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Besonderheiten bei Bewertung von Versicherungsunternehmen

Seminararbeit 2011 18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung

2 Grundlagen der Unternehmensbewertung
2.1 Bewertungsanlässe
2.2 Gängige Bewertungsverfahren

3 Bewertungsrelevante Besonderheiten der Versicherungsgesellschaften
3.1 Differenzierung nach Typen der Versicherungsunternehmen
3.2 Differenzierung nach Rechtsformen
3.3 Besonderheiten des Jahresabschlusses

4 Unternehmenswertermittlung bei Versicherungsgesellschaften
4.1 Relevante Bewertungsverfahren
4.2 Prognose zukünftiger Überschüsse

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bewertungsverfahren

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Seit geraumer Zeit gewinnt das Gebiet der Unternehmensbewertung in der Versiche- rungswirtschaft, wie in den anderen Branchen auch, zunehmend an Bedeutung.1 Ob- wohl die weit verbreitete Unsicherheit durch die Finanz- und Schuldenkrise zu einem „Transaktionsstau“ im Finanzsektor in den Jahren zwischen 2008 - 2011 geführt hat,2 können in der Versicherungswirtschaft trotzdem zahlreiche Gründe verzeichnet werden, für die eine Unternehmensbewertung notwendig ist.3 In der einschlägigen Literatur zu Unternehmensbewertung finden sich viele Publikationen, Schriften und Monographien zur Bewertung von Industrieunternehmen. Die Bewertung von Versicherungsunterneh- men wird dagegen nur selten erwähnt.4 Der Prozess der Leistungserstellung eines Ver- sicherungsunternehmens unterscheidet sich jedoch erheblich von dem eines Industrieun- ternehmens. Deshalb ist eine gesonderte Betrachtung der Bewertungsparameter von Versicherungsunternehmen unumgänglich.5

Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist, die Besonderheiten von Versicherungsunter- nehmen zu untersuchen und deren Auswirkungen auf den Prozess der Bewertung darzu- stellen.

1.2 Gang der Untersuchung

Die Ausarbeitung gliedert sich in 5 Kapitel. Nach einer kurzen Einleitung folgt in Kapi- tel 2 zunächst die Darstellung von Grundlagen der Unternehmensbewertung. Um einen groben thematischen Überblick zu verschaffen, wird es weitestgehend von der versiche- rungsspezifischen Fragestellung abstrahiert und allgemein auf Anlässe und Verfahren der Bewertung eingegangen. In Kapitel 3 folgt die Darstellung von bewertungsrelevan- ten Besonderheiten eines Versicherungsunternehmens. Der Prozess der Wertermittlung wird in Kapitel 4 beschrieben. Das Kapitel 5 fasst die Erkenntnisse in einem Fazit zu- sammen und zeigt, welche versicherungsspezifische Komponenten in der Zukunft ver- stärkt zu berücksichtigen sind.

2 Grundlagen der Unternehmensbewertung

2.1 Bewertungsanlässe

Das Hauptziel der Unternehmensbewertung ist, den Wert des Unternehmens bzw. des- sen potenziellen Preis zu ermitteln.6 In der Praxis sind unterschiedliche Anlässe zur Bewertung von Unternehmen gegeben. Nach IDW Standard 1 werden folgende Anlässe unterschieden:7

- Unternehmerische Initiativen: Kauf oder Verkauf von Unternehmen etc.
- Zwecke der externen Rechnungslegung: Kaufpreisverteilungen und Impairmenttest
- Bewertungen aufgrund gesellschaftsrechtlicher Regelungen und vertraglicher Grundlagen: Ermittlung des angemessenen Ausgleichs bei Squeeze Out.

