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Männer heute. Softies, Machos, Narzissten?

Über Verlust der Männlichkeit und Narzissmus im Film „Magnolia“

Hausarbeit 2013 12 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist „Männlichkeit“ und wer der „Wilde Mann“?

3. Was ist Narzissmus?

4. Der Verlust der Männlichkeit und der Narzissmus in Magnolia

5. Quellen

Männer heute: Softies, Machos, Narzissten?

1. Einleitung

Es ist bekannt, daß unsere Gesellschaft einen schier unerschöpflichen Nachschub an Jungen produziert, aber immer weniger Männer hervorzubringen scheint.[1]

Ausgehend von Robert Blys Eisenhans und Christopher Laschs Das Zeitalter des Narzissmus stelle ich die These auf, dass die meisten Männer der westlichen Kultur ihre Wildheit, ihre wilde und damit einen Teil ihrer wahren Männlichkeit verloren haben und dieser Verlust von diesen Männern mit einem pathologischen Narzissmus kompensiert und versteckt werden muss, damit sie bestehen können: vor sich selbst und vor den Frauen. Denn die Männer spüren, dass ihnen etwas fehlt, sie ahnen, dass ihnen die wahre männliche Identität fehlt, aber sie wissen nicht, was wahre Männlichkeit ist und wie sie diese (wieder)erlangen sollen. Die Anlagen dazu schlummern in jedem Mann, doch meist tief verborgen in ihrer Seele und Psyche. Es fehlen die Initiatoren, welche die heranwachsenden Jungen in die Männlichkeit einweisen und hinüberführen, die Initiation durchführen. Die Ursachen für den Verlust der Initiation liegen laut Bly und Lasch in der industriellen Revolution. Die meisten Männer arbeiteten für die Industrie, gaben damit ihr Handwerk nicht mehr an ihre Söhne weiter und hatten für ihre Söhne kaum noch Zeit. Die Erziehung der Kinder wurde auch nach und nach aus den Händen der Eltern genommen und in die Hände von Pädagogen des Staates gelegt.[2]

Die Männer von heute müssen erst wieder den Kontakt mit dem Wilden Mann herstellen.[3]

Jeder Mann geht mit diesem Verlust der Männlichkeit anders um und wird anders durch seine ihm eigene Situation und Umwelt geprägt. So entstehen verschiedene Typen von verunsicherten Männern und jeder verunsicherte Mann bildet einen eigenen Narzissmus aus. Anhand des Filmes Magnolia von P. T. Anderson, welcher diese Problematik aufgreift und verschiedene Typen von verunsicherten Männern darstellt, werde ich versuchen, meine These zu diskutieren, illustrieren und zu untermauern.

