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Alfred Müller-Armack: Geistiger Vater der Sozialen Marktwirtschaft?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 22 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil
1. Biographie
1.1. 1901 – 1919: Familie
1.2. 1919 – 1933: Ausbildung
1.3. 1934 – 1945: Professor in der NS-Zeit
1.4. 1945 – 1957: Politischer Berater in der Nachkriegszeit
1.5. 1959 – 1963: Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium
1.6. 1964 – 1978: Zurück zur wissenschaftlichen Arbeit
2. Die Soziale Marktwirtschaft: Engagement des Staates für die Erhaltung von Wettbewerbsmärkten bei sozialer Sicherung
2.1. Ordoliberalismus - Ökonomische Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft
2.2. Soziale Irenik - Gesellschaftliche Grundlage der Sozialen Marktwirtschaft
3. Alfred Müller-Armack und die Soziale Marktwirtschaft
3.1. Die 1940er Jahre – Die Idee einer sozialen Marktwirtschaft entsteht
3.2. Die 1950er Jahre – Umsetzung der Theorie in die Praxis
3.3. Anfang der 1960er Jahre – Erste Reformen
3.4. Ende der 1960er Jahre – Rückblick eines Professors und Staatssekretärs
4. Analyse

Schluss

Anhang

1. Literaturverzeichnis
1.1. Quellen
1.2. Sekundärliteratur
1.3. Onlinedokumente

Einleitung

Der Begriff „Soziale Marktwirtschaft“ erscheint in den Schriften Müller-Armacks erstmals während des Zweiten Weltkriegs auf und wurde 1946 in seiner Schrift „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ öffentlich bekannt. Müller-Armack ging es dabei nicht allein um den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft nach dem Krieg sondern vielmehr um eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung nach humanen und christlichen Wertmaßstäben. Er suchte eine neue wirtschaftliche Konzeption zwischen Kapitalismus und Sozialismus, die einen friedensstiftenden Ausgleich zwischen wirtschaftlicher Freiheit und sozialer Verantwortung schaffen sollte. Grundsätzlich entspricht dies dem Konzept, das Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard nach der Währungsreform Schritt für Schritt umzusetzen begann.[1]

Diese Hausarbeit soll keine Zusammenfassung der zahllosen Bücher über die Soziale Marktwirtschaft und den Ordoliberalismus sein. Vielmehr soll anhand ausgewählter Texte aus der Hand Müller-Armacks seine persönliche Sicht auf die Soziale Marktwirtschaft im Laufe der Jahre analysiert werden. Diese Untersuchung bildet die Grundlage, um die Eingangsfrage „Geistiger Vater der Sozialen Marktwirtschaft?“ zu beantworten. Dabei werden einzelne Texte Müller-Armacks von der Entwicklung des Konzepts in den 1940er Jahren[2] über seine Zeit im Bundeswirtschaftsministerium in den 1950er Jahren[3] bis hin zu seinem Ausscheidens aus der Politik Anfang der 1960er Jahre[4] und seiner anschließenden Zeit in Köln[5] betrachtet.

Nach einer Biographie Alfred Müller-Armacks folgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte der Sozialen Marktwirtschaft als Ausgangspunkt für die anschließende Zusammenfassung der Texte Müller-Armacks aus den einzelnen Epochen. Nach der Analyse dieser Schriften beantwortet der Schluss auf Grundlage der vorherigen Ausführungen die Eingangsfrage nach dem Geistigen Vater der Sozialen Marktwirtschaft.

Hauptteil

1. Biographie

1.1. 1901 – 1919: Familie

Der spätere Nationalökonom, Kultursoziologe und Wirtschaftspolitiker Alfred Müller-Armack wurde am 28. Juni 1901 als Sohn des Betriebsleiters eines Gaswerks bei Krupp Herrmann Müller und seiner Ehefrau Elise, einer geborenen Amack, in Essen geboren. Seine Kindheit verbrachte er teilweise bei seinen Eltern im Ruhrgebiet und teilweise bei seinen Großeltern in Weilburg an der Lahn. Während seiner Jugend wurde er geprägt durch das gläubige Luthertum, das kleinbürgerliche Milieu der Familie sowie eine Mischung aus ländlicher Idylle an der Lahn und Schwerindustrie an der Ruhr. Er besuchte das Goethe-Realgymnasium in Essen-Rüttenscheid, das er im Sommer 1919 mit dem Abitur abschloss.

