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Der deutsche Film. Spiegel der Gesellschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 20 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Film als Massenkommunikationsmittel in der Massengesellschaft

III. Die Funktionen des Films
III. 1 Film als Unterhaltungsmittel in der Freizeit
III. 2 Film als Informationsmittel
III. 3 Doppelfunktion des Films als Ware und als Ideologieträger
III. 4 Film als Propagandamittel

IV. Geschichte des deutschen Films
IV. 1 Von der Kaiserzeit bis zur Weimarer Republik (1895-1933)
IV. 2 Der deutsche Film im Dritten Reich (1933-1945)
IV. 3 Der deutsche Film in der Nachkriegszeit
IV. 4 Das Oberhausener Manifest und der junge deutsche Film

V. Spiegelt Film die Gesellschaft wider?

VI. Fazit

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der Film ist „Mittel und als Mittel auch, im Maß seiner Qualitäten und nach Art und Weise sei­ner Handhabung – Faktor der Kommunikation“ (Dadek 1968: 8). Als Faktor der Kommunikation ist er dazu fähig den Prozess der Kommunikation zu unterstützen, durch den menschliche Bezie­hungen entwickelt werden. Da der Film ein „Bild -Medium“ (Dadek 1968: 9) ist, bildet er die Dinge dieser Welt fotografisch ab, „mittels eines mechanischen Prozesses sehr naturgetreu und auf einer zweidimensionalen Fläche“ (Arnheim 1977: 25). Die Darstellung der Bewegung beim Film führt zur Abbildung der Wirklichkeit. Demnach liegt die Stärke des Films im Abbilden. Während die Malerei und die Plastik statische Künste sind, die zwar das charakteristische Motiv eines Vorgangs herausgreifen und festhalten können, kann der Film „das zeitliche Sich-abwi­ckeln der Geschehnisse zeigen“ (Arnheim 1977: 25). Der Film zeigt Ereignisse mit der geringsten Verzerrung und strebt nach der tatsächlichen Realität der Fragmente (Eisenstein 1960: 22). Aller­dings erreicht der Film seine tatsächliche Existenz erst, wenn er auf der Leinwand erscheint und von mindestens einem Zuschauer gesehen wird (Dadek 1968: 15).

In dieser Arbeit werde ich mich mit dem Massenmedium Film beschäftigen und der Frage, ob die Gesellschaft den Film formt. Dabei werde ich wie folgt vorgehen: als erstes werde ich den Film als ein Massenkommunikationsmittel in der Massengesellschaft darlegen. Anschließend werde ich in Kapitel III die verschiedenen Funktionen des Films aufzeigen. Der Film ist nämlich nicht nur Unterhaltungs- und Informationsmedium, sondern hat auch eine Doppelfunktion inne als Ware wie auch Ideologieträger. Daraus folgernd wird der Film auch als Propagandamittel einge­setzt. Darauf aufbauend werde ich mich mit der Geschichte des deutschen Films auseinander set­zen, um abschließend der Frage nachzugehen, ob der Film ein Spiegelbild der Gesellschaft ist.

II. Film als Massenkommunikationsmittel in der Massengesellschaft

Kommunikation ist „die Mitteilung von Gedanken an andere, die Regelung der Beziehungen zu anderen, die Koordination von Handlungen mit anderen“ (Linke & Nussbaumer & Portmann 2001: 27). Daher beschäftigt sich die Kommunikationsforschung damit, wie eine wirksame und erfolgreiche Kommunikation erreicht wird. Unter dem Begriff Massenkommunikationsforschung versteht man nun die Erforschung der Massenmedien Presse bzw. gedrucktes Wort, Film, Rund­funk und Fernsehen, jedoch gehört nach dem heutigen Stand der Wissenschaft noch mehr dazu. In dieser Arbeit werden mit dem Begriff Massenmedien aber nur die traditionellen gemeint.

