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Die Auswirkungen der Russischen Revolution auf die Deutsche Arbeiterjugendbewegung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 27 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Vorrevolutionszeit in Deutschland und Russland
2.1. Deutschland
2.2. Russland

3. Die Russische Revolution in der deutschen Presse und Politik
3.1. Der Blutsonntag
3.2. Die Gefahr vor der Arbeiterjugend
3.3. Die Solidarität mit der Russischen Revolution

4. Karl Liebknecht

5. Die Entwicklung der Arbeiterjugend bis zum Anfang des Ersten Weltkriegs

6. Die Arbeiterjugend im Ersten Weltkrieg

7. Fazit

1. Einleitung

Das Thema der Auswirkungen der Russischen Revolution 1905 – 1907 auf die Arbeiterjugend ist äußerst interessant, da diese Betrachtung gleichfalls einen Überblick über den Charakter der derzeitigen jungen Generation anbietet. Solche Forschung ist vor allem aus soziologischen und psychologischen Gründen eine besondere Wichtigkeit, weil sie ein Bild der Sensibilität sowie den Anregungen der Vorkriegsjugend zeigt, welche als Generation ein bedeutender Teil der gesamten Generationenforschung auf diesem Fachgebiet ist.

Ziel der Arbeit ist es, den Einfluss der Russischen Revolution auf die deutsche Gesellschaft zu untersuchen, wobei der Schwerpunkt auf den Jugendlichen liegt. In dem Rahmen dieser folgenden Untersuchung werden die derzeitigen national-demokratischen Propagandamittel angesprochen und interpretiert werden, die ihre Auswirkungen in der weiteren Gesetzgebung des Kaiserreichs und in der Wahrnehmung des Ersten Weltkriegs sowie im Verhältnis der Jugendlichen diesen Geschehnissen gegenüber findet.

Die russische Revolution scheint auf den ersten Blick ein von Deutschland weit entferntes Ereignis zu sein. Sie könnte aufgrund der wesentlichen ökonomischen und gesellschaftlichen Strukturunterschiede zwischen den beiden Länder unbemerkt und ohne jegliche Auswirkungen im Kaiserreich verbleiben. Vor dem Hintergrund der anwachsenden Probleme der Arbeiterklasse Deutschlands und der starken Militarisierungsmaßnahmen des Kaisers wurde aber das Thema von den deutschen sozial-demokratischen Zeitungen hervorgehoben, wobei sich aus ihrem Interpretationshintergrund heraus die vagen Gleichheiten zwischen der zaristischen Autokratie und dem kaiserlichen Imperialismus andeuten lassen. Weiter wird auf dieser Grundlage untersucht, wie solche Propagandamitteln und die Revolution selbst die weitere Tätigkeit der Arbeiterjugend und ihr Verhältnis zum Krieg beeinflussen. Innerhalb der Arbeit ist ein gesamter Abschnitt Karl Liebknecht gewidmet, weil er der bedeutendste Verfechter der jugendlichen Rechten war.

Zu der Tätigkeit der Arbeiterjugendbewegung in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ist bisher kaum ausführlich geforscht worden, vielmehr liegt der Schwerpunkt auf ihrer Tätigkeit in der Weimarer Republik. Aus diesem Grund sind nur sehr wenige Quellen und Forschungsarbeiten zu dieser Thematik vorhanden. Was noch erstaunlicher scheint ist der Umstand, dass in der Forschungsliteratur die Russische Revolution als die erste proletarische Revolution und als ein Wendepunkt in dem Kampf gegen den Kapitalismus kaum angesprochen wird, obwohl die damit verbundenen Ereignissen noch in der Anfangsphase der Bildung der organisierten Arbeiterjugend zu ihrer Verstärkung und zu großen Hoffnungen geführt haben.

In dieser vorliegenden Arbeit sind daher vor allem die zwischen 1905 - 1907 herausgegebenen Artikeln in verschiedenen deutschen Zeitungen als Quellen benutzt worden, wobei anhand der zwei deutlich verschiedenen Perspektiven zwischen den sozialdemokratischen und den konservativen Organen leicht herauszustellen ist, wie dasselbe Ereignis aus unterschiedlichen Gesichtspunkten heraus in Deutschland wahrgenommen wird. Diese Zeitungsartikel schätze ich deswegen als wichtig ein, weil sie am Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem als Propagandamittel und zur Verbreitung diverser Ideen innerhalb der Gesellschaft dienten und deswegen die echten Parteipositionen widerspiegelten. Weiterhin sind noch einige Protokole aus den sozialistischen Kongressen benutzt worden, welche das Verhältnis der sozialdemokratischen Partei zur Frage der arbeitenden Jugend zeigte. Zum allgemeinen Verhältnis der Jugendlichen und zur Jugendbewegung selbst sowie zu ihren Ideen sind vor allem die Berichte einiger davon, die sich in der Frankfurter Region beteiligten, benutzt worden. Aus diesen Grundlagen sind die verschiedenen Stimmungen in Deutschland im Zeitraum 1905 – 1919 einleuchtend darzulegen.

