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Faschistische Ästhetiken in der Realität und im Film.

Die Umsetzung der politischen Ästhetisierung in Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“

Hausarbeit 2013 15 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die faschistische Ästhetik des Dritten Reichs Walter Benjamins Ausführungen zur Ästhetisierung der Politik

3. Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“. Ein Propagandafilm?

4. Schlusswort

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Denn Führen heißt: Massen bewegen können.“

- Adolf Hitler1

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 erlebte Deutschland eine allumfassende Revolution. Sie erstreckte sich sowohl über die Politik, als auch über alle Bereiche der deutschen Kultur. Um die Überzeugungen und den Willen der Nationalsozialisten dem Volk näher zu bringen, wurde eine Ästhetisierung der Politik betrieben, welches Walter Benjamin in seiner Schrift „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ beschrieb. Mit Hitler als sympathischen Führer einer aufstrebenden Nation gelang es ihnen, den Nationalsozialismus in den Alltag jedes Deutschen zu bringen und die Massen zu mobilisieren. Dabei verwendeten sie Elemente des Faschismus und führten somit auch eine neue Kultur ein, die sich auch Jahrzehnte danach in die Köpfe der Weltbevölkerung einprägte. Hakenkreuz, stählerne Arier, Menschenmassen, welche den Arm zum Hitlergruß heben sind erste Assoziationen, die man mit der Nazi Kultur verbindet.

In dieser Arbeit soll die Ästhetisierung der Politik in der Filmkunst näher betrachtet werden. Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“ ist hierbei als definierendes Objekt zu sehen: Riefenstahl war es, die die Ideale und Ideen der Nationalsozialisten auf der Leinwand darstellte und damit ihren Beitrag zu ihrer Realisierung leistete. Ihre Dokumentation der beeindruckenden Inszenierung des sechsten Reichsparteitages der NSDAP in Nürnberg gilt bis heute als ein kontrovers diskutierter Streifen revolutionärer Aufnahmetechnik. Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Ästhetisierung der Politik im dritten Reich zu betrachten sowie die Präsenz der nationalsozialistischen Ästhetik im wichtigsten Massenmedium des 20.Jh., des Films, darzustellen anhand von „Triumph des Willens“ ihren Einfluss bzw. ihr Gegenspiel mit der politischen Realität zu reflektieren.

2. Die faschistische Ästhetik des Dritten Reichs. Walter Benjamins Ausführungen zur Ästhetisierung der Politik

„Alle Bemühungen um die Ästhetisierung der Politik gipfeln in einem Punkt. Dieser eine Punkt ist der Krieg.“12

- Walter Benjamin, *1892 + 1940 deutscher Philosoph, Literaturkritiker und Schriftsteller

