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Neuordnung der Ärztlichen Bedarfsplanung

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Gesundheit - Public Health

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aktueller Stand der medizinischen Versorgung in Deutschland

3 Regionale Verteilung
3.1. Verzicht auf Neuzulassungen in überversorgten Gebieten
3.2. Anreize für Neuzulassungen in unterversorgten Gebieten

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1) Verteilung der Branche ‚Ärzte‘ in Deutschland,

1 Einleitung

Gesetzlicher Auftrag der kassenärztlichen Vereinigungen und der kassenärztlichen Bundesvereinigung ist es, die ambulante, vertragsärztliche Versorgung sicherzustellen und zu gewährleisten. Somit soll die ärztliche Versorgung den gesetzlichen und vertraglichen Erfordernissen entsprechen (§75 Abs. 1 Satz 1 SGB V).1

In diesem Kontext ist auch die vertragsärztliche Bedarfsplanung wiederzufinden, die zuletzt im Rahmen des Gesundheitsstrukturgesetzes vom 21.12.1992 aufgestellt wurde.2

Mit der bisherigen Bedarfsplanung wurde festgelegt, wie viele Einwohner ein ambulant tätiger Arzt behandeln sollte. Welche Regionen als angemessen, über- oder unterversorgt galten, wurde auf der Basis dieser Normverhältnisse festgestellt und sichtbar. In der bisherigen Bedarfsplanung entsprachen die Soll-Zahlen historischen Einwohner-Arzt-Verhältnissen aus den 1990er Jahren. Dieser Ansatz führte nach und nach dazu, dass den Einwohnern ländlicher Regionen verhältnismäßig weniger Ärzte zugestanden wurden als den Einwohnern in Städten und Ballungsgebieten.3

Das IGES Institut (Institut für Gesundheits- und Sozialforschung) wurde Anfang 2011 von der Patientenvertretung des gemeinsamen Bundesausschuss damit beauftragt, ein Konzept für die Neuordnung der ärztlichen Bedarfsplanung zu entwickeln. Das Ziel dieser Neuordnung ist im Wesentlichen die Planung und Steuerung der ärztlichen Behandlungskapazitäten stärker als bisher am regionalen Versorgungsbedarf zu orientieren.4

Weiterhin geht es in der aktuellen Situation auch darum, die Bedarfsplanung so weiter zu entwickeln, dass mit ihr nicht nur die regionalen Probleme angegangen werden, sondern auch eine tragfähige Antwort auf die gegenwärtigen und absehbaren Auswirkungen der demographischen Veränderung gefunden und die somit entstandenen Strukturen bedarfsgerechter weiterentwickelt werden können.5

2 Aktueller Stand der medizinischen Versorgung in Deutschland

Die Struktur der Ärzteschaft im Jahr 2010 ist mit folgenden Zahlen belegt:

Berufstätige Ärztinnen und Ärzte ergaben eine Gesamtzahl von 334.000. Dies gliedert sich weiterhin in 141.616 ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte, 163.660 stationär tätige Ärztinnen und Ärzte und übrige 28.724 anderweitig tätige Ärztinnen und Ärzte auf.6

Im Jahr 2010 kamen auf jeden Arzt 270 Einwohner, bei einer Einwohnerzahl (Stand 31.12.2009) von 81.802.257 Bürgerinnen und Bürgern.7 Dies ist im europäischen Vergleich Platz 25 von 191 und hiermit zeigt sich, dass sich die medizinische Versorgung in Deutschland auf einem hohen Niveau befindet.8

Jedoch wurde lange Zeit das Problem eines Ärztemangels in Deutschland von der Politik kleingeredet oder geleugnet. Heutzutage ist es nicht mehr zu bestreiten, dass in vielen Kommunen der wohnortnahe Zugang zu ärztlichen Leistungen nicht mehr gegeben ist oder zumindest eingeschränkt ist. In vielen ländlichen Regionen fehlt es an niedergelassenen Haus- und Fachärzten.9