Die grundlegende Funktion aller Kommunikationstechniken ist die Überwindung von Raum und Zeit, weswegen Kommunikation im Rahmen der sozialen Organisation verstanden werden muss. Daher ist unter Massenkommunikation „die quantitativ große Verbreitung gleichlautender Inhal­te an Einzelne und an quantitativ große, heterogene Gruppen der Gesellschaft mit Hilfe der Tech­niken der Kollektivverbreitung“ (Silbermann 1963: 43) – der Massenmedien – zu verstehen.

Die Aussage der Massenmedien „ist eine sachlich, zeitlich und/oder räumlich geschlossene Ein­heit, die sich aus optisch und/oder akustisch wahrnehmbaren Elementen zusammensetzt“ (Bess­ler & Bledjian 1967: 30). Der Massenkommunikationsprozess speziell beim Film kann daher in drei Bereiche aufgeteilt werden: die Entstehung der Aussage, die Wirkung der Aussage auf den einzelnen Rezipienten und die Konsequenz der Wirkungen der Massenkommunikation auf die Rezipienten als Angehöriger sozialer Systeme (Bessler & Bledjian 1967: 13). Entscheidend bei diesem Kommunikationsprozesses des Films sind der Realitätscharakter und das Produktionsphä­nomen des Films. Da der Zuschauer seine Gefühle in das Filmbild laden kann und die Bedeutung durch Bilder sichtbar gemacht wird, ist der Kommunikationsprozess figurativ (Kroner 1973: 25). Deshalb ist der Kommunikationsprozess beim Film durch das Filmwerk bedingt. Soweit es die Kommunikation betrifft, ist der Film, wie andere elektrotechnische Kommunikationsmittel in der Lage, die Zeit zu überwinden, aber der Film ist auch in der Lage den Raum zu überwinden, „denn das was der Mensch sagt und tut, kann durch [den Film] übertragen werden, während er es tut und sagt“ (Silbermann 1963: 46, Änderung von A. L.). Der Film unterscheidet sich also von den anderen traditionellen Massenkommunikationsmitteln darin, dass er „ein bewegtes und gleichzei­tig akustisch erfahrbares Bildmedium ist“ (Kroner 1973: 24).

Betrachtet man den Zusammenhang zwischen Film und Gesellschaft, so fällt auf, dass viele Kul­turkritiker heutzutage von einer Massenkultur ausgehen. Hierbei sei die Massenkultur das, was die Massenmedien verbreiten (Kroner 1973: 16/17). Was genau aber meint der Ausdruck Mas­sengesellschaft? Nach Kroner (1973: 17) steht die Massengesellschaft als Idealtyp der pluralisti­schen Gesellschaft gegenüber. Daneben ist die Massengesellschaft an die Massenkultur gebunden und stellt sich erst durch die Massenkultur her. Der Film nun gilt als eines der Erzeugnisse der Massenkultur. Die Medien, die mit dem Zusatz Massen- versehen werden, sind die, deren „Kul­turproduktion und -verbreitung, als auch die Zahl der potentiellen Konsumenten massenhaft er­scheint“ (Kroner 1973: 17). Viele Kritiker einer Massenkommunikationsforschung schreckt vor allem der Begriff "Masse" ab, „glauben doch viele unter ihnen, in allem was mit "Masse" zu tun hat oder diese impliziert, etwas Herabwürdigendes zu sehen“ (Silbermann 1963: 43). Sie sehen die Gegensätze Individuum und Gesellschaft oder Einzelpersönlichkeit und Menge als gefahrbe­inhaltend und folgern, dass „solche Massenmedien wie Presse, Film, Rundfunk und Fernsehen nur Übles sein können, dass sie unweigerlich der sogenannten Vermassung der Gesellschaft ent­gegenführen“ (Silbermann 1963: 43). Dieses Problem entsteht aber nur, „wenn Massenkommuni­kation nichts anderes wäre als Kommunikation in Massen für Massen“ (Silbermann 1963: 43). Massenkommunikation aber ist der Prozess, „durch den spezialisierte soziale Gruppen technolo­gische Vorrichtungen anwenden, um symbolische Inhalte an ein großes, heterogenes und weit­verstreutes Publikum zu verbreiten“ (Silbermann 1963: 43), also eine Aktion.

