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Die Debatte um den Einsatz bewaffneter Drohnen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 22 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Das System der unbemannten Luftfahrzeuge
2.1 Die Funktionsweise von bewaffneten Drohnen
2.2 Der MQ-9 Reaper

3 Die Debatte über den Einsatz bewaffneter Drohnen
3.1 Militärstrategische Argumente
3.2 Moralische Argumente
3.3 Politische Argumente
3.4 Rechtliche Argumente

4 Zusammenfassung

5 Fazi

Literatur

Abbildungen

Abbildung 1: Funktionsweise von Drohnen (Beispiel US-Drohnen in AfPak)

Abbildung 2: Der MQ-9 Reaper

Tabellen

Tabelle 1: Argumente in der Debatte um den Einsatz bewaffneter Drohnen

1 Einleitung

„You can’t say civilization don’t advance … in every war they kill you in a new way.“

Will Rogers

Seit einigen Jahren werden zunehmend unbemannte Luftfahrzeuge, sogenannte Drohnen (im englischen „unmanned aerical vehicels“, kurz UAV), in bewaffneten Konflikten oder zur Terrorismusbekämpfung eingesetzt, wodurch militärische Auseinandersetzungen und Kampfhandlungen grundlegend transformiert werden. Zwar ist der Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen prinzipiell nicht neu – erste Drohnen sind bereits 1849 nachgewiesen[1] – allerdings wurden diese bis Anfang des 21. Jahrhunderts vor allem für Aufklärungs- und Spionagezwecke genutzt. Am 3. November 2002 wurde erstmals offiziell eine mit Hellfire-Raketen bewaffnete Drohne im Jemen erfolgreich eingesetzt. Der jemenitische und der US-amerikanische Geheimdienst töteten bei dem ferngesteuerten Anschlag nahe der Provinz Ma‘rib den al-Qaida-Kommandeur Qaed Salim Sinan al-Harethi sowie fünf weitere Personen, denen ein terroristischer Hintergrund zugeschrieben wurde.[2]

In den letzten Jahren haben viele Staaten ihr Arsenal an UAVs kontinuierlich ausgebaut. Mindestens 70 Staaten sind bisher im Besitz von Drohnen, allen voran die Vereinigten Staaten, Israel und Großbritannien.[3] Hatten die USA im Jahr des ersten Einsatzes 2002 noch ungefähr 50 Drohnen, so nutzten die amerikanischen Streitkräfte 2009 bereits mindestens 4000.[4] Außerdem wurden in den Vereinigten Staaten 2011 erstmals mehr Drohnen- als Kampfpiloten ausgebildet.[5] Auch viele andere Staaten, darunter die Volksrepublik China, Russland, Indien, Brasilien und Länder des Mittleren Ostens rüsten auf.[6] „Jeder, der es sich irgendwie leisten kann, schafft sich Drohnen an“ beschreibt ein Waffenexperte die derzeitige Situation.[7]

Auch in Deutschland ist eine Diskussion zu diesem Thema entfacht. Am 01. Februar 2013 fand im Bundestag eine aktuelle Stunde mit dem Titel „Ausrüstung der Bundeswehr mit bewaffneten Drohnen“ statt. Der gegenwärtige Verteidigungsminister Thomas de Maizière sagte in seiner Rede: „Ich halte den Einsatz von Drohnen unter Einhaltung unserer bestehenden rechtlichen Regelungen für ethisch in Ordnung, und ich halte die Beschaffung von Drohnen auch für die Bundeswehr für sicherheitspolitisch, bündnispolitisch und technologisch sinnvoll.“[8] Bis Oktober 2014 hat die Bundeswehr unbewaffnete Drohnen vom Typ Heron I aus Israel geleast.[9] Außerdem ist seit kurzem auch die Euro Hawk im Besitz der Bundeswehr, eine Drohne von der Größe einer Boing 737 und einer Reichweite von 23000 km.[10] Langfristig strebt der Verteidigungsminister jedoch gemeinsam mit Frankreich den Bau einer europäischen bewaffneten Drohne an.[11]

„Die Drohne ist […] neue Ikone.“[12] Dies führt zu einer grundlegenden Veränderung von bewaffneten Konflikten, allerdings auch zu einer heftigen Debatte um die ethischen und moralischen Folgen. Insbesondere die Nutzung bewaffneter Drohnen zur „gezielten Tötung“ ist politisch und völkerrechtlich äußerst umstritten.[13]

Aufgrund der wachsenden Nutzung und Bedeutung konzentriert sich diese Arbeit auf die Analyse bewaffneter Drohnen, mit einem Fokus auf die US-amerikanischen Aktivitäten in diesem Bereich. Zunächst wird die Technik und Funktionsweise bewaffneter UAVs erläutert. Anschließend werden die Argumente von Befürwortern und Gegnern bewaffneter Drohnen dargestellt. Eine Zusammenfassung mit Fazit schließt die Arbeit ab.

