Lade Inhalt...

Private Militärdienstleister in ausgewählten Ländern der Europäischen Union

PMC's in Europa und das Outsourcing von militärischen Befugnissen

Bachelorarbeit 2010 55 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Fragestellung

2.. Historische Entwicklung des Söldnertums

3... Die Frage des „neuen“ Krieges
3.1 Die Rahmenbedingungen des Outsourcings

4... Private Militärdienstleister
4.1 Private Militärdienstleister in der Europäischen Union
4.1.1 Bundesrepublik Deutschland
4.1.2 Großbritannien
4.1.3 Frankreich

5.. Überblick der Einsatzmöglichkeiten privater Dienstleister
5.1 Der Staat in Kooperation mit privaten Militärdienstleistern

6.. Rechtliche Grundlagen
6.1 Die Rekrutierung der privaten Dienstleister

7 Internationales Recht
7.1 Die Charta der Vereinten Nationen
7.2 Das Genfer Abkommen
7.3 Selbstkontrolle militärischer Dienstleister

8.. Der Status Angehöriger privater Militärdienstleister

9... Fazit

Quellenangabe

Anhang

Einleitung

Im Zeitalter der Globalisierung, d.h. des nahezu uneingeschränkten Personen- und Handelsverkehrs, nimmt die globale Tragweite regionaler Konflikte zu. Geostrategische Überlegungen, Streitigkeiten um die immer knapper werden Ressourcen, aber vor allem vernetzte und global agierende Institutionen wie die UN, EU oder die NATO schaffen eine strukturelle Isometrie. Schon alleine durch Interessenbündelung und Gesetzesverträge üben sie weltweit bindenden Einfluss aus. Als Beispiel sei das Internationale Gerichtshof in Den Haag erwähnt, so wie jüngst in der Frage der somalischen Piraten, die auf internationalen Gewässern deutsche Handelsschiffe (Horn von Afrika) angegriffen.1 Besonders das Paradebeispiel in Irak und vor allem in Afghanistan belegt eindrucksvoll, wie regionale Konflikte weltweite Einflussnahme entfalten. Die westlichen an diesen gewaltsamen Konflikten beteiligten Akteure rekurrieren dabei auf den Bündnisfall, auf die Wahrung und Schutz der Menschenrechte und Demokratie oder gar auf die nationale Sicherheit. So gibt beispielsweise der Präsident der Vereinigten Staaten, Barak Obama, an, dass durch den andauernden Krieg in Afghanistan der Friede der Welt bedroht sei.2 Der politische und der mediale Diskurs stellt hierbei die Notwendigkeit der humanitären Hilfe für ein unterdrücktes Volk, Schutz der Menschenrecht oder Verteidigung der Demokratie auf ein Podest, der den militärischen Einsatz vor Ort legitimieren soll.3

In diese militärischen Konflikte ist nicht nur das offizielle Militär von Staaten involviert, sondern auch private Militärdienstleister, auf die immer mehr verstärkt zur Stabilisierung von Krisenherden und für das politische Krisenmanagement4 von Staaten wie beispielsweise die USA, Frankreich oder sogar die BRD zurückgegriffen wird. Der Politologe und Militärexperte Herbert Wulf behauptet, dass die Regierungen westlicher Staaten auf der Weltbühne als dominante Protagonisten auftreten, die gegenüber anderen nicht demokratischen Staatsformen je nach eigene Interessenlage auftreten.5 Ihre Dominanz liegt nicht nur in der militärischen und technologischen, sondern vor allem auch in der finanziellen Überlegenheit. An dieser Stelle kann der lange Stellvertreterkrieg zwischen dem Irak und Iran oder der Krieg zwischen der damaligen UdSSR und dem afghanischen Volk erwähnt werden. Im ersten Fall war Saddam Hussein,obwohl er ein Diktator war, ein geeigneter Kooperationspartner der USA. In Afghanistan wurde die Taliban vom CIA über den pakistanischen Geheimdienst entschieden gegen die Sowjetkräfte unterstützt .6

