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Kommunikationsstörungen wahrnehmen und Konflikte lösen

Planung einer Unterrichtseinheit im Fach Deutsch für die berufsbildende Schule

Seminararbeit 2013 23 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Darstellung der Unterrichtseinheit
2.1 Lernbedingungsanalyse
2.2 Lernziele der Gesamteinheit
2.3 Sachanalyse
2.4 Didaktische Analyse
2.5 Tabellarische Übersicht der Gesamteinheit
2.6 Ausarbeitung einer Stunde

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Man kann nicht nicht kommunizieren [1]

In der heutigen betrieblichen Arbeitsorganisation und aufgrund der hohen Kundenorientiertheit im Produktions- und Dienstleistungssektor wird die Kommunikationsfähigkeit als eine signifikante Eigenschaft des beruflichen Erfolges verstanden. Der Lernbereich II „Sprache und Kommunikation“ unterstützt dabei Berufsschüler und -schülerinnen[2], „durch die Förderung der kommunikativen Kompetenz und der Sprachkompetenz […], die erforderliche Handlungskompetenz zu entwickeln und somit auch berufliche Handlungssituationen zu bewältigen“[3]. Im Rahmenlehrplan des Ausbildungsberufes zum Kaufmann / zur Kauffrau im Einzelhandel wird im 1. Lehrjahr im Lernfeld 10 „besondere Verkaufssituationen bewältigen“ das angemessene Verhalten gegenüber Kunden in unterschiedlichen Situationen thematisiert. Dies umfasst unter anderem die Anwendung von zielgerichteten Ausdrucksmöglichkeiten und angemessenes Konfliktlösungsverhalten.[4] Das Fach „Sprache und Kommunikation“ kooperiert mit diesem berufsbezogenen Lernfeld optimal und hat eine unterstützende Wirkung, da Gespräche aufnehmen und Kommunikation gestalten ein Kompetenzbereich dieses Faches ist.

Die Planung einer Unterrichtseinheit bildet nun die Modulabschlussprüfung des Seminars „ Einführung in die Fachdidaktik Deutsch“. Als Thema dieser Seminararbeit habe ich mich im Bereich Kommunikation für das Modul 6 „Kommunikationsstörungen wahrnehmen und Konflikte lösen“ entschieden, da es sowohl für die Berufs- als auch für die Alltagswelt essentiell ist, die Schüler für den Wirkungsbereich der zwischenmenschlichen Kommunikation und deren Folgen zu sensibilisieren. Des Weiteren ist eine gut ausgebildete Sprachkompetenz eine unabdingbare Fähigkeit, die in nahezu jedem Ausbildungsberuf gefordert wird, um angemessen und erfolgreich Konflikte lösen zu können.

2 Darstellung der Unterrichtseinheit

Für die Planung einer Unterrichtseinheit ist eine vorherige Analyse der Lernbedingungen unabdingbar. Dies beinhaltet die Beschreibung der Lerngruppe und die Klärung der Lernvoraussetzungen, der räumlich-sozialen Umgebung sowie die möglichen Schülerinteressen.[5] Darauf erfolgt eine Darstellung der konkreten Lernziele der gesamten Unterrichtseinheit „Kommunikationsstörungen wahrnehmen und Konflikte lösen“, die aus dem Bildungsplan folgerichtig abgeleitet werden. Der nächste Schritt ist eine fachwissenschaftliche Auseinandersetzung des Inhaltes der Unterrichtseinheit in Form einer Sachanalyse sowie eine didaktische Analyse nach Klafki[6]. Die Anfertigung einer tabellarischen Übersicht der Gesamteinheit bildet den Zwischenschritt für die darauf folgende detaillierte Ausarbeitung einer konkreten Unterrichtsstunde, welche den Abschluss dieser Seminararbeit markiert.

2.1 Lernbedingungsanalyse

Die geplante Unterrichtseinheit wird in einer Berufsschulklasse für Einzelhandelskaufleute, die sich im ersten Ausbildungsjahr befinden, durchgeführt. Die Klasse besteht aus 20 Schülern, davon 11 Mädchen und 9 Jungen im Alter von 16 bis 18 Jahren. Die Mindestvoraussetzung für diesen Ausbildungsberuf ist ein Hauptschulabschluss[7], wobei 5 Schüler diesen besitzen und die restlichen 15 Schüler einen Realschulabschluss erworben haben.