III. Die Funktionen des Films

Die Funktion des Films in der Gesellschaft ergibt sich aus der Rolle des Films als ein Bestandteil des sozialen Lebens. Am häufigsten wird der Film als Unterhaltungsmittel in der Freizeit genutzt, aber auch als Informationsmittel. Eine andere Funktion des Massenmediums Films ist die „Funk­tion einer sozialen Psychotherapie“ (Silbermann 1963: 46), denn der Film ist in der Lage „Befrei­ung von sozialem Zwang zu bringen oder aber einen Ausgleich für Frustrationen aller Art“ (Sil­bermann 1963: 46). Daneben kommt dem Film die „sozialpsychologische Funktion“ (Silbermann 1963: 45) zu, womit „die Durchbrechung der Vereinsamung, Ersatzbestrebungen und Eingliede­rung in das soziale Leben“ (Silbermann 1963: 45) gemeint ist. Im Folgenden werde ich den Film als Unterhaltungsmittel in der Freizeit beschreiben und seine Rolle als Informationsmittel darle­gen. Anschließend werde ich mich mit dem Film als Ware und Ideologieträger beschäftigen und danach auf den Film als Propagandamittel eingehen.

III.1 Film als Unterhaltungsmittel in der Freizeit

Die meisten Aussagen von Massenmedien haben das Ziel, die Rezipienten in ihrer Freizeit zu un­terhalten. Damit wird der Film meistens als Unterhaltungsmittel in der Freizeit genutzt. Aber „nicht alle von den Kommunikatoren als Unterhaltungsmittel gedachten Aussagen werden jedoch von den Rezipienten als solche angesehen und umgekehrt“ (Bessler & Bledjian 1967: 57). Der Film befriedigte die in der Industriegesellschaft auftretenden Bedürfnisse und diente „als Vehikel zur Flucht aus der Wirklichkeit“ (Kroner 1973: 14). Damit dient der Film vor allem als ein Medi­um der Freizeitgestaltung, denn durch „das Anbieten synthetischer Träume“ (Kroner 1973: 14) macht er den Alltag der Menschen erträglicher oder sogar vergessen. Mit dem Entstehen der In­dustriegesellschaft wurde der Alltag der Menschen durch die Arbeit determiniert und der Film er­hielt in der Freizeit eine „trostspendende Funktion und ausgesprochene Entlastungsfunktion, in­dem er zu einer unerschöpflichen Quelle des Erlebens [wurde]“ (Kroner 1973: 14, Einfügung von A. L.). Dazu kann der Film eine Anzahl von Bedürfnissen, wie Schaulust, Erlebnis-, Erregungs-, Entspannungs- und Identifikationsmöglichkeiten, sowie Anregung der Phantasie und Ablenkung befriedigen. Eine ähnliche Funktion des Films, wie die der Unterhaltung, besteht darin, den Men­schen „vom Alltag [zu] entheben, indem er geistig beflügelt oder konstruktive Gefühle intensi­viert“ (Kroner 1973: 16, Einfügung von A. L.). Seit der industriellen Revolution ist das Leben des Menschen durch Arbeit bestimmt und seine Freizeitbeschäftigung soll als Regenerationszeit zur Arbeit verstanden werden. Zudem soll der Film durch kollektives Weinen oder Lachen dazu die­nen, Spannungen zu entladen. Demnach wären die Funktionen des Films,

„auf die Regressionsphase des arbeitenden Menschen zu antworten, eine seelische Entspannung und Ablenkung zu vermitteln, eine mögliche Erweiterung des Gesichts- und Erfahrungskreises, eine Anregung oder eine even­tuelle Stabilisierung der Phantasie der Menschen zu vermitteln und den „Drang zur Geselligkeit“ zu befriedi­gen“ (Kroner 1973: 16).

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656545910
ISBN (Buch)
9783656546078
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265116
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Fakultät für Verhaltens- und Empirische Kulturwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
film spiegel gesellschaft

Autor

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Titel: Der deutsche Film. Spiegel der Gesellschaft