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Mohammad Khatami: Seine politischen und soziologischen Ansichten

Essay 2013 13 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Islamwissenschaft

Leseprobe

Vorbemerkung

Zur Darstellung einiger persischer Personen- und Ortsnamen verwendete ich in diesem Essay die Transkription der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG) des arabischen und persischen Alphabetes, sowie teilweise das arabische und persische Alphabet als Zusatz selbst, sofern die Namen und Bezeichnungen im Deutschen nicht geläufig sind.

Im Falle gängiger Namen und Orte verzichtete ich auf eine Transkription bzw. gab diese nur bei erster Nennung einmalig an.

1. Einleitung

Die Grundlage für das Verfassen dieses Essays bildet das im Sommersemester 2013 von Herrn Dr. Mahmoud Rambod gehaltene Proseminar „Reformideen der muslimischen Autoren“.

Zu Beginn gehe ich auf die Person Mohammad Khatami ein. Im Folgenden sollen seine politischen und soziologischen Ansichten beleuchtet und Beispiele aus seinen Schriften und Aussagen gegeben werden.

Die Grundfrage dieses Essays ist: Ist Mohammad Khatami tatsächlich als „Reformer“ anzusehen?

Mohammad Khatami (auch: Mohammad Chatami; DMG: Muḥammad Ḫātamī; persisch:

محمد خاتمی) wurde am 14. Oktober 1943 in Ardakān (persisch:اردکان) in der Provinz Yazd (persisch:استان یزد) geboren. Als fünfter Staatspräsident der Islamischen Republik Iran war er der Nachfolger Ali Akbar Haschemi Rafsandschanis (DMG: ͑Alī Akbar Hāšemī Rafsanǧānī; persisch:‏علی‌اکبر هاشمى رفسنجانى) und Vorgänger von Mahmud Ahmadinedschad (DMG: Maḥmūd Aḥmadī-Nežād; persisch:محمود احمدی‌نژاد).

Seine erste Amtszeit begann am 23. Mai 1997. Im Jahr 2001 wurde er für eine zweite Amtsperiode wiedergewählt, welche 2005 endete.[1]

Vor seiner Wahl zum Staatspräsidenten war Khatami seit 1978 Leiter des Islamischen Zentrums in Hamburg, ab 1980 Abgeordneter im iranischen Parlament und hatte schließlich zwischen 1982 und 1992 den Posten als Minister für Kultur und islamische Rechtleitung inne.[2] Aufgrund innerpolitischer Differenzen legte er im Jahr 1992 sein Ministeramt nieder und wurde Direktor der Nationalbibliothek in Teheran.

Als Khatami um das Präsidentenamt kandidierte, erhielt er besonders großen Zuspruch vor allem von jungen Wählern, sowie den Frauen, welche in ihm offenbar einen Hoffnungsträger sahen, das bestehende „Establishment der Revolution“ zu „modernisieren“.[3]

In den offiziellen, iranischen Hochrechnungen erhielt er 1997 eine Zustimmung von 69%, im Jahr seiner Wiederwahl sogar 77% der Wählerstimmen.[4]

Amirpur und Witzke beschreiben die Wahl Khatamis als eine Konsequenz innenpolitischer Konflikte und Allianzen der drei wichtigsten Fraktionen.[5] So sei die linksislamistische Fraktion (aus der auch Khatami hervorging) zuvor von den Konservativen sowie den Technokraten unter Rafsandschani quasi in die außenpolitische Opposition gedrängt worden, indem der Wächterrat sie von der Wahl ausschließen ließ.[6]

Und weiter:

„Schon im gleichen Jahr aber zeichnet sich ab, dass die Technokraten wegen ihrer Wirtschaftspolitik beständig an Einfluss verlieren. Von den Konservativen an die Wand gedrückt, suchen die Anhänger Rafsandschanis neue Bündnispartner und finden sie: In den Linksislamisten, in derjenigen Fraktion also, die sie selber zuvor heftigst bekämpft und praktisch ausgeschaltet hatten.“[7]

Die Kooperation dieser beiden politischen Lager ist somit eher als „Zweckbündnis“ anzusehen, als eine „politische Freundschaft“. Bereits bei den Parlamentswahlen im Jahr 1996 erzielte dieses Bündnis 40% der Abgeordnetensitze. Katajun Amirpur bezeichnet das Verhalten der Konservativen angesichts dieser Wahl als Fehler, da sie den – für sie – Ernst der Lage verkannten und sich nicht den Technokraten annäherten, um einen gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten zu finden.[8]

So stellte die konservative Fraktion ͑Alī Akbar Nāṭeq Nūrī (persisch:علی‌اکبر ناطق نوری) als ihren Kandidaten auf. Amirpur sagt hierzu: „Genau diese Überheblichkeit gerät ihnen [den Konservativen] zum Stolperstein.“[9]

Und weiter:

„Das Kalkül [der Technokraten und Linksislamisten] geht auf: Gerade weil ihn niemand kennt, wird Mohammad Chatami gewählt. Von all den Unzufriedenen und denen, die eigentlich gar nicht zur Wahl gegangen wären. Aber auch mit seinen Wahlkampfthemen gewinnt er die Menschen für sich. Er spricht von Rechtstaatlichkeit, von Zivilgesellschaft, Frauenrechten, von Meinungsfreiheit.“[10]

Katajun Amirpur schreibt aber auch über den späteren Verlauf der Präsidentschaft Khatamis:

„Im Jahr 1997 habe sie ihn fast einmütig gewählt. Doch inzwischen haben sich viele Jugendliche enttäuscht von Chatami abgewendet. ‚Chatami, Chatami, wir lieben dich‘, hatten sie noch vor wenigen Jahren gerufen, wenn er sich zeigte. […] Bei Demonstrationen vom Sommer 2003 hingegen riefen sie: ‚Tritt zurück Chatami!‘“[11]

Im Folgenden soll ein Überblick über die Kernpunkte der Regierungszeit Khatamis gegeben und genauer auf seine politischen und soziologischen Ansichten eingegangen werden. Es soll die Frage behandelt werden, ob Mohammad Khatami als „Reformer“ gesehen werden kann (, wie er in „westlichen“ Medien oft bezeichnet wird) du was letztlich zur Enttäuschung vieler seiner ehemaligen Wähler führte.

[...]


[1] Schulze, Reinhard: Geschichte der islamischen Welt im 20. Jahrhundert. München 2003: S.356.

[2] Vgl. Ebd.

[3] Vgl. Ebd. S.356-357.

[4] Ebd. S.356.

[5] Vgl. Amirpur, Katajun & Witzke, Reinhard: Schauplatz Iran – Ein Report. Freiburg 2004: S.107.

[6] Vgl. Ebd.

[7] Ebd.

[8] Vgl. Ebd.

[9] Ebd. S.108.

[10] Ebd.

[11] Amirpur, Katajun: Gott ist mit den Furchtlosen. Freiburg 2003: S.149.

Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656526384
ISBN (Buch)
9783656526964
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263643
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Philologische Fakultät - Seminar für Orientalistik und Islamwissenschaft
Note
unbenotet
Schlagworte
Iran Khatami Chatami Islam Islamische Republik Politik Soziologie Gesellchaft Reform Reformer Reformen Theokratie Gottesstaat Schia Modernist Religion Ayatollah Khomeini Chomeini Ahmadinedschad

Autor

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