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Die Bedeutung der interkulturellen Literatur für den Deutschunterricht

Interkulturelle Literatur und ihre Didaktik

Seminararbeit 2011 13 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Allgegenwärtige Interkulturalität - auch im Deutschunterricht?

2. Interkulturelle Literatur - Versuch einer Definition

3. Stereotype in der Literatur und ihre Potentiale für den Unterricht

4. Förderung von Empathie durch interkulturelle literarische Texte

5. Praktische Anregungen zur Umsetzung eines Literaturunterrichts am Beispiel der Geschichten aus „Tausendundeiner Nacht“

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Allgegenwärtige Interkulturalität – auch im Deutschunterricht?

In unserer heutigen Zeit begegnen wir immer häufiger dem Begriff der Interkulturalität. Von interkultureller Handlungskompetenz, interkulturellem Management oder interkultureller Rhetorik ist die Rede. Bereits der inflationäre Gebrauch dieses Begriffs zeigt, wie wichtig die Interkulturalität in unserer heutigen Gesellschaft geworden ist. Auch in der Literaturwissenschaft rückt der Umstand der Interkulturalität immer stärker ins Zentrum, besonders in Bezug auf Deutsch als Zweitsprache bzw. Deutsch als Fremdsprache. Im gängigen Deutschunterricht hingegen wird der Aspekt der Interkulturalität nur selten umgesetzt, obwohl „doch niemand mehr bezweifle, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei.“[1] Doch gerade in Klassen mit einem hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund wäre ein verstärkter Fokus auf den interkulturellen Aspekt der Literatur wünschenswert. Aus Sicht der Toleranzentwicklung wäre dies ein wichtiger Schritt, da sowohl deutsche als auch Schüler mit Migrationshintergrund durch Vergleiche in der Literatur in ihrer Empathie gefördert würden. Um mit Esselborns Worten zu sprechen:

„[D]ie Migranten- und Minderheitenliteratur [könnte] einen wichtigen Beitrag zu Austausch und Verständigung zwischen Mehrheits- und Minderheitenkultur bzw. zur Erkenntnis ihrer Interdependenz und Vermischung und damit zu Selbstverständnis und kultureller Orientierung der Immigranten leisten.“[2]

Ziel dieser Arbeit ist es deswegen den zusätzlichen Nutzen der interkulturellen Literaturdidaktik gegenüber herkömmlicher Literatur herauszuarbeiten. Ausgehend von einer Definition der interkulturellen Literatur wird auf die Stereotype in und den Perspektivenwechsel durch diese Art der Literatur eingegangen. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit praktischen Möglichkeiten zur Umsetzung im Unterricht, die sich vornehmlich auf die Arbeiten Skinners stützen. Eine weitere Unterteilung in Unterrichtsformate für reguläre Deutschklassen und DaF-Klassen findet bewusst nicht statt, da die interkulturelle Literatur in einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft für beide Bereiche ähnliche Vorteile bietet.

2. Interkulturelle Literatur – Versuch einer Definition

Im Falle der Literatur herrschte lange das aus dem 19. Jahrhundert stammende Konzept einer monolingualen Nationalliteratur vor. Die Migranten- und Exilliteratur führte deswegen im wissenschaftlichen Interesse lange Zeit nur ein Schattenleben und fand nur marginal Beachtung. Erst die in den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts auftretende sogenannte Gastarbeiterliteratur der Arbeitsimmigranten in Deutschland änderte diese Ansicht hin zu einer mehr interkulturell orientierten deutschsprachigen Literatur. Durch die zunehmende Globalisierung nimmt auch der Wert interkultureller Literatur gerade in der heutigen Zeit einen wichtigen Platz ein. Von Gastarbeiterliteratur kann aber gegenwärtig nicht mehr die Rede sein, da sich viele der Autoren bereits in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland befinden. Die interkulturelle Literatur lässt sich deshalb per definitionem nur schwer exakt festlegen.[3]

Bereits der alleinstehende Begriff interkulturell, obwohl im heutigen Sprachgebrauch durchaus gebräuchlich, ist nicht eindeutig zu umfassen. Diese Problematik potenziert sich noch, wenn der Begriff in Zusammenhang mit Literatur verwendet wird. Ist ein Text in Deutschland interkulturell, wenn ein Immigrant ihn verfasst hat oder wenn ein Immigrant im Werk die Stelle des Protagonisten einnimmt? Ist Interkulturalität auf die Thematik bezogen oder durch den Einsatz fremdsprachlicher Begriffe geprägt? Allein der Begriff Kultur erfreut sich in Bezug auf die Forschung höchster Beliebtheit beim Diskussionspotential.[4]