Aus dem Bereich der Forschungsliteratur ist das im Jahre 1922 publizierte Buch von Karl Korn „Die Arbeiterjugendbewegung“ ein ziemlich interessanter Fall, weil es an der Grenze zwischen einer Quelle von einem Zeitzeugen und einem Forschungsüberblick steht. Dabei ist es aber offensichtlich, dass die Ideen der Arbeiterjugend objektiv und ausführlich begründet und erklärt sind. Aus der neueren Forschungsliteratur sind zwei Bücher über die Jugendbewegung in Frankfurt am Main bemerkenswert, weil sie, neben den Erinnerungen, auch einen gemeinsamen Überblick auf die politische und gesellschaftliche Situation in Deutschland anbieten. In Bezug auf die beiden Russischen Revolutionen ist vor allem die von Karl Heinz Jahnke geschriebene illustrierte Geschichte der Arbeiterjugendbewegung 1904 – 1945 zu nennen, weil sie auf die Ereignisse in Russland mehr als irgend ein andres Buch besonderen Wert legt. Dem Verhältnis der Jugendlichen zur bestehenden Sozialpolitik ist Martin Zwerschkes „Jugendverbände und Sozialpolitik“ gewidmet. Zur Tätigkeit von Karl Liebknecht ist ein neueres Forschungsbuch im Jahr 2007 von Annelies Laschitza geschrieben worden, in dem auch über seine Bedeutung für die Entwicklung der Jugendlichen speziell aufmerksam gemacht wird. Im Buch „Jugend in Bewegung“ von Reinhard Barth ist ein kurzer Überblick zur Arbeiterjugend angeboten, der vor allem zur Bestätigung der älteren Forschungen benutzt wurde. Ein weiterer ideengeschichtlicher Überblick zur Arbeiterklasse ist bei Arno Klönne in „Fluchtpunkte. Das soziale Gedächtnis der Arbeiterbewegung“ nachzulesen, obwohl in diesem Werk die arbeitende Jugend kaum explizit angesprochen wird.

2. Die Vorrevolutionszeit in Deutschland und Russland

Kurz nach der Bildung einer organisierten Arbeiterjugend in Deutschland ist die Russische Revolution 1905 – 1907 ausgebrochen. Diese Revolution zählt als die erste große Proletarierrevolution und gilt damit als das Präludium zur großen bolschewistischen Oktoberrevolution im Jahr 1917. Unter den Umständen des deutschen Imperialismus findet sie große Aufmerksamkeit in dem deutschen Kultur- und Sozialleben. Die noch im 19. Jahrhundert berühmt gewordene kommunistische Losung „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ wurde zu diesem Zeitpunkt bereits in die Praxis umgesetzt. Ihre langfristigen Auswirkungen waren das hintergründige Ziel dieser Revolution sowie ihre Verbreitung in den übrigen europäischen Ländern.

2.1. Deutschland

In Deutschland wurden noch ab dem 18. Jahrhundert die verschiedenen Klassen gebildet – die Kapitalisten, die Bourgeoisen und die Proletarier, wobei die letzte Klasse unter den ständigen Unterdrückungen und Ausbeutungen seitens der Kapitalisten litt. Von daher stammt auch die Marxistische Idee zur Abschaffung der Klassen durch den Kommunismus, die im März 1848 in dem „Manifest der Kommunistischen Partei“ veröffentlicht worden ist. [1] Darin wird die These geäußert, dass obwohl die Leibeigenschaft abgeschafft worden ist, die Klassenunterschiede damit aber nicht beseitigt worden sind, sondern sie tragen nun lediglich verschiedene Namen – Bourgeois und Proletarier, was die Entwicklung einer neuen kommunistischen Ideologie benötigt, wobei die zukünftige kommunistische Partei sich nicht gegenüber den jeglichen Arbeiterparteien aufstellen würde, sondern sie nur unterstützen wolle. Obwohl dieses Manifest aufgrund der französischen Revolution geschrieben worden ist, ist es auch als die Grundlage der proletarischen Revolutionen in Russland und der Bildung einer organisierten Arbeiterbewegung in Deutschland anzusehen, die die Rechte der Arbeiterklasse unterstützen musste.

Mit dem Antritt von Kaiser Wilhelm II. an die Macht wurden alle Möglichkeiten zum Aufstieg oder zu der Gleichberechtigung der Arbeiterklasse niedergeschlagen, da der Schwerpunkt zu dieser Zeit auf dem Militär und den imperialistischen Ideen für Deutschland als Weltmacht lag. Die Grundlagen des Imperialismus, die sich zeitgemäß immer mehr zeigten, sowie die Monopolvereinigungen ebenso wie die ungleichmäßige Entwicklung der verschiedenen sozialen Schichten waren noch eine weitere genügende Ursache für die Entstehung der Arbeiterorganisationen und die Notwendigkeit für einen organisierten Widerstand gegen die politische Unterdrückung. Obwohl sich die Lage der Industriearbeiter aufgrund der raschen Industrialisierung Deutschlands teilweise verbesserte, weil vor allem nun mehr Arbeitsplätze zugänglich waren, war ihre Situation trotzdem nicht besonders gut. Das zeigt sich an der Tatsache, dass die meisten Kindern aus den Arbeiterfamilien kaum ausgebildet waren. Spätestens ab dem Ende der Grundschule gingen sie in die Fabriken arbeiten, um für den Familienunterhalt ihren kleinen Beitrag zu leisten. Das Problem der arbeitenden Kinder war offensichtlich sehr schwer, wofür das Gesetz des Kaisers von 1904, das die Einstellung von Kindern unter zwölf Jahren untersagte, spricht.