Das Fach „Sprache und Kommunikation“ gehört zum Lernbereich II und wird in einer Doppelstunde (90 Minuten) pro Woche abgedeckt. Zur Auswahl stehen hierbei insgesamt 24 Module, wobei das Modul 6 „Kommunikationsstörungen wahrnehmen und Konflikte lösen“ insbesondere für kaufmännisch-verwaltende Berufe empfohlen wird und 8-12 Unterrichtsstunden umfasst.[8] Da der zeitliche Rahmen für dieses Fach begrenzt ist (80 Unterrichtsstunden), wird dieses Modul nur in der Mindeststundenzahl unterrichtet.

Der Migrationsanteil in der Klasse ist gering, da nur drei Schüler zweisprachig aufgewachsen sind. Hinsichtlich der Kenntnisse und Fähigkeiten in Wort und Schrift weisen diese nur unwesentliche Unterschiede im Vergleich zu ihren übrigen Klassenkameraden auf. Der soziale Zusammenhalt in der Klasse ist durchgehend positiv. Die Schüler sind sehr aufgeweckt, was aber auch schnell in Unruhe umschlagen kann, da sich einige Schüler schnell vom Unterrichtsgeschehen ablenken lassen. Bezüglich der Konzentrationsfähigkeit ist die Klasse sehr heterogen, weshalb es sinnvoll ist, die Interaktionsformen öfter zu wechseln, um das Interesse der Schüler am Unterrichtsinhalt zu wecken und zu halten. Über die Hälfte der Schüler beteiligen sich rege und selbstständig am Unterrichtsgeschehen. Die Beteiligung der restlichen Schüler erfolgt ausschließlich nach Aufforderung. Dabei ist auffällig, dass einige sehr gute Beiträge liefern und fast immer die richtige Antwort wissen. Leider fehlt es diesen Schülern noch an Selbstvertrauen, um unaufgefordert und aktiv mitzuarbeiten.

Der Klassenraum ist großzügig geschnitten, weshalb die Tische problemlos, je nach erforderlicher Situation, umgestellt werden können. Momentan sind die Tische traditionell zum Lehrertisch ausgerichtet, sodass alle Schüler nach vorne schauen. Neben einer Tafel, einem Overhead-Projektor und einer Metaplanwand ist der Klassenraum zusätzlich mit einem Beamer ausgestattet.

Zu Beginn des ersten Ausbildungsjahres wurde im Kompetenzbereich Gespräche aufnehmen und Kommunikation gestalten im Fach „Sprache und Kommunikation“ das Fundament gebildet. Dies beinhaltet das Kennenlernen der Bedingungsfelder der Kommunikation sowie verschiedene Kommunikationsmodelle und der Einfluss nonverbaler und paraverbaler Sprache auf eine Gesprächssituation. In der vorangegangenen Unterrichtseinheit haben die Schüler bereits das Modul „Gespräche führen“ behandelt und hierbei verschiedene Methoden, Techniken und Regeln kennengelernt, die ein effektives Gespräch ermöglichen. Die Grundlage dieses Moduls bildete das „Vier-Ohren-Modell“ nach Schulz von Thun. Des Weiteren haben die Schüler gelernt, fremde Gesprächsverläufe zu reflektieren und kennen die Qualitäten einer kundenorientieren Kommunikation.[9]

2.2 Lernziele der Gesamteinheit

Ein weiterer wichtiger Bestandteil im Rahmen der Unterrichtsplanung ist die präskriptive Darstellung der Lernziele, die in der Gesamteinheit erreicht werden sollen.

Ein wichtiges Lernziel ist, dass die Schüler die Ursachen von Kommunikationsstörungen kennen, richtig einschätzen sowie mit ihnen umzugehen lernen. Zudem sollen sie innerhalb einer gestörten Kommunikation die jeweiligen Störungen identifizieren und erläutern können. Ein weiteres Richtziel ist, dass die Schüler im Laufe der Unterrichtseinheit nachhaltig ihre Kenntnisse und Fertigkeiten der Gesprächsführung verbessern. Dies soll durch das Üben, angepasst mit konfliktbeladenden oder unfairen Situationen umzugehen, erreicht werden. Hierzu gehört auch, dass die Schüler die unterschiedlichen Wirkungen von Ich- und Du-Botschaften verstehe n und begründen sowie die Bedeutsamkeit des aktiven Zuhörens in einem Gespräch erkennen und dies auch in kommunikativen Situationen anwenden.

