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Anderswelt. Religion und Seele bei den Kelten

Facharbeit (Schule) 2012 21 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung: Die Kelten
1. Barbaren mit Zaubertrank?
2. Überlieferung
a. Definition und Geschichte
b. Antike Quellen

B. Hauptteil
1. Anderswelt
a. Allgemeines
b. Unsterblichkeit der Seele
2. Tuatha De Danann (Volk der Göttin Danu)
3. Götter
a. Allgemeines
b. Totengott Donn
c. Kriegsgöttin Morrigan
4. Schwellenorte zur Anderswelt
a. Sidhe (Feenhügel)
b. Lokalisierung
c. Samhain (Fest zum Ende des Sommers)
5. Druiden
a. Definition und Aufgaben
b. Totenkult
6. Keltisches Erbe in der heutigen Zeit
a. Phyllida Anam-Aire (Druidin)
a.a Seelenwanderung
a.b. Die 5 Áite des bewussten Todes
b. John O´Donohue (Philosoph)

C. Schluss: Fazit

D. Anhang
1. Abbildungsverzeichnis
2. Literaturverzeichnis

A. Einleitung: Die Kelten

1. Barbaren mit Zaubertrank?

Wir kennen die Kelten aus Filmen wie „King Arthur“, historischen Romanen, Comics wie „Asterix und Obelix“ und vielleicht noch aus dem Lateinunterricht aus Caesars „De bello gallico“. Doch was wissen wir dadurch über die Kelten? Sind die Gallier, über die uns Caesar berichtet, die Kelten? Gehören die Germanen auch dazu? Sind die Kelten Barbaren, die nichts außer Tierfellen tragen wie die Wikinger? Glauben sie auch an Thor – oder an die Reinkarnation wie der Hinduismus? Haben Druiden nichts Besseres zu tun als in Bäumen zu sitzen und in einem großen Kessel zu rühren? Vorurteile über Vorurteile… In den folgenden Seiten werde ich versuchen einige der Rätsel um die Kelten und ihre Anderswelt zu lüften.

2. Überlieferung

a. Definition und Geschichte

Die Frage nach dem Ursprung der Kelten und der genauen Definition des Wortes „Kelten“ ist unter Archäologen, Historikern, Sprachforschern und Anthropologen eine große Streitfrage. Sind die Kelten durch ihre Sprache oder durch ihre Kultur definiert? Kann man überhaupt von „den“ Kelten sprechen?

Die Kelten waren schon bei den Griechen und Römern als nicht eindeutig festgelegte mittel- und westeuropäische Völkerschaft unter den Namen „Κελτοί“ oder „Κέλται“ (Maier 2001, S. 12) im Griechischen und unter dem Namen „Celtae“ (Maier 2001, S. 12) im Lateinischen bekannt. Sie gehören der indoeuropäischen Sprachfamilie an. Fleming (1997, S. 9) zufolge entwickelte sich die keltische Sprache aus einem Dialekt, der um 1000 v. Chr. aus der indoeuropäischen Sprache und der Sprache der so genannten „Urnenfelderkultur“ (Fleming 1997, S. 9) im Harz entstand. Die Urnenfelderkultur erhielt diesen Namen „wegen ihrer Bestattungsbräuche“ (Fleming 1997, S. 9). Im Laufe der Zeit sprachen die Kelten viele verschiedene Dialekte dieser Sprache (vgl. Evans 1981, S. 170). Brunaux (2009, S. 12) definiert die Kelten ebenfalls als westeuropäische Volksgruppe der Eisenzeit (800-0 v. Chr.), die auch bei den anderen klassischen Hochkulturen des Mittelmeerraums bekannt war. Man ist sich also einig, dass es sich bei den Kelten nicht um ein Volk handelt, sondern um verschiedene Stämme (vgl. Schaper 2011, S. 20 f.). Man unterscheidet im Allgemeinen zwischen Festlandkelten (Gallier) und Inselkelten (Britannien und Irland) (vgl. Evans 1981, S. 170; Maier 2001, S. 12). Die Germanen gehören nicht zu den Kelten.

