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Uniforme und differente topologische Modelle im Vergleich

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Ziele und Nutzen der topologischen Analyse

3. Kritisch vergleichende Beschreibung des uniformen Modells nach Wöllstein (2010)
3.1 Herangehensweise und Entscheidung für das Uniformitätsmodell
3.2 Felder- und Klammerpositionen
3.3 Zur Füllung der Felder- und Klammerpositionen
3.4 Übertragbarkeit in andere syntaktische Bereiche

4. Kritisch vergleichende Beschreibung des differenten Modells nach Pafel (2011)
4.1 Herangehensweise
4.2 Felder

5. Zusammenfassender Vergleich und Diskussion der Modelle
5.1 Verständnis von Feldern und Positionen
5.2 Generalisierungen und Restriktionen
5.3 Übertragbarkeit in andere Bereiche der Syntax

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Vor- und Nachteile uniforme beziehungsweise differente topologische Modelle für die deskriptive Sprachwissenschaft des Deutschen mit sich bringen.

Der Untersuchung liegt die Ausgangshypothese zugrunde, dass es das Ziel der topologischen Analyse ist, eine einheitliche Einteilung für alle grammatischen deutschen Sätze zu finden, von der ausgehend generalisierende Aussagen über den Aufbau grammatischer Sätze und die Besetzung der jeweiligen Felder getroffen werden können.

In dieser Arbeit sollen nun uniforme und differente Modelle auf diese beiden Aspekte, die einheitliche Einteilung und die Möglichkeit zu generalisierenden Aussagen, überprüft werden und davon ausgehend soll eine Beurteilung vorgenommen werden, welches Modell einen größeren Nutzen für die topologische Analyse und damit allgemein für die deskriptive Sprachwissenschaft des Deutschen mit sich bringt.

Dabei werden aus der Vielzahl von Vorschlägen zu uniformen und differenten topologischen Modellen zwei genauer untersucht, die die Vorstellungen der Uniformitäts- bzw. Differenzhypothese idealtypisch verwirklichen: Für das Differenzmodell wird die „Einführung in die Syntax“ von Jürgen Pafel (2011) zurate gezogen, für das Uniformitätsmodell wird Angelika Wöllsteins „Topologisches Satzmodell“ (2010) verwendet, das sich nicht nur auf Vorstellungen zum uniformen Modell beschränkt: Wöllstein nimmt an vielen Stellen auch Vergleiche und Beurteilungen zwischen den Modellen vor (vgl. Wöllstein 2010: 23, 25, 27 u.a.).

Um eine eigene Beurteilung vornehmen zu können, möchte ich zunächst das Ziel und den Nutzen der topologischen Analyse allgemein untersuchen, danach die beiden Modelle genauer vergleichend untersuchen und im Anschluss zusammenfassend überprüfen, inwiefern die Forderungen von dem jeweiligen Modell erfüllt werden und unter welchen Aspekten die Modelle noch Schwachpunkte aufzeigen.

Im Fazit soll unter Berücksichtigung dieser Schwachpunkte, der Vor- und Nachteile, eine Beurteilung vorgenommen werden, welches Modell eher zur topologischen Analyse taugt und welche Mängel gegebenenfalls noch ausgeglichen werden müssen.

2. Ziele und Nutzen der topologischen Analyse

Das Deutsche verlangt eine bestimmte Satzstellung, um Grammatikalität zu gewährleisten: nur wenn eine bestimmte lineare Abfolge eingehalten wird, ist ein Satz grammatisch und damit verständlich (vgl. Meibauer et al., 2007: 121). Eine Möglichkeit, diese Regeln zu begreifen und zu untersuchen, besteht in der topologischen Analyse. Sie deckt Zusammenhänge zwischen der Stellung der Konstituenten, also Wörtern oder zusammengehörigen Phrasen, und der Grammatikalität des Satzes auf und ermöglicht somit generalisierende Aussagen über den Satzbau des Deutschen. Zudem verfolgt sie das Ziel, Gemeinsamkeiten des deutschen Satzbaus aufzudecken und somit nach Möglichkeit ein gültiges Schema bzw. gültige Schemata aufzustellen, in die sich möglichst viele Sätze einordnen lassen.