An dieser Stelle taucht berechtigterweise die Frage nach der politischen vor allem nach der ethischen Legitimation für die militärische Intervention in den Krisengebieten auf. Wer hat wann unter welchen Bedingungen einen Anlass oder das Recht international mit militärischen Mitteln einzugreifen? Als Beispiel für die Schwierigkeit dieser Fragestellung soll der Einsatz deutscher Tornados im Rahmen des militärischen Eingriffes gegenüber dem ehemaligen Jugoslawien zum Schutze der Kosovaren in Kosovos genannt werden. Im Jahre 1995 bombardierten deutsche Tornados serbischen Boden, um einem Angriff des serbischen Militärs zuvorzukommen.7 Auf der anderen Seite verhielten sich die europäischen Staaten und die USA beim Tschetschenienkrieg auffällig zurückhaltend. In diesem Krieg kamen tausende Tschetschenen um und zehntausende mussten von ihrer Heimat fliehen. Wulf fragt an dieser Stelle nach welchen Kriterien internationale militärische Einsätze erfolgen sollen und Bozan ergänzt vor diesem Hintergrund wer über den Einsatz militärischer Mittel gegenüber Menschen überhaupt urteilen könne und dürfe.8 Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik des Söldnertums, wobei die bisherige Einleitung betonen soll, in welche sensible Situation die Thematik des Söldnertums fällt. Die folgenden Kapitel werden auf die Darstellung der Privatkriege und des Söldnertums eingehen und hinterfragen, was an diesem Phänomen der privaten Militärdienstleister neu ist und welche moderne Formen auftauchen.

Das Phänomen des Söldnertums ist dabei keines Wegs neu. Über Jahrhunderte hinweg waren Söldner ein fester Bestandteil regulärer Armeen und in viele Kriege involviert. Mit dem technischen Fortschritt des Militärs und die Globalisierung wandelte sich jedoch das Bild des käuflichen Soldaten. Gerade seit dem Wegfall des Kalten Krieges bieten private Dienstleister im internationalen Kontext ihre Dienstleistungen dort an, wo Kriege und Bürgerkriege herrschen. Ein neues Image entstand. An die Stelle des rauen kriegerischen und unkontrolliert handelnden Söldners ist ein „professioneller Konfliktverwalter“, der „Contracter“ (Vertragspartner), getreten. Zu dessen Aufgaben beispielsweise (Laut Aussage der Firmen) der Schutz von weltweit arbeitenden Konzernen oder die Realisierung von Großprojekten in Krisengebieten gehören.

Der Fokus dieser Arbeit liegt auf dem Markt der Europäischen Union. Er bietet sich an, da er territorial klar bestimmt und umrissen ist. Die Europäische Union ist nicht nur eine politische Union, mit handelspolitischen Intentionen, sondern sie spielt auch in den letzten Jahren zunehmend eine militärische und sicherheitspolitische Rolle. Sie verfügt sowohl über einen einheitlichen Gerichtshof, welcher seine Rechtssprechung supranational geltend macht, als auch über die Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP)9. Privatarmeen in diesem Zusammenhang stellen keinesfalls ein amerikanisches Problem dar, sondern existieren auch in den Ländern der EU von denen sie in Auftrag genommen werden. Weiterhin ist festzustellen, dass es einen Markt für diese Unternehmen gibt, welcher jedoch auf den ersten Blick nicht klar erkennbar ist. Diese werden im Verlauf dieser Arbeit vorgestellt, ihre Angebote analysiert und die Einsatzmöglichkeiten dieser einzelnen Söldnerfirmen eruiert.

Im Folgenden wird auf die historische Entwicklung des Söldnertums eingegangen. Darauf folgt ein Kapitel, das sich mit der Frage des „neuen“ Krieges beschäftigt und hinterfragt welche modernen Phänomene existieren. Der anschließende Gliederungspunkt soll das militärische Outsourcing und dessen Rahmenbedingungen erläutern. Im nächsten Kapitel werden juristische Grundlagen im Zusammenhang mit dem Söldnertum erörtert. Der darauf folgende Hauptpunkt geht auf diverse Modelle privater Militärdienstleister ein. Die Unterpunkte beschreiben private Militärdienstleister in der EU, speziell in Großbritannien, Frankreich und in der BRD. Die anschließende Kapitel bieten einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten der Private Military Companies (PMC's) und ihren rechtlichen Voraussetzungen bei militärischen Einsätze. Das Kapitel rechtliche Grundlagen untersucht die juristischen Grundlagen der Thematik und betrachtet dazu nationales und internationales Recht. Dabei wird auf das Völkerrecht, die Charta der Vereinten Nationen und das Genfer Abkommen eingegangen. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Rahmen der rechtliche Status angehöriger privater Militärdienstleister. Im Fazit dieser Arbeit resümiere ich mein Ergebnis.

