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Die Soziale Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Vor- und Nachteile

Hausarbeit 2012 10 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Definition „Soziale Marktwirtschaft“
2.1 Gesellschaftspolitische Grundziele
2.2 Wirtschaftspolitische Ziele

3. Vorteile der Sozialen Marktwirtschaft
3.1 Soziale Sicherung
3.2 Marktwirtschaft- Garant freier Betätigung der wirtschaftlichen Einheiten
3.3 Wettbewerbspolitik als rechtlicher und institutioneller Rahmen
3.4 Politische Stabilität

4. Nachteile und Konflikte der Sozialen Marktwirtschaft
4.1 Übermaß sozialstaatlicher Maßnahmen als Hindernis für Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft
4.2 Bürokratie als Hemmfaktor wirtschaftlicher Entwicklung
4.3 Lohn- Preis-Spirale mit Blick auf den globalen Wettbewerb

5. Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Es ist darum eine banale Selbstverständlichkeit, daß (!) eine marktwirtschaftliche Ordnung auf dem Prinzip der Freiheit und Freizügigkeit beruht, ͙ .)“1 Worte des ersten Bundeswirtschaftsministers Ludwig Erhard im Jahr 1955, die in das Thema „Die Soziale Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland -Vor- und Nachteile“ einführen sollen. Die derzeit gültige Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland wurde benannt und wesentlich mitgeprägt von dem Ökonomen und Staatssekretär im Wirtschaftsministerium Alfred Müller-Armack und von Ludwig Erhard, der diese als Wirtschaftsminister nach dem Zweiten Weltkrieg praktisch umsetzte. Welche Vor- und Nachteile sich aus der Wirtschaftsform „Soziale Marktwirtschaft“ ergeben, soll hier erörtert werden. Insbesondere soll die Frage auf den Prüfstand, ob mit der Wirtschaftsform „Soziale Marktwirtschaft“ die gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Ziele der Bundesrepublik Deutschland erreicht werden können. Darum folgt nach der Aufzählung der Ziele eine Abwägung der Grundsätze der Sozialen Markwirtschaft und Einordnung als Vor- bzw. Nachteil.

2. Definition Soziale Marktwirtschaft

Die Soziale Marktwirtschaft ist ein „Wirtschaftssystem, das der Marktlenkung globalsteuernde Stützen einzieht und an der einseitig leistungsorientierten Verteilung sozialpolitisch begründete Korrekturen anbringt, ohne dabei allerdings das Primat der Marktallokation anzugreifen“.2 Um die Vor- und Nachteile der Sozialen Marktwirtschaft abwägen zu können, ist es notwendig, zunächst die wirtschaftspolitischen Ziele der Bundesrepublik Deutschland kurz zu erörtern.

2.1 Gesellschaftspolitische Grundziele

Die nach verbreiten Werturteil wichtigsten gesellschaftspolitischen Ziele sind die Erhaltung der Freiheit und des Friedens.3 Als weitere Ziele der sozialen Marktwirtschaft werden zusätzlich Gerechtigkeit, Sicherheit und Wohlstand4 genannt.

2.2 Gesamtwirtschaftliche Ziele

„Die gesellschaftlichen Grundwerte enthalten unmittelbar auch Implikationen für den wirtschaftlichen Bereich.“5 Aus den gesellschaftspolitischen Zielen lassen sich somit die gesamtwirtschaftlichen Ziele herleiten. Das Ziel Freiheit setzt eine freiheitliche Wirtschaftsordnung voraus und umfasst auch im Privaten die Abwehr von Freiheitsbeschränkungen. Das Ziel Gerechtigkeit und Sicherheit umfasst als wirtschaftliches Ziel, die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit, sozialem Frieden und die gerechte Einkommensverteilung. Andererseits sind diese Ziele auch nur mit stabilen Wirtschaftsabläufen, dem Schutz vor konjunkturellen Beschäftigungsrisiken, vor Einkommens- und Vermögensrisiken sowie auch vor außenwirtschaftlichen Störungen erreichbar. Das Wohlstandsziel schließt unmittelbar auf eine möglichst hohe Güterversorgung, den bestmöglichen Einsatz der Produktionsfaktoren und ein angemessenes Wirtschaftswachstum.6 „Zusammengefasst sind die wirtschaftspolitischen Ziele - darüber besteht international Konsens - Vollbeschäftigung, Preisniveaustabilität, Zahlungsbilanzausgleich sowie stetiges angemessenes Wachstum.“7

3. Vorteile der Sozialen Marktwirtschaft

Die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft bieten als Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland gute Voraussetzungen um die gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Ziele der Wirtschaftspolitik zu erreichen. „Wie in der Wortverbindung Soziale Marktwirtschaft bereits zum Ausdruck kommt, liegt der Sinn dieser Konzeption in dem Versuch, individuelle Freiheit und soziale Sicherheit in Einklang zu bringen.“8 Die wichtigsten Vorteile der Wirtschaftsform „Soziale Marktwirtschaft“ lassen sich zusammengefasst wie folgt benennen:

