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Die ökonomische Globalisierung und ihre weltweiten gesellschaftlichen Degradationen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 28 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2. Zum Begriff der Globalisierung

3. Worauf baut die ökonomische Globalisierung geschichtlich auf?

4. Die Eckdaten der ökonomischen Globalisierung

5. Finanzspekulationen

6. IWF, Weltbank und WTO

7. Strukturanpassungskredite

8. Die ökonomische Globalisierung gelangt im Zeitalter der ökologischen Welt­krise an ihre Grenzen

9. Die Fakten der ökologischen Degradation

10. Globalisierung versus Ökologisierung

11. Kurze Aussicht

Literatur

1. Einleitung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die wichtigsten weltgesellschaftlichen Prozesse der ökonomischen Globalisierung zu lokalisieren. Diese werden versucht zu definieren. Dabei wird das besondere Augenmerk auf die Konfliktzonen der gesellschaftlichen Degradationen gelegt, die im Zuge der globalisierten Ökonomie Einzug gehalten haben. Die sozialen Schattenseiten der Globalisierung werden thematisiert. Auch die langfristigen sozialen Verwerfungen, die als Verlust ökologischer Stabilität auftreten, sollen angesprochen werden.

Die verschiedenen Elemente der ökonomischen internationalen Handels- und Marktprozesse sind der Ausgangspunkt der Untersuchung, um an ihrer Konfiguration aufzeigen zu können, wie sie soziale Verwerfungen begünstigen oder auch erst hervorrufen. Besonders betrachtet soll die Funktionsweise des globalen Finanzmarktes werden. Eingeschlossen in die Untersuchung wird auch die Arbeitsweise der wirtschaftspolitisch gesetzten Institutionen Weltbank und Internationaler Währungsfond.

Für die ökologische Dimension wird es notwendig sein, die Tragweite dieser Problematik selbst zu erläutern. Gerade der jüngste globale Umweltgipfel in Johannesburg zeigte in seinem weitgehenden Scheitern sehr offenkundig: In der Regel werden ökologische Veränderungen noch als kosmetische Verbesserungen an der bestehenden wachstumsorientierten Wirtschaftweise begriffen. Die Arbeit wird aufzeigen, daß eine solche Definition nicht mehr zulässig sein kann und dies für den Prozeß der ökonomischen Globalisierung bedeutet: Er mag derzeit politikfähig sein, zukunftsfähig ist er nicht.

Für die Arbeit wurde weitgehend auf aktuelle Literatur zur Globalisierung zurückgegriffen. Angesichts der Fülle an Publikationen konnte dies nur eine Auswahl sein.

2. Zum Begriff der Globalisierung

Der Begriff „Globalisierung“ scheint dem uneingeweihten Betrachter zunächst auf eine geographisch-räumliche Kategorie hinzudeuten. Seit dem Systemwechsel in den Ostblockstaaten um 1990 ist der Terminus immer häufiger verwendet worden. In der interessierten Öffentlichkeit und im Wissenschaftsbetrieb wird er inzwischen geradezu inflationär und in unterschiedlichsten Zusammenhängen gebraucht. Er ist schwer auf einen eindeu­tigen Inhalt hin zu fixieren. Es werden unterschiedliche Schwerpunkte im Verständnis gesetzt.

Während einige durch die Globalisierung die „Idiotie“ des Landlebens aufgehoben sehen möchten und auf die Kommunikationsvorteile weltweiter Internetvernetzung abheben, betonen andere die ökonomischen Standortvorteile, die sich aus Kostensenkungen, niedrigeren Löhnen und höheren flexibilisierten Arbeitszeiten ergeben. Der Terminus wird mit den ausufernden Finanzströmen auf den Kapitalmärkten in Verbindung gebracht, mit Institutionen wie dem Internationalen Währungsfond (IWF), der Weltbank und der Welthandelsorganisation (WTO). Themenfelder wie international organisierte Kriminalität, Migration, globale Umweltfragen und Krieg spielen in die Globalisierungsdebatte hinein.

