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Die Rolle der Medien bei der Integration der in Deutschland lebenden Türken

Hausarbeit 2012 14 Seiten

Medien / Kommunikation - Methoden und Forschungslogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Medien für in Deutschland lebende Türken
2.1 Türkische Fernsehprogramme
2.2.1 Positive Auswirkungen von deutschen Medienprogrammen
2.2.2 Negative Auswirkungen von deutschen Medienprogrammen

3. Globale Medienstruktur - Ähnlichkeiten türkischer und deutscher Medien

4. Erdogan

5. Aspekte der Hörfunknutzung

6. Türkische Mediennutzung in Deutschland

7. Medien-Nutzer-Typen
7.1. Der Kultur-Exil-Typ
7.2. Der politische Exilnutzer
7.3. Der Diaspora-Typ
7.4. Der Bikultur-Nutzer
7.5. Der Transkultur-Typ
7.6. Der Assimilationsty

8. Resümee

9. Abkürzungsverzeichnis

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 31. Oktober 1961 wurde ein Abkommen zwischen der Türkei und Deutschland geschlossen, das „Abkommen zur Anwerbung türkischer Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt“. Aufgrund der Schließung der Grenze zu Ost-Berlin wurden mehr Arbeitskräfte gesucht und diese wurden zum Teil aus der Türkei bezogen. Das Abkommen sollte zunächst zeitlich begrenzt sein, jedoch erwies sich das Wunschmodell temporärer Beschäftigung als unrentabel, sowohl für die türkischen Arbeitnehmer, welche mit der Zeit ihre Familien nach Deutschland holten, als auch für die deutschen Unternehmen. 1973 verhängte die Bundesrepublik den Anwerbestopp für ausländische Arbeiter. 1983 beschloss die Bundesregierung das Rückführungsgesetz, welches die Migranten zu ihrer Rückkehrbereitschaft u. a. finanziell fördern sollte und somit den Familienzuzug einschränkte.[1] In absehbarer Zeit werden die Geburtendefizite und die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes eine erneute starke Zuwanderung erforderlich machen. Ohne weitere Zuwanderung wären sowohl die gesellschaftliche Vitalität, die Wirtschaft und das Rentensystem gefährdet.[2]

Heute leben 2,5 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland. Fast ein Drittel von ihnen besitzt einen deutschen Pass. Das macht mit Abstand die größte ausländische Minderheit in Deutschland aus. Obwohl die in Deutschland lebenden Türken im Durchschnitt weniger verdienen als die Deutschen, konsumieren sie fast ebenso viel. Türken und türkischstämmige Deutsche erzielen eine jährliche Kaufkraft von rund 16 Milliarden Euro.[3]

Angesichts dieser Zahlen stelle ich in dieser Arbeit die Rolle der Massenmedien im Integrationsprozess vor, wie uneinheitlich und widersprüchlich diese zum Teil sind.

Wie die elektronischen Massenmedien, insbesondere das Fernsehen, auf diese Realitäten reagieren und Menschen mit Migrationshintergrund einerseits ein selbstverständlicher Teil der täglichen Berichterstattung sind und andererseits Angebote gemacht werden, in denen sich die Medien aktiv und explizit um Integration und interkulturelle Verständigung bemühen. Welche Rolle hierbei die Medien für interkulturelles Zusammenleben in der deutschen Gesellschaft spielen und wie interkulturelle Kompetenz durch Medien und in der Arbeit mit Medien gefördert werden kann.

2. Medien für in Deutschland lebende Türken

Studien von ARD/ZDF und vom WDR zeigen, dass die überwiegende Mehrheit der jüngeren Migranten durch die deutschen Medien erreicht werden und nur ein geringer Teil ausschließlich heimatsprachliche Medien nutzt. Trotzdem üben die heimatsprachlichen Medienangebote für Migranten türkischer Herkunft oft wichtige Brücken- und Identitäts-Funktionen aus.[4]

2.1 Türkische Fernsehprogramme

Für die älteren in Deutschland lebenden Türken sind die Medien aus der Türkei Informationsquelle Nummer eins.

Ermöglicht durch Satellitenfernsehen haben Migranten die Möglichkeit, verschiedene türkischsprachige Programme zu verfolgen. Dazu gehört seit Mitte der 1980er Jahre das Programm des türkischen Staatssenders TRT, welches der meistgenutzte Sender von den in Deutschland lebenden Türken ist. Zunächst war das Programm identisch mit dem in der Türkei ausgestrahlten. Seit 1990 wurde dies durch den neuen Ableger TRT INT ersetzt und richtet sich nun speziell auf in Ausland lebende Türken. Hier gab es schon spezielle Sendungen für Deutschland. Allerdings üben die Beiträge, die sich mit Deutschland befassen, meist Kritik an der Bundesrepublik, anstatt bei der Suche nach Identität zu helfen.[5]

Seit Anfang der 90er hat man in Deutschland die Möglichkeit, noch mehr verschiedene Fernsehsender aus der Türkei zu empfangen. Allerdings wird dieses Programm ausschließlich für den türkischen Markt produziert. Kanal D und ATV jedoch produzieren teilweise, ähnlich wie TRT INT, auch Beiträge für Türken, die im Ausland leben. Dieser Entwicklung werden sich vorrausichtlich weitere Sender anschließen.[6]

Bei Pay-TV, wie Premiere World oder im Bereich Fußball International Premiere Sport, ist es für die in Deutschland lebenden Türken durch den Mehrkanalton möglich, bei der Hälfte der Übertragungen, zwei Sprachen zu empfangen. So haben nicht deutschstämmige Bürger die Möglichkeit, Kommentare beim Fußball in ihrer Muttersprache zu hören.[7]