1. Die Fragestellung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Privatisierung des Krieges und dessen Akteuren auf europäischer Ebene, wobei die damit verbundenen rechtlichen, sozialen und politischen Dimensionen und Transformationsprozesse dargestellt werden.

Sie untersucht private militärische Dienstleister über die globale US-amerikanische Präsenz hinaus und möchte aufzeigen, dass es sich hierbei keineswegs um eine nordamerikanische Randerscheinung handelt, sondern dass Firmen, die militärische Aufgaben erledigen, auch in den Ländern der Europäischen Union existieren und tätig sind. Daher stehen im Fokus dieser Ausarbeitung vier Firmen, welche exemplarisch die Tätigkeiten des privaten Militärsektors in Europa repräsentieren. Es sei erwähnt, dass in der EU weitere militärische Dienstleister tätig sind.

Diese Arbeit analysiert die Selbstdarstellung der Militäranbieter und beschäftigt sich mit deren technischen und personellen Ressourcen. Es soll aufgezeigt werden, dass Privatfirmen in den Leistungsbereich des offiziellen, staatlichen Militärs eindringen. Dabei ist zu beachten, welche speziellen Aufgaben Militärdienstleistern übertragen werden. Weiterhin werden ökonomische Aspekte des „militärischen Outsourcings“ beschrieben, die in den Medien häufig als Hauptargument der Staaten auftauchen, um sich auf die Leistungen privater Dienstleister zu stützen. Untersucht wird auch die in diesem Rahmen erfolgende Deregulierung von staatlichen Richtlinien und ihr Einfluss auf den Markt privater Kriegsdienstleister. Dabei wird aufgezeigt, dass durch den Abbau von rechtsstaatlichen Strukturen im militärischen Bereich juristische Probleme an der Schnittstelle von staatlicher Verantwortung und Obrigkeit und Einsatzgebiet und Vorgehensweise kommerzieller Kriegsdienstleister entstehen.

Die vorliegende Arbeit betrachtet auch Standorte und Einsatzgebiete der Private Military Companies und die Art und Weise ihrer Rekrutierungsmaßnahmen. Es wird hierbei erörtert, wie sich die öffentliche Selbstdarstellung der Dienstleister von ihren eigentlichen Tätigkeiten unterscheiden.

2. Historische Entwicklung des Söldnertums

ln Anlehnung an Herbert Wulf ist ein Söldner ein „Soldat“, welcher von Rebellengruppen und auch Regierungen engagiert wird, um in ihrem Namen an Kampfhandlungen teilzunehmen. Die Reaktion der Vollversammlung der Vereinten Nationen auf die stetig wachsende Zahl der privat Soldaten seit den 90er Jahren, war das Verbot der Betätigung als Söldner im Jahre 1979.10

Versucht man zu erschließen ab welchem Zeitpunkt das Söldnerwesen in Kriegen eine entscheidende Rolle einnahm, so muss man gezwungenermaßen viele Jahrhunderte in der Vergangenheit suchen. Bereits über die Akkader11 ist bekannt das sie unter den semitischen Stämmen der Nachbarschft um Kriegsfreiwillige warben.Auch der hetitische König Mursilis l. (1610-1580) warb in seinem Krieg gegen die Churrietern12 marodierende Banden an und verstärkte damit sein Bauernheer.13 Im 16. und 17 Jhd. waren es die Landsknechte, welche sich als Söldner einen Namen machten. Aber auch die Schweizer Reisläufer und die Haburger verdienten sich in zahlreichen Kriegen. Insbesondere letztere waren bekannt für ihre internationale Struktur. Unter anderem waren in dieser Truppe Deutsche, Tschechen, Kroaten, Ungarn, Italiener, Spanier, Niederländer, Franzosen und sogar Engländer und Iren.14