2 Das System der unbemannten Luftfahrzeuge

Mittlerweile gibt es Drohnen in vielen verschiedenen Größen und Formen für unterschiedlichste Aufgaben. Die 8,5 m lange israelische Heron wird beispielsweise von der europäischen Agentur Frontex zur Überwachung der EU-Außengrenzen eingesetzt.[14] Weiterhin schreitet die Entwicklung von Mini-UAVs zügig voran. Die U.S. Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) stellte 2011 die „AeroVironment Nano Hummingbird“ vor, eine Spionagedrohne mit einer Spannweite von 16 cm, einem Gewicht von 19 g und einer erstaunlichen Ähnlichkeit mit dem namensgebenden Kolibri.[15] Es wird sogar angenommen, dass künftige Spionage-Drohnen kaum größer sein werden als Fruchtfliegen („micro air vehicles“).[16] Neben Drohnen zur Grenzüberwachung oder Spionage gibt es unbemannte Luftfahrzeuge, die zum Beispiel für wissenschaftliche Zwecke, zum Schutz von Feuerwehrpersonal bei Bränden oder zur Unterstützung bei Katastrophen eingesetzt werden.[17] Weitere Einsatzmöglichkeiten gibt es im Naturschutzbereich: In Japan werden Walfangschiffe von Drohnen überwacht und der WWF plant den Einsatz von UAVs zur Überwachung von Wildtieren und der Ortung von Wilderern.[18] Fotographen hoffen sogar auf die Entwicklung einer „celebrity-seeking paparazzi drone“.[19]

Da sich diese Arbeit auf bewaffnete Drohnen konzentriert, wird im Folgenden deren Funktionsweise erläutert und anschließend am Beispiel der „Reaper“ veranschaulicht. Dieses Beispiel wurde ausgewählt, da sich die Bundeswehr für die Anschaffung einer MQ-9 Reaper (auch „Predator B“) ausgesprochen hat.[20] Außerdem werden die MQ-9 Reaper und deren Vorgängermodell MQ-1 B Predator am häufigsten von den Vereinigten Staaten zur Bekämpfung islamistischer Terroristen in Afghanistan und Pakistan eingesetzt.[21]

2.1 Die Funktionsweise von bewaffneten Drohnen

Die Idee Drohnen mit Waffen auszustatten entstand aus den Erfahrungen, dass es regelmäßig nicht möglich war, Kampfflugzeuge rechtzeitig in die Gebiete zu schicken, in denen die Drohne ein Ziel entdeckt hatte. Bei der bis dahin zur Aufklärung benutzten Predator-Drohne wurden daraufhin die Tragflächen ausgewechselt, um zwei Laser-gelenkte Hellfire-Raketen anmontieren zu können. Da die Hellfire-Raketen für den Beschuss von Einzelpersonen überdimensioniert sind, entwickelte man später kleinere Skorpion-Raketen, mit denen die Drohne alternativ ausgestattet werden kann. Durch die Bewaffnung erhöhte sich das Gewicht der Predator, wodurch sich die Verweildauer in der Luft verringerte.[22] Deshalb wurde die Drohne weiterentwickelt zur Reaper (siehe nächstes Kapitel). Insgesamt wird beobachtet, dass bewaffnete Drohnen immer autonomer operieren. Zurzeit testet die U.S. Air Force die X-47B, die selbstständig starten und landen kann. Es wird daher angenommen, dass auch Entscheidungen über Leben und Tod in der Zukunft autonom von „seek-and-destroy“-Luftfahrzeugen gefällt werden.[23]

Grundsätzlich besteht jede Drohne aus drei Komponenten: dem Luftfahrzeug selbst, einer Bodenstation nahe am Einsatzort und einer Einsatzleitzentrale. Deshalb spricht man teilweise auch vom „unmanned aerial system“ (UAS), um zu verdeutlichen, dass ein ganzes System für Operationen mit einer Drohne notwendig ist, und nicht nur das „Vehicle“ selbst.[24]

Abbildung 1 : Funktionsweise von Drohnen (Beispiel US-Drohnen in AfPak)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: BBC (2012).

