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Inigo Jones: The Banqueting House & The Queen’s House

Seminararbeit 2010 13 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inigo Jones, der erste und wohl bedeutende Architekt des englischen Klassizismus1, wurde am 15 Juli 1573 in London geboren. Über seine Jugend existieren keine einheitlichen Be­rich­te, es wird berichtet, dass er bei einem Schreiner, Tuchmacher oder auch Maler in die Leh­re gegangen ist. Recht sicher ist, dass Inigo Jones keiner gehobenen Bevölkerungsschicht ent­springt, seine Familie besaß keinen Einfluss und er genoss wenig Bildung.2

Die Tatsache, dass Jones trotz dieser Umstände um 1600 eine erste Studienreise nach Italien unternahm3 und damit eine Berührung zum Kontinent schuf, mag der Grundstein sowohl sei­ner persönliche Karriere, als auch einer weit­reichenden architektonischen Entwicklung in Eng­land gewesen sein4. Zu einer Zeit, in der kaum ein Bruchteil der Bevölkerung zur Zeit ihres Lebens über die Landesgrenzen hinaus kam, hielt sich Jones am Hoftheater der Medici in Florenz auf und kam in Kontakt mit klassizistischen Baustilen, deren Einführung und Ver­breitung in Großbritannien er selbst initiieren sollte.5

Welche Merkmale als charakteristisch für den Palladianismus zu werten sind und vor allem, wie Inigo Jones diesen in seiner Baupraxis umsetzt, soll Thema dieser Hausaufgabe sein. Als Untersuchungsgegenstände dienen zwei seiner frühesten Entwürfe bzw. Bauwerke in Lon­don, nämlich Queen’s House und Banqueting House. Ihr Gesamtkonzept soll ebenso wie be­sondere Details betrachtet werden und in Zusammenhang mit ihrer Wirkung und Bedeu­tung sowohl auf architektonischer, als auch politischer Ebene über die Jahrhunderte hinweg bis heute gebracht werden.

Nach einer ersten Anstellung als Bühnenbildner am Hof von James I unternahm Inigo Jones von 1613 bis 1614 gemeinsam mit Thomas Howard, dem Lord Arundel, eine weitere Stu­dien­­reise nach Italien und Frankreich. Das Ziel von Jones und seinem Begleiter bzw. För­de­rer, einem einflussreichen Kunstsammler, war es, neue Kunstformen zu finden und sowohl die klassische römische Architektur, als auch die Kopien der europäischen Renaissance zu studieren.6 7 Besonders beeindruckt war Inigo Jones hierbei von Andrea Palladio, einem italie­nischen Architekten von Kirchen und Villen in Venetien, welcher später zum Mode­archi­tekten der venezianischen Adels aufsteigen sollte.8 Vor allem mit seinem Buch „Il quattro libri dell'architettura“, welches 1570 in Venedig herausgegeben wurde, übte dieser einen gro­ßen Einfluss auf seine Nachwelt aus und wurde mit Recht der Namensgeber einer neuen archi­tek­tonischen Strömung – des Palladianismus. Das anschaulich gestaltete Werk ermög­lichte es auch Laien und Liebhaberarchitekten, sich an Entwürfen nach der Art Palladios zu versuchen, dessen Baustil vorwiegend klassizistisch geprägt war.9 Der sich daraus ent­wi­ckeln­de Stil des Palladianismus trägt als Hauptmerkmale klare Formengebung und einfache Kompositions­prin­zipien, welche auf gut fassbaren Regeln basieren. Die klassizistischen For­men sind strenger und reduzierter als die des als „katholisch“ empfundenen römischen Ba­rocks, be­wegte Umrisse oder ein konkav-konvexes Fassadenrelief werden hierbei beispiels­wei­se nicht zu finden sein. Stattdessen erfolgt eine klare, betont antikisierende Verwendung der klas­si­schen Bauformen, welche in ihrer Ausführung derart aufeinander abgestimmt sind, dass sie den Eindruck des Absoluten, Unveränderbaren erwecken.10 11

Zurückgekehrt von seiner Reise, wurde Inigo Jones zum „Surveyor of the King’s Work“ er­nannt, einem Titel, welcher dem eines Generals nahe kommt und ihm die Oberaufsicht über alle baulichen Belange des Hofes zukommen lässt. Dass sich seit dieser Ernennung das Kö­nigs­haus in einer finanziell schwierigen Lage befunden hat, mag wohl der Grund dafür sein, dass von einer großen Anzahl von Plänen insgesamt nur um die vierzig Bauwerke Inigo Jones’ ausgeführt und davon noch weniger erhalten sind.12

Jones’ erstes großes Bauprojekt, The Queen’s House, wurde schon im folgenden Jahr entwor­fen, allerdings erst 1635 fertig gestellt. Nachdem James’s Ehefrau Anne von Dänemark, für wel­che das Haus geplant war, schon kurz nach Baubeginn verstarb, wurde der Bau fünfzehn Jahre lang verschoben. Erst 1630 begann Jones wieder mit der Arbeit an Queen’s House, dies­­mal für James’ zweite Ehefrau Königin Henrietta Maria, welche den Bau als Rückzugs­raum vom Palace of Placienta für ihre engere Hofgesellschaft nutzte. Bemerkenswert ist hier­bei, dass zwischen dem ursprünglichen Plan und der endgültigen Ausführung keine wesentli­chen Veränderungen bestehen – trotz fünfzehn Jahren Baupraxis scheint Jones keinen Grund gesehen zu haben, die ehemaligen Entwürfe zu überarbeiten.13

Queen’s House befindet sich in Greenwich und weist eine große architektonische Besonder­heit auf. Während sich ein Teil im Palastbezirk befindet, liegt der andere Teil im Greenwich Park. Die Trennung dieser beiden Bezirke stellte eine öffentliche Straße dar – welche nach eng­lischem Recht für den Bau dieses Hauses verlegt oder entfernt werden durfte.14 Das Haus dennoch gerade an dieser Stelle zu errichten – nicht etwa komplett in einem der beiden Be­zir­ke, wo jeweils nicht das Problem der Straße aufgetreten wäre – muss eine Herausforderung gewesen sein, welche Inigo Jones gerne annahm und mit der typischen Absolutheit seiner Wer­­ke beantwortete.