Was Globalisierung darstellt ist ebenso komplex wie strittig. Die Ausbreitung des liberal-kapitalistischen Wirtschaftssystems auf immer größere Teile der Staatengemeinschaft und das weltweite Auftreten gesellschaftlicher Akteure im internationalen System ist jedoch offenkundig.[1]

Die Struktur des Finanzmarktes seit Mitte der siebziger Jahre zusammen mit der wirtschaftlichen Deregulierung führte dazu, daß nationalstaatliche Grenzen immer unwichtiger wurden. In der sich herausbildenden Geoökonomie spielt statt der Gegensätze zwischen Nationalstaaten die Konkurrenz großer international operierender Konzerne eine immer größere Rolle.[2] Die Zivilgesellschaft verliert unter den Zwängen globalisierter Ökonomie ihre Eigenständigkeit gegenüber den Marktanforderungen. Es gilt absolut dominant das Effizienzkriterium ohne Rücksicht auf zivilgesellschaftliche Entwicklungsprozesse.[3] Soziale Solidarität wird national wie international unterlaufen.[4]

Die Globalisierung käme weniger in den grenzüberschreitenden Waren- und Kapitalströmen zum Ausdruck, betonen Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf. Wichtiger sei, die Parameter für wirtschaftliches Handeln bilden sich an allen Orten der Welt auf den globalen Märkten heraus. Die Globalisierung wird als gesellschaftliches Verhältnis beschrieben, das in ökonomischen, technischen, kulturellen Prozessen strukturierend wirkt. Für lokale Entscheidungen werden globalisierte Standards zur Richtschnur.[5]

Durch die Globalisierung fällt die Integration von Ökonomie, Regierungsform und Kultur innerhalb eines Territoriums auseinander und macht die Staaten zu gewöhnlichen Akteuren inmitten transnationaler Akteure des in vielen Lebensbereichen erfolgenden Austausches.[6] Regulationsmöglichkeiten werden auf der nationalstaatlichen, regionalen und lokalen Ebene eingeschränkt. Diese werden jedoch auf der globalen Ebene nicht durch regulierende Institutionen ersetzt. Im Zuge der Globalisierung öffnet man bislang geschützte Räume und integriert sie ins ökonomische Weltsystem in einem Prozeß politischer Deregulierung.[7]

3. Worauf baut die ökonomische Globalisierung geschichtlich auf?

Waren nicht schon Kolonialzüge der Spanier und Portugiesen, später dann Englands und Frankreichs u.a. europäischer Nationen ein erster Anlauf zu „globalisiertem“ Machtzugriff? Europa drückte fast allen Weltgegenden seinen eigenen Stempel auf, in aller Regel mit verheerenden Auswirkungen für die einheimische Bevölkerung. In der ganzen Kolonialgeschichte hinterließ Europa eine Spur von Plünderung, Zerstörung und ausbeuterischem Zugriff auf Ressourcen. Allein Afrika dürfte diese Art von kolonialer „Fürsorge“ im Laufe der Jahrhunderte mindestens 100 Millionen Menschenleben gekostet haben.[8]

Mit der Kolonisierung Amerikas, Afrikas und Teilen Asiens durch die europäischen Mächte begann ein weltweiter reger Handel mit Fertigwaren und Rohstoffen. Exportiert wurde auch bereits Kapital, um in Bergwerke und Plantagen z.B. zu investieren. Ausbeutung und Sklavenarbeit sicherten billige Arbeitskraft und sorgten für hohe Gewinne.[9]

Gerd v. Paczensky schreibt, die Sklavenwirtschaft wurde zu einem Motor des Dreieckshandels. Dabei gingen Sklaven von Afrika nach Amerika, nach Europa gelangten Zucker, Kaffee, Tabak, Rum, Baumwolle u.a.. Alkohol, Waffen und Tand gingen nach Afrika. Europa konnte auf diese Weise eine ungeheure Zunahme seines Wohlstandes erreichen. Paczensky führt aus, ohne diese Gewinne wäre der Start zur industriellen Revolution und der Ausbau der westlichen Überlegenheit über die anderen Kontinente nicht so schwungvoll, vielleicht überhaupt nicht möglich gewesen.[10]

