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Biodiversität in Großstädten. Aufgabenfeld der nachhaltigen Stadtplanung?

Seminararbeit 2011 26 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis.

Tabellenverzeichnis.

Abkürzungsverzeichnis..

1 Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt als Ausgangspunkt der Biodiversitätsdiskussion in Deutschland

2 Nachhaltige Stadtentwicklung und Biodiversität – Grundlagen und Definitionen
2.1 Nachhaltige Stadtentwicklung – Herausforderung für die Gegenwart
2.1.1 Grundlegende Aspekte einer nachhaltigen Stadtentwicklung
2.1.2 Handlungsfelder einer nachhaltigen Stadtentwicklung
2.2 Definitionen von Biodiversität
2.2.1 Biodiversität im Allgemeinen
2.2.2 Urbane Biodiversität.

3 Bedeutung von Biodiversität für das menschliche Leben in Großstädten
3.1 Ökologische Bedeutung
3.2 Ökonomische Bedeutung
3.3 Soziale Bedeutung

4 Stuttgart 21 und die Biodiversität in Stuttgart – Eine Folgenabschätzung..

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Biodiversität als übergreifende Aufgabe für eine nachhaltige Stadtentwicklung.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Mögliche Auswirkungen auf die Biodiversität von Stuttgart 21 und Kopfbahnhof 21.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt als Ausgangspunkt der Biodiversitätsdiskussion in Deutschland

Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) wurde 1992 auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (United Nations Conference on Environment and Development, UNCED) in Rio de Janeiro beschlossen.[1] Stand Juni 2010 haben 193 Staaten das Abkommen unterzeichnet und ratifiziert. Die Vertragsstaaten bestätigen damit die hohe Bedeutung der biologischen Vielfalt für das menschliche Leben auf der Erde. Sie verpflichten sich dem Schutz der Biodiversität, deren nachhaltiger Nutzung sowie dem Ausgleich von Vorteilen aus der Nutzung der Biodiversität.[2]

Mit der vom Bundeskabinett 2007 verabschiedeten nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt hat Deutschland eine zentrale Forderung der Konvention erfüllt, konkrete Strategien und Konzepte zur Umsetzung des Übereinkommens auf nationaler Ebene zu erörtern.[3] Die Bedeutung von Städten zur Erhaltung der biologischen Vielfalt wird dabei von der deutschen Biodiversitätsstrategie explizit genannt.[4] Inwiefern die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Städten gewährleistet wird, ist maßgeblich von einer verantwortungsvollen Stadtplanung determiniert.[5] Somit ergibt sich ein klarer Auftrag an die Stadtplaner, alle städtebaulichen Maßnahmen auf ihre „Biodiversitätsverträglichkeit“ hin zu überprüfen.

Mit der vorliegenden Arbeit soll aufgezeigt werden, dass der Schutz und die schonende Nutzung von Biodiversität für eine nachhaltige Stadtplanung eine zentrale Aufgabe darstellt. Dabei werden zunächst die Grundlagen der nachhaltigen Stadtplanung und der Biodiversität dargelegt. Anschließend erfolgt eine Erläuterung der Wichtigkeit von Biodiversität für das menschliche Leben in Großstädten. Darauf aufbauend wird mit dem Instrument der Folgenabschätzung am Beispiel Stuttgart 21 aufgezeigt, wie durch eine ganzheitliche Stadtplanung die Forderung zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Städten erfüllt und somit eine nachhaltige Stadtentwicklung sichergestellt werden kann. Die Arbeit schließt mit einem Fazit ab, das die zentralen Ergebnisse zusammenfasst und einen Ausblick über zukünftige Entwicklungstendenzen in der Beziehung „Nachhaltige Stadtplanung – Biodiversität“ geben soll.