Schaut man sich die Arztentwicklung seit 1960 an, so steigen jedoch stetig die Arztzahlen in Deutschland.10 Aber wie passen steigende Arztzahlen, wie sie auch die aktuelle Ärztestatistik von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung ausweist, und zunehmender Ärztemangel zusammen?11

Hierfür kommen mehrere Gründe in Frage. Zum einen bedingt der medizinische Fortschritt mehr Leistungen, weil früher nicht bekannte oder mögliche Eingriffe, Untersuchungen und Therapiemethoden mit zunehmendem Fortschritt durchführbar geworden sind. Dies erfordert mehr Personal. Zugleich ziehen auch die demografischen Veränderungen erhebliche Auswirkungen nach sich. So ist der Anteil der über 59-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von 1991 bis heute um ein Fünftel gestiegen. Infolgedessen hat die Behandlungsintensität erheblich zugenommen. Hinzu kommt, dass die demografische Entwicklung längst auch die Ärzteschaft selbst erfasst hat, wie die aktuelle Ärztestatistik zeigt. Das Durchschnittsalter der Ärztinnen und Ärzte in Klinik und Praxis nimmt stetig zu. Viele von ihnen werden zukünftig keinen Nachfolger mehr finden, wenn sich an den aktuellen Bedingungen der Berufsausübung nicht zeitnah etwas ändert.12

Um ein weiteres Argument zu nennen, sollte man beachten, dass Ärztedichte, Facharztdichte, Zahnarztdichte und die Dichte an Pflegepersonal lediglich die Informationen über die Anzahlen der Berufstätigen innerhalb dieser Gruppen in Relation zur Bevölkerung enthalten. Die Arbeitszeit dieser Leistungsträger bleibt dagegen unberücksichtigt. Dies ist jedoch erforderlich, wie folgendes, bereits oben erwähntes Paradoxon aufweist: Ärztemangel bei steigenden Arztzahlen: Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte stieg in Deutschland von 1994 bis 2007 um 2,8 Prozent an. Die addierten Arbeitsstunden pro Woche sanken jedoch in der gleichen Zeit um 2,9 Prozent.13 Hier ist vor allem die wechselnde Struktur der Mediziner hin zu mehr weiblichen Ärzten zu beachten.

So muss sich die Gesellschaft darauf einstellen, dass Frauen eine andere Lebensstruktur haben als ihre männlichen Kollegen. Familiäre Aufgaben erfordern in gewissen Lebensabschnitten weniger Arbeit pro Zeiteinheit und somit mehr Halbtagsstellen. Dies bedeutet auch eine Veränderung von zur Verfügung gestelltem Arbeitsvolumen.14

3 Regionale Verteilung

Das Problem des viel zitierten Ärztemangels besteht aber nicht nur in den im vorherigen Kapitel beschriebenen Themen, sondern ist vielmehr auch durch eine schlechte regionale Verteilung begründet. In mehr als drei Viertel der deutschen Städte und Landkreise herrscht im hausärztlichen Bereich ein Versorgungsgrad von nahezu 100 Prozent oder sogar darüber hinaus. Dies betrifft besonders die strukturell attraktiven Gegenden Deutschlands.15 Jedoch gibt es in ländlichen Regionen heute zu wenige Ärzte. Die Politik ist deshalb dabei, die Bedarfsplanung zu ändern und stärker am Versorgungsbedarf zu orientieren.16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Verteilung der Branche ‚Ärzte‘ in Deutschland, http://www.auskunft.de/karte/aerzte.png

Die geänderte bzw. weiterentwickelte Bedarfsplanung des Gemeinsamen Bundesausschusses beinhaltet folgende wichtige Reformen:17,18