Die keltische Kultur war die erste Hochkultur nördlich der Alpen und erreichte um 250 v. Chr. ihre größte Ausdehnung, vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer (s. Abb. 1). Die Kelten errichteten im 2. Jhd. v. Chr. die ersten „planmäßig angelegte[n] Städte“ (Schaper 2011, S. 14) nördlich der Alpen nach dem Vorbild ihrer Handelspartner, den „Römer, Etrusker und Griechen“ (Schaper 2011, S. 14). Sie verfügten über eine für die damalige Zeit hervorragende Technologie und Metallverarbeitung. Ab diesem Zeitpunkt spricht man heute auch von der „Latène-Kultur“ (Botheroyd 1995, S. 8), aufgrund von Funden bei La Tène (s. Abb. 1). Die Kelten zeichneten sich durch ihre Tapferkeit und ihren Kampfesmut aus (vgl. Evans 1981, S. 170). 387 v. Chr. plünderten sie Rom. Ungefähr 330 Jahre später wurden sie von Caesar im Gallischen Krieg (58-50 v. Chr.) besiegt, in das Römische Reich eingegliedert und zivilisiert. Durch die erzwungene Übernahme der römischen Kultur verloren die Festlandkelten innerhalb weniger Generationen ihre Sprache und Kultur. Als Kaiser Claudius 43 n. Chr. weite Teile Britanniens eroberte und Britannien ebenfalls romanisiert wurde, konnte die keltische Sprache und Kultur nur noch von den Stämme nördlich des Hadrianswalls und in Irland bewahrt werden, weshalb das Quellenmaterial aus Irland auch das am reinsten erhaltene ist (Evans 1981, S. 170). Heute ist Irland das einzige Land, in dem Gällisch immer noch die erste Landessprache ist. (Vgl. Fleming 1997, S. 10-12; Schaper 2011, S. 14 f., S. 20 f., S. 63, S. 128 f., S. 145, S.161, S. 167 f.)

b. Antike Quellen

Die Druiden (s. 5. Druiden) haben ihr Wissen über die keltische Religion und Mythologie hauptsächlich mündlich weitergegeben. Deshalb müssen wir uns heute auf die Dokumente griechischer und römischer Zeitgenossen, christlicher Mönche und auf keltische Funde beschränken, um die Religion der Kelten zu rekonstruieren. Bei den keltischen Zeitgenossen unterscheidet man zwischen denen, die persönliche Erfahrungen mit den Kelten gemacht haben, wie zum Beispiel Gaius Iulius Caesar und der griechische Philosoph Poseidonius, und denen, die sich auf das Hörensagen verließen. Da Griechen und Römer einmal von den Kelten angegriffen worden sind, sind diese Schriften allerdings voller Vorurteile und negativer Darstellungen, weswegen man sie mit äußerster Vorsicht behandeln muss. Die Überlieferungen der christlichen Mönche gehören zu den wichtigsten Quellen der irischen Mythologie. Es kommt jedoch oft zu Widersprüchen, wenn die Mönche versuchten verschiedene mündliche Versionen derselben Geschichte in einer zu vereinen. Die zweite wichtige Quelle, die Funde, sind ebenfalls mit Vorsicht zu behandeln, da die meisten Abbildungen aus der Zeit stammen, in der der griechisch-römische Einfluss bereits sehr stark war. Deshalb findet man zum Beispiel Abbildungen keltischer Götter in Menschengestalt, obwohl die Götter der frühen Kelten ankionisch (bildlos) und eher Naturgeister waren. (Vgl. Evans 1981, S. 170 f.; Fleming 1997, S. 49; Husain 1997, S. 20; Schaper 2011, S. 108 f.)

Ausgewertet werden diese Quellen von Historikern, Archäologen, Sprachforschern, und Anthropologen. Die Historiker interpretieren die griechischen und römischen Dokumente. Die Archäologen vergleichen und beschreiben Funde und Befunde, können sie aber nicht interpretieren. Sie haben die meisten Quellen. Sprachforscher untersuchen die wenigen erhaltenen Inschriften und Ortsnamen nach gemeinsamen Ursprüngen, um Dialekte und deren Orte herauszufinden. Die Anthropologen können anhand von Knochen feststellen, wer am Fundort aufgewachsen und wer nur zugezogen ist. Über die Wanderungsgründe können sie allerdings nur spekulieren. Die Ergebnisse dieser Forschungen ergeben oft kein sehr einheitliches Bild, weswegen wir heute über vieles immer noch nur spekulieren können. (Vgl. Schaper 2011, S. 20/22)

