sklaven.

„Einwanderung nach Europa - und insbesondere in die Mitgliedsstaaten der heutigen Europäischen Union - hat es schon zu allen Zeiten gegeben. Bereits römische Schriftsteller, z.B. Plinius der Ältere, Solinus, Ammianus Marcellinus und Pomponius Mela, berichteten von Einwanderern aus dem Osten nach Europa, die insbesondere über die Seidenstraße auf Handelswegen nach Europa kamen und sich niederließen.

Dschingis Khan, Oberherr der Mongolen von 1206 bis 1227, und seine Nachkommen stießen bis in die Champagne vor und hinterließen ebenfalls ihre Spuren“[19]. „Es gab germanische, griechische, indogermanische und slawische Völkerwanderungen“[20]. Wanderbewegungen hatten also damals wie heute oftmals wirtschaftliche oder politische Gründe: Weltreiche wurden geschaffen, Handelsbeziehungen ausgebaut, andere Reiche zerfielen und trieben die Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen.

Kriege und Verfolgungen waren - und sind - ebenfalls Ursachen für Einwanderung nach Europa gewesen. Die Glaubensspaltung im Europa des 16./17. Jahrhunderts, Kriege, etwa der Dreißigjährige Krieg (1618-1629), Erbfolgekriege, Revolutionen, Umstürze bis hin zu den beiden großen Weltkriegen entwurzelten Millionen von Menschen nicht nur in Europa und führten zu zahlreichen demographischen Verschiebungen sowie zu Aus- und Einwanderung.

Rund 5 Millionen Deutsche wanderten im 19. Jahrhundert vor allem in die USA aus, vorrangig aus ökonomischen Gründen. Aufgrund der zweiten großen Auswanderungswelle ab 1880 wurden für schwere und niedere Arbeiten in Landwirtschaft und Industrie vor allem in Polen und in der Donau-Region lebende Menschen nach Deutschland geholt. Bis zum ersten Weltkrieg waren es rund 1,2 Millionen. Durch den Nationalsozialismus stieg die Zahl auf ca. 10 Millionen ( Zwangsarbeiter für Rüstung und Industrie ).

Nach Ende des zweiten Weltkrieges kam es zu mehreren Zuwanderungswellen, die unterschiedliche Ursachen hatten (mehrere Millionen Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus dem Osten, welche die deutsche Volkszugehörigkeit besaßen; Millionen „Gastarbeiter“ ab Mitte der 50er Jahre bis 1973; Flüchtlinge aus der ehemaligen DDR die bis zum Mauerbau 1961 kamen; Flüchtlinge vor allem aus osteuropäischen Ländern und der damaligen Sowjetunion).

Nach Ende des zweiten Weltkrieges und der Unterzeichnung der römischen Verträge 1958, erreichte mit dem Zerfall der Sowjetunion und dem Ausbruch kriegerischer Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien die Zuwanderung in den 90er Jahren ihren derzeitigen Höhepunkt seit Bestehen der Europäischen Union. In jenen Jahren, von 1990 bis 1998, gab es in der gesamten Europäischen Union eine Zuwanderung von über einer Millionen Menschen. Auf 1000 Staatsbürger der Union kamen 2,2 Zuwanderer. Zum gleichen Zeitraum gab es auf 1000 US-Bürger drei und in Japan so gut wie keine Zuwanderer. In der Europäischen Union gibt es zudem 60 % mehr illegale Einwanderer als in den Vereinigten Staaten und nach einem Abflauen der Zuwanderungsraten haben diese in den letzten Jahren europaweit wieder zugenommen[21].

[...]


[1] Prosperität: Aufschwung, Beschäftigungslage

[2] vgl. PRIES 2001: 34 - 41

[3] OPITZ 1994: 56 - 72, WALDRAUCH 1995: 35 zitiert nach THIEDE 2001: 6

[4] OPITZ 1994: 54 - 55, NUSCHELER 1995: 37 - 42 zitiert nach THIEDE 2001: 6

[5] NUSCHELER 1995: 34-36, WALDRAUCH 1995: 35 zitiert nach THIEDE 2001: 6

[6] NUSCHELER 1995: 38, HÖDL 2000: 18 zitiert nach THIEDE 2001: 6

[7] NUSCHELER 1995: 38 zitiert nach THIEDE 2001: 6

[8] NUSCHELER 1995: 39-41, OPITZ 1994: 53f zitiert nach THIEDE 2001: 6

[9] OPITZ 1994: 56 - 58 zitiert nach THIEDE 2001: 6

[10] OPITZ 1994: 57 zitiert nach THIEDE 2001: 6

[11] RHEIMS 1997: 105 zitiert nach THIEDE 2001: 7

[12] PARNREITER 2000: 25 zitiert nach THIEDE 2001: 7

[13] NUSCHELER 1995: 35 – 42 zitiert nach THIEDE 2001: 7

[14] THIEDE 2001: 6 - 7

[15] http://www.cncforen.de/archive/index.php/t-59685.html

[16] Auszug aus http://de.wikipedia.org/wiki/Emigration

[17] Homogenität: Einheitlichkeit, Gleichheit, Übereinstimmung

[18] Auszug aus http://www.e-paranoids.com

[19] GOLZIO 1985: 60 - 72

[20] KINDER/HILGEMANN 2002: 34 - 54

[21] http://www.frdb.org/english/news/european_conferences.htm 2006.

Details

Seiten
11
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656521808
ISBN (Buch)
9783656531128
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263264
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,7
Schlagworte
normalarbeitsverhältnis rechtliche fiktion realverhältnis basierend text krise normalarbeitsverhältnisses ulrich mückenberger

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Titel: Das Normalarbeitsverhältnis