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Der Bullwhip-Effekt im SCM Game und in der Supply-Chain

Analysen, Ursachen, Gegenmaßnahmen

Seminararbeit 2013 12 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition ‚Supply Chain Management‘

3. Der Bullwhip-Effekt
3.1 Analyse
3.2 Ursachen
3.2.1 Schwankende Nachfrage
3.2.2 Sammelbestellungen
3.2.3 Preisschwankungen
3.2.4 Kontingentverteilung
3.3 Gegenmaßnahmen
3.3.1 Nachfrageglättung
3.3.2 Vermeidung von Sammelbestellungen
3.3.3 Vermeidung von Kontingentverteilungen
3.3.4 Konstantes Preisniveau

4. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Darstellung 1: Aufbau des Bierspiels

Darstellung 2: Bullwhip-Effekt im Bierspiel

1. Einleitung

Zur Demonstration dynamischer Komplexität in Lieferketten führten wir am 28.09.2013 eines der bekanntesten Logistikplanspiele durch. Das vom ‚Massachusetts Institute of Technology‘ entwickelte ‚Bierspiel‘, beschreibt die logistischen Abläufe der Bier-Branche. Wie in Darstellung 1 ersichtlich ist, werden vier Gruppen gebildet, die zusammen eine vierstufige Supply-Chain simulieren. Bestehend aus den Ebenen Einzelhändler, Groß- händler, Importeur und Brauerei wird eine realitätsnahe Logistikstruktur dargestellt. In jeder Spielrunde müssen die Gruppen den Auftrag ihres direkten Kunden erfüllen, Ware annehmen und buchen, Material disponieren und schlussendlich eine Bestellung an den eigenen Lieferanten versenden. Ziel des Spiels ist es sowohl Fehlmengen als auch hohe Lagerbestände in jeder Ebene der Lieferkette zu vermeiden und somit die Gesamtkosten niedrig zu halten. Diese summieren sich aus den Bestands- und Fehlmengenkosten, wo- bei für jede Einheit im Lager 0,5 Geldeinheiten und für jede nicht lieferbare Einheit 1,0 Geldeinheiten verrechnet werden. Die Kommunikation zw. den einzelnen Ebenen erfolgt ausschließlich über die getätigten Bestellungen am Ende jeder Runde. Über die vorgege- bene Nachfrage des Endkunden ist nur der Einzelhändler informiert.

Darstellung 1: Aufbau des Bierspiels

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: (Wilke 2012, S. 36)

Trotz der sehr einfachen Struktur und klaren Spielregeln gelingt es den Spielern nicht, die Supply-Chain gemeinsam zu stabilisieren. Bei der Spielanalyse wird die Ursache für die starken Schwankungen, im unregelmäßigen Bestellverhalten des Endkunden vermutet. Diese Nachfrage befindet sich jedoch konstant bei 4 Mengeneinheiten. Somit trägt jede Gruppe durch ihre Entscheidungen zur Instabilität der gesamten Lieferkette bei. Die Spie- ler tendieren dazu, offene Bestellungen zu ignorieren bzw. mit überzogenen Bestellungen auf Lieferengpässe zu reagieren. Durch die beschränkte Kommunikation ist es nicht mög- lich aufgrund des direkten Kunden, auf den ursprünglichen Markttrend zu schließen. So- mit wechseln sich in der Regel systemweite Phasen von Überbeständen mit Phasen von Unterversorgung ab.

Je weiter eine Ebene vom Absatzmarkt entfernt ist, desto ausgeprägter sind die Schwan- kungen der jeweiligen Waren. Die Lieferkette unterliegt demnach einem sogenannten Aufschaukeleffekt, - im Folgenden auch Bullwhip-Effekt genannt - dessen Grund für die Instabilität am Ende der Lieferkette liegt, die Folgewirkungen aber rückwärts am stärksten sind.

Im folgenden Kapitel wird der Begriff ‚Supply Chain Management‘ definiert. Anschließend wird der im Spielverlauf zu beobachtende Bullwhip-Effekt analysiert, wichtige Ursachen dazu erörtert sowie mögliche Gegenmaßnamen vorgestellt. Am Ende werden die wichtigsten Erkenntnisse in einer Schlussfolgerung festgehalten.

2. Begriffsdefinition ‚Supply Chain Management‘

Im Verlauf der Geschichte haben sich unzählige Autoren mit dem Begriff des Supply Chain Management auseinandergesetzt. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass es kei- ne einheitliche Definition des Begriffes gibt. Die meisten logistischen Modelle entstanden in der betriebswirtschaftlichen Theorie und fanden erst danach Anwendung im praktischen Gebrauch. Die Supply Chain hingegen, wurde direkt aus der unternehmerischen Praxis entwickelt. Dadurch lassen sich auch die unterschiedlichen Auffassungen der verschiede- nen Autoren begründen. Als Unterschied zu einer klassischen Logistikkette werden in der Supply Chain neben den direkten Lieferanten und direkten Kunden auch die Lieferanten der Lieferanten und alle Handels- bzw. Kundenstufen betrachtet. Ein optimierter Kommu- nikationsfluss zwischen Kunden und Lieferanten ist eine der grundlegenden Vorausset- zungen um Supply Chain Management in der Praxis einzuführen. (Vgl. Schulte 2013, S. 16-18)

