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Der Teufelskreis der Gewalt. Die Auswirkungen von häusslicher Gewalt auf das eigene Gewalthandeln

Ausarbeitung 2013 14 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Klärung des Begriffs der häuslichen Gewalt und die Erfassung der Straftat
1.1 Gewalt in der Partnerschaft
1.2 Gewalt gegen die eigenen Kinder

2. Folgen von häuslicher Gewalt - gesundheitlich und sozial

3. Der Platzverweis als Schutz und Hilfe der Familie

4. Auswirkungen der familiären Gewalterfahrungen auf die spätere Gewaltbereitschaft der Kinder und Jugendlichen

5. Präventionsmöglichkeiten vor Gewalt für Kinder und Jugendliche

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Klärung des Begriffs der häuslichen Gewalt und die Erfassung der Straftat

In meiner wissenschaftlichen Arbeit beschäftige ich mich mit dem Thema der häuslichen Gewalt und verwende die grammatikalisch maskuline Schreibweise, meine damit aber auch weibliche Personen. Mein Thema ist der Teufelskreis der Gewalt und die Auswirkungen von häuslicher Gewalt. Ich versuche die Frage zu klären, wie sich die Gewalterfahrungen von Kindern auf das spätere eigene Gewaltverhalten auswirken; da es mich interessiert zu Erfahren, ob es dort einen Zusammenhang gibt.

Wenn vom Thema der häuslichen Gewalt gesprochen wird dachte ich immer im ersten Moment, dass es sich um körperliche Gewalt, z.B. Tritte oder Schläge, des Partners oder des Vaters, gegen die Mutter oder das Kind handelt. Doch der Begriff der häuslichen Gewalt ist nicht so einfach zu erklären. Unter anderem sind auch sexuelle Misshandlungen ein Teil der Gewalt.

Seit Mitte der 70er Jahre wird öffentlich auf die häusliche Gewalt aufmerksam gemacht. In der Folge wurden Frauenhäuser gegründet, die Unterschlupf für geschlagene Frauen boten. Doch erst in den 90er Jahren sorgten diverse Gesetzesänderungen dafür, dass körperliche Gewalt gegen Frauen als strafrechtlich sanktionierbare Tat gewertet wird. Ende dieser Gesetzesänderungen war die Festlegung, dass auch Vergewaltigungen in und außerhalb der Ehe zum Straftatbestand dazu zählten.

Die häufige Meinung, häusliche Gewalt gehe ausschließlich von Männern aus, ist nicht korrekt. In den USA gab es bereits Mitte/Ende der 70er Jahre Untersuchungen welche aufzeigten, dass Frauen ähnlich häufig wie Männer jegliche Form von Gewalt ausübten. In Deutschland gab es solche Untersuchungen erst Ende der 90er Jahre. Die Ergebnisse waren die Selben wie in den USA und widersprachen somit der gängigen Meinung, häusliche Gewalt gehe nur von Männern aus.1 Doch im Folgenden meiner Arbeit gehe ich auf solche Untersuchungen noch genauer ein.

Ebenso fallen psychische Gewalt, wie Bedrohung, Unterdrückung oder Beleidigungen unter den Begriff der häuslichen Gewalt. Doch diese Taten sind ungleich schwerer festzustellen, vor allem aber zur Anzeige zu bringen. Das liegt daran, dass die Opfer solche psychische Gewalt gar nicht als Gewalt erkennen beziehungsweise wahrnehmen, oder weil die Handlungen nicht in das Strafrecht fallen. Um diese Art der Gewalt genau zu erfassen, müssen genauste Fragen gestellt werden. Es reicht nicht danach zu Fragen was Gewalt ist, sondern es muss ins Detail gegangen werden. Bei klaren Fragen nach Tritten, Schlägen oder Beleidigungen, kommen auch eine klare Antworten. Unabhängig davon, ob es die betroffene Person als Gewalt ansieht oder nicht.

