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Wann beginnt die Industrielle Revolution in Deutschland?

Warum war Deutschland in dieser Hinsicht ein Nachzügler?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 18 Seiten

BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitungssatz

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Industrielle Revolution
2.1.1 Anstieg des Lebensstandards der Masse der Bevölkerung
2.1.2 Der demografische Übergang
2.1.3 Der Strukturwandel
2.1.4 Zunahme des realen Sozialprodukts pro Kopf
2.1.5 Urbanisierung
2.1.6 Steigender Staatsverbrauch
2.1.7 Zunehmender Außenhandel
2.2 Deutschland

3 Wann beginnt die Industrielle Revolution in Deutschland?
3.1.1 Anstieg des Lebensstandards der Masse der Bevölkerung in Deutschland
3.1.2 Der demografische Übergang in Deutschland
3.1.3 Der Strukturwandel in Deutschland
3.1.4 Zunahme des realen Sozialprodukts pro Kopf in Deutschland
3.1.5 Urbanisierung in Deutschland
3.1.6 Steigender Staatsverbrauch in Deutschland
3.1.7 Zunehmender Außenhandel in Deutschland

4 Warum war Deutschland in dieser Hinsicht ein Nachzügler?

5 Schluss

6 Anhang

Abbildungen

Tabellen

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Um eine Darstellung der industriellen Entwicklungen geben zu können, muss zu Beginn eine Definition erfolgen, um Missverständnisse zu vermeiden. Darin wird auch auf den Raum Deutschland eingegangen, der sich zu Zeiten der Industriellen Revolution physisch und politisch deutlich von der heutigen Bundesrepublik unterschied, was maßgeblich zum Verlauf der Industriellen Revolution in Deutschland beitrug. Nach diesen einführenden Definitionen erfolgt die Anwendung der genannten Indikatoren auf Deutschland. Dabei soll die Kontroverse um den Beginn der Industriellen Revolution in Deutschland erörtert werden. Im Anschluss daran wird die Frage, warum Deutschland ein Nachzügler war, anhand der bis dahin dargestellten Informationen beantwortet. Der Schluss fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und beantwortet die im Titel formulierten Fragen.

Im Rahmen einer eng begrenzten Hausarbeit lohnt sich der Besuch eines Archivs weniger. Daher basiert diese Arbeit hauptsächlich auf Sekundärliteratur. Verwendete Tabellen und Grafiken wurden anhand der Quellenangaben überprüft oder mit dem Hinweis auf die Sekundärliteratur versehen. Die beiden wichtigsten Werke, die für diese Arbeit verwendet wurden, waren die Einführung in die Wirtschaftsgeschichte1 von Christoph Buchheim,2 die eine übersichtliche Darstellung der Faktoren der Industriellen Revolution und deren Auswirkungen in Deutschland liefert, sowie das Buch Die Industrielle Revolution in Deutschland3 von Hans-Werner Hahn,4 das entsprechend seines Titels detaillierter auf die industrielle Entwicklung in Deutschland eingeht. Eine weitere wichtige Grundlage dieser Arbeit waren die nicht veröffentlichten Manuskripte der Vorlesung Industrielle Revolution in Deutschland, gehalten von Christoph Buchheim im Sommersemester 2006 und des Proseminars Einführung in die Wirtschaftsgeschichte, gehalten von Jonas Scherner5 im Wintersemester 2003/2004, mit vielen hilfreichen Anmerkungen und Literaturhinweisen.

2 Definitionen

2.1 Industrielle Revolution

Die Industrielle Revolution beginnt nicht mit der häufig zitierten Erfindung der Dampfmaschine im Frühen 18. Jahrhundert.6 In der Wissenschaft wird die Industrielle Revolution anhand der im Folgenden beschriebenen Faktoren als mittlere der drei Phasen der Industrialisierung (Frühindustrialisierung, Industrielle Revolution und Hochindustrialisierung)7 definiert:

2.1.1 Anstieg des Lebensstandards der Masse der Bevölkerung

Mit den vorliegenden Daten der Industrieländer am Ende des 19. Jahrhunderts und dem Querschnittsvergleich mit heutigen Entwicklungsländern lässt sich ein Zusammenhang zwischen Institutionalisierung von Wachstum und größerer Gleichmäßigkeit der Einkommen der Masse der Bevölkerung erkennen. In Industrieländern ist die Einkommensungleichheit wesentlich geringer als in Entwicklungsländern. Folglich kann man am Grad des materiellen Lebensstandards der breiten Schichten der Bevölkerung den Grad der Industrialisierung messen.

