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Die Bedeutung von E-Books für Leser in Deutschland

Hausarbeit 2013 25 Seiten

Literaturwissenschaft - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 E-Books und Lesegeräte
2.1 E-Books
2.2 Formate
2.3 E-Book-Reader und weitere Lesegeräte

3 Bisherige Entwicklung des E-Book-Marktes
3.1 Bekanntheit
3.2 Kaufbereitschaft und Kaufverhalten
3.3 Erzielte Umsätze
3.4 Zielgruppen und Zukunft des gedruckten Buchs

4 Vor- und Nachteile für den Konsumenten
4.1 Vorteile
4.2 Nachteile

5 Schlussbemerkungen

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Während man lange Zeit davon ausging, dass es in unserer modernen Welt immer schwieriger für das Buch werden würde, sich gegen neue Medien wie das Internet zu behaupten, da letzteres weniger zeitintensiv und kognitiv anspruchs-voll ist und die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen in unserem digitalen Zeitalter ohnehin abnimmt, scheint das Gegenteil der Fall zu sein: Die meisten Computernutzer sind zugleich Leser von Büchern, zwischen 2000 und 2005 ist die Nutzungszeit beider Medien deutlich gestiegen. Noch 2009 war das Lesen von Büchern in Deutschland populärer als die Nutzung des Internets und rangierte auf Platz sechs der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen, womit es sich im Vergleich zum Vorjahr sogar noch um einen Rang verbesserte. So lasen 53 % der Deutschen gern oder besonders gern, vor allem Frauen.[1] Obgleich das Lesen gedruckter Bücher also nach wie vor einen hohen Stellenwert für viele Menschen besitzt, muss sich das Buch ebenso wie andere Medien dem Fortschritt anpassen.

Die Digitalisierung der Musikindustrie wie auch der Film- und Fernsehbranche führten bereits zu einer nachhaltigen Umgestaltung der Medienlandschaft.[2] Nun ist auch unser ältestes Massenmedium, das Buch, vom „digital turn“[3] betroffen, was in einem erheblichen Maße auf die zunehmende Popularität des Internets seit Anfang der 1990er Jahre und den erfolgreichen Onlinehandel mit physischen Büchern zurückzuführen ist und zur Etablierung des elektronischen Buchs (E-Book) führte.[4] Im Gegensatz zu den oben genannten neuen Medien waren für die Rezeption von Literatur bisher keine technischen Geräte nötig.[5]

In meiner Hausarbeit möchte ich mich eingehender mit der heutigen Bedeutung elektronischer Bücher für den privaten Leser in Deutschland befassen. So soll herausgearbeitet werden, wie sich der E-Book-Markt bisher entwickelte, wie die Konsumenten zu digitalen Büchern stehen, wer mögliche Zielgruppen sind, welche Vor- und Nachteile das Digitalbuch bietet und welche Voraussetzungen noch erfüllt werden müssten, um dem E-Book zu seinem endgültigen Durch-bruch in Deutschland zu verhelfen.

Dabei möchte ich mich vornehmlich auf den Bereich Belletristik konzentrieren, da hierauf 66 % aller Neuerscheinungen und 60 % des Umsatzes der gesamten Buchindustrie entfallen.[6] Auf dem E-Book-Markt hat belletristische Literatur gar einen Verkaufsanteil von 85 %.[7]

2 E-Books und Lesegeräte

Vielfach wird die Entwicklung des E-Books als wichtigster Einschnitt in der Geschichte des Buchs seit Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern um 1450 bezeichnet, da sich das Medium seitdem formal nicht wesentlich verändert hatte.[8]

Die ersten E-Books und entsprechende Endgeräte erschienen bereits in den 1990er Jahren. Dass diese sich noch nicht am Markt etablieren konnten, wird begründet durch zu viele unterschiedliche Formate, eine bis dahin noch zu geringe Anzahl erhältlicher E-Books und zu hohe Preise entsprechender Texte. Aber auch dezidierte Lesegeräte (E-Book-Reader) waren noch unausgereift: Displayqualität und -größe waren ungenügend, Speicherkapazitäten zu gering, Prozessoren zu langsam, Gewicht und Preis zu hoch.[9]