Aussagekräftige Statistiken über häusliche Gewalt existieren im Prinzip nicht. Durch die enge Bindung in einer Partnerschaft, werden viele Fälle gar nicht zur Anzeige gebracht. Dadurch können Kriminalstatistiken nur einen geringen Einblick über die Häufigkeit, die Art und vor allem den Anteil von Männern und Frauen in der Täterbeziehungsweise Opferrolle geben.

Ebenso verhält es sich bei Befragungen in Beratungsstellen oder Krankenhäusern.

Auch hier nimmt längst nicht jeder mit häuslichen Gewalterfahrungen teil.1

Im Folgenden versuche ich darzulegen, wie es zu Gewalt gegen den Partner oder das Kind kommt und die Auswirkungen auf das alltägliche Leben. Anschließend zeige ich häufige Folgen von häuslicher Gewalt, in gesundheitlicher und sozialer Hinsicht. Danach beschreibe ich die Folgen der Gewalterfahrungen auf das eigene Gewalthandeln der Kinder und Jugendlichen und welche Möglichkeiten es gibt sie präventiv vor Gewalt zu schützen. Abschließend ziehe ich mein persönliches Resümee zu diesem Thema.

1.1 Gewalt in der Partnerschaft

Um die Gewalt in Partnerschaften darzulegen, werden aussagekräftige Statistiken und Untersuchungen benötigt. Da dies lange nicht der Fall war, konnten keine repräsentativen Aussagen getätigt werden. Doch von 2002 bis 2004 führte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) eine erste Repräsentativstudie zu Gewalt gegen Frauen durch. Zu den Gewalterfahrungen in ihrem bisherigen Leben wurden über 10.000 Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren befragt.2

In dieser Untersuchung kam heraus, dass 25% der befragten Frauen schon einmal körperliche und/oder sexuelle Gewalt von einem ehemaligen oder aktuellen Beziehungspartner erfahren hatten (ich beziehe mich im Folgenden nur noch auf diese 25%). Des weiteren gaben 64% dieser Frauen an, körperliche Verletzungen von den Übergriffen davon getragen zu haben und 33% von ihnen haben 10 bis über 40 von solchen Situationen regelmäßig miterleben müssen.

Gewalt gegen Frauen kann nach Trennungen und Scheidungen zunehmen, oder beginnt dann. 38% der Frauen hatten nach der Trennung oder Scheidung Drohungen, 30% körperliche Gewalt und 12% sexuelle Übergriffe durch den ehemaligen Partner erlitten.3

Die erste Pilotstudie von Gewalt gegen Männer wurde von 2003 bis 2004 vom BMFSFJ in Auftrag gegeben. Durchgeführt wurde diese Untersuchung vom außeruniversitären Forschungsverbund „Gewalt gegen Männer“. Da diese Befragung nur 266 Männer umfasst, ist sie nicht mit der Untersuchung der Frauen vergleichbar. Sie gibt aber dennoch einen kleinen Überblick über die Gewalterfahrungen von Männern durch eine ehemalige oder die aktuelle Partnerin.

So gaben jeweils 5-10% der Männer an, von ihrer Partnerin geohrfeigt, gebissen, gekratzt, getreten oder beworfen wurden zu sein. Allerdings hat kein Mann angegeben, dass er schon einmal von seiner Partnerin verprügelt wurde. Viel häufiger sehen sich die Männer als Opfer von psychischer Gewalt. Allerdings nicht durch Beleidigungen oder Demütigungen, sondern durch die Kontrolle der Partnerin.

Jeder fünfte Mann leidet unter der Eifersucht seiner Partnerin und dem Verbot von Kontakt zu Anderen. Jeder sechste Mann gibt an, dass seine Partnerin genau kontrolliert, mit wem er wann wohin geht. Außerdem sagen 5-8% der Männer, dass

die Post, das Telefon und E-Mails von der Partnerin kontrolliert werden.