3.1. Soziale Sicherung

Die Sozialpolitik der Bundesrepublik Deutschland zielt auf Grundsicherung des Einzelnen ab und schützt diesen vor unverhofften „Stürzen“, deshalb auch „Netz der sozialen Sicherung“ genannt. Ein umfassendes System aus Kranken-, Renten-, Unfall-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung schützt jeden Bürger unseres Staates vor den finanziellen Folgen existenzieller Risiken. Dass die Bundesrepublik Deutschland über ein dicht gewebtes Sozialnetz verfügt, zeigt sich unter anderem darin, dass im Jahr 2011 - 24,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in öffentliche Sozialausgaben flossen.9 Die Finanzierung des Sozialnetzes erfolgt auf Grundlage des Prinzips der sozialen Umverteilung im Rahmen der Korrektur der Einkommens- und Vermögensverteilung als Teil der Prozesspolitik der sozialen Marktwirtschaft.

Das „Soziale Netz“ bietet nicht nur soziale Sicherheit, sondern auch Alternativen um z. B. berufliche Qualifikation und Spezialisierung durch „Investitionen in Menschen institutionell zu unterstützen bzw. gesellschaftliche Rahmenbedingungen herzustellen, unter denen diese ablaufen können.“10 Dass sich diese Investition lohnt, begründet sich schon dadurch, dass diese Maßnahmen die Einstiegschancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen und die Mittel quasi nach Wiedereinstieg durch Steuerzahlungen an den Staat zurückfließen. Die soziale Sicherung trägt mit diesen Grundsätzen erheblich zur Erreichung der gesellschaftspolitischen Grundziele Gerechtigkeit, Sicherheit und Wohlstand bei. „Zugleich ist die Sozialpolitik aber auf das Funktionieren des Marktsektors bezogen“11

3.2 Marktwirtschaft - Garant freier Betätigung der wirtschaftlichen Einheiten

Zentrales Merkmal der sozialen Marktwirtschaft ist der Marktmechanismus, der im Bereich der Allokation für Wirtschaftlichkeit und Konsumentensouveränität sorgt.12 Die Wirtschaftsform der sozialen Marktwirtschaft bietet jedem in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Bürger die Möglichkeit, zwischen den am Markt angebotenen Alternativen frei zu entscheiden. Jeder hat die Möglichkeit, über privates Eigentum frei zu verfügen und kann sich als Beteiligter am Markt frei entfalten. Auf dem Markt können sich jedoch nur solche Produzenten behaupten, die Konsumentenwünsche zu erfüllen vermögen. Die marktwirtschaftliche Ordnung wird deshalb nach Edwin Cannan auch als System der Konsumentensouveränität bezeichnet.13 Diese führt zum Wettbewerb, welcher eine Verteilung der Einkommen entsprechend den vom Markt bewerteten Leistungen der Produktionsfaktoren bewirkt.14 Soziale Marktwirtschaft heißt damit vor allem, Vertrauen in die unersetzlichen schöpferischen Kräfte des Menschen, die sich in der Produktivität aber auch in Solidarität gegenüber dem Nächsten zeigen.15 Durch die Wirtschaftsform „Soziale Marktwirtschaft“ lässt sich somit optimal das Ziel Freiheit und je nach Fleiß und Innovation auch das Ziel Wohlstand erreichen.

[...]


1 Erhard, Ludwig: Bundestagsreden, Bonn 1972, S.71

2 Teichmann, Ulrich: Wirtschaftspolitik, 5. Auflage, München 2001, S. 342

3 vgl. Woll, Artur: Volkswirtschaftslehre, 16. Auflage, München 2011, S. 56

4 vgl. Cezanne; Wolfgang: Allgemeine Volkswirtschaftslehre, 3. Auflage, München 1997, S. 74

5 Heubes, Jürgen a.a.O., S.38

6 Vgl. Heubes, Jürgen ebenda , S.39

7 Woll, Artur a.a.O., S. 58

8 Heubes, Jürgen a.a.O., S.49

9 Statistisches Bundesamt: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Wiesbaden 2012, S. 22

10 Habisch, Andre´: Die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft in Schlecht, Otto / Stoltenberg, Gerhard: Soziale Marktwirtschaft - Grundlagen, Entwicklungslinien, Perspektiven, Breisgau 2001, S. 219

11 Habisch, Andre´ ebenda, S. 220

12 vgl. Cezanne, Wolfgang, a.a.O., S. 74

13 Vgl. Woll, Artur a.a.O., S. 50

14 vgl. Teichmann, Ulrich a.a.O. S. 190

15 vgl. Stoltenberg, Gerhard: Soziale Marktwirtschaft in Ernst u.v.a. Konrad-Adenauer-Stiftung „Die Soziale Marktwirtschaft erneuern - Arbeit-Wachstum-Umwelt“, Mainz 1983, S.12

Details

Seiten
10
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656543626
ISBN (Buch)
9783656544647
Dateigröße
739 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264869
Institution / Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Bonn
Note
1
Schlagworte
soziale marktwirtschaft bundesrepublik deutschland vor- nachteile

Autor

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Titel: Die Soziale Marktwirtschaft  in der Bundesrepublik Deutschland. Vor- und Nachteile