Zu diesem Zweck gilt es zu beachten, dass es im Deutschen drei Satztypen gibt, die sich grundsätzlich voneinander unterscheiden - das finite Verb steht bei den drei Satztypen an unterschiedlicher Stelle: Jeder deutsche Satz lässt sich entweder als Verberstsatz (V1), Verbzweitsatz (V2) oder Verbletzt- bzw. Verbendsatz (VE) identifizieren (vgl. Drosdowski et al. 2009: 875ff.). Dies ist von Bedeutung, weil das finite Verb in deutschen Sätzen eine besonders zentrale Rolle spielt: Es regiert den Rest des Satzes, zum Beispiel verlangen Verben Mitspieler, die sich in der Argumentstruktur (vgl. Pittner/Berman 2004: 43-67) beschreiben lassen. Durch die Verbstellung lassen sich bestimmte Aussagen über die Stellung der Wörter und Phrasen bezüglich der Stellung des finiten Verbs treffen. Beispielsweise hat sich gezeigt, dass in Verbzweitsätzen grundsätzlich genau eine Konstituente vor dem finiten Verb steht, ansonsten ist der Satz entweder nicht grammatisch oder kein V2-Satz. Somit lassen sich ausgehend von der Stellung des finiten Verbs Generalisierungen über andere Konstituenten, Wörter und Phrasen des Satzes treffen und umgekehrt kann man durch andere Konstituenten im Satz auf den topologischen Satztyp schließen.

Den Verbstellungstyp eines Satzes herauszufinden, ist eine Aufgabe der topologischen Analyse. Zwar kann das geschulte Auge meist relativ schnell erkennen, welcher topologische Satztyp in einem Beispielsatz vorliegt, doch sollte man durch die topologische Analyse auf den Verbstellungstyp schließen können und ihn nicht etwa umgekehrt bereits vor Beginn der topologischen Analyse als bekannt voraussetzen. Dies ist, wie sich zeigen wird, ein Konfliktpunkt der uniformen und differenten Modelle.

Ein weiterer Konfliktpunkt ist die Frage, inwiefern die Topologie mit der Phrasen- und Satzstruktur verwoben ist und somit, ob man beispielsweise kopfwertige Konstituenten von nicht-kopfwertigen Konstituenten abgrenzen muss oder sie ins selbe Feld stellen darf (vgl. Wöllstein 2010: 32ff.).

Diese und weitere Konfliktpunkte und divergierende Forderungen gilt es im Folgenden zu untersuchen sowie die Grundgedanken der unterschiedlichen Modelle zu verstehen, nachzuvollziehen und zu überprüfen, ob die jeweils getroffenen Forderungen eingehalten werden.

3. Kritisch vergleichende Beschreibung des uniformen Modells nach Wöllstein (2010)

Uniforme topologische Modelle gehen davon aus, dass es ein übergeordnetes, fünfgliedriges Schema mit den gleichen Feldern gibt, in das sich alle deutschen Sätze einordnen lassen. Dabei heißen die Felder- und Klammerpositionen nach Wöllstein (2010) Vorfeld, Linke Satzklammer, Mittelfeld, Rechte Satzklammer und Nachfeld.

3.1 Herangehensweise und Entscheidung für das Uniformitätsmodell

Bevor dieses Modell nun genauer untersucht wird, ist es von Bedeutung, sich Wöllsteins Herangehensweise an unterschiedliche topologische Modelle vor Augen zu führen: Nach einer kurzen Darstellung des Drachschen Dreifeldermodells (vgl. Wöllstein 2010: 20f), das sie als elementare Grundlage mit einigen Defiziten behandelt, stellt sie das differente Satzmodell nach Höhle 1986 vor (vgl. Wöllstein 2010: 22), legt aber auch ihre Gründe dar, warum sie den Fokus auf das uniforme Modell legt. Der Gedanke dabei ist nicht:

„über die Adäquatheit des einen oder anderen Modells eine Vorentscheidung [zu] treffen. Vielmehr ist für eine fortgeschrittene syntaktische Analyse des Deutschen die zusätzliche Beschäftigung mit dem Differenzmodell unumgänglich. Warum wir zunächst das uniforme topologische Satzmodell ausbreiten, hat folgende Gründe: 1. Es ist in den meisten Einführungen zu finden. 2. Das uniforme topologischen [sic!] Satzmodell eignet sich gut für die Übertragung in andere syntaktische Strukturmodelle“ (Wöllstein 2010: 21).

Hier wird ein Aspekt, der in der Diskussion der Modelle von Bedeutung sein wird, deutlich: Wöllstein legt sehr viel Wert auf die Übertragbarkeit des Modells in andere syntaktische Bereiche. Allerdings bleibt trotz dieser Fokussierung auf das uniforme Modell zu beachten, dass Wöllstein bei Beschreibungen der beiden Modelle häufig Beurteilungen vornimmt, die mal dem uniformen, mal dem differenten Modell den Vorzug geben (vgl. Wöllstein 2010: 23, 25, 27 u.a.).