Freilich spielt hier mit Sicherheit die technische Überlegenheit Europas hinein und die Frage, worauf diese beruht, denn Europa war in diesem Punkte lange Zeit anderen Weltgegenden unterlegen. Das Prinzip der kapitalistischen Produktionsweise, die sich mitten in der Feudalstruktur entwickelte, trug entscheidend dazu bei, Europas industriellen Aufstieg zu konstituieren, etwa im Gegensatz zu China und anderen Ländern, wo die gesellschaftlichen Feudalstrukturen nicht aufgebrochen werden konnten. Der Drang der Wirtschaft nach verbesserter Effizienz bei der Geld- und Kapitalakkumulation dürfte auch für die heutige Globalisierung eine zentrale Ursache sein. Ohne diese Triebkräfte in der Produktionsweise würde sie kaum zu der heutigen Ausprägung gekommen sein. Rudolf Bahro weist zurecht darauf hin, daß man dazu aber auch die gesamten Kulturmuster mit in den Blick nehmen muß. Neben der Kapitaldynamik ist auch die europäische Kosmologie, als Ausprägung herrschaftlichen Initiativgeistes in den Blick zu nehmen wie auch die männliche Art des Projektemachens, also die patriarchalen Strukturen.[11] Diese kulturell-ökonomische Tiefenideologie bildet auch bei der heutigen Globalisierung in modifizierter Form die Grundstruktur des zivilisatorischen Prozesses.

In jedem Fall baut die moderne Globalisierung der Ökonomie auf ältere Schichten internationaler wirtschaftlicher Beziehungen auf, hat diese zur Voraussetzung. Spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte von einem etablierten Weltmarkt gesprochen werden. Immer mehr Güter wurden international gehandelt. Viele technische Neuerungen beschleunigten den Transport von Waren und den Austausch von Informationen. Dank arbeitsteiliger Organisation der Produktion und der Fließbandarbeit stieg nach dem ersten Weltkrieg die industrielle Produktion und mit ihr der internationale Handel immer mehr an. Wie sehr schon damals die Weltwirtschaft und mit ihr die internationalen Kapitalmärkte verflochten waren, wird augenscheinlich in der Weltwirtschaftkrise von 1929. Der Einbruch der Aktienkurse in New York und die daraus innerhalb weniger Stunden resultierenden Panikverkäufe, Banken- und Firmenpleiten rissen nicht nur die amerikanische, sondern auch die europäischen Volkswirt­schaften in den Abgrund.[12]

In der Periode von 1950 bis 1986 wuchs der Welthandel fast fünf mal so schnell als in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Die Wachstumsraten des Welthandels sind im Durchschnitt der Jahre 1950-1986 um 70 Prozent höher als die Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts der Industrieländer.[13]

4. Die Eckdaten der ökonomischen Globalisierung

Mitte der Siebziger Jahre gab man das Bretton-Woods-System der fixierten Wechselkurse auf und ersetzte es durch bewegliche, vom Markt bestimmte Kurse. Mit diesem Schritt wurde eine erst langsamere, später schnellere Entwicklung hin zu transnationalen Ökonomien eröffnet, die über die bis dato übliche Konstellation von internationalen Rohstoff- und Absatzmärkten hinausging. Geldkapital floß leichter über Ländergrenzen hinweg, seit im Verlauf der letzten 20 Jahre Kapitalverkehrskontrollen in den USA und Deutschland, Mitte der Achtziger Jahre in Japan und zuletzt in den südlichen Ländern abgebaut wurden.[14]