2. Was ist „Männlichkeit“ und wer der „Wilde Mann“?

Die wahre Männlichkeit, welche immer mit dem Wilden Mann verbunden ist, findet man laut Bly in den Bildern der „alten Haus- und Wundermärchen“ und den Mythen der verschiedensten Kulturen beschrieben.[4] Dort wird erzählt von der „Energie des Zeus“, der „positiven Führungsenergie“ der Männer. Als eine sehr wichtige, vielleicht die wichtigste, männliche Eigenschaft nennt Bly die Entschlossenheit.[5] Ein Mann soll nicht brutal sein, das sei barbarisch oder „machohaft“.[6] Er soll aber entschlossen und kraftvoll zu handeln: dazu befähigt die Wildheit des Wilden Mannes. Und auch spontan zu sein, Dinge aus sich heraus zu lassen, die in einem sind, „ohne Entschuldigungen oder Erklärungen“.[7] Dies impliziert für mich auch, dass Männlichkeit bedeutet, zu seinen Entscheidungen und Handlungen zu stehen und wie ein Fels standhaft zu bleiben, natürlich nur solange der Mann selbst an die objektive oder subjektive Richtigkeit dieser Entscheidungen und Handlungen glaubt. Ein trotziges Beharren ist mitnichten männlich, sondern zeugt von Dummheit und Schwäche, weil der Mann sich in diesem Fall keine Fehler eingestehen kann, aus Furcht, dann an Wert zu verlieren. Dies kann verheerende Folgen für ihn und seine Umwelt haben. Bly bringt es auf den Punkt: „Das Wilde in uns ist das, was bereit und imstande ist, das hektische Leben zu verlassen und dem inneren Ruf zu folgen.“[8] Natürlich muss der Mann diesen inneren Ruf erst hören und das gelingt ihm erst dann, wenn er bewusst und genau hinhört, wenn er versucht diese innerste Stimme zu identifizieren zwischen all den anderen Stimmen, die in seiner Seele und in seinem Kopf ertönen, welche das Echo der Stimmen von außen sind, die versuchen, ihn in alle möglichen Richtungen zu treiben und zu zerren, sodass es ihn auseinanderreißt. Der innere Ruf kann auch als Instinkt bezeichnet werden. Der Instinkt ist etwas Naturhaftes, etwas Wildes. Also muss der Mann sich wieder mit der Natur verbinden: „Der Wilde Mann ist die Tür zur Wildheit in der Natur, doch wir könnten auch sagen, daß der Wilde Mann die Natur selbst ist.“[9] Einen wichtigen Punkt stellt Bly noch klar: „Das Ziel ist nicht, der Wilde Mann zu sein, sondern mit dem Wilden Mann Kontakt zu haben. [] Der Versuch, der Wilde Mann zu sein, endet mit einem frühen Tod und stürzt jeden in große Verwirrung.“[10] Die Erklärung dafür folgt, indem der Wilde Mann als ein Teil der männlichen Psyche beschrieben und nicht mit ihr gleichgesetzt wird. Die weiteren Teile dieser Psyche, welche einen Mann ausmachen, beschreibt Bly mit den mythischen Figuren des Königs, des Kriegers, des Liebenden, des Gauners, des Kochs oder des Zauberers und schließlich des Trauermanns.[11] Auf diese letzteren sechs werde ich nicht weiter eingehen, da ich mich hier ausschließlich mit dem Wilden Mann beschäftigen möchte. Dieser ist meiner Meinung nach der wichtigste Teil der männlichen Psyche und gleichzeitig der Teil, den die Männer der westlichen Kultur heute am stärksten verloren haben. Denn heute ist „Sicherheit“ das wichtigste Wort: sichere Kapitalanlagen, ein sicherer Job, ein harmonischer, konfliktfreier Umgang mit der Umwelt, auch wenn vieles zu ändern wäre und man/Mann sich über vieles aufregt, sind erstrebenswert. Sich ja nicht zu weit vorwagen und in die Schusslinie der Kritiker und Gegner begeben, wer weiß, was das für Konsequenzen hat, die Zukunft scheint ja ohnehin schon so unsicher. Die gesunde Risikofreudigkeit – nicht zu verwechseln mit der Tollkühnheit – ist wohl die am stärksten geschwundene Eigenschaft der meisten Männer, unüberwindbare Angst ist oftmals an ihre Stelle getreten. Und diese Risikofreude ist eine wichtige Eigenschaft des Wilden Mannes.[12]

Sich in Sicherheit zu begeben und das Risiko zu meiden, schließt den Wunsch ein, keine Verletzung zu erleiden. Doch sind Wunden in dieser Welt unvermeidbar und genau durch die Angst vor ihnen erhält ein Mann umso mehr davon. Und weil sie so schmerzen und er nicht mit ihnen umzugehen weiß, versucht er sie zu verstecken und zu verdrängen, um seine Verletzlichkeit nicht der Umwelt zu zeigen und um nicht an die Schmerzen erinnert zu werden. Um sich vor weiteren Verletzungen zu schützen, kann aber auch die Flucht nach vorne gewählt werden: blinde Aggressionen und Brutalität, barbarisches Verhalten, welches „der Seele, der Erde und der Menschheit großen Schaden“ zufügt.[13]

[...]


[1] Bly, Robert (1991): Eisenhans. Ein Buch über Männer. München: Kindler. S. 253.

[2] Lasch, Christopher (1980): Das Zeitalter des Narzißmus. München: Steinhausen. S. 196 ff.

[3] Bly: 20 ff.

[4] Bly: S. 9.

[5] Bly: S. 19.

[6] Bly: S. 24.

[7] Bly: S. 308.

[8] Bly: S. 309.

[9] Bly: S. 310.

[10] Bly: S. 314.

[11] Bly: S. 314 ff.

[12] Bly: S. 312.

[13] Bly: S. 11.

Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656524311
ISBN (Buch)
9783656524892
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263713
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Fakultät für Philosophie
Note
1,3
Schlagworte
Philosophie Filmphilosophie Film Filmanalyse Männlichkeit Narzissmus Robert Bly Eisenhans Wilder Mann Geschlechter Film und Philosophie Praktische Philosophie Magnolia

Autor

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