Versicherungsspezifische Anlässe der Bewertung sind z. B. Bestandsübertragungen von Versicherungsbeständen, Unternehmensumstrukturierungen und Demutualisierung. Unter dem letzten Anlass ist der Wechsel der Rechtsform eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit zur Rechtsform einer Versicherungsaktiengesellschaft zu verste- hen.8

Der jeweilige Bewertungsanlass determiniert den Zweck der Unternehmensbewertung. Es kann z. B. die Ermittlung von Entscheidungswerten (Grenzpreisen), Argumentationswerten oder potenziellen Marktpreisen sein. Um der Vielzahl an Bewertungszwecken gerecht zu werden, kommt es in der Praxis zum Einsatz unterschiedlicher Bewertungsverfahren.9 Die Auswahl eines angemessenen Bewertungsverfahrens sowie die Interpretation des ermittelten Unternehmenswertes dürfen deshalb nur im Zusammenhang mit dem zugrunde gelegten Bewertungszweck vorgenommen werden.10 „Der richtige Unternehmenswert [ist also] jeweils der zweckadäquate.“11

2.2 Gängige Bewertungsverfahren

Grundsätzlich können die Bewertungsverfahren folgenden Gruppen zugeordnet wer- den:12

- Einzelbewertungsverfahren
- Gesamtbewertungsverfahren
- Vergleichsverfahren
- Mischverfahren.

Abbildung 1 verschafft einen Überblick über die einzelnen Bewertungsverfahren und ordnet diese den 4 oben genannten Gruppen zu:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Bewertungsverfahren

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Mandl, G., Rabel, K. (2009), S. 53.

Die Einzelbewertungsverfahren sind dadurch gekennzeichnet, dass sie den Unterneh- menswert durch eine isolierte Bewertung der einzelnen Vermögensbestandteile und Schulden ermitteln. Je nach Wertansatz kann die Bewertung entweder zum Substanz- wert oder Liquidationswert vorgenommen werden.13 Heutzutage spielen die Einzelbewertungsverfahren nur eine geringe Rolle, da sie keine entscheidungsrelevanten Informationen über den Unternehmenswert liefern können.14

In der Praxis haben sich dagegen die Gesamtbewertungsverfahren durchgesetzt.15 Diese konzentrieren sich alleinig auf die zukünftigen Erfolge des Unternehmens und betrach- ten das Unternehmen, im Gegensatz zu Einzelbewertungsverfahren, als eine Einheit. Das am weitesten verbreitete Bewertungsverfahren in Deutschland war lange Zeit das Ertragswertverfahren.16 Nach diesem wird der Unternehmenswert als Barwert der künf- tigen Erträge und des erwarteten Liquidationserlöses bestimmt.17 Durch die zunehmen- de Internationalisierung und die damit verbundene Forderung nach einer international standardisierten Bewertungsmethodik wurde das Discounted Cashflow-Verfahren als eine weitere Bewertungsmethode in den Standard des IDW aufgenommen.18 Somit ge- hört DCF-Verfahren, als die international am weitesten verbreitete Bewertungsmethode, neben dem Ertragswertverfahren zu den Standardverfahren in Deutschland.19 Der Un- terschied des DCF-Verfahrens zum Ertragswertverfahren liegt u.a. darin, dass bei DCF- Verfahren anstatt der künftigen Erträge zukünftig zu erwartende Cashflows zugrunde gelegt werden.20

Darstellung weiterer Besonderheiten des DCF-Verfahrens ist nicht Bestandteil der vorliegenden Seminararbeit.

3 Bewertungsrelevante Besonderheiten der Versicherungsge- sellschaften

3.1 Differenzierung nach Typen der Versicherungsunternehmen

Grundsätzlich können Versicherungsunternehmen in Individualversicherung und Sozi- alversicherung klassifiziert werden.21 Die Sozialversicherung stellt eine gesetzliche Ab- sicherung in Sparten der Kranken-, Arbeitslosen-, Renten-, Unfall- und Pflegeversiche- rung dar. Für die Arbeitnehmer unter einer bestimmten Einkommensgrenze besteht in den Sparten der Sozialversicherung i.d.R. Versicherungspflicht.22 Dagegen ist der Ab- schluss einer Individualversicherung in den meisten Fällen freiwillig. Zu den Sparten der Individualversicherung zählen z. B. Lebens-, Kranken-, Unfall- und Hausratversi- cherung.23

Der Bereich der Individualversicherung gliedert sich des Weiteren in Lebens-, Krankensowie Schaden- und Unfallversicherungsunternehmen. Die Aufteilung kann durch den im Versicherungsaufsichtsgesetzt (VAG) verankerten Grundsatz der Spartentrennung erklärt werden. Nach diesem müssen die Sparten der Lebens- und Krankenversicherung in jeweils rechtlich selbstständigen und von übrigen Versicherungssparten getrennten Unternehmen betrieben werden.24