Der Begriff der Ästhetik taucht erstmals in Alexander Gottlieb Baumgartens Ausführungen in seinem Werk „Aesthetica“ (1750-1758) auf. Baumgarten bestimmte die Ästhetik als „Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis“3 und „begründet damit die philosophische Teildisziplin der Ästhetik im Sinne der Wahrnehmung des Schönen, Vollkommenen, Erhabenen.“4 Unter „sinnliche Erkenntnis“ verstand er die sinnliche Wahrnehmung, ohne welche das Erfassen von ästhetischen Erfahrungen gar nicht möglich wäre. Das ästhetische Erlebnis hängt also von der eigenen Wahrnehmung dessen ab. Wenn die Sinnesorgane beim Anblick eines Objektes gereizt werden und dies ein Gefühl hervorruft, so wird das Objekt als ästhetisch beschrieben. Die Ästhetisierung von Objekten oder Ereignissen beschreibt hierbei (Anm.: im Nationalsozialismus) eine „Verschönerung“, d.h. eine Manipulation, welche eine positive Reaktion beim Rezipienten hervorrufen soll. Nicht das Sein, sondern der Schein und die Vorstellung bzw. das Ideal wird betont und hervorgehoben. Der Erfolg der Nationalsozialisten beruht auf diesem Verständnis von Ästhetik. Die NSDAP, mit Hitler als Leitfigur, schaffte es mithilfe der allumfassenden Ästhetisierung des Alltags das Volk für sich zu gewinnen. Die Rückbesinnung auf urdeutsche, bzw. germanische Tugenden und Traditionen brachte ein neues Gemeinschaftsgefühl hervor. Die Ideen, Ideale und Ziele des Nationalsozialismus konnten durch den totalitaristischen Regierungsstil der NSDAP in jeden Lebensbereich integriert werden. Durch die massive Einbeziehung des Volkes, welches mithilfe von Massenveranstaltungen und einer weitflächigen Propaganda erfolgte, gelang es ihnen, den Nationalsozialismus in alltägliche Bereiche wie Erziehung, Bildung, Arbeit und Freizeit zu integrieren. Beispielsweise wurde der Fokus eher auf körperliche Ertüchtigung statt auf Bildung gesetzt; Der Kampfsport war eine Gelegenheit, seine angeborene Überlegenheit zu zeigen. Der „Arier“, der ideale Deutsche, sollte den Figuren der klassischen Antike und auch der germanischen Mythologie gleichen: Blond, blauäugig, groß, stark, gesund, tapfer, aufopfernd für sein Vaterland. Auch die Schaffung eines Feindbildes, hier die Juden und sonst alle Völker, die sich gegen den Nationalsozialismus stellten, förderte den Glauben an die Ideologie, verstärkte die neu geschaffene Identität und stärkte das Gemeinschaftsgefühl. Das Kunstverständnis der Nationalsozialisten war ebenso geprägt vom Streben nach Schönheit und Perfektion, Ideale der klassischen Antike wurden wieder aufgegriffen. Typisch deutsche Landschaften, weite Ackerflächen, die die Fruchtbarkeit und den Reichtum demonstrieren sollten. Harmonische Impressionen, welche ihr Pendant in den Menschendarstellungen fanden: Wohlgeformte Körper, durchtrainiert, sonnengebräunt, blondes, kräftiges Haar, stahlblaue Augen, den Blick gen Himmel gerichtet, stolz und stark auf die eigene Rasse und das Vaterland. Dies ist ein häufiges Motiv nationalsozialistischer Darstellung eines arischen Mannes, ein reinblütigen, deutschen Bürgers. Oft ist er auch bei der Arbeit dargestellt oder beim Kampf, immer die Stärke und Kraft des Landes symbolisierend. Die Frau entspricht ebenso dem Schönheitsideal der klassischen Antike: Blond, wohlgeformt und gesund. Sie jedoch wird im Gegensatz zum Mann auf die Fruchtbarkeit ihres Körpers reduziert, dessen einzige Aufgabe es ist, dem Führer möglichst viele Kinder zu schenken. Beim Frauenkongress 1935 in Nürnberg definiert er den Stellenwert der Frau in der nationalsozialistischen Gesellschaftsordnung: "Die Frau hat auch ihr Schlachtfeld. Mit jedem Kind, das sie der Nation zur Welt bringt, kämpft sie ihren Kampf für die Nation."5 Diese Darstellung entsprach der Rassenlehre des Dritten Reiches, wonach die nordische Rasse die edelste unter allen Rassen sei und daher die einzige Existenzberechtigung besäße. Zudem sieht er jeden einzelnen Bürger als einen Soldaten an und das Leben als ein Schlachtfeld, auf dem es für höhere Instanzen zu kämpfen gilt. Die Verbreitung der nationalsozialistischen Kunst und Idee erfolgte durch den Gebrauch der Massenmedien. Nach Walter Benjamins Auffassung war es das, was Hitler zum Erfolg verhalf. In seiner Schrift „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ äußerte er seine Besorgnis über den aufkommenden Faschismus in Europa. „Der Faschismus läuft folge recht auf eine Ästhetisierung des politischen Lebens hinaus. Der Vergewaltigung der Massen, die er im Kult eines Führers zu Boden zwingt, entspricht der Vergewaltigung einer Apparatur, die er der Herstellung von Kultwerten dienstbar macht. Alle Bemühungen um die Ästhetisierung der Politik gipfeln in einem Punkt. Dieser eine Punkt ist der Krieg. Der Krieg, und nur der Krieg, macht es möglich, Massenbewegungen größten Maßstabs unter Wahrung der überkommenen Eigentumsverhältnisse ein Ziel zu geben“6 Benjamin beschreibt hier Hitlers Bemühungen, vornehmlich die Masse zu erreichen, da diese leicht zu überzeugen und zu leiten ist. Oft auf emotionaler Ebene bleibend versuchte er, mithilfe der Bildung eines Sündenbocks die allgemeine Wut und Verzweiflung des Volkes zu sammeln und zu konzentrieren. Die Film- und Bildaufnahmen jener sind es auch, die am meisten beeindrucken. Aufnahmen, auf denen Hitler, auf der Bühne sich künstlich erhebend und gleichzeitig das Volk erniedrigend, vor einem jubelndem Riesenpublikum steht und die Hand zum Gruß erhebt, rufen automatisch Ehrfurcht aus. „Dass Hitler der Messias sei, der Erlöser aus Furcht und Elend, Arbeitslosigkeit und Inflation, zumindest aber der „Volkskaiser“ napoleonischen Zuschnitts- dieser Glaube hat entscheidend zum Sieg des Faschismus in Deutschland beigetragen.“7 so Ralf Schnell zur faschistischen Ästhetik. Die Macht und Stärke, die hier dargestellt wird, ist deutlich zu spüren und nachzuvollziehen. Auch denen, die nicht anwesend waren, gab Hitler die Möglichkeit zur Teilnahme: Die Massenmedien, insbesondere der Rundfunk und die Filmindustrie, verhalfen der NSDAP zu einer weitflächigen Verbreitung. Durch die Schnitt- Ton- und Montagetechnik war es nun auch möglich, aufgenommenes zu verändern, bzw. zu manipulieren, um sie in idealisierter Weise präsentieren zu können. Sowohl in der Realität, als auch in der medialen Wiedergabe fand durch die regelmäßig veranstalteten „Happenings“ eine Ästhetisierung statt. Gewöhnliche Parteitage wurden durch Bühnengestaltung, Musikuntermalung und die meist emotionale und anregende Wortwahl bei der Rede zu hypnotisierenden Messen, mit einem Messias über den Massen schwebend.

