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Die Krise der Musikindustrie. Eine reine Definitionssache

Hausarbeit 2009 28 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

2. Begriffliche Klärungen
2.1 Krise
2.2 Musikindustrie / Musikwirtschaft
2.3 Tonträgerindustrie
2.4 Tonträger
2.5 Musik als ökonomisches Gut

3. Der Tonträgermarkt
3.1 Marktstrukturen
3.2 Tonträgerhersteller
3.3 Marktvolumen und Marktentwicklung
3.4 Gründe für Stagnation und Rückgang

4. Musik im Online-Markt
4.1 Technischer Hintergrund
4.2 Die Ausbreitung des Internets in Deutschland
4.3 Musikangebote im Internet
4.3.1 Illegal
4.3.1.1 Suchmaschinen und -programme
4.3.1.2 Peer-to-Peer-Modelle
4.3.2 Legal
4.3.2.1 Kostenlose mp3-Server
4.3.2.2 Kostenpflichtige Downloadservices
4.3.2.3 Unhabhängige Internet-Label
4.4 Rechtliche Rahmenbedingungen
4.5 Entwicklung des Online-Musik-Marktes

5. Zusammenfassung und Ausblick

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Marktstufen in der Musikwirtschaft

Abb. 2: Absatzentwicklung 1970 bis 2005 in Deutschland

Abb. 3: Realer Umsatz am deutschen Tonträgermarkt und Verbreitung digitaler Kopiertechnologie

Abb. 4: Entwicklung der Internutzung und Verbreitung breitbandiger Anschlusstechnologien in Deutschland 1997 - 2008Abb. 5: Peer-to-Peer-Modelle

Abb. 6: Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen in Internettauschbörsen 2004 - 2008

Abb. 7: Aus dem Internet heruntergeladene Songs 2003 - 2008

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Marktübersicht deutscher Online-Shops für Musik-Downloads Kapitel 1 - Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

1. Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

Die Musikindustrie beklagt nun seit fast 10 Jahren hohe Umsatzverluste. Mittlerweile wird von einer regelrechten „Krise“ am Markt gesprochen. Ausgehend von diesem Hintergrund wird in der vorliegenden Hausarbeit aufgezeigt, dass der Tonträgermarkt der Bereich der Musikwirtschaft ist, der durch die Entwicklung des Online-Bereichs und die Digitalisierung am nachhaltigsten beeinflusst wird. Was wurde dagegen unternommen? Ist es überhaupt berechtigt von einer Krise zu sprechen?

Zur Klärung begrifflicher Grundlagen werden gleich zu Anfang die Krise, die Begriffe der Musik- und Tonträgerindustrie unterschieden und Musik als ökonomisches Gut in Abhängigkeit der modernen Technik definiert.

Im darauf folgenden Kapitel wird der Tonträgermarkt in seiner Struktur erklärt. Weiterhin wird aufgezeigt, wie sich das Internet auf bisherige Vertriebshierarchien auswirkt und die derzeitige Entwicklung des Marktes analysiert.

Im vierten Kapitel wird auf den Online-Bereich eingegangen. Eine kurze Zusammenfassung der Situation von Musikangeboten im Internet wird angeboten. Um danach aufzuzeigen auf welchem Entwicklungsstand sich der Online-Markt zurzeit befindet.

In der Zusammenfassung wird analysiert in wie weit es sich um eine Krisehandelt.

2. Begriffliche Klärungen

2.1 Krise

Laut Definition ist eine Krise „eine schwierige, unsichere od. gefährliche Situation od. Zeit“1.

2.2 Musikindustrie / Musikwirtschaft

Kromer führt den Ursprung des Begriffs den 1920er Jahren zu. Bezeichnet wurden damit „Firmen, die mittels industrieller Massenproduktion von Tonträgern das Wirtschaftsgut Musik einer industriellen Vervielfältigung zugänglich machten“2. Heutzutage sind jedoch aus wirtschaftlicher Sicht die Bereiche „der Herstellung von Tonträgern (Labels, Presswerke und Studios), die Herstellung und der Handel von Musikinstrumenten, die kreative Erstellung der Werke, die Musikverlage und Verwertungsgesellschaften, bis hin zu Konzertveranstaltern und Direktionen“3 hinzuzufügen4.