Die bisher beschriebenen Versicherungsunternehmen der Individualversicherung können unter dem Begriff Erstversicherung zusammengefasst werden. Im Gegensatz dazu stehen die Rückversicherungsunternehmen. Diese übernehmen gegen Zahlung einer Rückversicherungsprämie Teile des Risikos des Erstversicherers und können deshalb als „Versicherer der Versicherer“ bezeichnet werden.25

Im Rahmen der vorliegenden Seminararbeit wird die Bewertung von Erstversicherungsunternehmen untersucht.

3.2 Differenzierung nach Rechtsformen

Nach dem deutschen Aufsichtsrecht wird der Betrieb von Versicherungsunternehmen nur in den Rechtsformen der Aktiengesellschaft, des Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit (VVaG) sowie der Körperschaft oder Anstalt des öffentlichen Rechts erlaubt.26 Somit können die Einzelunternehmung, alle Personengesellschaften, die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und die Genossenschaft als Rechtsformen für Versicherer ausgeschlossen werden.27

[...]


1 Vgl. Beck, M., Graßl, A. (2011), S. 140; Drukarzyck. J., Schüler, A. (2011), S. 1.

2 Vg. Burghardt, M., Sur, C. (2012), o. S; PriceWaterhouseCoopers (2012), S. 5.

3 Vgl. Beck, M., Graßl, A. (2011), S. 140.

4 Vgl. Kureljusic, G. (2009), S 453.

5 Vgl. Beck, M., Graßl, A. (2011), S. 141.

6 Vgl. Hasler, P. (2011), S. 1; Nölle, J. (2009), S. 11; Peemöller, V. (2009), S. 3.

7 Vgl IDW Standard 1 (2008), Tz. 9-11.

8 Vgl. Beck, M., Graßl, A. (2004), S. 165; Hartung, T. (2000), S. 133-134.

9 Vgl. Mandl, G., Rabel, K. (2009), S. 52 f.

10 Vgl. Ernst, D., Schneider, S., Thielen, B. (2010), S. 1; Lütke-Uhlenbrock, C. (2007), S. 21.

11 Moxter, A. (1983), S. 6.

12 Vgl. Mandl, G., Rabel, K. (2009), S. 53.

13 Vgl. Mandl, G., Rabel, K. (2009), S. 82 ff.

14 Vgl. Hachmeister, D. (2009), S. 65.

15 Vgl. Bieg, H., Kußmaul, H. (2011), S. 269.

16 Vgl. Ernst, D. et al. (2010), S. 8 ff.

17 Vgl. Mandl, G., Rabel, K. (2009), S. 54.

18 Vgl. Ernst, D. et al. (2010), S. 10; IDW S 1 (2008), Tz. 101.

19 Vgl. Ernst, D. et al. (2010), S. 8, 10; Fackler, M., Schacht, U. (2009), S. 207; IDW S 1 (2008), Tz. 101.

20 Vgl. Bieg, H., Kußmaul, H. (2011), S. 270; Ernst, D. et al. (2010), S. 8.

21 Vgl. Holthausen, H., Koch, P. (2002), S. 21 f.

22 Vgl. Deutsche Sozialversicherung (2012), o. S.

23 Vgl. Holthausen, H., Koch, P. (2002), S. 21.

24 Vgl. Nguyen, T., Romeike, F. (2013), S. 163; §8 Abs. 1a und § 106c VAG.

25 Vgl. Beck, M., Graßl, A. (2011), S. 141.

26 Vgl. § 7 Abs. 1 VAG; Farny, D. (2011), S. 187 f.

27 Vgl. Farny, D. (2011), S. 188.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656540038
ISBN (Buch)
9783656542360
DOI
10.3239/9783656540038
Dateigröße
417 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264796
Institution / Hochschule
Fachhochschule Kiel
Note
1,5
Schlagworte
Unternehmensbewertung Versicherungsunternehmen Corporate Evaluation Controlling

Autor

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