[...]


1 Zitat aus: Adolf Hitler. „Mein Kampf“. 1943

2 Zitat aus Zitat aus Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. http://walterbenjamin.ominiverdi.org/wp-content/kunstwerkbenjamin.pdf. Stand: 01.09.2013

3 Zitat aus http://www.aesthetische-bildung.uni-bremen.de/Dateien/Aesthetik%20und%20Wahrnehmung%20.pdf

4 Zitat aus http://www.zpg-gm.de/inhalte/zpg2_pdf/aesthetik_teil1_th.pdf

5 Zitat aus „Die Parole der Woche: 7.-13. Mai 1936: Ein Wort des Führers zum Ehrentag der Mutter". Deutsches Historisches Museum

6 Zitat aus Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. http://walterbenjamin.ominiverdi.org/wp-content/kunstwerkbenjamin.pdf (1939), S.27

7 Zitat aus Schnell, Ralf: Die Zerstörung der Historie. Versuch über die Ideologiegeschichte faschistischer Ästhetik, in: Literaturwissenschaft und Sozialwissenschaft 10. Kunst und Kultur im deutschen Faschismus. Hrsg.: Schnell, Ralf. Stuttgart 1978. Metzler Verlag. S. 29

Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656540380
ISBN (Buch)
9783656542711
Dateigröße
785 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264723
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Schlagworte
faschistische ästhetiken realität film umsetzung ästhetisierung leni riefenstahls triumph willens

Autor

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