2 Nachhaltige Stadtentwicklung und Biodiversität – Grundlagen und Definitionen

2.1 Nachhaltige Stadtentwicklung – Herausforderung für die Gegenwart

In Deutschland lebten 2010, laut einer United Nations-Projektion, rund 60,6 Millionen Menschen in Städten.[6] Eine derart hohe Konzentration von Menschen geht zwangsläufig mit einer starken Beeinträchtigung der Umwelt sowohl im unmittelbaren Stadtgebiet als auch im Stadtumland einher. Ziel von stadtplanerischen Tätigkeiten muss es demnach sein, die Umweltbelastungen aus menschlichen Tätigkeiten zu minimieren, um so langfristig eine nachhaltige Stadtentwicklung zu gewährleisten. Was konkret mit einer nachhaltigen Stadtentwicklung gemeint ist und an welchen Stellschrauben gedreht werden kann, um eine solche zu realisieren, wird in den folgenden beiden Unterpunkten überblicksartig dargestellt.

2.1.1 Grundlegende Aspekte einer nachhaltigen Stadtentwicklung

Die Brundtland-Kommission definiert eine Entwicklung dann als nachhaltig, wenn die gegenwärtige Generation in einer Art und Weise ihre Bedürfnisse befriedigt, sodass kommende Generationen die Möglichkeit haben, ihre eigenen Bedürfnisse adäquat zu befriedigen.[7]

Darüber hinaus gilt eine Entwicklung dann als nachhaltig, wenn neben ökologischen Gesichtspunkten auch wirtschaftliche und soziale Aspekte als gleichberechtigte Dimensionen angesehen werden.[8]

Der Begriff „Stadtentwicklung“ kann grundsätzlich als ein dynamischer Prozess angesehen werden, der das Ergebnis von unterschiedlichen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und auch ökologischen Nutzungsansprüchen an den städtischen Raum darstellt. Dieser Prozess wird dabei von den stadtplanerischen Tätigkeiten gesteuert, deren zentraler Auftrag aus der Perspektive einer nachhaltigen Entwicklung darin besteht, diese Nutzungsansprüche abzuwägen und zu einem zukunftsfähigen Ausgleich zu führen.[9] Des Weiteren darf die Stadtplanung die Stadt nicht als „geschlossenen“ Raum betrachten, sondern muss dabei die enge Einbindung der Stadt in das Umland betrachten, die bspw. durch die Zufuhr von Rohstoffen und ihrer gleichzeitigen Entsorgung zu Stande kommt. Eine nachhaltige Stadtentwicklung muss also sicherstellen, dass auch die Bedürfnisse der Menschen in angrenzenden Regionen in das Entscheidungskalkül mit einbezogen werden.[10]

Städte gelten an sich als die nachhaltigste Siedlungsform, da sie durch die Bündelung von Menschen auf engem Raum unter anderem eine großflächige Zersiedelung der Landschaft verhindern und Verkehr punktuell konzentrieren.[11] Eine „stadtfreie“ Raumstruktur wäre außerdem energetisch ineffizient.[12] Nicht umsonst wird im städtischen Raum der Ausgangspunkt des Handelns gesehen, um eine zukunftsfähige Entwicklung der Gesellschaft im Einklang mit der Natur zu verwirklichen. Konkret stehen den Städten fünf Handlungsfelder zur Verfügung, um ihre Entwicklung nachhaltig zu gestalten.

2.1.2 Handlungsfelder einer nachhaltigen Stadtentwicklung

Das Handlungsfeld Boden verfolgt das Ziel, einen ressourcenbewussten Umgang mit den Siedlungsflächen sicherzustellen, um so eine nachhaltige Stadtentwicklung zu gewährleisten.[13] Dieses Ziel geht Hand in Hand mit der Forderung der deutschen Biodiversitätsstrategie, die zusätzliche Flächeninanspruchnahme für Siedlung und Verkehr in Deutschland bis 2020 auf maximal 30 Hektar zu begrenzen. Gegenwärtig liegt dieser Flächenverbrauch bei ca. 115 Hektar pro Tag.[14] Für die Stadtplanung ergibt sich hieraus etwa die Konsequenz, flächenintensive Bebauungsformen zu meiden, indem „in die Höhe“, anstatt „in die Breite“ gebaut wird.[15]