Sehr wahrscheinlich inspiriert durch die Villa des Lorenzo di Medici in Poggio a Caiano schuf er eine besondere, zweiteilige Ausführung. Wie bei der Medici-Villa gibt es zwei, theo­retisch getrennt voneinander existierbare Teile, zwischen denen die öffentliche Straße ver­läuft. Überquert wird diese im ersten Stockwerk durch eine verdeckte Brücke, welche sie gewissermaßen in der Mitte zwischen beiden Gebäudeteilen „überdacht“.

Im Norden, der Seite, welche zum Palace of Placienta ausgerichtet ist, befindet sich der – überraschend schmale und fast privat anmutende - Eingang über einer, ebenso bei der Medi­ci-Villa auffindbaren, geschwungenen Au­ßen­treppe. Aufgrund des Höhenversatzes der beiden Hausteile führt diese Treppe auf ein ter­rassenartiges Podest in ca. zweieinhalb Metern Höhe, von welchem aus das Haus ohne wei­tere Stufen betreten kann.

Die Südseite dagegen befindet sich ebenerdig zum Park und weist im Erdgeschoss ebenso nur eine einzige Tür als Ausgang auf, dafür aber im Obergeschoss eine große überdachte Loggia, welche mit ihren sechs Säulen zur Parkseite hin auch von Lorenzo di Medici inspiriert sein mag. Auch sie gilt als Merkmal Palladios, welcher bevorzugt durch Kolonnaden und Loggien einen Gegensatz zwischen Geschlossenheit und Ausweitung des Baukörpers schuf.15

Die Fassade des zweistöckigen Hauses besteht aus weißem Portland-Kalkstein, welcher das ver­hältnismäßig kleine Queen’s House im Kontrast zum – tatsächlich viel größeren – Palace of Placienta aus rotem, recht unscheinbarem Backstein stark hervorhebt. Die einzelnen Stock­werke sind optisch durch ihre Bearbeitung getrennt: ist das Obergeschoss unstrukturiert durch glatten Stein, hebt sich das Untergeschoss durch die strukturierte Rustika davon ab. Das Dach weist die für diese Zeit übliche Zierbrüstung auf, davon abgesehen jedoch ist die gesamte Au­ßenansicht nach palladianischer Art reduziert und klar strukturiert gehalten – im Vergleich zu den üppigen Zeitgenössischen Bauten des englischen Barock fast unerhört einfach. 16 17

Die teils monumentalen Innenräume von Queen’s House sind ebenso konsequent in ihrer Aus­­führung wie die äußere Gestaltung. Alle Räume basieren auf Quadratischen Grundformen und erhalten ihre verschiedenen Größen nur durch Duplikationen der kubischen Formen – so auch die 44 Fuß, also je ca. 13m lange bzw. breite, quadratische Halle in dem nördlichen Ge­bäudeteil18. Sie dient zugleich auch als repräsentativer Eingangbereich im Erdgeschoss und dehnt sich über beide Stockwerke aus, indem keine Decke zum Obergeschoss vorhanden ist, stattdessen jedoch eine Galerie im ersten Stock rundum führt und die Räume des Oberge­schos­­ses miteinander verbindet. Sämtliche Private Räume wie Schlafzimmer und Ankleide­zim­mer befinden sich auch dort.19

Die Einrichtung von Queen’s House wurde stets schlicht gehalten, die Räume wirken nie über­laden, eher überraschend leer. Sie alle sind immer in das Gesamtkonzept des Hauses ein­bezogen, was beispielsweise am Fußboden der Loggia und der Halle gut sichtbar ist. Beide Böden sind gleich gefliest in einem diagonal zum den Wänden verlaufenden, schachbrett­arti­gem Muster aus Schwarz und Weiß. In der Halle greift der Fußboden zusätzlich die Struktur der Deckengestaltung auf. Die Kassettierung der Decke in neun rechteckige Elemente, von de­nen die fünf quadratischen Teile – vier Eckelemente sowie das größte, mittige – zusätzlich einen Kreis im Inneren aufweisen – entspricht exakt der Gestaltung des Fußbodens, er ist ge­wissermaßen der Spiegel der Decke. Würde man rein theoretisch den gesamten Raum um­keh­­ren, ergäbe sich ein ähnlicher Anblick – auch wieder mit der Brüstung der Galerie als tren­­nende Mittellinie. Gerade diese detaillierte Ausarbeitung solch sparsamer Akzente mag es sein, welche nach Palladio-Art den „Eindruck des Absoluten“20 bei den Werken Inigo Jones’ hervorruft.

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Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656526193
ISBN (Buch)
9783656531616
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263597
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Kunst- und Bildgeschichte
Note
2,0
Schlagworte
Architektur Großbritannien Palladianismus Klassizismus Inigo Jones Andreas Palladio Queen's House Banqueting House Greenwich Whitehall Charles I Stuartkönige

Autor

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