Dies zeigt das der Krieg in den Händen von ursprünglich Unbeteiligten keine neue Erscheinung ist und sich nicht auf einige wenige Länder beschränktAber auch in den Kriegen der letzten Jahrzehnte waren eine Vielzahl von Akteuren beteiligt. Jedoch unterlag nicht nur die Beteiligung unterschiedlicher Söldner einem Wandel, sondern auch das Kriegsaufkommen weltweit veränderte sich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Graph zeigt, wie sich die Kriegsgeschehnisse bis circa in das Jahr 1994 entwickelten. In den Jahren danach sinkt der dieser rapide ab.15

Durch den Wegfall der Ost- Westkonfrontation Anfang der 1990er Jahre wurden viele Divisionen der Armeen, welche an der West-Ost-Konfrontation beteiligt waren, außer Dienst gestellt. Ebenso geht aus der Grafik hervor das die Kriegsgeschehnisse bis 1994 jedoch nicht abnahmen und mit ihnen ein großer Bedarf an den privaten Dienstleistern bestand. Ein „personeller Überhang“ von ehemaligen Soldaten stand nun dem privaten Militärdienstleistungssektor zur Verfügung und beteiligten sich an vielerlei militärischen Interventionen.

Laut Aussage von Reihnhardt Rummel stagnierte die Intensität der globaler Konflikte seit der Mitte der 90er Jahre. Jedoch ist festzustellen, dass auf dem afrikanischen Kontinent die Zahl der Konflikte nicht zurückging. Diese Konflikte unterzogen sich einem Transformationsprozess. Sie wandelten sich zur einer nicht-staatlichen Gewalt, die sich meist in den Händen von Banden, Warlords oder privaten Akteuren befindet. Vor allem organisiertes Verbrechen, Korruption, wirtschaftliche Ausbeutung, der Klimawandel, Massenmigration und unkontrolliertes Bevölkerungswachstum stellen wichtige Faktoren dar, die es einer privaten Gewaltindustrie16 ermöglichten in Afrika Fuß zu fassen und an Kriegen ihren Profit zu erwirtschaften.17 Im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung behauptet Rummel die These, dass in Afrika die systematische Anwendung von Gewalt als ein opportunes Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele anerkannt wird. Damit stehen beispielsweise EU-Initiativen zur Konfliktbewältigung vor schwer zu lösenden Problemen. Die alltägliche Gewalt und die dadurch mit ausgelöste politische Instabilität stünden als schwer zu nehmende Hürden für europäische Interessen auf dem Kontinent. EU's Interessen seien nicht altruistisch geleitet und Engagements zur Konfliktbewältigung wären von der Befürchtung um die Auswirkungen von Bürgerkriegen auf die EU geleitet. Es geht darum, die Kriegsszenarien frühzeitig zu erkennen und den negativen Auswirkungen preemptiv entgegenwirken zu können.18

Das Engagement der Europäer in Afrika birgt also auch seine Komplikationen. Aus der Kolonialhistorie der Länder heraus hat das Engagement der europäischen Länder einen eigenen bitteren Beigeschmack. Daher liegt die Vermutung nahe, dass Akteure wie England oder Frankreich nur befangen als Vermittler zwischen der EU und Afrika agieren können.19 Hier ergibt sich ein Arbeitsgebiet der privaten Militärdienstleister. Diese Arbeiten im Stillen und müssen sich nicht international aufgrund ihrer postkolonialen Unbefangenheit für frühere Verbrechen verantworten.

3. Die Frage des „neuen“ Krieges

Herfried Münkler bezeichnete den Krieg als ein „Chamäleon“, welches seit Menschengedenken neue Formen annimmt und sich im stetigen Wandel befindet. Alleine die Tatsache, dass Armeen aufgrund des technischen Fortschritts einem permanenten Wandel ihrer Kriegsführung und -möglichkeiten unterliegen, stellt eine transformierende Herausforderung für das klassische Kriegsszenario dar. Insofern, könne nach Müller, Krieg als ein sich äußerlich ständig veränderndes Chamäleon begriffen werden, der jedoch innerlich immer gleich bleibt. Dabei ist die Erscheinung des Krieges als ein sich stets anpassender aber im Kern gleichbleibender Begriff nicht immerwährend, sondern kann als eine von Menschen ausgehendes Phänomen, so wie jeder künstlich erzeugte Zustand, auch durch Menschen verändert bzw. sogar abgeschafft werden.20 Die sogenannten aktuell stattfindenden „neuen Kriege“ gelten als kriegerische Auseinandersetzungen einer Zeit, die durch die Beteiligung mehrerer verschiedener Akteuren gekennzeichnet ist, nicht mehr einzig allein durch Staaten ausgetragen werden und durch eine hohe mediale Transparenz gekennzeichnet ist. Dies spiegelt sich auch in den Konflikten wider in welchen private Firmen ihren Dienst tun.