Weltweit legte der grenzüberschreitende Güteraustausch zwischen 1980 und 1996 jährlich im Schnitt um 4,7 Prozent zu. Deutlich stärker stiegen die Auslandsinvestitionen an: ganze 8,8 Prozent. Internationale Bankkredite nahmen jährlich um 10 Prozent und der Währungs- und Aktienhandel sogar um 25 Prozent zu.[15] Seit Anfang der 80er Jahre verdoppelte sich die Weltproduktion, Exporte stiegen um das Dreifache, die Direktinvestitionen um das Siebenfache.[16] Mengenmäßig spielt sich zwar nach wie vor der größte Kapitalverkehr zwischen den USA, Europa und Japan ab, doch bei privatem Kapitaltransfer nimmt Ostasien und Südamerika eine deutlich zunehmende Rolle ein.[17] In den 90er Jahren konzentrierten sich vier Fünftel des Welthandels, der Direktinvestitionen oder Finanztransfers zwischen Westeuropa, Nordamerika und Ostasien (vor allem Japan). Die Europäische Union verfügt über einen Anteil des Intra-Blockhandels am Außenhandel der Mitgliedsländer von an die 70 Prozent. 45 Prozent der Weltexporte vereint sie auf sich und ist damit der bedeutendste Wirtschaftsblock. Der Handel mit Finanzdienstleistungen entfällt zu 90 Prozent auf einige wenige Industrieländer.[18]

Die zunehmende globale wirtschaftliche Verflechtung entsteht nicht völlig selbständig durch die Logik von marktwirtschaftlicher Eigendynamik. Dieser Prozeß wurde durch die Politik der Industriestaaten zielgerichtet herbeigeführt. Regierungen erließen Gesetze und schlossen Verträge, Parlamente faßten Beschlüsse, um eine Barriere nach der anderen für den grenzüberschreitenden Verkehr von Kapital und Waren zu entfernen.[19] Von der Freigabe des Devisenhandels über den europäischen Binnenmarkt bis zur fortwährenden Ausdehnung des Welthandelsabkommens GATT führten die Regierungen der Industriestaaten systematisch jenen Zustand ökonomischer Globalisierung herbei, dessen Auswirkungen die soziale Stabilität in vielen Regionen der Welt gefährden und die ökologische Zerstörung unserer Biosphäre beschleunigen.

Dieser Prozeß führte zu einem Macht- und Gestaltungsvorsprung für die Wirtschaft. Viele Entscheidungen in den Nationalstaaten, besonders in der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik, werden bestimmt durch die Erfordernisse der globalisierten Kapital- und Handelsströme. Die Politik verlor das Primat gegenüber der Ökonomie, gleichwohl ihre Schwäche gegenüber der Ökonomie zur Logik von kapitaldominierten Marktwirtschaften gehört und nur eine zusätzliche, wenn auch drastische Schwächung konstatiert werden kann. Die Handlungsautonomie einer Regierung ist jedoch größer, wenn sie stärker auf die internationale Ordnungspolitik Einfluß nehmen kann. Die wachsende Komplexität der globalen Handlungsfelder führt jedoch zu einer Überforderung der traditionellen Akteure in Politik, Verwaltung und Wirtschaft.[20]

Die Staaten sind angesichts der überbordenden Finanztransaktionen an den Märkten immer mehr im Zugzwang. Sie müssen die besten ökonomischen Standorte bieten, um im Kampf für die eigene ökonomische Stabilität nicht den Kürzeren zu ziehen. Freilich sind Wachstumsgesellschaften dieser Art langfristig angesichts der ökologischen Grenzen des Wachstums kaum aufrecht zu erhalten. Dies wird zumeist vergessen.

Die Regierungen sind immer abhängiger vom Wohlwollen der Anleger geworden. Sie müssen sich um diese privilegierte Minderheit kümmern. Wer den Besitzern von Geldvermögen nicht optimale finanzpolitische Rahmenbedingungen schafft, hat als Regierung das Nachsehen. Und die Bedingungen sind immer die gleichen: niedrige Inflation, stabiler Außenwert der Währung und möglichst geringe Besteuerung der eigenen Zinseinkünfte. Übersetzt in politisches Handeln heißt das für die Staaten, so legen Hans-Peter Martin und Harald Schumann dar, es wird ein Wettlauf um niedrigere Steuern, sinkende Staatsausgaben und ein Verzicht um soziale Ausgleiche entfacht im globalen Maßstab. Das Resultat ist eine Umverteilung von unten nach oben, die Reichen werden reicher, die Armen ärmer.[21]

So tritt in vielen Gesellschaften ein Riß auf zwischen der global ausgerichteten Mittelschicht einerseits und in den Begriffen des Weltmarktes überflüssigen Bevölkerungen andererseits. Der tendenziellen Aufhebung der Grenzen zwischen den Nationalstaaten steht die Errichtung neuer Schranken innerhalb der Nationen gegenüber.[22]