2.2 Deutsches Fernsehprogramm im Vergleich

Die meisten Sendungen, die explizit von Menschen mit Migrationshintergrund handeln, sind fast ausschließlich in den öffentlich-rechtlichen Programmen wie 3SAT, ARTE, ZDF oder den Dritten Programmen der ARD-Anstalten zu finden. Die Medien spielen bei der Integration der türkischen Bevölkerung eine wesentliche Rolle. Sie können durch ihre Berichterstattung einen Beitrag zu einem respektvollen Miteinander leisten, indem sie andere Lebensweisen darstellen, Hintergründe von Konflikten aufzeigen und den Dialog der Kulturen fördern. Es ist wichtig zu verstehen, wie die Medien sowohl auf Deutsche, als auch auf die in Deutschland lebenden Türken wirken. Die in Deutschland lebenden Türken werden oft vor allem als eine Problemgruppe dargestellt.[8]

2.2.1 Positive Auswirkungen von deutschen Medienprogrammen

Bei den Casting-Shows werden Migrationshintergründe nicht thematisiert, sind aber an Namen und Aussehen der Kandidaten zu erkennen. Hier werden die jungen Migranten an Erfolg und Misserfolg gemessen.[9] Wie beispielsweise bei der deutschen Girlgroup „Monrose“, welche Ende 2006 im Rahmen der fünften Staffel der Castingshow Popstars zusammengestellt wurden ist. Hier stellt Bahar Kizil, die ihre Wurzeln in der Türkei hat, unter anderem ein Vorbild für türkischstämmige Mädchen dar.

Für die Entwicklung gegen Klischees helfen mit Erfolg türkische Schauspieler im deutschen Fernsehen. Wie in der Serie „Türkisch für Anfänger“ (ARD), hier werden Migrantinnen und Migranten als Menschen mit Stärken, Schwächen, Eigenheiten und Macken dargestellt. Gerade in Serien und in Spielfilmen steckt ein wichtiger Ansatzpunkt, denn hier wird vieles vom Zusammenleben im Alltag vermittelt. Diese Art von Serien tragen dazu bei, dass man sich auch in der jüngeren Generation stärker mit der Frage der Integration befasst. Wenn eine Serie davon handelt, dass ein Mann sich in eine Frau verliebt, die aus einem anderen Land stammt und dieses zu Diskussionen innerhalb der Familien führt, fühlen sich viele Zuschauer angesprochen und fühlen sich angenommen.[10]

Auch Kaya Yanar, selbst türkischer Herkunft, stellt mit seiner Comedy eine völkerverbindende Maßnahme dar. Das Publikum wird vorurteilsbehaftet charakterisiert, das jedoch auf eine liebevolle Weise und in vertretbarem und moderatem Maße. Sie merken, dass Kaya Yanar sich nicht nur eine Minderheit vornimmt, sondern, dass bei ihm jeder Landsmann, seien es Inder, Italiener, Deutsche oder eben Türken, einen klischeehaften oder ausländerfeindlichen Spruch zu hören bekommt. Somit stellt er das politische Gleichgewicht wieder her. Seine Comedy beruht sehr stark auf der Wahrnehmung von kulturellen Unterschieden. Keiner verübelt ihm einen Spruch, sein Publikum weiß es zu schätzen, dass er nicht auf die Bühne geht, um irgendeine Nation herunterzumachen. Sowohl Deutsche, als auch Türken sehen ihn als bestens integriert und somit hat er in vielen Bereichen auch eine Vorbildfunktion.[11]

2.2.2 Negative Auswirkungen von deutschen Medienprogrammen

Anders als Kaya Yanar, vermittelt Thilo Sarrazin in seinem Buch, „Deutschland schafft sich ab“, ein ganz anderes Bild. Niemand würde das Buch und seine Art kritisieren, wenn er seine Gedanken emotionaler und mit mehr Verständnis für die Menschen aus der türkisch dominierten muslimischen Minderheit beschrieben hätte. Es geht darum, wie er die Integration der muslimischen Minderheit beschreibt. Zum Beispiel so: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“ Sarrazin´s Thesen wurden in den Medien millionenfach verbreitet und nach seinen Behauptungen, die Art und Weise, wie er diese vermittelt, fühlen sich Migranten angegriffen und dies hätte zu einer Spaltung der Gesellschaft führen können.[12]

[...]


[1] Vgl. Das Medienangebot für die ausländischen Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland, S.4

[2] Vgl. Medien, Migration, Integration Elektronische Massenmedien und die Grenzen kultureller Identität. S.

[3] Vgl. www.bpb.de/publikationen/7LG87X,1,0,T%FCrkische_Minderheit_in_Deutschland.html,

Vgl. Begegnung mit Türken Begegnung mit dem Islam, S.12, http://www.politikcity.de/forum/deutschland-innen-und-au%DFenpolitik-almanya-%E7-ve-d-i-leri/14730-t%FCrken-deutschland-j%E4hrliche-kaufkraft-von-rund-16-milliarden-euro.htm

[4] Vgl. Interkulturell mit Medien, S.

[5] Vgl. Türkische Medien in Deutschland, S.

[6] Vgl. Medien Migration Integration, S.

[7] Vgl. Medien, Migration, Integration, S.

[8] Vgl. Interkulturell mit Medien, S.17

[9] Vgl. Interkulturell mit Medien, S.

[10] Vgl. Interkulturell mit Medien, S.20

[11] Vgl. http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,542524,00.html

[12] Vgl. Zur Sache Sarrazin, S.19 ff.

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656550174
ISBN (Buch)
9783656548065
Dateigröße
530 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265222
Note
1,3
Schlagworte
Integration Ausländer Türken Gastarbeiter Deutschland Medien Radio Fernsehr

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