- Flexibilisierung der Planungsbereiche: Planungsbereiche müssen in der Zukunft nicht mehr wie bisher den Stadt- und Landkreisen entsprechen. Dem Gemeinsamen Bundesausschuss wird vorgegeben, die Planungsbereiche innerhalb einer vorgesehenen Frist so zu gestalten, dass sie einer flächendeckenden Versorgung dienen.
- Berücksichtigung von Demographie bei der Anpassung der Verhältniszahlen: Dem Gemeinsamen Bundesausschuss wird gesetzlich aufgegeben, bei der Anpassung der Verhältniszahlen die demographische Entwicklung zu berücksichtigen.
- Im Unterschied zur bisherigen Bedarfsplanung beziehen sich die Verhältniszahlen einheitlich auf einen aktuellen Zeitpunkt (2010).
- Weiterhin fließen nur Verhältniszahlen der Regionen mit einem mittleren Versorgungsbedarf in die Norm ein.
- Diese Norm-Verhältniszahlen werden differenziert für die einzelnen ärztlichen Fachgruppen neu bestimmt. Sie geben an, wie viel Einwohner ein Arzt der jeweiligen Fachgruppe normalerweise versorgen sollte.
- Erweiterung der Möglichkeit zur Erteilung von Sonderbedarfszulassungen: Die sog. Sonderbedarfszulassung als Instrument zur Feinsteuerung der Versorgungssituation wird zielgerichtet weiterentwickelt.

Durch die Einbeziehung der Bevölkerungsprognosen in die Bedarfsplanung zeigt sich, ob beispielsweise ein zum gegenwärtigen Zeitpunkt festgestellter Ärztemehrbedarf auch längerfristig besteht oder ob längerfristig die Bevölkerungsentwicklung den Arztbedarf mindert. Hierbei ist häufig mit gegenläufigen Wirkungen zu rechnen: Während eine längerfristige sinkende Einwohnerzahl den Ärztebedarf einer Region mindert, erhöht ein steigendes Durchschnittsalter ihrer Einwohner den Ärztebedarf.19

Das am 01.12.2012 vom Deutschen Bundestag beschlossene GKV-Versorgungsstrukturgesetz beinhaltet ein Bündel von weiteren Maßnahmen um eine gute, wohnortnahe ärztliche Versorgung in unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Gebieten sicherzustellen. Das Gesetz beinhaltet außerdem folgende Themengebiete, die hier aber nicht weiter ausführlich diskutiert werden:

- Reform der vertragsärztlichen und vertragszahnärztlichen Vergütungssysteme
- Innovative Behandlungsmethoden
- Weiterentwicklung des Gemeinsamen Bundesausschusses
- Stärkung wettbewerblicher Handlungsmöglichkeiten der Krankenkassen
- Weitere Maßnahmen des Gesetzes, darunter Modifizierung der Zulassungsregelungen für MVZ

3.1. Verzicht auf Neuzulassungen in überversorgten Gebieten

Um Überversorgung abzubauen, soll der Verzicht auf Zulassungen in überversorgten Gebieten gefördert werden. Hierzu können die kassenärztlichen Vereinigungen u.a. ein Vorkaufsrecht in überversorgten Planungsbereichen ausüben.20 Wesentlicher Inhalt und Maßnahmen des Gesetzes zur Förderung des Verzichts auf Zulassungen in überversorgten Gebieten lauten wie folgt: ÄFörderung des Verzichts auf Zulassungen in überversorgten Gebieten: Um Überversorgung abzubauen, wird die bestehende Möglichkeit der kassenärztlichen Vereinigung, in überversorgten Gebieten den freiwilligen Verzicht auf die vertragsärztliche Zulassung finanziell zu fördern, erweitert. Zudem wird den kassenärztlichen Vereinigungen ermöglicht, bei der Ausschreibung von Vertragsarztsitzen zur Nachbesetzung in überversorgten Planungsbereichen ein Vorkaufsrecht auszuüben. Das wirtschaftliche Interesse des ausscheidenden Vertragsarztes an der Verwertung der Arztpraxis bleibt geschützt. Ein Vorkaufsrecht der kassenärztlichen Vereinigung besteht nicht, wenn sich ein Kind, Ehegatte oder Lebenspartner des ausscheidenden Vertragsarztes oder ein Vertragsarzt, mit dem die Praxis bisher gemeinschaftlich ausgeübt wurde, um die Nachbesetzung bewerben.“21

