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Altes Testament. Eherne Schlange

Bibelstelle Numeri 21,4-9

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 17 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Textkritik

2 Literarkritik
2.1 Kontextanalyse
2.1.1 Abgrenzung
2.1.2 Einordnung des Textes in seinen Kontext
2.2 Aufbauanalyse
2.2.1 Textebene / Gliederung
2.2.2 Satzebene / Syntax
2.2.3 Wortebene / Terminologie
2.3 Integritätsanalyse
2.3.1 Schwer erklärbare Widersprüche und Spannungen
2.4 Ergebnisse

3 Überlieferungsgeschichte

4 Formgeschichte

5 Bestimmung des historischen Ortes

6 Traditionsgeschichte

7 Interpretation
7.1 Einzelinterpretation
7.2 Gesamtinterpretation

8 Glossar
8.1 Quellen
8.2 Kommentare
8.3 Monographien
8.4 Aufsätze und Lexikonartikel
8.5 Internetseiten

1. Textkritik

Betrachtet man den Text Num 21,4-9 in der Elberfelder Bibelübersetzung, so fällt auf, dass es keine textkritischen Anmerkungen gibt.

Schlachterbibel

Die eherne Schlange

4 Da zogen sie vom Berg Hor weg auf dem Weg zum Roten Meer2, um das Land der Edomiter zu umgehen. Aber das Volk wurde ungeduldig auf dem Weg.
5 Und das Volk redete gegen Gott und gegen Mose: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt, damit wir in der Wüste sterben? Denn hier gibt es weder Brot noch Wasser, und unsere Seele hat einen Ekel vor dieser elenden Speise!
6 Da sandte der Herr Seraph-Schlangen3 unter das Volk; die bissen das Volk, so daß viel Volk in Israel starb.
7 Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, daß wir gegen den Herrn und gegen dich geredet haben. Bitte den Herrn, daß er die Schlangen von uns wegnimmt! Und Mose bat für das Volk.
8 Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine Seraph-[Schlange] und befestige sie an einem Feldzeichen4; und es soll geschehen, wer gebissen worden ist und sie ansieht, der soll am Leben bleiben!
9 Da machte Mose eine eherne Schlange und befestigte sie an dem Feldzeichen; und es geschah, wenn eine Schlange jemand biß und er die eherne Schlange anschaute, so blieb er am Leben.

Lutherbibel

Mose richtet die eherne Schlange auf

4 Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege
5 und redete wider Gott und wider Mose: Warum hast du uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier und uns ekelt vor dieser mageren Speise.
6 Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben.
7 Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den HERRN und wider dich geredet haben. Bitte den HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk.
8 Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben.
9 Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

Elberfelder Bibel

Feurige Schlangen und die eherne Schlange

4 Und sie brachen auf vom Berg Hor, auf dem Weg zum Schilfmeer, um das Land Edom zu umgehen. Und die Seele des Volkes wurde ungeduldig3 auf dem Weg;
5 und das Volk redete gegen Gott und gegen Mose: Wozu habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Damit wir in der Wüste sterben? Denn es ist kein Brot und kein Wasser da, und unserer Seele ekelt es vor dieser elenden Nahrung.
6 Da sandte der HERR feurige Schlangen4 unter das Volk, und sie bissen das Volk; und es starb viel Volk aus Israel.
7 Da kam das Volk zu Mose, und sie sagten: Wir haben gesündigt, dass wir gegen den HERRN und gegen dich geredet haben. Bete zu dem HERRN, dass er die Schlangen von uns wegnimmt! Und Mose betete für das Volk.
8 Und der HERR sprach zu Mose: Mache dir eine Schlange5 und tu sie auf eine Stange! Und es wird geschehen, jeder, der gebissen ist und sie ansieht, der wird am Leben bleiben.
9 Und Mose machte eine Schlange von Bronze und tat sie auf die Stange; und es geschah, wenn eine Schlange jemanden gebissen hatte und er schaute auf zu der ehernen6 Schlange, so blieb er am Leben.

Dennoch gibt es Unstimmigkeiten. bei dem Gebrauch des Schlangenbegriffes.

Die Elberfelder Bibelübersetzung verweist in ihrem Kommentar darauf, dass die richtige Übersetzung für die Schlangenbegriffe nicht genau geklärt ist.

So werden die Schlangen als feurige Schlangen bezeichnet, aber auch als Seraph-Schlangen.