3.2 Felder- und Klammerpositionen

Im Folgenden sollen die topologischen Felder- und Klammerpositionen nach dem uniformen Modell betrachtet werden, wobei es zu beachten gilt, dass Wöllstein eine Struktur im einheitlichen Muster sieht: Sie spricht von einer Verbklammer, die für das Deutsche typisch sei. Somit seien die Linke Satzklammer und die Rechte Satzklammer als Klammerpositionen zu verstehen, Vorfeld, Mittelfeld und Nachfeld hingegen als Felder. Dass diese Bezeichnungen explizit unterschieden werden, erklärt sich durch die besondere Bedeutung der Prädikatsteile, welche in jedem Fall in der Klammerposition, also der Linken oder Rechten Satzklammer, stehen. Der Ausdruck Satzklammer bzw. Klammerposition ergibt sich aus deren Eigenschaft, vor und nach dem Mittelfeld zu stehen (vgl. Pittner/ Berman 2004: 79). Allerdings schränkt Wöllstein diese Theorie wiederum insoweit ein, als sie V1- und V2-Sätze gut analysiert, während VE-Sätze, bei denen in LSK eine Subjunktion steht oder LSK obligatorisch leer ist, von dieser Theorie nicht zufriedenstellend erfasst werden (vgl. Wöllstein 2010: 23f).

Dieser selbst getroffenen Kritik zum Trotz erkennt Wöllstein in der gemeinsamen Positionierung von finiten Verben und Subjunktionen einen Vorteil des uniformen Modells, der auf der Vorstellung von LSK als einer Positionskategorie basiert:

„Das uniforme Modell hingegen nimmt Bezug auf die Gemeinsamkeit von finitem Verb und nebensatzeinleitender Konjunktion, die darin besteht, dass sie in der Positionskategorie LSK alternieren und erfasst somit eine sehr wichtige Regularität des Deutschen - nämlich die komplementäre Verteilung von finitem Verb und nebensatzeinleitender Konjunktion“ (Wöllstein 2010: 26f).

In Hinblick auf dieses Argument gilt es einzuwenden, dass die Positionskategorie LSK eigens geschaffen wurde, um ein einheitliches Schema zu konstruieren, und dass sie deswegen keinesfalls als inhärente Eigenschaft der dort befindlichen Konstituenten angesehen werden darf. Die in der Positionskategorie LSK stehenden Elemente weisen keine anderen Gemeinsamkeiten, etwa Wortarten, Satzglieder oder Anzahl der Konstituenten, auf, weswegen dieses Argument mit Vorsicht zu genießen ist.

3.3 Zur Füllung der Felder- und Klammerpositionen

Nun ist in Wöllsteins Modell zwar das Schema bei jedem Satz und jedem Satztyp das gleiche, die Füllung der Felder ist hingegen vom Satztyp abhängig (vgl. Wöllstein 2010: 32-53). Mittelfeld und Nachfeld können in allen Satztypen leer oder besetzt sein. In Verberst- und Verbzweitsätzen kann die Rechte Satzklammer leer sein, während sie in Verbletztsätzen obligatorisch mit der finiten oder infiniten Verbform des Satzes besetzt sein muss. Diese Generalisierungen gleichen denen des Differenzmodells, wie sich später zeigen wird, während sich die wesentlichen Unterschiede in Bezug auf Vorfeld und Linke Satzklammer bzw. ihren namentlich abweichenden Pendants im Differenzmodell zeigen.

Eine Vorstellung, die dem Uniformitätsmodell eigen ist, ist, dass in bestimmten Satztypen Felder angenommen werden, die nicht nur unbesetzt, sondern obligatorisch leer sind, etwa das Vorfeld bei Verberstsätzen. Dies begründet sich in der Annahme, dass jeder Satz unabhängig vom Verbstellungstyp ein Vorfeld hat. Dies ist bei Verberstsätzen obligatorisch leer und bei Verbzweitsätzen mit genau einer Konstituente gefüllt. Verbletztsätze, die mit einer Subjunktion eingeleitet werden, haben ein leeres Vorfeld und die Subjunktion steht in der Linken Satzklammer (vgl. Wöllstein 2010: 32, 39ff.).

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Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656555896
ISBN (Buch)
9783656556008
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v265888
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Deutsches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Topologie topologische Felder Uniforme und differente Modelle Pafel Wöllstein Linksversetzung

Autor

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