Der Fall überversorgter Regionen ist nur dann von Bedeutung, wenn die Überversorgung zu einer angebotsindizierten Nachfrage führt. Dann müsste die Überversorgung entsprechend abgebaut werden. Ein Weg dahin kann der im Gesetzestext aufgezeigte Ankauf von Arztsitzen durch die Kassenärztliche Vereinigung sein.22

Gleichzeitig sollen bei der Nachbesetzung und Verlegung von Vertragsarztpraxen Versorgungsgesichtspunkte stärker berücksichtigt werden. Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. hält Versorgungsgesichtspunkte für das vorrangige Kriterium zur Bestimmung von Über- oder Unterversorgung. Die auch im VStG weiterhin vorgesehene Bevorzugung von Kindern, Ehegatten oder Lebenspartner/innen, mit Einschränkungen auch der Partner/innen in einer Gemeinschaftspraxis, im Rahmen des Vorkaufsrechts schafft jedoch Anreize für ÄUmgehungsstrategien“ bei attraktiven Vertragsarztsitzen und wird daher Überversorgung in solchen Gebieten nicht wirksam abbauen können. Der Deutsche Verein für öffentlich und private Fürsorge e.V. regt daher an, z.B. über eine Fristenregelung (Kooperation besteht seit mehr als fünf Jahren o.Ä.) die Umgehungsmöglichkeit zu begrenzen.23

[...]


1 Vgl. Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG) - Auswirkungen auf die Praxis (2012), Seite 3 .

2 Vgl. Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG) - Auswirkungen auf die Praxis (2012), Seite 3.

3 Vgl. Neuordnung der ärztlichen Bedarfsplanung (2012), Seite 9.

4 Vgl. Neuordnung der ärztlichen Bedarfsplanung (2012), Seite 9.

5 Vgl. Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG) - Auswirkungen auf die Praxis (2012), Seite 3.

6 Vgl. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Gesundheitspersonal/Tabellen/Berufe.html, Stand 20.07.2012.

7 https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Bevoelkerung.html, Stand 20.07.2012.

8 http://www.welt-in-zahlen.de/laendervergleich.phtml?indicator=42, Stand 22.07.2012.

9 http://www.xn--bundesrztekammer-0nb.de/page.asp?his=0.3.10275, Stand 22.07.2012.

10 https://www.aerzteblatt.de/archiv/56560, Stand 22.07.2012.

11 http://www.xn--bundesrztekammer-0nb.de/page.asp?his=0.3.10275, Stand 22.07.2012.

12 http://www.xn--bundesrztekammer-0nb.de/page.asp?his=0.3.10275, Stand 22.07.2012.

13 Vgl. Die Qualität des deutschen Gesundheitswesens im internationalen Vergleich (2011), Seite 66.

14 Vgl. http://www.xn--bundesrztekammer-0nb.de/page.asp?his=0.3.10275, Stand 22.07.2012.

15 Vgl. Der Zusammenhang von demographischer Entwicklung und regionaler Ungleichheit in Deutschland (2010), Seite 31.

16 http://www.kbv.de/38805.html, Stand 24.07.2012.

17 Vgl. Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz - Richtung richtig, Umsetzung unklar (2012), Seite 5.

18 Vgl. Neuordnung der ärztlichen Bedarfsplanung (2012), Seite 10 f.

19 Vgl. Neuordnung der ärztlichen Bedarfsplanung (2012), Seite 12.

20 Stellungnahme des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. zum Regierungsentwurf für ein Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (2011), Seite 7.

21 Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz: Richtung richtig, Umsetzung unklar (2012), Seite 7.

22 Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz: Richtung richtig, Umsetzung unklar (2012), Seite 7.

23 Stellungnahme des Deutschen Vereins zum Regierungsentwurf für ein Gesetz zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung (2011), Seite 7 f.

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656550396
ISBN (Buch)
9783656547563
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265176
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,0
Schlagworte
neuordnung ärztlichen bedarfsplanung

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