Weber definiert den Begriff als „die flussorientierte Gestaltung und Koordination der rele- vanten Teile der Wertschöpfungskette von mindestens zwei rechtlich selbstständigen Un- ternehmen.“ (Weber u.a. 2003, S. 9) In der heutigen Zeit hat sich herausgestellt, dass um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, die Prozessoptimierung innerhalb des eigenen Un- ternehmens nicht mehr ausreichend ist. Die hohe Bedeutung einer unternehmensüber- greifenden Wertschöpfungskette, erfordert eine verstärkte Zusammenarbeit vom Lieferan- ten bis zum Kunden. Diese interorganisationale Perspektive und die Orientierung an un- ternehmensübergreifenden Prozessen bilden laut Weber den Kern des Supply Chain Ma- nagements. (Vgl. Weber u.a. 2003, S. 7-10)

Ziel des Supply Chain Management ist es alle Beteiligten auf einen möglichst hohen Gesamtnutzen auszurichten. Durch die Vermeidung von Reibungsverlusten können wesentliche Kostensenkungen, speziell für die Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung der Informationen, erzielt werden. (Vgl. Lödding 2008, S. 108)

3. Der Bullwhip-Effekt

Laut Schulte ist als Bullwhip-Effekt das Aufschaukeln von Bestellschwankungen innerhalb einer mehrstufigen Supply Chain in Richtung der Zulieferer zu verstehen. Er entsteht durch unnötige Bestell- und Nachfrageschwankungen innerhalb der Supply-Chain, welche sich nicht mehr auf den ursprünglichen Bedarfs des Endkunden zurückführen lassen. Die- ser Effekt sich mit jedem zusätzlichen Glied in der Kette in Richtung des letzten Gliedes. Gelingt die Koordination der Waren- und Informationsflüsse in einer Supply-Chain nicht, droht eine Verzerrung von Nachfrageinformationen durch den Bullwhip-Effekt. Im Folgen- den wird erläutert, was der Bullwhip-Effekt ist, die Ursachen dazu erörtert, sowie Gegen- maßnahmen wie der Bullwhip-Effekt reduziert werden kann, vorgestellt. (Vgl. Schulte 2013, S. 19)

3.1 Analyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 2: Bullwhip-Effekt im Bierspiel

Der Bullwhip-Effekt ist einer von mehreren Störfaktoren in einer Supply-Chain. Erhöhte Kosten, durch die Verminderung der logistischen Leistung eines Netzwerks, lassen die Wettbewerbsfähigkeit drastisch sinken. Schwankende Nachfragen werden durch den Bullwhip-Effekt verstärkt und erschweren die exakte Bedarfsplanung eines Unterneh- mens. Aus den erforderlichen Sicherheitsbeständen resultieren erhöhte Lagerkosten bzw. Fehlmengenkosten, wenn zu geringe Bestände kalkuliert werden. (Vgl. Wilke 2012, S. 38)

Wie in Darstellung 2 deutlich zu erkennen ist sind die Schwankungen beträchtlich und nehmen entlang der Lieferkette zwischen Einzelhändler und Brauerei stark zu. Während der Einzelhändler niedrige bis konstante Nachfragesprünge dokumentiert, weisen die weiter hinten gelegenen Lieferstufen teils chaotische Nachfragemuster vor. Es ist einfach zu erkennen je weiter eine Lieferstufe vom Absatzmarkt entfernt ist, desto stärker schwanken ihre Bedarfs-, Bestell- und Produktionsmengen sowie Lagerbestände.

Um die Lieferzuverlässigkeit in der Supply-Chain zu gewährleisten, müssen erhöhte Pro- duktionskapazitäten in Kauf genommen werden. Aufgrund erhörter Sicherheitsbestände, um etwaige Nachfrageschwankungen auszugleichen, müssen zusätzliche Lagerflächen bereitgestellt werden. Zudem müssen zusätzliche Transportkapazitäten zur Verfügung stehen um die Lieferzuverlässigkeit bzw. einen gleichbleibenden Servicegrad garantieren zu können. Durch die mangelhafte Lieferfähigkeit der Lieferanten erhöhen sich zudem die Wiederbeschaffungszeiten. Diese Auswirkungen des Bullwhip-Effekts summieren sich in den Herstellkosten des Unternehmens.

Vereinfacht anhand des Bierspiels dargestellt, kann folgendes Szenario behauptet wer- den. Der Großhändler plant aufgrund veränderter Nachfrage vom Einzelhändler, die Ab- nahmemenge von Bier um 20% zu reduzieren. Da auch der vorhandene Lagerbestand auf die Veränderungen angepasst werden muss, werden die Bestellungen beim Importeur vorerst um 30% herabgesetzt. Somit sieht sich der Distributor mit einer Reduktion von 30% konfrontiert, obwohl der tatsächliche Bedarf nur um 20% gesunken ist. Da nun auch der Importeur auf diese Veränderung reagieren muss, und auch dessen Bestand verrin- gert werden muss, werden die Bestellungen bei der Brauerei um 40% reduziert. Die zeit- verzögerten Reaktionen der einzelnen Stufen verstärken diese Kummulationseffekte zu- sätzlich. Schlussendlich hat sich somit eine 20% Reduktion am Markt zu einer 40% Be- darfsreduktion in der letzten Stufe der Kette kumuliert.

3.2 Ursachen

Die Gründe für den Bullwhip-Effekt sollen nun im Folgenden aufgezeigt werden. Jeder der aufgezählten Faktoren erzeugt, in Kombination mit rationalen Entscheidungen der ver- antwortlichen Einkäufern und der Infrastruktur der Supply-Chain, den Bullwhip-Effekt.

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Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656555889
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265876
Institution / Hochschule
Fachhochschule Vorarlberg GmbH
Note
2,0
Schlagworte
bullwhip beergame bierspiel planspiel supply chain logistik

Autor

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