Weitere Lernziele sind die Fähigkeit der Schüler, das eigene Konfliktverhalten zu reflektieren und Methoden der Konfliktlösung zu beurteilen und anzuwenden. Ferner erkennen die Schüler, dass sie für Gesprächsausgänge verantwortlich sind. Darüber hinaus lernen sie neue Kommunikationstechniken kennen und überprüfen diese in Rollenspielen. Die Schüler wissen mit schwierigen Kunden und problematischen Situationen umzugehen.

Neben den eben aufgeführten Lernzielen ist auch zusätzlich die Förderung und/oder Entwicklung anderer Kompetenzen essentiell. Dies betrifft vor allem die Sozial- und Personalkompetenz im Rahmen der bewussten Selbstwahrnehmung, der Empathie- und die Konfliktfähigkeit.

2.3 Sachanalyse

„Kommunikationsstörungen“ ist ein sehr großer Themenkomplex, der im Bildungsplan auf drei Module aufgeteilt ist. Das erste Modul „Kommunikationsstörungen wahrnehmen und Konflikte lösen“ sensibilisiert die Schüler für die Thematik und liefert bereits Lösungsvorschläge für Konflikte. Falls eine Vertiefung seitens der Schüler gefordert wird und es der begrenzte zeitliche Rahmen des Unterrichtsfaches zulässt, können die Lerninhalte im Rahmen der Module „In schwierigen Situationen kommunizieren“ oder „In Konflikten kommunizieren“ weiter ausgearbeitet werden.

Die Ursachen von Kommunikationsstörungen sind sehr vielfältig, wie z.B. die Absichten des Senders werden vom Empfänger nicht richtig erkannt oder Informationen wurden unvollständig weitergegeben.[10] Auch durch unterschiedliche Sprachebenen entstehen Probleme, weil die Gesprächspartner z.B. verschiedene Fachsprachen verwenden oder einer mit unvertrautem Dialekt spricht.[11] Eine weitere entscheidende Ursache basiert auf dem „Vier-Ohren-Modell“ nach Schulz von Thun[12] : Der Empfänger nimmt die Nachricht mit einem anderen Ohr auf als vom Sender beabsichtigt. Dementsprechend wird die Nachricht dann überwiegend mit dem Sach-, Beziehungs-, Selbstoffenbarungs- oder Appellohr aufgenommen, woraus folglich ein Konflikt entsteht.[13]

[...]


[1] Watzlawick, Paul, Beavin, Janet H., Jackson, Don D. (2011): Menschliche Kommunikation. Formen Störungen Paradoxien. 12. Aufl., Bern, Verlag Hans Huber, S. 60

[2] Im Folgenden wird anstatt der männlichen und weiblichen Form nur die männliche Form verwendet. Das andere Geschlecht ist mit eingeschlossen.

[3] KMK Rahmenlehrplan für Sprache und Kommunikation für Berufsschulen (2004), S. 5

[4] vgl. KMK Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Kaufmann im Einzelhandel / Kauffrau im Einzelhandel (2004), S. 18

[5] vgl. Jank, Werner, Meyer, Hilbert (2009): Didaktische Modelle. Berlin, Cornelsen Verlag, S. 344

[6] vgl. Jank, Werner, Meyer, Hilbert (2009), S. 205

[7] vgl. KMK Rahmenlehrplan für den Ausbildungsberuf Kaufmann im Einzelhandel / Kauffrau im Einzelhandel (2004), S. 2

[8] vgl. KMK Rahmenlehrplan für Sprache und Kommunikation für Berufsschulen (2004), S. 21

[9] vgl. KMK Rahmenlehrplan für Sprache und Kommunikation für Berufsschulen (2004), S. 22-23

[10] vgl. Kommunikationsstörungen, S. 256

[11] vgl. Hufnagl, Gerhard, Spengel Franz K. (2005): Sprachsituationen. Deutsch / Kommunikation für berufliche Schulen. Troisdorf, Bildungsverlag Eins, S. 1

[12] In kaufmännischen Ausbildungen wird nur das „Vier-Ohren-Modell“ gelehrt. Das Modell nach Watzlawick wird zusätzlich in sozialpädagogischen Ausbildungsberufen unterrichtet.

[13] vgl. Kommunikationsstörungen, S. 257

Details

Seiten
23
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656523604
ISBN (Buch)
9783656527909
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263474
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Erziehungswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
kommunikationsstörungen konflikte planung unterrichtseinheit fach deutsch schule

Autor

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