Der privatisierte Krieg blickt auf eine längere Historie zurück. Oftmals geht es nur darum einen neuen Begriff für eine ältere Thematik einzuführen.21 So ähnlich verhält es sich auch bei den aktuelle Kriegen. Zu fragen bleibt: Was hat sich an den Kriegen verändert und was ist an ihnen neu? Flächen deckende Bombardement, Repressalien gegenüber der Zivilbevölkerung (Bsp.: in Form von sogenannten „Kollateralschäden“) oder Entführungen in Kriegen also nicht mehr bezeichnen werden.

Historisch ist eine Entstaatlichung der Kriegsökonomie zu beobachten.22 Neu ist lediglich nur die politische Rolle und der Einfluss PMC's. So kann man einen Anstieg ihres Auftragsvolumens, ihrer Vernetzung mit Regierungen und das Mitsprachrecht einzelner privater militärischer Dienstleister bei weltpolitischen Entscheidungen beobachten.

Die Tätigkeiten der Firmen haben also nicht nur eine ökonomische Rolle, sondern repolitisieren sich seit einigen Jahren. Die Firmen rekrutieren nicht nur Ex-Militär sondern auch ehemalige Politiker, welche sich über ihre Kontakte zu den Regierungen für die Firmen einsetzen und damit neue Aufträge akquirieren. Kriegsökonomien können politisch werden wenn ein Akteur durch den Zuwachs an Macht, die Möglichkeit erhält politische Entscheidungen zu fällen oder Entscheidungen wahrzunehmen welche ordinär in die der staatlichen Politik fallen würden.23

3.1 Die Rahmenbedingungen des Outsourcings

24Die Auslagerung von militärischen Möglichkeiten und ihre Befähigungen erhalten ihre Bedeutung dadurch, dass sie eigentlich in den Ressort der staatlichen Autorität fallen. Beim Outsourcing in privaten Firmen handelt es sich meist nur um einen bürokratischen Akt. Bei der Nutzung von externen Dienstleistern für das Militär werden jedoch Beamte ihrer Treuepflicht gegenüber dem Staat enthoben. Ein privater Dienstleister ist also dem staatlichem Dienstherren nicht in der Form verpflichtet wie der Soldat. In diesem Kapitel möchte ich die verschiedenen Möglichkeiten des Outsourcings darstellen und ihre Vor- und Nachteile beleuchten. Schubkraft und Motivation des Outsourcings gestalten sich vielschichtig. Ein Beispiel: Das militärische Mandat für den Angriff und die Verfolgung einer Taliban-Einheit kann für reguläre US-amerikanische Soldaten an der afghanisch­pakistanischen Grenze enden, wo hingegen Söldner nicht unbedingt an Regelungen gebunden sind, die normale Soldaten betreffen. Vor diesem Hintergrund spielen bei der Kommerzialisierung und Privatisierung von militärischen Dienstleistungen gesellschaftspolitische und ideologisch konzeptionelle Gründe eine Rolle. Diese Gründe sind höchst vielseitig. Es sind meist nicht nur rein ökonomische Gesichtspunkte unter welchen der Staat militärische Aufgaben an Firmen überträgt. So zählt Wulf eine Reihe von Gründen auf, welche zum Outsourcing führen können.