Das globale Sozialgefälle verschärfte sich in den letzten 30 Jahren drastisch. Der Reichtum der „oberen“ 20 Prozent gegenüber den „unteren“ 20 Prozent der Weltbevölkerung stieg vom Dreißigfachen auf das Siebzigfache. Dieses immer stärkere Auseinanderklaffen von reichen und armen Schichten der Bevölkerung weltweit führt Hermann Scheer maßgeblich auf die Deregulierung der Weltwirtschaft zurück und den daraus resultierenden mangelnden Schutz der jeweils nationalen Ökonomien.[23] Dieser Prozeß stärkte die Macht der transnationalen Konzerne. Die 475 Milliardäre auf der Erde besitzen genausoviel Reichtum wie 50 Prozent der Menschheit in einem Jahr verdienen.[24] 1,2 Milliarden Menschen müssen mit weniger als einem Dollar auskommen pro Tag und weitere 2,8 Milliarden Menschen mit weniger als 2 Dollar pro Tag.[25] Im Jahr 2000 starben 52 Millionen Menschen an den unmittelbaren Folgen wirtschaftlicher und sozialer Unterentwicklung, also Faktoren wie Nahrungs- und Trinkwassermangel sowie fehlende medizinische Grundversorgung.[26]

Auch in den reichen Staaten gab es im Zuge der Globalisierung Einschnitte in den Sozialhaushalten, so Jürgen Habermas. Verminderte Steuereinnahmen im Kontext der Deregulierung wirtschaftlicher Prozesse führten zu diesem Ergebnis. Die USA und England sind darin Vorreiter. Belegen läßt sich für die reichen Industrieländer seit Mitte der siebziger Jahre ein Rückgang der Sozialhaushalte und eine Verschärfung der Zugangsbedingungen zu den Versicherungsleistungen.[27] Selbstverständlich spielt aber auch die Belastung durch die höhere Lebenserwartung der Menschen in den reichen Ländern eine Rolle bei vermehrten sozialen Lasten, die zu tragen sind, hier konkret im Renten - und Gesundheitsbereich.

Barrieren für die ökonomische Globalisierung fielen auch durch die Implosion der östlichen Systeme zwischen 1989 und 1992. Das westliche Systemmodell konnte sich sehr weitgehend durchsetzen, allerdings großenteils nur in sehr defizienter Form mit mafiosen Strukturen, insbesondere in der ehemaligen Sowjetunion. Von großen Bevölkerungsmehrheiten wurde angenommen, eine soziale Marktwirtschaft wäre das optimale Modell für Wohlstandsmehrung. Dies hat sich inzwischen für die meisten dieser Staaten als folgenschwerer Irrtum herausgestellt. Durch den Wegfall des „Systemwettbewerbs“ muß der heutige Kapitalismus nicht mehr seine ökonomische und soziale Überlegenheit unter Beweis stellen. Standortwettbewerb ist an die Stelle von Systemwettbewerb getreten. In Zeiten ökonomischer Globalisierung sinkt der wirtschaftliche Wert von Sozialpolitik.[28] Auch in den kapitalistischen Metropolenländern ist eine zunehmende Erosion sozialer und demokratischer Stützpfeiler festzustellen. Bei fortdauernder Systemkonkurrenz würden diese Errungenschaften kaum so schnell aufgegeben worden sein.

[...]


[1] Ernst-Otto Czempiel; Weltpolitik im Umbruch. Die Pax Americana, der Terrorismus und die Zukunft der internationalen Beziehungen, München, 2002, S.20

[2] Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf; Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft, Münster, 1999, S.67

[3] Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf; Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft, Münster, 1999, S.81

[4] Wolfgang Sachs; Nach uns die Zukunft. Der globale Konflikt um Gerechtigkeit und Ökologie, Frankfurt am Main, 2003, S.76

[5] Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf; Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft, Münster, 1999, S.38 f.