Insgesamt ergab sich aus der Prävenzialstudie der Frauen und der Pilotstudie der Männer, dass beide Geschlechter ähnlich oft körperliche Gewalt vom Partner erfahren. Allerdings gibt es ein ungleichmäßiges Verhältnis in der Schwere der Übergriffe. So berichten die Männer von Wegschubsen, Ohrfeigen, Tritten sowie Beißen und Kratzen. Während die Frauen eine deutlich stärkere und häufigere Gewalt erleiden müssen.1

Doch wie kommt es überhaupt zu Gewaltausbrüchen gegenüber dem Partner? Da besteht die Möglichkeit der Unzufriedenheit mit seinem eigenem Leben, extreme Eifersucht, oder der Zwang nach Kontrolle. Doch für den wohl entscheidendste Punkt schreibt das Forschungsnetz Gewalt im Geschlechterverhältnis: „ Alle Studien, die die Zusammenhänge zwischen Gewalt im Geschlechter- und im Generationenverhältnis thematisiert haben, kommen zu dem Ergebnis, dass es signifikante Zusammenhänge zwischen Partnergewalt der Eltern, elterlicher Gewalt gegenüber Kindern und Gewaltbetroffenheit und Gewaltbereitschaft im Erwachsenenleben gibt “. (GiG-net, 2008: S. 44)

Das heißt, dass es eine große Wahrscheinlichkeit dafür gibt, dass Kinder die Gewalt zwischen ihren Eltern erlebt haben, in ihren eigenen Beziehungen ebenfalls zu Gewalt neigen.

Doch diese Aussage muss relativiert werden. Denn nur bei den Jungen scheint es so der Fall zu sein. Sie entwickeln eher eine eigene Gewaltbereitschaft als Mädchen. Bei Mädchen besteht dagegen das Risiko, dass sie in ihren späteren Beziehungen ein Opfer von Gewalt werden. Vorausgesetzt, der Vater hat die Mutter geschlagen und nicht umgekehrt. Diese Entwicklung wird durch geschlechtsspezifischen Vorbilder und Erfahrungen erklärt.2

Doch was passiert, wenn sich die Gewalt in der Familie gegen das Kind richtet?

1.2 Gewalt gegen die eigenen Kinder

Die Gewalt in der Familie kann sich nicht nur gegen den Partner, sondern auch gegen das Kind richten. Wenn ein Elternteil das Andere schlägt kann es passieren, dass das Kind versucht sich zwischen Vater und Mutter zu stellen und den Streit oder die Handgreiflichkeit zu beenden. Oft bekommt es in diesen Situationen ebenfalls den ein oder anderen Schlag ab. Die bereits erwähnte Prävenzialstudie von 2004 befragte die Frauen zu ihren Gewalterlebnissen. Die Mütter unter ihnen wurden ebenso zu dem Miterleben ihrer Kinder befragt. So sind 21% der Kinder in die Auseinandersetzungen der Eltern beteiligt gewesen und 10% direkt geschlagen wurden.3 In solchen Fällen herrscht also eine Gewalt gegen den Partner und das Kind.

Wird in einer Familie nur das Kind geschlagen, geschieht dies häufig durch die Mutter. Zumindest haben sich Mütter deutlich häufiger per Leserbrief an die Zeitschrift „Eltern“ gewandt, um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.4

[...]


1 Vgl.: Kury/ Obergfell-Fuchs, 2005: S. 37 ff.

1 Vgl.: GiG-net, 2008: S. 19 f.

2 Vgl.: GiG-net, 2008: S. 22

3 Vgl.: GiG-net, 2008: S. 28 f.

1 Vgl.: GiG-net, 2008: S. 30 ff.

2 Vgl.: GiG-net, 2008: S. 44

3 Vgl.: GiG-net, 2008: S. 270 f.

4 Vgl.: Wahl, 1990: S. 16

Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656542001
ISBN (Buch)
9783656542896
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264680
Schlagworte
teufelskreis gewalt auswirkungen gewalthandeln

Autor

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Titel: Der Teufelskreis der Gewalt. Die Auswirkungen von häusslicher Gewalt auf das eigene Gewalthandeln