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Heinrich Zimmermann über den Tod von James Cook

Eine textimmanente Interpretation

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 11 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der Kapitän James Cook – ein ambivalenter Charakter

3. Die Hawaiianer

4. James Cook – Halbgott oder Tyrann?

5. Fazit

Literatur

1. Einleitung

„Er [Kapitän Cook] ward in O-Waihi mit ebenden Ehrenbezeugungen als in Nihau empfangen. Wenn er ans Ufer stieg, fielen alle Einwohner, wes Standes sie auch sein mochten, vor ihm zur Erde nieder […].“ [1]

Die Ehrerbietung, welche James Cook im Laufe seiner dritten Reise von den Südseebewohnern entgegengebracht wurde, sollte nicht von langer Dauer sein. Letztendlich war es Cook selbst, der zu Boden sank, niedergestreckt durch einen Dolch, welcher, einst Geschenk der Europäer, nun der gegnerischen Partei zur Waffe gereichte.

Der Tod des Seefahrers und Entdeckers ergriff nicht nur namhafte Zeitgenossen wie Georg Forster und Georg Christoph Lichtenberg, sondern beschäftigte bis in die jüngste Vergangenheit Anthropologen wie Marshall Sahlins und Gananath Obeyesekere.

Die vorliegende Arbeit widmet ihre Aufmerksamkeit jedoch weder den eloquenten Darstellungen zeitgenössischer Reiseliteraten, noch dem anthropologischen Diskurs der letztgenannten Forscher. Vielmehr wendet sie sich einer Reisebeschreibung zu, welche ihre Exklusivität aus der Tatsache zieht, dass sie auf den geheimen Notizen eines einfachen Matrosen fußt. Aus Abenteuerlust hatte der gelernte Gürtler Heinrich Zimmermann im Jahre 1776 auf der HMS Discovery angeheuert und das Wagnis begangen, sich der strengen Untersagung jedweder mündlichen oder schriftlichen Überlieferung dieser Reise zu widersetzen. „Ganz kurz und in halben Worten deutscher Sprache“ [2] protokollierte er seine Eindrücke während der vierjährigen Entdeckungsfahrt und veröffentlichte sie im Jahre 1781 unter dem Titel Reise um die Welt mit Capitain Cook. Im sechsten Kapitel schildert Zimmermann die Vorkommnisse auf Hawaii und die Ereignisse, die letztendlich in Cooks Tod münden.

In der vorliegenden Arbeit soll die Frage diskutiert werden, inwieweit Zimmermann den Kapitän selbst für dessen Tod verantwortlich zeichnet. Da sich die Schuldfrage nicht allein über eine Auseinandersetzung mit der eskalierenden Situation unmittelbar vor Cooks Tod klären lässt, sondern als Klimax einer Kette vorangegangener Handlungen zu werten ist, wird sich die Arbeit dieser Fragestellung aus verschiedenen Perspektiven nähern. Von der Beleuchtung wesentlicher und durchaus als ambivalent zu wertender Charaktereigenschaften James Cooks ausgehend, wird sich die Arbeit auf die Darstellung der Insulaner konzentrieren, welche im Zimmermannschen Bericht einem sukzessiven Wandel zu unterliegen scheint. Die Interaktion von Europäern und Insulanern, das im Kontext des Kolonialismus zu begreifende Tauschverhältnis stellt einen weiteren zentralen Aspekt dar, in dessen Erörterung sich ein zusätzlicher Schlüssel zur Klärung der Schuldfrage erahnen lässt.

Unumgänglich für die Betrachtung der Ereignisse die zu Cooks Tod führen, ist schlussendlich eine Auseinandersetzung mit der durch die Insulaner betriebene Mythologisierung des europäischen Kapitäns und dessen Entmythologisierung infolge zweier, von Zimmermann als taktisch unklug bewerteter Unterfangen.

2. Der Kapitän James Cook – ein ambivalenter Charakter

Obschon der Titel seines Reiseberichts eine explizite Auseinandersetzung mit den Wesensmerkmalen James Cooks vermuten lässt, sind die Stellen, an denen sich Zimmermann den Charaktereigenschaften des Kapitäns widmet, rar gesät. Zwar lassen einige Anekdoten Cooks charakterliche Züge und manche Eigenart erahnen, detaillierte Angaben zu seiner Person finden sich jedoch erst im Schlussteil des sechsten Kapitels. Die vertiefende Beschreibung des Kapitäns fungiert als Nachruf auf einen Mann, „der einer der größten unserer Zeiten war“ (S. 119) und dessen geistiges Überdauern Zimmermann zu sichern im Sinn stand.

Zimmermann zeichnet das Bild eines Mannes, dem er, trotz dessen phasenweiser Unbeherrschtheit und dessen Neigung zum Jähzorn, hohen Respekt und ungebrochene Bewunderung zollt. Die Ambivalenz Cooks Charakters offenbart sich in einem Wechsel aus Anfällen aufflammender Gemütserregung und äußerster Zurückhaltung und Verschlossenheit (Vgl. S. 119).

Cooks charakterliche Zerrissenheit scheint sich in dessen Physiognomie niederzuschlagen. Zimmermann beschreibt den Kapitän als einen „großen, schönen [und] starken Mann“ (S. 119), negiert jedoch in gleichem Zuge die Illusion eines strahlenden Heldentypus durch die Verwendung der negativ konnotierten Attribute „hager“, „gebückt“ und „finster von Gesicht“ (S. 119).

[…]


[1] Forster, Georg: Fragmente über Kapitän Cooks letzte Reise und sein Ende. In: Popp, Klaus-Georg (Hrsg.): Cook der Entdecker. Schriften über James Cook von Georg Forster und Georg Christoph Lichtenberg. Reclam Verlag, Leipzig 1991, S. 190.

[2] Zimmermann, Heinrich: Reise um die Welt mit Capitain Cook. Hrsg. von Bender, Hans, Horst Erdmann Verlag, Tübingen 1978, S. 38.

Direkte und indirekte Zitate aus diesem Werk werden in der vorliegenden Arbeit im Folgenden durch in Klammern nachgestellte Seitenzahlen gekennzeichnet.

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656528678
ISBN (Buch)
9783656531395
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v263847
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Germanistik
Note
1,0
Schlagworte
heinrich zimmermann james cook eine interpretation

Autor

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Titel: Heinrich Zimmermann über den Tod von James Cook