[6] Wolfgang Sachs; Nach uns die Zukunft. Der globale Konflikt um Gerechtigkeit und Ökologie, Frankfurt am Main, 2003, S.74

[7] Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf; Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft, Münster, 1999, S.119

[8] Gert v. Paczensky; Weiße Herrschaft. Eine Geschichte des Kolonialismus, Hamburg, 1982, S.165

[9] VENRO-Europaratskampagne „Globalisierung ohne Armut“; Es begann mit Kolumbus, in: Ekkehard Launer (Hrsg.) Zum Beispiel Globalisierung, Göttingen, 2001, S.19

[10] Gert v. Paczensky; Teurer Segen. Christliche Mission und Kolonialismus, München, 1994, S.36

[11] Rudolf Bahro: Die Tektonik des Verderbens, in: Franz Alt, Rudolf Bahro, Marko Ferst; Wege zur ökologischen Zeitenwende. Reformalternativen und Visionen für ein zukunftsfähiges Kultursystem, Berlin, 2002, S.102 ff.

[12] VENRO-Europaratskampagne „Globalisierung ohne Armut“; Es begann mit Kolumbus, in: Ekkehard Launer, Zum Beispiel Globalisierung, Göttingen, 2001, S.19 f.

[13] Elmar Altvater; Der Preis des Wohlstands oder Umweltplünderung und neue Welt(un)ordnung, Münster, 1992, S.132

[14] Wolfgang Sachs; Wie zukunftsfähig ist Globalisierung? in: Jerry Mander, Edward Goldsmith (Hrsg.); Schwarzbuch Globalisierung. Eine fatale Entwicklung mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, München, 2002, S.390

[15] Wolfgang Sachs; Wie zukunftsfähig ist Globalisierung? in: Jerry Mander, Edward Goldsmith (Hrsg.); Schwarzbuch Globalisierung. Eine fatale Entwicklung mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, München, 2002, S.397

[16] o.A.; Einleitung, in: Ekkehard Launer (Hrsg.); Zum Beispiel Globalisierung, Göttingen, 2001, S.8

[17] Wolfgang Sachs; Wie zukunftsfähig ist Globalisierung? in: Jerry Mander, Edward Goldsmith (Hrsg.); Schwarzbuch Globalisierung. Eine fatale Entwicklung mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, München, 2002, S.397

[18] Elmar Altvater; Der Preis des Wohlstands oder Umweltplünderung und neue Welt(un)ordnung, Münster, 1992, S.45

[19] Hans-Peter Martin, Harald Schumann; Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand, Hamburg, 1996, S.18

[20] Thomas Fues; Trends und Interdependenzen in der Weltgesellschaft, in: Igomar Hauchler, Dirk Messner, Franz Nuscheler (Hrsg.); Globale Trends 2002. Fakten, Analysen, Prognosen, Frankfurt am Main, 2001, S.50

[21] Hans-Peter Martin, Harald Schumann; Die Globalisierungsfalle. Der Angriff auf Demokratie und Wohlstand, Hamburg, 1996, S.91

[22] Wolfgang Sachs; Nach uns die Zukunft. Der globale Konflikt um Gerechtigkeit und Ökologie, Frankfurt am Main, 2003, S.76

[23] Hermann Scheer; Die drei Grenzen der Globalisierung, in: Jerry Mander, Edward Goldsmith (Hrsg.); Schwarzbuch Globalisierung. Eine fatale Entwicklung mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, München, 2002, S.474

[24] Jerry Mander; Einführung. Gegen die steigende Flut, in: Jerry Mander, Edward Goldsmith (Hrsg.); Schwarzbuch Globalisierung. Eine fatale Entwicklung mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, München, 2002, S.20

[25] Joseph Stiglitz; Die Schatten der Globalisierung, Berlin, 2002, S.39

[26] Jean Ziegler; Wie kommt der Hunger in die Welt? (erweiterte Taschenbuchausgabe), München, 2002, S.158 f.

[27] Jürgen Habermas; Die postnationale Konstellation. Politische Essays, Frankfurt am Main, 1998, S.118

[28] Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf; Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft, Münster, 1999, S.497

Details

Seiten
28
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638287104
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v26351
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – OSI
Note
1,3
Schlagworte
Globalisierung Degradationen Internationale

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