Erst 2009 mehrten sich auch in Deutschland die Bemühungen der Buchindustrie, den digitalen Markt auszubauen. Auch die öffentliche Berichterstattung über E-Books nahm zu, was sich unter anderem dadurch erklären lässt, dass in diesem Jahr die E-Reader von Amazon (Kindle) und Sony erstmals in Deutschland erhältlich waren.[10]

2.1 E-Books

Bei einem Buch wie auch bei einem E-Book handelt es sich um „eine aperiodisch erscheinende, geschlossene Form textbasierter Inhalte mit einer Mindestlänge, die der vertiefenden, in Abschnitten organisierten Darstellung von Sachverhalten oder fiktionalen Gegebenheiten Raum gibt“[11]. Beide Medien sind inhaltlich zeitlos, zitierfähig und in Seiten aufgebaut.[12] Doch während das klassische Buch auf physischen Materialien abgebildet wird, handelt es sich bei einem E-Book um „eine unkörperliche, elektronische Ausgabe [...], die auf einem E-Book-Reader, einem PC und/oder einem sonstigen digitalen Lesegerät visuell wahrgenommen werden kann“[13]. Charakteristisch für das digitale Buch, das auf unterschiedlichen Internetplattformen heruntergeladen werden kann, aber auch zunehmend in das Sortiment des stationären Handels aufgenommen wird, ist die Trennung von Trägermedium und Inhalt.[14]

Grundsätzlich handelt es sich bei E-Books um „Bücher in digitaler Form“[15], bei denen die Buchstruktur beibehalten wird und die ähnlich genutzt werden wie ihre gedruckten Pendants.[16] So besitzt das E-Book zwar keine materielle Gestalt in Form eines Buches – weder Papier noch Einband oder Schutzumschlag –, weist aber durch die Einteilung in Seiten und die Paginierung, einen eventuellen Blättereffekt beim Aufrufen neuer Seiten, das buchähnliche Format von E-Book-Readern und Tablet-PCs wie auch durch die Möglichkeit, Anmerkungen oder Markierungen am Text vorzunehmen, deutliche Ähnlichkeiten zu traditionellen Werken auf.[17]

2.2 Formate

E-Books sind in unterschiedlichen Formaten erhältlich. Das gängige System für belletristische Literatur ist das offene Format EPUB, da es eine dynamische Anpassung des Inhalts an unterschiedliche Bildschirmgrößen und individuell einstellbare Schriftgrößen ohne Umbruch erlaubt. Da sie nicht über eine feste Seitengeometrie verfügen, werden entsprechende Bücher auch als „reflowable E-Books“ bezeichnet.[18]

Das PDF-Format eignet sich dagegen besonders gut für das Darstellen von Fachbüchern, da das Layout der digitalen Seiten mit dem der gedruckten Buchseiten übereinstimmt und sich auch Grafiken gut darstellen lassen, weshalb es sich mittlerweile als Standardsystem für wissenschaftliche Literatur durch-gesetzt hat. 82 % der 2010 lieferbaren E-Books waren im PDF-Format erhältlich (EPUB: 43 %), was sich aber auch damit erklären lässt, dass Fachverlage zu dieser Zeit noch deutlich mehr E-Books veröffentlichten als Publikumsverlage.[19]

Problematisch zu werten ist, dass sich die Verlage im Gegensatz zu den Verbrauchern noch nicht auf eben diese beiden Formate als einheitliche Standards einigen konnten und nicht jeder E-Reader jedes Format darstellen kann.[20]