2.3 Tonträgerindustrie

„Zur Tonträgerindustrie zählen alle, die sich organisatorisch mit der Einspielung und Festlegung von Musik auf einem Träger beschäftigen und/oder nachfolgend diese auf Träger festgelegte Aufnahme vermarkten […], die Record Labels oder Plattenfirmen […], die Vervielfältigungsfabriken […] und die Vertriebsfirmen.5

2.4 Tonträger

Als Tonträger bezeichnet man traditionell Medien, die es ermöglichen Musik zu speichern und mittels eines geeigneten Abspielgerätes wiederzugeben. Hierzu zählen die Schallplatte, die Kassette und die CD6.

2.5 Musik als ökonomisches Gut

Musik ist eine Art Information. Diese zeichnen sich durch Immaterialität aus.Um Musik über ihren Entstehungszeitpunkt hinaus zu verbreiten, werdenentsprechende Medienprodukte benötigt. Anhand der Entwicklungsgeschichte der Phonotechnik lässt sich verdeutlichen, „dass der wirtschaftliche Nutzenvon Musik von jeher ein Resultat der technischen Neuerungen war und insofern stets von der jeweils vorhandenen Technik abhängig war“7. Tonträgersind somit ein wichtiger Bestandteil in der Wertschöpfungskette der Musikindustrie.

3. Der Tonträgermarkt

3.1 Marktstrukturen

Friedrichsen et al. beschreiben den Tonträgermarkt innerhalb der Musikwirtschaft als einen Teilmarkt mit

- vorgelagerten (u. a. Musikverlage, Audioträgerhersteller),
- nachgelagerten (u. a. Importeure, Diskotheken) und
- nebengelagerten (u. a. Merchendise, Film/Video, Werbung, Sponsoring) sowie
- komplementären/substitutiven (u. a. Rundfunk/Musikfernsehen, Konzertveranstaltungen)

Märkten8. Der Markt physischer Tonträger ist aber bisher der Kernbereich und mitverantwortlich für den Erfolg der anderen Märkte. Er wird als das „Rückgrat“9 der Deutschen Musikwirtschaft bezeichnet.

3.2 Tonträgerhersteller

Altig/Clement/Papies zeigen auf, dass die Musikindustrie von den so genannten „Majors“ (Universal, Sony, BMG, EMI und Warner) dominiert wird. Sievermarkten lediglich die Superstars mit global erfolgsversprechenden Titeln.

Daneben existiert eine Gruppe von kleineren Labels, die auf Grund ihrer Unabhängigkeit von den Majors als “Independents“ bezeichnet werden. Sie sind meist in den verschiedensten Szenen und Subkulturen eingebunden10.Interessant wird hier der Vergleich der traditionellen Marktstufen und den verändernden Möglichkeiten durch das Internet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Marktstufen in der Musikwirtschaft11

Laut Friedrichsen ergeben sich traditionell für den Tonträgermarkt drei wesentliche Marktstufen. Auf der ersten Stufe fragen die Plattenfirmen bei denKünstlern nach Musik. Anschließend wird der Tonträger von Tonträgerherstellern produziert. Auf der zweiten Stufe wird das Produkt dem Handel angeboten. Auf der dritten Marktstufe gelangt das Produkt über den Handel anden Endverbraucher.

„Durch die Entwicklung des Internets zum Massenmedium sowie der möglichen Verwertung von Musik in trägerlosen Formaten, z. B. als mp3-Datei,“12 können sowohl Musiker als auch die Plattenfirmen selbst die letzten Marktstufen überspringen und sich direkt an den Konsument richten13.Hierdurch ergeben sich Chancen für weniger bekannte Künstler und Labelsohne Vertrag ihre Musik zu vertreiben. Demnach scheinen besonders dieMajors von dieser Entwicklung negativ betroffen zu sein. Die Analyse vonAltig/Clement/Papies zeigt auf, dass sie zwischen 2004 und 2007 insgesamt 5 % am Marktanteil verloren und nun mit ca. 75 % am physischen Tonträgermarkt vertreten sind14.

3.3 Marktvolumen und Marktentwicklung

Nach Angaben des Bundesverbandes Musikindustrie werden rund drei Viertel des Weltumsatzes von den fünf stärksten Märkten USA (34,7 %), Japan(16,4 %), Großbritannien (9,9 %), Deutschland (7,6 %) und Frankreich (5,4%) getätigt.

Seit Jahren hat die gesamte Tonträgerindustrie deutliche Umsatzeinbrüche zu verzeichnen. 2006 wurde am Welt-Tonträgermarkt noch ein Volumen von 31,8 Milliarden Dollar verzeichnet. 2007 waren es nur noch 29,9 Milliarden Dollar. Das ist ein Rückgang von insgesamt 6 %15.