Die Drohne wird von der Bodenkontrollstation gestartet und gelandet. Meistens besteht die Bodenkontrollstation aus einem Container, in dem sich zwei Bildschirmarbeitsplätze für die Piloten befinden. Allerdings gibt es auch Bodenstationen als „Rucksackversion“ oder als Aufsetzmodule für Geländewagen. Die Station besitzt eine direkte Sichtfunkverbindung zur Drohne und eine zusätzliche durch Satteliten gestützte Funkverbindung.[25] Das Luftfahrzeug ist ausgestattet mit diversen Kameras, zum Beispiel infra-rot Kameras für Aufnahmen bei Dunkelheit, Radaranlagen und Laser für gezielte Angriffe mit Raketen. Ist die Drohne in der Luft, wird sie von der Einsatzleitzentrale gesteuert. Die Zentrale für US-amerikanische Einsätze in Afghanistan oder Pakistan befindet sich beispielsweise in Nevada (Creech Air Force Base).[26] Für die Nutzung einer Drohne werden des Weiteren durchschnittlich 19 Überwachungsexperten und weiteres Personal zur Instandhaltung benötigt. Insgesamt ist eine Mannschaft von circa 160-180 Personen für die militärische Nutzung von bewaffneten UAVs notwendig.[27]

[…]


[1] Anm.: Damals benutzten die Österreicher unbemannte Ballons, welche mit explosiven Stoffen beladen wurden, um Venedig anzugreifen, vgl. Love (2012): S. 5. Des Weiteren wurde bereits 1915 eine Dissertation zum Thema unbemannter Flugsysteme zur Verteidigung der USA von Nicola Tesla verfasst, vgl. U.S. Army UAS Center of Excellence (2010): S. 1.

[2] Horlohe (2011): S. 318.

[3] Bergen & Rowland (2012); Rötzer (2012).

[4] U.S. Army AUS Center of Excellence (2010): S. i. Anm.: Die Zahlen bezüglich des Drohnenbesitzes der USA schwanken stark, zuverlässige Daten findet man kaum. Einige Quellen geben für das Jahr 2012 679 US-Drohnen an (vgl. Rogers 2012), andere sprechen schon von 6000 (vgl. Lee 2012) oder 7500 (Knoops 2012). Man findet sogar Quellen, die eine Anzahl von 11000 US-Drohnen behaupten (vgl. Horgan 2013).

[5] Klingst (2012).

[6] Monroy (2013).

[7] Roth (2013).

[8] Bundesministerium der Verteidigung (2013).

[9] Rietzschel & Anetzberger (2013).

[10] Thomas (2011).

[11] Die Bundesregierung (2013).

[12] Horlohe (2011): S. 348.

[13] Schmidt-Radefeldt & Meissler (2012): S. 13f.; Horlohe (2011): S. 342ff.; Alston (2010): S. 24f.; Lekea (2009): S. 214ff..

[14] Bull et al. (2012): S. 24.

[15] Bull et al. (2012): S. 26. Anm.: Die Nano Hummingbird wurde vom Time Magazin unter die besten 50 Erfind-ungen des Jahres 2011 gewählt, vgl. Boyer (2013).

[16] Knoops (2012): S. 698.

[17] Love (2012): S. 3f. Anm.: Beispielsweise stellten die USA die 35 m breite und 10 Tonnen schwere Aufklärungs-drohne „Global Hawk“ für die japanische Regierung zur Verfügung während des Unglücks im Kernkraftwerk von Fukushima, vgl. Johansen (2011).

[18] Mey (2012); Zenko (2012): S. 63.

[19] Zenko (2012): S. 63.

[20] IAP-Dienst Sicherheitspolitik (2012).

[21] Rogers (2012).

[22] Horlohe (2011): S. 322f.

[23] Knoops (2012): S. 698.

[24] Love (2012): S. 6f.

[25] Horlohe (2011): S. 325.

[26] Blackhurst (2012).

[27] Zenko (2012): S. 63.

Details

Seiten
22
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656523567
ISBN (Buch)
9783656525608
Dateigröße
763 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263588
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,3
Schlagworte
debatte einsatz drohnen

Autor

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