Das Handlungsfeld Mobilität zielt darauf ab, den motorisierten Individualverkehr in den Städten zu reduzieren. Der motorisierte Individualverkehr führt in den Städten zu hohen Belastungen von Mensch und Umwelt durch Lärm, Schadstoffe und Flächeninanspruchnahme. Durch Erhöhung der Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs und Ausbau des Fahrradwegenetzes können diese belastenden Effekte reduziert werden.[16]

Das Handlungsfeld Wirtschaft bezieht sich insbesondere auf eine kommunale Wirtschaftsförderung, die darauf abzielt, ortsansässige Betriebe in der Stadt zu halten, die innerstädtischen Zentren zu stärken und regionale Wirtschaftskreisläufe zu fördern. Gemischte Stadtquartiere, in denen neben Unternehmensansiedlungen auch Wohngebiete zu finden sind, werden in Zeiten neuer Technologien (Information, Kommunikation, Umwelt) öfters auftreten und so zu einer „Stadt der kurzen Wege“ beitragen.[17]

Das Handlungsfeld Wohnen ist darauf ausgelegt, zum einen die Bevölkerung bedarfsgerecht und zu erschwinglichen Preisen mit Wohnraum zu versorgen. Zum anderen gilt die Maxime, diesen Wohnraum möglichst ressourcenschonend zu schaffen. Dieser augenscheinliche Konflikt zwischen Wohnungsversorgung und Umweltinteressen gilt es auf dem Weg zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung mit geeigneten Maßnahmen auszubalancieren.[18] So kann z.B. die Unsitte der Bauschuttentsorgung direkt auf dem Grundstück dadurch bekämpft werden, indem günstige Angebote zu Abgabe und Recycling der Baustoffe angeboten werden.

Das Handlungsfeld Umwelt ist das weitreichendste auf dem Weg zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Die Umweltmedien Wasser, Luft und Boden, das Klima und die Natur müssen durch Verordnungen geschützt werden. Dort wo Verordnungen keine Wirkung zeigen, muss eine Steuerung durch Appelle an die Verantwortung der Menschen gegenüber der Umwelt und zukünftigen Generationen erfolgen. So tragen Verordnungen, die eine bessere Wärmedämmung von Häusern und Wohnungen vorschreiben, oder kostenlose Energieberatungen zu einer Reduktion von CO2und anderen Schadstoffen bei. Ebenso treibt die Förderung und Nutzung von regenerativen Energien eine nachhaltige Stadtentwicklung voran.[19]

Der Fokus der deutschen Umweltpolitik hat sich mit der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt unter anderem auf die Erhaltung der Biodiversität (neben Maßnahmen zur Begegnung des Klimawandels) gerichtet. Städte weisen in vielerlei Hinsicht eine hohe Biodiversität auf, bedrohen diese aber infolge der menschlichen Aktivitäten zusehends. Die fünf Handlungsfelder einer nachhaltigen Stadtentwicklung tangieren direkt oder indirekt die Anstrengungen zur Erhaltung von Biodiversität. Biodiversität ist somit als ein Querschnittsthema aufzufassen, das sich durch alle Handlungsfelder zieht und auf dem Weg zur nachhaltigen Stadt von den politischen Entscheidungsträgern zu beachten ist. Abbildung 1 illustriert diesen Zusammenhang in graphischer Form.

Abbildung 1: Biodiversität als übergreifende Aufgabe für eine nachhaltige Stadtentwicklung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an BBSR (o.J. b).

2.2 Definitionen von Biodiversität

Der Zusammenhang zwischen den Handlungsfeldern einer nachhaltigen Stadtentwicklung und der Biodiversität als übergreifende Thematik wurde dargestellt, um was es sich jedoch bei dem Begriff „Biodiversität“ konkret handelt, wird in den folgenden beiden Unterpunkten präsentiert.