Ein Indikator für den gewachsenen Lebensstandard ist die Zusammensetzung des privaten Verbrauchs. Je höher der Lebensstandard ist, um so geringer ist der Anteil der Ausgaben für Lebensmittel. Diesen Zusammenhang beschreibt das nach dem deutschen Statistiker Ernst Engel (1821-1896) benannte Engel'sche Gesetz.8

2.1.2 Der demografische Übergang

Beim Übergang von hohen Geburten- und Sterberaten der vorindustriellen Zeit zu einem niedrigen Niveau entwickelter Gesellschaften spricht man vom demografischen Übergang. Die Gründe liegen vor allem in der gesünderen Ernährung und der verbesserten Hygiene. Steigende Überlebens-wahrscheinlichkeit von Neugeborenen und durch Lebensstandarderhöhung ermöglichte bessere Eigenvorsorge für das Alter tragen ebenso zum Rückgang der Sterbe- und Geburtenrate bei, wie steigende Kosten von Kindern. Das verzögerte Einsetzen des Geburtenrückgangs führte während der Industriellen Revolution zunächst zu einer Bevölkerungsexplosion, wie die Tabellen 1 und 2 verdeutlichen. Am Ende des Prozesses pendeln sich beide Raten auf sehr geringem Niveau ein.9

2.1.3 Der Strukturwandel

Das von Jean Fourastié (1907-1990) in den 1950er Jahren formulierte und nach ihm benannte Gesetz beschreibt den Zusammenhang von Wachstum und Strukturwandel. Vor der Industrialisierung waren 70 bis 80 Prozent der Beschäftigten einer Volkswirtschaft in der Landwirtschaft beschäftigt. Durch die Industrielle Revolution ging dieser Anteil jedoch stark zurück. Während das verarbeitende Gewerbe im Verlauf der Industrialisierung rund 50 Prozent vereinnahmte, sank der Wert im weiteren Verlauf zu Gunsten des Dienstleistungssektors.10 Diese Entwicklung dokumentiert Tabelle 3 für verschiedene Länder.

2.1.4 Zunahme des realen Sozialprodukts pro Kopf

Das reale Sozialprodukt pro Kopf beschreibt die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft. Die Angabe pro Kopf ist nötig, um einen Vergleich von Ländern unterschiedlicher Bevölkerungszahlen zu ermöglichen. Real bedeutet in diesem Zusammenhang die Bereinigung der Inflation. Das reale Sozialprodukt dient als Indikator für die Wirtschaftskraft eines Staates. Betrachtet man die Entwicklung über einen längeren Zeitraum, lassen sich Wachstumsphasen, Stagnationen und Rezessionen ausmachen. Mit der Industriellen Revolution beginnt die Wachstumskurve stark anzusteigen.11

2.1.5 Urbanisierung

Bedingt durch den Strukturwandel gab es für die Bevölkerung in erster Linie in den Städten Arbeit. Dies führte zur Landflucht und zum schnellen Anwachsen der Städte. Das Aufkommen neuer und die Zunahme der Bevölkerung in vorhandenen Städten sind daher immer Zeichen fortgeschrittener Industrialisierung.12

2.1.6 Steigender Staatsverbrauch

Das nach dem deutschen Ökonom Adolph Wagner (1835-1917) benannte Gesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen Wachstum und steigendem Staatsverbrauch. Demnach steigt der Anteil des Verbrauchs des Staates nach Eintritt in die Industrielle Revolution am Sozialprodukt in der Wachstumsphase deutlich an.13

2.1.7 Zunehmender Außenhandel

Ein weiteres Merkmal für wirtschaftliches Wachstum ist die Zunahme des Außenhandels. Zeiten des Aufschwungs durch die Industrialisierung waren immer mit der Zunahme des Außenhandels verbunden.14