„1. Die Möglichkeit zur Rekrutierung qualifizierter Militärfachleute nach dem Ende des kalten Krieges,

- Rationalisierungen im Militärbereich nach dem Ende des Kalten Krieges und Überforderung durch zahlreiche neuartige militärische Aufgaben „(Beispiel: Schutz von Konzernvertretungen von nationaler Interesse in Krisengebieten, wie beispielsweise Erdölförderanlagen in Mittelafrika)25 “,
- die veränderte Art der Kriegsführung mit modernen Waffensystemen, welche die Streitkräfte alleine nicht mehr bedienen und warten können,
- die Nachfrage schwacher oder in Bedrängnis geratener Regierungen,
- die verstärkte Nachfrage zum Einsatz der Streitkräfte bei humanitären Interventionen,
- die verstärkte Nachfrage zum Einsatz der Streitkräfte im „Krieg gegen den Terror“,
- die kritische öffentliche Meinung zum Einsatz der Streitkräfte und die Furcht der Regierungen, sich Zuhause für tote und verwundete Soldaten rechtfertigen zu müssen,
- die normative positive besetzte Politik der Privatisierung. Der schlanke Staat macht auch nicht vor Kasernentoren Halt.“26

Der von vielen westlichen Staaten praktizierte Marktliberalismus27 lässt neuen Kriegen und der gewaltsamen Auseinandersetzung Spielraum sich zu entfalten. Dieser sich selbst überlassene Markt der Globalisierung schafft neue wirtschaftliche Möglichkeiten und ökonomisches Wachstum. Durch den Wegfall an Regulierungsmaßgaben sind Unternehmer nicht mehr an stringente Regeln gebunden und können ihre Leistungen anbieten. Von diesem Marktliberalismus profitieren auch PMC's, welche nicht mehr unter der staatlichen Kontrolle stehen und ginge es nach ihnen, würden alle Kriegsdienstleistungen offen anbieten. Dies basiert laut Wulf auf dem schwindenden Einfluss des Staates im Rahmen der Globalisierung. Also eröffnet diese auch Kriegsparteien die Möglichkeit an internationalen Märkten ihre Dienstleistungen anzubieten und sich und ihre Kriege selbst zu finanzieren. Die aktive Teilnahme an Kriegen wurde somit für einige Parteien ein profitables Geschäft.28

Zur Kriegsführung gehört sowohl zum ersten die Ressourcenkumulation als auch zum zweiten die Freisetzung der selben. Kriege werden also mit unterschiedlichen Mitteln um Rohstoff geführt. Sprich der Ressourcenverbrauch durch Krieg und auch die Erschließung von Rohstoffen für die kriegerische Auseinandersetzung. Ein zweiter Grund politischer Natur sagt aus, dass der Schlüssel eines Nationalstaates „westfälischer“ Prägung29 die legitimierte Gewalt ist. Die Garantie der Sicherheit durch die Rechtsstaatlichkeit wurde schon von Max Weber als zivilisatorische Errungenschaft beschrieben. Laut diesem Konzept (nach Max Weber) dürfen (1) keine private Armeen existieren, (2) findet durch den Nationalstaat eine innergesellschaftliche Befriedung statt, (3) wird ein staatliches System organisierter Gewalt geschaffen und die zentralisierte Kriegsführung im staatlichem Territorium übertragen. Weiterhin (4) obliegt dem Staat der Aufbau eines durch ihn kontrolliertem Heeres.30

Wie vollziehen sich die Etablierung privater Militärdiensleister auf den internationalem „Kriegspakett“. Und welche Paradoxien ergeben sich dadurch aufgrund des gleichzeitigen Festhaltens an den von Max Weber formulierten Prinzipien?

Die Instabilität der Staatensysteme ermöglicht es privaten Akteuren, sich politisch und wirtschaftlich etablieren zu können. Auf diese Weise kommt es zu kriegerischen Beteiligungen sowohl von Warlords und Kriegsprofiteuren als auch von Rebellen, Milizen, Para-Militärs und dem organisiertem Verbrechen sowie Terroristen und Kindersoldaten bzw. Jugendgangs. So greifen außerstaatliche Gruppen regelnd in staatliche Zusammenhänge ein, in dem sie schutzfreie Zonen überwachen und ihren Auftraggebern relative Sicherheit durch Waffengewalt gewährleisten.31

Damit gemeint ist, dass es den staatlichen Institutionen nicht immer möglich ist die innergesellschaftliche Befriedung sowie Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten. Dies geschieht durch ein Machtvakuum. Organisierte Kriminalität schafft ungleiche Sicherheit durch Übergriffe und Destabilisierung der staatlichen exekutiven Zonen. Darunter sind sichere Räume gemeint, welche von Banden kontrolliert und auch im weitesten Sinne regiert werden. Im Umkehrschluss gibt es Zonen relativer Sicherheit für diejenigen, welche sich ihren Schutz von den privaten Anbietern erkaufen. Auch sind die territorialen Grenzen durch die Globalisierung - teils gewollt, teils ungewollt - durch regionale

[...]