1934 heiratete Müller-Armack die sehr an theologischen Themen interessierte Irmgard Fortmann. Während Alfred Müller-Armack Zeit seine Lebens Protestant blieb, trat seine Frau unter dem Einfluss eines katholischen Dogmatikers und Freundes der Familie zum Katholizismus über.[6] Aus der Ehe ging der Sohn Andreas Müller-Armack hervor.

1.2. 1919 – 1933: Ausbildung

Noch im Jahr 1919 begann Müller-Armack ein Studium der Nationalökonomie. Seine Studien führten ihn über Gießen, Freiburg und München nach Köln, wo er 1923 bei Leopold von Wiese über die theoretische Sozialökonomie mit Auszeichnung promovierte und sich 1926 über „Ökonomische Theorie der Kulturpolitik“ habilitierte. Im Anschluss daran blieb er zunächst als Privatdozent in Köln. Dass er während der zahlreichen Ortswechsel zu Studienzeiten verschiedene renommierte Dozenten gehört hatte und so wichtige Kontakte knüpfen konnte, war ihm am Anfang seiner wissenschaftlichen Laufbahn eine große Hilfe. So konnte er sich in kurzer Zeit durch zahlreiche Veröffentlichungen einen Namen machen.Im Jahr 1929 erschien zum Beispiel ein Artikel zu Konjunkturforschung und Konjunkturpolitik im Handwörterbuch der Staatswissenschaften. Darin äußerte Müller-Armack bereits Überlegungen zur Gestaltung der Prozesspolitik, die J. M. Keynes Jahre später weltberühmt machen sollten.

1.3. 1934 – 1945: Professor in der NS-Zeit

Im Jahr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten übernahm Müller-Armack eine außerplanmäßige Professorenstelle in Köln, bevor er 1938 als Professor für Nationalökonomie und Soziologie nach Münster wechselte. Dass er bereits seit 1933 ein Parteibuch besaß, war ihm dabei sicherlich von Vorteil. Während er in den 1920er Jahren hauptsächlich an der nichtmarxistischen Kapitalismusforschung und an der ökonomischen Theorie – vor allem der Konjunkturforschung – arbeitete, begann er sich nun mit der Fortsetzung der religions- und wirtschaftssoziologischen Arbeiten Max Webers zu beschäftigen. Einen Schwerpunkt bildete die Untersuchung der Wirtschaftssystemforschung. „Für M(üller-Armack, Anm. d. Verf.) war wirtschaftliches Handeln nicht isoliertes Erwerbsstreben, sondern Ausdruck einer inneren Gesamthaltung des einzelnen wie der Gesellschaft, die von vielfältigen Einflüssen – Geschichte, Religion, Kultur, sozialen Überzeugungen – beeinflusst wird“[7], fasst sein Sohn Müller-Armacks Werk zusammen.

Zwar war Müller-Armack kein Mitglied des so genannten Freiburger Kreises, einer Gruppe von ordoliberalen Wirtschaftswissenschaftlern um Walter Eucken und weiteren Ökonomen sowie einigen Juristen und Theologen, die sich zwischen 1938 und 1944 regelmäßig zu oppositionellen Gesprächen traf.[8] Seine ausführlichen Diskussionen mit den Mitgliedern und einige Teilnahmen an den Treffen überzeugten ihn aber von deren ökonomischen Ansichten. So wurde Müller-Armack von einem anfänglichen Befürworter der NS-Wirtschaftslenkung zu einem Unterstützer der Marktwirtschaft.[9]

1.4. 1945 – 1957: Politischer Berater in der Nachkriegszeit

Nach dem Krieg plädierte Müller-Armack in zahlreichen Schriften und Vorträgen für eine Transformation des aus der NS-Zeit übernommenen planwirtschaftlichen Systems zu einer Marktwirtschaft.[10] Seine Konzeption trug nun erstmals öffentlich den Namen „Soziale Marktwirtschaft“, die er von anderen Marktwirtschaften durch sozialen Ausgleich innerhalb der Gesellschaft unterschied.