2.3 E-Book-Reader und weitere Lesegeräte

Speziell für das Lesen von E-Books wurden E-Book-Reader (auch E-Reader oder Reader) entwickelt, Hardware-Geräte, die das elektronische Lesen kom-fortabel gestalten sollen. Sie verfügen über die sogenannte E-Ink-Technologie, die den digitalen Seiten ein papierähnliches Aussehen verleiht und kein Hintergrundlicht benötigt. Da nur beim Seitenumblättern Strom verbraucht wird, hält der Akku mehrere Wochen. Zudem ist das Display selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar und ermüdet die Augen kaum. Nachteilig wirkt sich neben dem relativ langsamen Seitenaufbau aus, dass weder Farben noch multimediale Inhalte wie Bilder, Audio- oder Videodateien, welche in Enhanced E-Books (auch: Enriched E-Books) enthalten sind, dargestellt werden können. Auch ist das Lesen im Dämmerlicht oder im Dunkeln aufgrund der nicht vorhandenen Hintergrundbeleuchtung nur mithilfe einer externen Lichtquelle möglich. Darüber hinaus kann der Reader nicht für zusätzliche Dienste – wie das Surfen im Internet oder das Anschauen von Filmen – genutzt werden, was wohl einer der Hauptgründe dafür ist, dass Verlagsexperten multifunktionalen Geräten wie dem Tablet-PC (kurz: Tablet), einem tragbaren, handlichen Minicomputer mit Touchscreen, weitaus höhere Chancen einräumen, sich am Markt durch-zusetzen. Aktuelle Verkaufszahlen belegen diese Prognose (vgl. Unterkapitel 3.2).[21]

Grundsätzlich eignen sich E-Reader aufgrund der genannten Vorteile vornehmlich für Vielleser von Belletristik (37 % der Deutschen), die sich ganz auf den jeweiligen Text konzentrieren wollen, während Tablets wie das weit verbreitete iPad von Apple eine größere Zielgruppe ansprechen und sich besonders für das gelegentliche Lesen empfehlen, da sich das im Vergleich zum E-Book-Reader höhere Gewicht, die kürzere Akkulaufzeit und der flimmernde, von hinten beleuchtete Bildschirm auf Dauer negativ auswirken. Profitieren können Nutzer multifunktionaler Geräte dagegen von den vielfältigen Ver-wendungsmöglichkeiten, der farbigen Darstellung, dem Internetzugang und dem schnelleren Seitenaufbau im Vergleich zum Reader.[22]

Stationäre Computer, in über 80 % aller Haushalte in Deutschland vorhanden und mit einem großen Display ausgestattet, eignen sich bedingt für das Rezipieren von Fachliteratur, vor allem, wenn anschließend mit den gelesenen Texten gearbeitet wird (etwa im Studium). Für das Lesen in der Freizeit sind sie hingegen eher ungeeignet, da man ortsgebunden ist und das aufrechte Sitzen vor einem Bildschirm nicht dem gewohnten Nutzerverhalten beim Rezipieren eines Buchs entspricht. Zudem strengt das Lesen am PC die Augen auf Dauer an. Gleiches gilt für den Laptop, dessen Akkulaufzeit zudem nur auf wenige Stunden begrenzt ist. Vorteilhaft wirkt sich hier allerdings aus, dass man räumlich ungebunden ist. Durch Gewicht und Größe sind aber selbst Notebooks ungeeignet für das Lesen auf dem Sofa.[23] Im Oktober 2011 waren PCs und Laptops trotz der genannten Defizite noch die beliebtesten Geräte zum Rezi-pieren digitaler Bücher.[24]

Smartphones sind aufgrund ihres kleinen Displays, des im Vergleich zum Buch als anstrengender empfundenen Lesens und der ebenfalls geringen Akkulaufzeit eher schlecht für das Konsumieren von E-Books geeignet, obgleich Handlichkeit, hohe Verbreitung, ständige Verfügbarkeit, Anzahl erhältlicher Inhalte und Software sowie direkter Zugang zum Internet für sie sprechen.[25] So trauen einige Experten dem Smartphone offenbar durchaus zu, das E-Book in Zukunft endgültig zu etablieren oder zumindest eine Konkurrenz zu Readern darzu-stellen.[26]

3 Bisherige Entwicklung des E-Book-Marktes

3.1 Bekanntheit

Durch die zunehmende Berichterstattung in Deutschland seit 2009 (vgl. Kapitel 2) wuchs der Anteil der Personen, die die Bezeichnung E-Book kennen. Während der Begriff 2008 gerade einmal 31 % und 2009 35 % der Konsumenten geläufig war, waren es laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2012 bereits 72 %.[27] Laut einer Studie von PricewaterhouseCoopers aus dem Jahre 2010 lag der Bekanntheitsgrad von E-Books seinerzeit sogar schon bei 91 %, der von Readern bei 65 %. Ein erheblicher Anteil der Befragten wusste jedoch nicht oder nur ungefähr, was sich hinter den Bezeichnungen verbirgt, was sich damit begründen lässt, dass der Markt noch zu unbedeutend war, um großangelegte Werbemaßnahmen zu finanzieren. Auch waren die technischen Möglichkeiten der Reader und die Titelauswahl trotz Bemühungen nach wie vor begrenzt.[28]