Die Umsatzentwicklung des deutschen Tonträgermarktes verläuft beinaheanalog zum weltweiten Tonträgermarkt. Mit 1.575 Milliarden Euro Umsatz imJahr 2008 verzeichnet die Wirtschaft einen Umsatzrückgang von ca. 5 %zum Vorjahr16.

Zurzeit ist die CD17 mit 85 % mit Abstand der größte Umsatzträger im deutschen Musikmarkt18.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Absatzentwicklung 1970 bis 2005 in Deutschland19

Literatur- und Quellenverzeichnis 6

Friedrichsen erklärt, dass sich die Musikindustrie Anfang der 80er Jahre nach einer ökonomischen Hochphase in ihrer ersten Krise befand. Damals schrumpfte der Gesamtumsatz um ganze 27 %. Die Einführung der CD Mitte der 80er Jahre brachte dann einen unerwarteten Aufschwung. Der Umsatz für Tonträger auf dem Weltmarkt verdreifachte sich zwischen 1981 und 1991 beinahe von 12,3 auf 26,2 Milliarden US-Dollar.

Der neue digitale Tonträger löste eine immense Nachfrage aus. Der Musikindustrie war es möglich Neuveröffentlichungen trotz niedriger Herstellungskosten zu höheren Verkaufspreisen im Handel zu etablieren und durch den Umstieg von Analog- auf Digitaltechnik im Consumerbereich den Musikhörern ihre alten Platten in einem neuen Format noch einmal zu verkaufen20. Gleichzeitig fand ein Ablöseprozess von LP auf CD statt.

Mitte der 90er Jahre befand sich der Markt in einer Stagnationsphase. Seit 2000 zeigt sich der Tonträgermarkt rückläufig. Der Umsatz schrumpfte zwischen 1997 und 2008 um mehr als 43 %. Seitdem spricht man von der „Krise der Musikindustrie“21.

Bei genauerer Betrachtung des Schaubildes ist zu erkennen, dass die Umsätze heute ungefähr gleich auf mit Werten aus der Vergangenheit liegen.

3.4 Gründe für Stagnation und Umsatzrückgang

Die derzeit schwierige wirtschaftliche Situation der Musikindustrie wirdhauptsächlich auf die „Zunahme an privaten digitalen Musikkopien sowie deren Distribution über illegale digitale Tauschbörsen in Form von DownloadPlattformen oder Peer-to-Peer(P2P)-Systemen“22 zurückgeführt.Der Rückgang der Umsätze der zentralen Erlösquelle in der Musikindustriesind so erheblich, dass sie nicht durch andere Erlösquellen ausgeglichenwerden können23.

[...]


1 s. Anlage 1, S. 20

2 Kromer (2008), S.25

3 ebd. , S. 25

4 vgl. ebd. , S. 24 f.

5 ebd. (2008), S. 24.

6 vgl. Jaspersen (2004), S. 386 f.

7 Kromer (2008), S. 46.

8 vgl. Friedrichsen et al. (2004), S. 19 f.

9 s. Anlage 2, S. 21.

10 vgl. Altig/Clement/Papies (2008), S. 24 f.

11 Quelle: Friedrichsen (2004), S. 20.

12 Friedrichsen (2004), S. 20.

13 vgl. ebd., S. 20 f.

14 vgl. Altig et al. (2008), S. 24 f.

15 Bundesverband Musikindustrie e. V. (2009), S. 56 ff.

16 Bundesverband Musikindustrie e. V. (2009), S. 13.

17 Vorausgesetzt man rechnet alle physischen Formate wie Singles, DVD-Audio und SACD, Musikkassetten und LPs zusammen.

18 Bundesverband Musikindustrie e. V. (2009), S. 14.

19 Quelle: Kaiser (2008), S. 39.

20 vgl. Friedrichsen (2004), S. 30.

21 Handke (2007), S. 60.

22 Kaiser/Ringlstetter (2008), S. 40 f.

23 vgl. Altig et al. (2008), S. 19.

Details

Seiten
28
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656533023
ISBN (Buch)
9783656535355
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264040
Institution / Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
1,7
Schlagworte
Musik Musikindustrie Krise Krise Tonträgermarkt Hausarbeit Tonträger Musik im Online-Markt Musik Online Entwicklung des Online Musik Marktes Legale Musik Angebote Illegale Musik Angebote Unabhängige Internet-Label Kostenpflichtige Downloadsevices

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