2.2.1 Biodiversität im Allgemeinen

Biologische Vielfalt, oder wissenschaftlich ausgedrückt Biodiversität, bezeichnet die Vielfalt des Lebens auf allen Ebenen, die mit Lebewesen verknüpft sind.[20] Biodiversität geht also über die Vielfalt der Arten hinaus und schließt die Vielfalt der Ökosysteme und die genetische Vielfalt innerhalb einer Art mit ein.[21]

Die oberste Ebene bildet die Vielfalt der Ökosysteme, die Lebensräume wie Wasser, Wald oder auch große Parkanlagen in Städten umfasst. Eine Ebene darunter befindet sich die Vielfalt der Arten, die Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen beinhaltet. Die Vielfalt der Gene innerhalb einer Art stellt die unterste Ebene dar. Diese Ebene bezeichnet alle Sorten oder Rassen von wildlebenden und genutzten Arten.[22]

Die drei Ebenen der Biodiversität sind interdependent. Eine Art kann nur dann überleben, wenn sie eine ausreichende genetische Variabilität aufweist. Dies muss durch Vernetzung von Lebensräumen gewährleistet werden. Die Arten wiederum brauchen zum Überleben Ökosysteme mit passenden Lebensräumen und ein Ökosystem ist nur dann funktionsfähig, wenn es eine Vielzahl von Arten beherbergt. Auch für den Menschen sind intakte Ökosysteme von unmittelbarer Bedeutung, stellen diese doch etwa die Sauberkeit von Trinkwasser oder die Fruchtbarkeit von Böden sicher.[23]

2.2.2 Urbane Biodiversität

Urbane Biodiversität bzw. Biodiversität in (Groß-)Städten bezeichnet die Vielfalt des Lebens in urbanen Landschaften. Zur biologischen Vielfalt einer Stadt tragen alle Lebensräume und die dort lebenden Tiere und Pflanzen bei, die sich innerhalb der Siedlungsfläche der Stadt befinden.[24]

Die biologische Vielfalt in Städten hebt sich positiv von jener der die Städte umgebenden Kulturlandschaft ab, die meist von einer Nutzung durch die Landwirtschaft geprägt ist. Städte bilden einen strukturreichen Kontrast zur Monotonie ihrer Umgebung, indem sie Tieren und Pflanzen attraktive Lebensräume bieten.[25] Heimische Arten finden in den Parks, Gärten und Brachen der Stadt einen Ersatzlebensraum und vor allem wärmebedürftige Arten siedeln sich in den Städten mit Vorliebe an, da hier höhere Temperaturen im Vergleich zur Umgebung herrschen.[26] Dabei gilt, je strukturreicher, je größer, je älter und je weniger isoliert die Lebensräume für Tiere und Pflanzen in der Stadt sind, desto besser ist dies für die biologische Vielfalt.[27]

[...]


[1] Vgl. BMU (2007), S. 6.

[2] Vgl. BfN (2010).

[3] Vgl. BMU (2007), S. 7.

[4] Vgl. BMU (2007), S. 42 f.

[5] Vgl. Müller (2010), S. XVII.

[6] Vgl. United Nations, Department of Economic and Social Affairs (2009).

[7] Vgl. WCED (1987), S. 24.

[8] Vgl. BMU, UBA (2001), S. 123 f.

[9] Vgl. BBSR (o.J. a).

[10] Vgl. BfLR (1996), S. 16.

[11] Vgl. BBSR (o.J. b).

[12] Vgl. BfLR (1996), S. 16.

[13] Vgl. BBSR (o.J. c).

[14] Vgl. BMU (2007), S. 51.

[15] Vgl. BBSR (o.J. c).

[16] Vgl. BBSR (o.J. d).

[17] Vgl. BBSR (o.J. e).

[18] Vgl. BBSR (o.J. f).

[19] Vgl. BBSR (o.J. g).

[20] Vgl. Hotes (2010), S. 25.

[21] Vgl. BMU (2010), S. 7.

[22] Vgl. FBS, BAFU (o.J. a).

[23] Vgl. FBS, BAFU (o.J. b).

[24] Vgl. Werner, Zahner (2009), S. 14.

[25] Vgl. Reichholf (2007), S. 7.

[26] Vgl. BMU (2007), S. 42.

[27] Vgl. Werner, Zahner (2009), S. 33.

Details

Seiten
26
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656550808
ISBN (Buch)
9783656550785
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265388
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim
Note
1,3
Schlagworte
biodiversität großstädten aufgabenfeld stadtplanung

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