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Musik als Sprache im Figaro

Zur Frage der Personencharakterisierung durch Musik

Seminararbeit 1988 7 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhalt

I Einleitung

II Analyse ausgewählter Arien
a. Cavatina Nr. 3, “Se vuol ballare, signor contino“
b. Aria Nr. 6, “Non so più cosa son, cosa faccio”
c. Aria Nr. 27, “Deh, vieni, non tardar”

I

Bei der Lektüre zum Thema “Die Hochzeit des Figaro” fällt folgender Absatz aus Stefan Kunzes Abhandlung “Mozarts Opern”, Kap. 4, ins Auge:

„Daß die Personen ausschließlich im Ensemble, durch die Handlungen und Situationen, in die sie verstrickt werden und in denen sie sich zu bewähren haben, ihr unverwechselbares Profil gewinnen, trifft in besonderem Maße für „Le Nozze di Figaro“ zu. Das Werk Mozarts und da Pontes ist keine „Charakterkomödie“, wie stets irrtümlich angenommen wird. (…)

Der Irrtum liegt freilich nahe, Mozarts Musik oder gar seiner Intention Charakterdarstellung zu unterstellen.“

Um Stefan Kunzes Behauptung einen Gegenposition entgegen zu stellen, beschränkt sich dieses Referat auf die Analyse ausgewählter Solo-Gesangsnummern.

II a

Die Cavatina Nr. 3 „Se vuol ballare, Signor Contino“ ist die erste Arie der Titelfigur und daher für die Entwicklung ihres Charakters von zentraler Bedeutung. Figaro weiß sich alleine und hätte Gelegenheit, seiner augenblicklichen Stimmung ungehemmten Ausdruck zu verleihen. Vom Kontext her könnte an dieser Stelle eine Rache- oder Revolutionsarie in geradem Takt und schnellem Tempo stehen. In der Tat ist der Tanzcharakter der Cavatina nach dem vorangegangenen Solorezitativ mit der Mollparallele zu Beginn, den in Bewegung geratenen Bässen und dem kriegerischen Schluß, ein Überraschungs-effekt. Anstelle des zu erwartenden forte-Ausbruchs steht ein von graziösem Streicherpizzicato begleitetes Menuett – ein Symbol für gesellschaftliche Etikette schlechthin, mit dem Wort „Wenn …“ zu Beginn.

Durch die Wiederholung von Tönen, Motiven, Melodiephrasen und Textteilen, durch die rhythmische Monotonie und den regelmäßigen Wechsel zwischen Tonika und Dominante gestaltet sich der erste Abschnitt der Arie sehr berechenbar. Wären nicht das zu schnelle Tempo, die respektlose Verkleinerung von „conte“ zu „contino“, sowie die beiden Spitzentöne bei „si“, so könnte man an nichts ablesen, dass der Sänger es mit dem Adressaten nicht freundlich meint.

Ab Takt 19 kommt jedoch in den Nebenstimmen Bewegung auf. Die Begleitinstrumente Horn, Fagott und Oboe, von denen Horn und

Fagott an allen Arien Figaros beteiligt sind, gewinnen ein Eigenleben: Kunze spricht vom „bedrohlichen Pochen der Hörner“, Abert von „lauernden Geigentrillern“.

[...]

Details

Seiten
7
Jahr
1988
ISBN (eBook)
9783656544074
ISBN (Buch)
9783656545804
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265075
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Theaterwissenschaft
Note
1
Schlagworte
Figaro

Autor

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Titel: Musik als Sprache im Figaro