Eine Erklärung für das Adjektiv „feurige“ oder „brennende Schlangen“ liefert Paul Heinisch. Demnach werden die Schlangen als feurig bezeichnet, da ihre Bisse sehr Schmerzen und Fieber verursachen. Es handelt sich also um Giftschlangen.[1]

Auch Klaus Koenen befasst sich näher mit den wechselnden Schlangenbegriffen. Er verweist darauf, dass in V.8 Gott befiehlt, dass Mose sich eine Seraphen - Schlange machen soll, in V.9 aber eine eherne Schlange herstellt.[2]

Fragt man nun nach der Übersetzung, welche dem Urtext wahrscheinlich am nächsten kommt, so verweist Hans Maneschg darauf, dass der Text Num 21,4-9 gut erhalten ist. So nennt er die Septuaginta (LXX), die Peschitta und den Samaritanus. Die LXX und die Peschitta weisen die größten Übereinstimmungen auf.[3] Da die LXX von den drei Textzeugen den zuverlässigsten Text bietet, ist davon auszugehen, dass der Text der LXX vorzuziehen ist.

2. Literarkritik

2.1 Kontextanalyse

2.1.1 Abgrenzung

Mit V.4 beginnt deutlich eine neue Perikope, als Signal dafür gibt es einen Aufbruch auf dem Weg durch die Wüste Richtung Schilfmeer. Ebenso klar geschlossen ist die vorhergehende Einheit; V.3 schließt mit der Namensgebung einer kürzlich eroberten Stadt ab.

Merklich geschlossen mit gutem Ausgang der Perikope wirkt nun auch das Ende mit V.9: „und es geschah, wenn eine Schlange jemanden gebissen hatte und er schaute auf zu der ehernen Schlange, so blieb er am Leben“. Durch einen erneuten Aufbruch in V.10 beginnt schließlich sinnvoll der nächste Abschnitt. Es folgt die Erzählung über den Seher Bileam.

2.1.2 Einordnung des Textes in seinen Kontext

Es gibt in dieser Perikope mehrere Elemente, welche über deren Geschehnisse hinaus weisen.

Zunächst ist Mose als Gruppenführer wie in Ex3,10[4], und als erfolgreicher Fürbitter (V.7) die Hauptperson. Somit ist er automatisch mit einer besonderen Gottesnähe versehen[5]. Er wird auch gemeinsam mit Gott angeklagt, das Volk Israel durch den Einzug in die Wüste in den sicheren Tod zu führen[6], nur ernährt durch das schon in 11,6 beklagte Manna- also findet hier eine Murr-Geschichte statt. Anklage an Mose geschieht auch in Num 12,1 -mit späterer Reue-Erklärung in 12,11[7], so wie es das Volk auch in V.7 tut.

Es gibt einen Erklärungsversuch nach Rösel, dass das Murren über den Ägyptenauszug ein Zeichen für wiederkehrende, mangelnde Autoritätsanerkennung des Mose ist.[8].

Die Schlangenerschaffung durch Mose, und die Schlange selbst werden in 2.Kön 18,4 aufgegriffen als es um die Zerstörung der Schlange, welche unter dem Verdacht eines Kultes steht, geht.[9] Hier wird allerdings nur die Herstellung durch Mose, keine Begründung dafür oder gar die Veranlassung durch Gott erwähnt.

Die Verbindungen zu anderen Stellen werden ergänzt durch die Benennung der Schlange als Saraph, welche laut Seebass sonst einzig in Dtn 8,15 mit der sinngemäßen Übersetzung der „feurigen Schlangen“ genannt wird.

[...]


[1]Vgl. Heinisch, Paul: Das Buch Numeri. Übersetzt und erklärt von Dr. Paul Heinisch. Die Heilige Schrift des Alten Testamentes. Band II. Bonn 1936. 82.

[2]Vgl. Koenen, Klaus. Eherne Schlange und goldenes Kalb. In: ZAW, Band 111. 1999. 358f.

[3]Vgl. Maneschg, Hans: Die Erzählung von der ehernen Schlange (Num 21,4-9) in der Auslegung der frühen jüdischen Literatur. Frankfurt am Main/Bern 1981. 59-61.

[4]Vgl. Rendtorff: Theologie des Alten Testaments,Band 2, Bad Neukirchen-Vluyn 200.122.

[5] z.B. Ex 16,1-17,7; Ex 32, 11-14 thematisiert in Jer 15,1; Ps 106,23. Vgl. Gertz, Jan Christian. Art. Mose. In: Wissenschaftliches Bibellexikon im Internet

[6] wie in Ex 17,3 ; Num 11,20b ; 20,5, Vgl. Seebass, Horst: Numeri (BK IV2), Neukirchen-Vluyn 2003.317.

[7] Vgl. Seebass, Horst: Numeri. 317.

[8] Vgl. Rösel, Martin: Bibelkunde des Alten Testamentes. Die kanonischen und apokryphen Schriften. Bad Neukirchen-Vluyn 2008. 20f.

[9] Vgl. Seebass, Horst: Numeri. 316f.

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656552383
ISBN (Buch)
9783656552826
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265514
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für evangelische Theologie
Note
1,7
Schlagworte
altes testament bibelstelle eherne schlange numeri

Autor

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Titel: Altes Testament. Eherne Schlange