B. Hauptteil

1. Anderswelt

a. Allgemeines

Es gibt mehrere leicht veränderte Vorstellungen der Anderswelt bei den Kelten. Man unterscheidet für gewöhnlich zwischen der irischen und der walisischen Anderswelt. Von der Anderswelt der Festlandkelten ist leider kaum etwas überliefert, weswegen ich auf die gallische Mythologie nicht weiter eingehen werde. Die irische und die walisische Mythologie stimmen darin überein, dass die Anderswelt nicht von der Welt der Sterblichen getrennt, sondern ständig um uns herum und nur durch unsichtbare Grenzen vor uns verborgen ist (s. 4. Schwellenorte). Die Gesetzte von Zeit und Raum gelten hier nicht. In der Anderswelt gibt es zwei Gruppen von Bewohnern. Einerseits gibt es die „Oberschicht in prächtigen Fürstenhöfen“ (Botheroyd 1995, S. 18). Hier gibt es einen unerschöpflichen Vorrat an Nahrung und Getränken. Es herrscht Frieden und Harmonie und es gibt keine Krankheiten oder Schmerzen. Hier leben Götter und Feen (s. 3. Götter). Andererseits gibt es aber auch Ungeheuer, Geister, Gespenster und Hexen, die in die Welt der Sterblichen vordringen können und dort großen Schaden anrichten. Die Anderswelt ist also weniger Aufenthaltsort der Verstorbenen, als vielmehr „eine der Menschenwelt parallele Geisterwelt“ (Maier 2001, S. 136). (Vgl. Botheroyd 1995, S. 17 f.; Evans 1981, S. 176; Husain 1997, S. 29)

In Irland wird die Anderswelt auch „ Tir na n-Og [1] (Botheroyd 1995, S. 329; Husain 1997, S. 28) genannt, was übersetzt „Land der (ewigen) Jugend“ (Botheroyd 1995, S. 329) heißt, da ihre Bewohner nicht altern. Der Herrscher der irischen Anderswelt und der Toten ist der Gott Donn, der „Dunkle“ (Maier 2001, S. 64) (s. 3. b. Totengott Donn) (vgl. Botheroyd 1995, S. 88; Husain 1997, S. 31).

Die walisische Anderswelt ist auch unter dem Namen „Annwn[2]“ (Botheroyd 1995, S. 19; Evans 1981, S. 176; Husain 1997, S. 31) bekannt, was sich ungefähr mit „Nichtwelt“ (Botheroyd 1995, S. 19; Evans 1981, S. 176) übersetzten lässt. Ihr König ist „Arawn[3]“ (Botheroyd 1995, S. 19; Evans 1981, S. 176; Husain 1997, S. 31), der das genaue Gegenteil des groben, ungeduldigen und leichtsinnigen Donns ist (vgl. Botheroyd 1995, S. 21/81).

b. Unsterblichkeit der Seele

Die Kelten „glaubten an ein Leben nach dem Tod“ (Evans 1981, S. 171), aber nicht an die Reinkarnation in die Menschenwelt. Das Gerücht, die Kelten würden nach ihrem Tod in einem neuen Körper in die Menschenwelt wiederkehren, stammt von den Römern und Griechen. So erklärten sie sich die Tapferkeit und Furchtlosigkeit der Kelten. Von Caesar ist uns überliefert, dass er darin einen „psychologischen Trick der keltischen Weisen“ (Botheroyd 1995, S. 341) vermutete, wodurch „die Todesfurcht verschwände“ (Botheroyd 1995, S. 341; vgl. Botheroyd 1995, S. 292). Botheroyd (1995, S. 332) zufolge glaubten die Kelten, dass die Toten, die sie „Abgeschiedene[4]“ (Botheroyd 1995, S. 332) nannten, sich in der Anderswelt zu einem „Festmahl der Unsterblichen“ (Botheroyd 1995, S. 341) zusammenfinden. Sie behalten dort zwar auch ihre körperliche Existenz bei und haben dadurch sozusagen ein weiteres Leben, können aber nicht in die Menschenwelt zurückkehren, wie von Caesar behauptet wurde (vgl. Botheroyd 1995, S. 365). Deshalb wurden die Toten von den Lebenden behandelt, als würden sie normal weiterleben. Der Tod wurde nur als kurzer Abschnitt in der Mitte eines langen Lebens gesehen. Die Lebenden gaben den Verstorbenen unter anderem „vertraute Gegenstände und Lebewesen“ (Husain 1997, S. 43) mit, die ihnen den Eintritt in die Anderswelt erleichtern sollten (s. 5. b. Totenkult). Da die Menschenwelt und die Anderswelt miteinander verbunden sind, glaubten die Kelten an eine auch nach dem Tod existierende Verbindung zu ihren verstorbenen Ahnen (vgl. Maier 2001, S. 140).

[...]


[1] [tier nan wak] (Wood 2000, S. 143); Gällisch: [cheer na nog] (Anam-Aire 2008, S. 170)

[2] [annoon] (Wood 2000, S. 138)

[3] [arrown] (Wood 2000, S. 138)

[4] „von der Menschenwelt Abgetrennte“ (Botheroyd 1995, S. 332)

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656532620
ISBN (Buch)
9783656535751
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264062
Note
15 Punkte
Schlagworte
anderswelt religion seele kelten

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