Die Probleme der Jugendlichen lagen nämlich dem Bedürfnis zur Bildung eines starken Proletariats zugrunde. Für sie bestand am Anfang des 20. Jahrhunderts noch kein Schutz- und Vertretungsprogramm. Sie hatten keine Möglichkeiten zur Fortbildung in den Fabriken oder zur selbstständigen Entwicklung in der Arbeiterschaft. Unter diesen Umständen von raschen Industrialisierungsprozessen war es aufgrund der großen Konkurrenz auch eine erhebliche Hinderung, die dringend eine organisierte Arbeiterbewegung benötigte. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde somit die Zahl der jugendlichen Arbeiter/innen, wie bereits erwähnt, so dermaßen hoch, dass sie selbst als eine selbstständige Schicht betrachtet werden mussten. Auf diese Weise wurde im Jahr 1904 die Arbeiterjugendbewegung in Berlin gegründet, wobei anfänglich das Ziel der Bewegung kein politischer Widerstand war, sondern es ging lediglich darum, eine ausreichende Ausbildung der Lehrlinge zu sichern, um mit den älteren Mitgliedern der Arbeiterklasse konkurrenzfähig zu sein, sowie bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterfamilien zu bewirken, die dann ihrerseits ebenso bessere Erziehung für die Kinder bedeuteten.

2.2. Russland

In Russland herrschten die imperialistischen Strebungen des Zaren noch lange bevor die Revolution im Jahr 1905 ausbrach. Im Unterschied zu Deutschland wurden sie aber auf verschiedene Weise durchgeführt und so dann auch akzeptiert. Der größte Unterschied lag in den verschiedenen gesellschaftlichen Milieus der beiden Ländern – als in Deutschland die bürgerliche Arbeiterklasse bereits im 18. Jahrhundert entwickelt war, bestand zur selben Zeit die russische Bevölkerung hauptsächlich aus Bauern oder Großunternehmern. Die bürgerliche Arbeiterklasse war dagegen nicht genug entwickelt und in einer noch schlimmeren Notsituation als die deutsche, also entweder viel zu arm zum Leben oder sie war dazu gezwungen, zum Bauernstand überzugehen. Eine andere grundlegende Voraussetzung zum Aufstand der russischen Arbeiterklasse war die verwirrende gesellschaftliche Trennung der westorientierten, modernen Teile der Gesellschaft und die zurückhaltenden Anhängern der alten russischen Tradition. Zu der zweiten Gruppe gehörten auch die Zaristen und die Zarenfamilie selbst, die, obwohl die Leibeigenschaft abgeschafft worden war, die alte Ordnung beibehalten wollten. Dabei wurde eine Autokratie bestimmt, dass die russische Duma abgeschafft werden solle und die Macht auf den Zar konzentriert werden würde. Doch bestand im 18. Jahrhundert auch die Notwendigkeit zur Industrialisierung Russlands, die den imperialistischen Bedürfnisse angepasst werden sollte und die russischen Kriege finanzieren musste, die zu weiteren Spannungen in den Verhältnissen mit der neu entwickelten Proletarierklasse führte. Diese Arbeitslosigkeit im Staat steigerte sich zusehend und die Ressourcen, die der russische Konflikt mit Japan aufbrauchte, verstärkten die Unzufriedenheit der Bevölkerung immer weiter.

Die bereits erwähnen Ideen von Marx und Engels wurden in Russland von Wladimir Lenin in dieser Form für seine politischen Ziele aufgenommen und erweitert bis zu der Entstehung der ersten russischen nationaldemokratischen Arbeiterpartei im Jahre 1898. Noch in seinen früheren Schriften steckt in der vierten These das Problem, das laut ihm das bedeutendste war und damit auch das Ziel war, nach dem er mit der Arbeiterpartei strebte:„Unsinnige Negierung der Politik in der bürgerlichen Gesellschaft. Nichtbegreifen der Rolle der Organisation und der Erziehung der Arbeiter. Panazeen aus einseitigen, aus dem Zusammenhang gerissenen Mitteln.[2]

[...]


[1] Jahnke,K.-H. u.a.:Deutsche Arbeiterjugend 1904 bis 1945(Köln, 1987); S. 15

[2] Lenin, W.:Anarchismus und Sozialismus(1901); Inhttp://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1901/xx/anarchsoz.htm; Letzer Zugang am 20.07.2008

Details

Seiten
27
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656536000
ISBN (Buch)
9783656537472
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264334
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,3
Schlagworte
auswirkungen russischen revolution deutsche arbeiterjugendbewegung

Autor

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