2.2 Deutschland

Während in England die Industrialisierung im 18. Jahrhundert einsetzte, existierte in Deutschland noch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, eine lockere Klammer um zahlreiche kleine Territorien. In vielen Fürstentümern herrschte der Absolutismus mit staatlichem Gewaltmonopol, einer straffen staatlichen Verwaltung und einem stehenden Heer. Diese Zerstückelung machte eine breite Industrialisierung unmöglich. Allerdings gab es in den einzelnen Territorien gute Voraussetzungen, um den Vorsprung Englands aufzuholen. Dazu musste das Heilige Römisches Reich Deutscher Nation erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Napoleon zerschlagen werden. Merkmale der erneuerten Wirtschaftssysteme waren der Merkantilismus15 und der Kameralismus16: brachliegender Ressourcen wurden nutzbar gemacht, vor allem Boden und Arbeitskraft. Neue Gewerbe wurden eingeführt und es begann ein Streben nach positiver Zahlungsbilanz, um umlaufende Geldmenge zu erhöhen und so Beschäftigung und Einkommen zu schaffen.17 Mit der Gründung des Deutschen Bunds auf dem Wiener Kongress erfolgte am 8. Juni 1815 die Definition des territorialen Raums der Industriellen Revolution in Deutschland

1 BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte.

[...]


2 „Christoph Buchheim, geb. 1954, ist Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Mannheim.“ (Umschlag seines Buches)

3 HAHN, Hans-Werner (2005). Die Industrielle Revolution in Deutschland. Enzyklopädie Deutscher Geschichte Bd. 49. München: Oldenbourg.

4 „Hans-Werner Hahn ist Professor für die Geschichte des 19./20. Jahrhunderts an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.“ (Umschlag seines Buches)

5 Jonas Scherner ist Privatdozent für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Mannheim. (http://buchheim.vwl.uni-mannheim.de/ am 30.12.2008.)

6 BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. S. 29f.

7 BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. S. 17ff. und HAHN Die Industrielle Revolution in Deutschland. S. 13-50.

8 SCHERNER Skript zum Proseminar Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. Sitzung vom 22.10.2003 und BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. S. 24f.

9 BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. S. 25f. und SCHERNER Skript zum Proseminar Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. Sitzung vom 5.11.2003.

Weiterführende Literatur u.a.:

- MARSCHALCK, Peter (1984). Bevölkerungsgeschichte Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert. Frankfurt/M.

- RADKAU, Joachim (1989). Technik in Deutschland. Vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Frankfurt/M.

- SPREE, Reinhard (1978). Wachstumstrends und Konjunkturzyklen in der deutschen Wirtschaft von 1820 bis 1913. Quantitativer Rahmen für eine Konjunkturgeschichte des 19. Jahrhunderts. Göttingen.

10 SCHERNER Skript zum Proseminar Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. Sitzung vom 29.10.2003 und BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. S. 27f.

11 BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. S. 86ff. und HAHN Die Industrielle Revolution in Deutschland. S. 3ff.

12 SCHERNER Skript zum Proseminar Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. Sitzung vom 29.10.2003 und BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. S. 121f.

13 BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. S. 115ff. und SCHERNER Skript zum Proseminar Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. Sitzung vom 29.10.2003.

14 HAHN Die Industrielle Revolution in Deutschland. S. 8ff., SCHERNER Skript zum Proseminar Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. Sitzung vom 29.10.2003 und BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. S. 43.

15 HAHN Die Industrielle Revolution in Deutschland. S. 8f. sowie BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. S. 83ff.

16 BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. S. 83.

17 BUCHHEIM Skript zur Vorlesung Industrielle Revolution in Deutschland. D Gliederung 18. Jahrhundert, BUCHHEIM Einführung in die Wirtschaftsgeschichte. S. 83ff. sowie HAHN Die Industrielle Revolution in Deutschland. S. 1ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656543794
ISBN (Buch)
9783656544753
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264912
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,7
Schlagworte
wann industrielle revolution deutschland warum hinsicht nachzügler

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Titel: Wann beginnt die Industrielle Revolution in Deutschland?