Wie informiert der Einzelne über das neue elektronische Medium ist, scheint ab-hängig vom Geschlecht zu sein: Laut einer Statistik von 2008 kennen 58 % der Männer und lediglich 42 % der Frauen E-Books. Aus derselben Umfrage geht hervor, dass der Begriff Personen zwischen 40 und 49 Jahren am geläufigsten ist, während das Einkommen der Befragten keine wesentliche Rolle spielt.[29]

[...]


[1] Vgl. Ökonomie der Buchindustrie, S. 14, S. 45-46, S. 192, S. 273; vgl. Müller et al., 2010, S. 13; vgl. Rapp, 2009, S. 51, S. 63-64; vgl. Lesen. Heute. Perspektiven, 2010, S. 24.

[2] Vgl. Janello, 2010, S. 1.

[3] Literatur und Digitalisierung, S. 1.

[4] Vgl. Ökonomie der Buchindustrie, 2009, S. 191-192, S. 285.

[5] Vgl. Schröder, 2006, S. 5; vgl. Schrape, 2011, S. 70; vgl. Huemer, 2010, S. 7.

[6] Vgl. Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books, 2012, S. 57; vgl. Trauner, 2013.

[7] Vgl. o. V. (2012b).

[8] Vgl. Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books, S. V; vgl. Huemer, S. 76, S. 101.

[9] Vgl. Huemer, S. 82; vgl. Schrape, S. 66; vgl. Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books, S. 109-110. Zur E-Book-Geschichte vgl. Rapp, S. 7-33.

[10] Der Vertrieb des Kindle erfolgte jedoch bis 2011 ausschließlich über den amerikanischen Amazon-Store. Vgl. Literatur und Digitalisierung, 2013, S. 105-106; vgl. Schrape, S. 53, S. 69-70; vgl. Müller et al., S. 10; vgl. Schneider, 2010, S. 20.

[11] Bardeleben, 2010, S. 3.

[12] Vgl. Schröder, S. 13; vgl. Schneider, S. 6.

[13] Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books, S. 94.

[14] Vgl. Janello, S. 3; vgl. Huemer, S. 80-82; vgl. Alles digital?, 2012, S. 17.

[15] Alles digital?, S. 59.

[16] Vgl. ebd.

[17] Vgl. Literatur und Digitalisierung, S. 13, S. 15-16.

[18] Vgl. Schneider, S. 10-11; vgl. Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books, S. 110, S. 115-119; vgl. Matrisch/Welsch, 2011, S. 15-16, S.89.

[19] Vgl. Matrisch/Welsch, S. 55-56, S. 132; vgl. Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books, S. 111-115.

[20] Vgl. Schneider, S. 11; vgl. Müller et al., S. 62.

[21] Vgl. Müller et al., S. 14, S. 17, S. 59; vgl. Erfolgreich publizieren im Zeitalter des E-Books, S. 150, S. 152, S. 155-156; vgl. Schneider, S. 18; vgl. Umbruch auf dem Buchmarkt?, 2011, S. 25.

[22] Vgl. Müller et al., S. 19-20, S. 39, S. 59; vgl. Schneider, S. 90-91; vgl. Matrisch/ Welsch, S. 26.

[23] Vgl. Janello, S. 89; vgl. Matrisch/Welsch, S. 24; vgl. Rapp, S. 34-35.

[24] Vgl. Clement et al. (2012a), S. 30; vgl. Clement et al. (2012b), S. 48.

[25] Vgl. Müller et al., S. 18, S. 20; vgl. Janello, S. 89-90.

[26] Vgl. Schneider, S. 88; vgl. Huemer, S. 85.

[27] Vgl. Schrape, S. 52; vgl. Schneider, S. 31-32; vgl. o. V. (2012a).

[28] Vgl. Müller et al., S. 10, S. 37-38, S. 48, S. 68.

[29] Vgl. Schneider, S. 48-49.

Details

Seiten
25
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656552758
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265678
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Institut für neuere deutsche und europäische Literatur
Note
2,0
Schlagworte
bedeutung e-books leser deutschland

Autor

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