Während dieses literarische Phänomen durchaus wahrgenommen, untersucht und kommentiert wird, so kristallisiert sich dennoch eine große Schwierigkeit in der präzisen Bezeichnung der gemeinten Texte und ihrer Autoren heraus.[5]

Zur Vereinfachung werden einzelne Unterklassifizierungen bei der Definition des Begriffes Interkulturelle Literatur im Folgenden ausgeblendet. Interkulturelle Literatur ist demnach „eine Literatur […], die im Einflussbereich verschiedener Kulturen und Literaturen entstanden und auf diese durch Übernahmen, Austausch, Mischung usw. bezogen ist.“[6] Auf Grundlage dieser Definition handelt es sich bei interkultureller Literatur um all jene Schriftstücke, die in irgendeinem Zusammenhang mit mehreren Kulturen stehen.[7]

Diese vereinfachte Umschreibung soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die genaue Eingrenzung des Begriffs der interkulturellen Literatur immer noch stark umstritten ist.

3. Stereotype in der Literatur und ihre Potentiale für den Unterricht

Stereotype bezeichnen stark vereinfachte, schematisierte, feststehende und weit verbreitete Vorstellungen einer Gruppe von einer anderen oder von sich selbst. Sie bilden sich auf Grund weniger, meist oberflächlicher Merkmale aus und zeichnen sich durch Konstanz und Universalität aus. Sie sind also schwer wandelbar und beziehen sich auf beinahe alle Lebensbereiche. Nach Lippmann ist die Bildung von Stereotypen als eine kognitive Strategie der selektiven Wahrnehmung und Komplexitätsreduktion aufzufassen.[8]

Neutraler formuliert kann anstelle von Stereotypen auch von Schemata gesprochen werden. Sie helfen dabei, die Vielzahl von visuellen Einzelwahrnehmungen durch Generalisierungen besser zu ordnen und damit überschaubarer zu machen. Damit erfüllen sie eine wichtige kognitive und soziale Orientierungsfunktion. Auffälligerweise werden dabei Einzelbeobachtungen häufig als Beleg für die Angemessenheit von Stereotypen und Schemata interpretiert, abweichende Beobachtungen werden hingegen häufig übersehen oder als Ausnahmen deklariert.[9]

Als wichtiger Punkt ist anzumerken, dass die Selbst- und Fremdbilder von Nationen unauflöslich miteinander verknüpft sind.[10] „Jede explizite Fremdcharakterisierung einer anderen Nation ist immer auch eine implizite (oftmals unbewusste) Selbstcharakterisierung der eigenen.“[11]

[...]


[1] Honnef-Becker, Irmgard (Hg.): Dialoge zwischen den Kulturen. Interkulturelle Literatur und ihre Didaktik. S. 1.

[2] Esselborn, Karl: Interkulturelle Literatur – Entwicklungen und Tendenzen. In: Honnef-Becker, Irmgard (Hg.): Dialoge zwischen den Kulturen. Interkulturelle Literatur und ihre Didaktik (Diskussionsforum Deutsch, Bd. 24). Baltmannsweiler 2007. S. 10.

[3] Vgl. Esselborn, Karl: Literatur. S. 9/10.

[4] Vgl. http://www.fask.uni-mainz.de/inst/gi/abstracts/abstract-mg.pdf. S. 1/2.

[5] Vgl. http://www.fask.uni-mainz.de/inst/gi/abstracts/abstract-mg.pdf. S. 1/2.

[6] Esselborn, Karl: Literatur. S. 10.

[7] Vgl. Esselborn, Karl: Literatur. S. 10.

[8] Vgl. Honnef-Becker, Irmgard: Empathie und Reflexion: Überlegungen zu einer interkulturellen Literaturdidaktik. In: Honnef-Becker, Irmgard (Hg.): Dialoge zwischen den Kulturen. Interkulturelle Literatur und ihre Didaktik (Diskussionsforum Deutsch, Bd. 24). Baltmannsweiler 2007. S. 215/216.

[9] Vgl. Padrós, Alicia und Biechele, Markus: Didaktik der Landeskunde (Fernstudienprojekt zur Fort- und Weiterbildung im Bereich Germanistik und Deutsch als Fremdsprache, Bd. 31). Berlin/München 2007.

S. 78-80.

[10] Vgl. Honnef-Becker, Irmgard: Empathie. S. 215/216.

[11] Honnef-Becker, Irmgard: Empathie. S. 216.

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656534204
ISBN (Buch)
9783656542209
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264149
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
2,3
Schlagworte
bedeutung literatur deutschunterricht interkulturelle didaktik

Autor

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Titel: Die Bedeutung der interkulturellen Literatur für den Deutschunterricht