1 Vgl.http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd443DnQHSYGZ ASH6kTCxoJRUfW99X4_83FT9AP2C3IhyR0dFRQCsXOUq/delta/base64xml/L2dJQSEvUUt3QS80SWFLzZf Q180QUM!?yw_contentURL=%2FC1256EF4002AED30%2FW2862C3L408INFODE%2Fcontent.jsp

2 Vgl. www.faz.net

3 Vgl. Wulf, in: Luedtke et al. 2005, S. 164

4 Als aktuelle Krisenherde sind beispielsweise Somalia, der Sudan und der Irak zu nennen.

5 Vgl. Wulf, in: Luedtke et al. 2005, S. 164

6 Vgl. http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=983

7 Vgl. http://www.focus.de/politik/ausland/bosnien-krieg-schuld-und-suehne_aid_155281.html

8 Vgl. Wulf, in: Luedtke et al. 2005, S. 164

9 Die ESVP erfasste Grundsatzbeschlüsse für den Beginn einer Zusammenarbeit zwischen EU und NATO im Bereich der Krisenbewältigung. Sie bewältigt humanitäre Aufgaben und Rettungseinsätze, friedenserhaltende Aufgaben sowie Kampfeinsätze bei der Krisenbewältigung einschließlich friedensschaffender Maßnahmen.

10 Vgl. Wulf, in: Luedtke et al. 2005, S. 170

11 Akkad oder Akkade war eine Königsstadt in Mesopotamien, im späten 3. Jahrtausend v. Chr.

12 Die Hethiter waren ein kleinasiatisches Volk des Altertums. Die Hethiter bildeten im 2. Jahrtausend v. Chr. ein Großreich.

13 Vgl. http://www.kriegsreisende.de/antike/anfang.htm

14 Vgl. http://www.kriegsreisende.de/neuzeit/landsknechte.htm

15 Vgl. Müller, in : Roithner et al. 2010, S. 48

16 Als Gewaltindustrie gemeint sind alle Parteien welche an Kriegen teilnehmen und von ihnen finanziell Profitieren

17 Vgl. Rummel, in: Feichtinger et al. 2009, S 53

18 Ebd.

19 Vgl. Rummel, in: Feichtinger et al. 2009, S 58

20 Vgl. Müller, in : Roithner et al. 2010, 35

21 Vgl. Müller, in : Roithner et al. 2010, 34

22 Ebd.

23 Vgl. Müller, in : Roithner et al. 2010, 34

24 Outsourcing bedeutet in der Ökonomie die Abgabe von Aufgaben oder Strukturen an Drittdienstleister. Die Vertragsdauer ist in der Regel auf die Dauer der Leistung fixiert.

25 Eigene Angaben

26 Zit. nach. Wulf, in: Luedtke et al. 2005, S. 171

27 Der Marktliberalismus ist ein Gesellschaftsmodel unter welchem man die größtmögliche Freiheit für den einzelnen gewährleistet. Das heißt das in möglichst vielen Bereichen der Gesellschaft Wettbewerb die zentrale Koordinationsfunktion für die Handlungen der Einzelnen innehat. Der Markt soll sich unter anderem durch Angebot und Nachfrage selbst regulieren

28 Vgl. Wulf in: Luedtke et al. 2005, S. 165

29 Der Schlüssel zum modernen Nationalstaat „westfälischer“ Prägung ist das Monopollegitimierter, organisierte Gewalt.

30 Vgl. Wulf in: Luedtke et al. 2005, S. 165

31 Vgl. Wulf in: Luedtke et al. 2005, S. 166

Details

Seiten
55
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656625766
ISBN (Buch)
9783656625742
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265647
Institution / Hochschule
Hochschule Fulda
Note
3
Schlagworte
PMC privat military companies backwater dyncore usa militär bundeswehr. bundesregierung waffenexport outsourcing neue kriege private militärdienstleister dienstleister irak afghanistan krieg

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Private Militärdienstleister in ausgewählten Ländern der Europäischen Union