1950 kehrte er als Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaft an die Universität Köln zurück, bevor er 1952 von Ludwig Erhard in das Bundesministerium für Wirtschaft berufen und mit der Leitung der Grundsatzabteilung betraut wurde. Nun konnte er seine Überlegungen zur Sozialen Marktwirtschaft in politische Praxis umsetzen. Ab 1955 vertrat er die Bundesrepublik bei den Gründungsverhandlungen zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und trug maßgeblich zur marktwirtschaftlichen Formulierung der Römischen Verträge und damit dem europäischen Wirtschaftssystem bei.

1.5. 1959 – 1963: Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium

1959 machte Ludwig Erhard ihn zu seinem Staatssekretär, zuständig vor allem für Europa. Damit konnte er seine wissenschaftlichen Überzeugungen in den Aufbau der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und damit über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus einfließen lassen. 1960 wurde Müller-Armack Vorsitzender des Konjunktur-politischen Ausschusses der EWG. In dieser Funktion trat er stets für eine gesamteuropäische Freihandelszone ein. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang das enge Vertrauensverhältnis mit Ludwig Erhard. „Wie Erhard war auch Müller-Armack seinem Wesen nach Optimist, der an den Sieg des besseren Arguments glaubte und dem stets an Ausgleich und Versöhnung im Streit divergierender Meinungen gelegen war.“[11]

[...]


[1] Müller-Armack, Andreas, „Müller-Armack, Alfred“, in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 487f. [Online] http://www.deutsche-biographie.de/artikelNDB_pnd118585282.html (18.09.2010)

[2] - Müller-Armack, Alfred (1947). „Zur Diagnose unserer wirtschaftlichen Lage.“ Denkschrift.

- Müller-Armack, Alfred (1947). „Die Wirtschaftsordnung sozial gesehen.“ Denkschrift.

[3] - Müller-Armack, Alfred: „Soziale Marktwirtschaft.“

[4] Müller-Armack, Alfred (1962). „Das gesellschaftliche Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft.“ Auszug aus dem Bulletin der Bundesregierung Nr. 234 vom 19. und 20. Dezember 1962.

[5] Müller-Armack, Alfred (1966). „Die konjunkturelle Lage, das Stabilisierungsgesetz und die nächsten wirtschaftspolitischen Aufgaben.“ Denkschrift.

[6] Dietzfelbinger, Daniel (1998). „Soziale Marktwirtschaft als Wirtschaftsstil – Alfred Müller-Armacks Lebenswerk.“ Gütersloh: Chr. Kaiser. S. 63.

Da die sozialen Werte des Christentums Bestandteil der Konzeption der Sozialen Marktwirtschaft sind und maßgeblichen Einfluss auf seine Schriften hatten, sollte diese Prägung Müller-Armackse nicht unerwähnt bleiben. Eine detaillierte Analyse des Einfluss' der Religion auf das Werk Müller-Armacks findet sich ebd. S. 123ff.

[7] Müller-Armack, Andreas, „Müller-Armack, Alfred“. S. 487f.

[8] - Quaas, Friedrun (2005). „Soziale Marktwirtschaft: Einführung“ In: Hasse, Schneider und Weigelt (Hrsg.) „Lexikon Soziale Marktwirtschaft. Wirtschaftspolitik von A-Z.“ Paderborn: Schöningh. UTB. S. 385.

- Schulz, Wilfried (1996). „Adolf Lampe und die „Freiburger Kreise“ im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.“ In: Schneider/ Harbrecht (Hrsg.) (1996). „Wirtschaftsordnung und Wirtschaftspolitik in Deutschland (1933-1993). Stuttgart: Franz Steiner. S. 219ff.

[9] - Dietzfelbinger: „Soziale Marktwirtschaft als Wirtschaftsstil.“ S. 53ff.

- Kowitz: „Alfred Müller-Armack.“ S. 60ff.

- Ptak, Ralf (2004). „Vom Ordoliberalismus zur Sozialen Marktwirtschaft – Stationen des Neoliberalismus in Deutschland.“ Opladen: Leske + Budrich. S. 72ff.

[10] Dietzfelbinger: „Soziale Marktwirtschaft als Wirtschaftsstil.“ S. 55.

[11] Müller-Armack, Andreas, „Müller-Armack, Alfred“. S. 488.

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656544173
ISBN (Buch)
9783656545088
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v264913
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
3,0
Schlagworte
alfred müller-armack geistiger vater sozialen marktwirtschaft

Autor

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